Erster Generalstabsoffizier

Erster Generalstabsoffizier

Der Erste Generalstabsoffizier oder Ia war in höheren Stäben des preußisch-deutschen Heeres und der Wehrmacht ein Führungsgehilfe des Kommandeurs. Er bearbeitete alles, was mit den einzelnen Teilen das Verbandes in führungsmäßiger und taktischer Hinsicht zusammenhing, unter anderen Truppenführung, Ausbildung, Organisation, Transport, Unterbringung, Luftschutz, Auswertung von Erfahrungen usw. Dem Ia unterstand zu diesem Zweck die Operationsabteilung. Der Ia beriet den Kommandeur und bereitete Befehle vor, ohne selbst die Verantwortung dafür zu übernehmen. In Abwesenheit des Kommandeurs fungierte er in Stäben unterhalb der Korpsebene, in denen es keinen Chef des Stabes gab, als Stellvertreter des Kommandeurs. Voraussetzung für die Verwendung als Generalstabsoffizier war der erfolgreiche Abschluss der Kriegsakademie.

In Divisionen der Wehrmacht wurde die Position des Ia von einem Oberstleutnant im Generalstab ausgefüllt, später auch von einem Major i.G., der als dienstältester Truppenoffizier als unmittelbarer Vorgesetzter der Offiziere in den Generalstabsstellen fungierte. In seiner Position als Führungsgehilfe kam dem Ia ein Einspruchsrecht gegenüber dem Kommandeur zu, bei abweichender Einschätzung der Lage o.ä. wurde seine Auffassung in den Akten notiert, soweit keine Einigung erzielt werden konnte. Zudem war der Ia nicht an den normalen Dienstweg gebunden, sondern konnte über den Generalstabsdienstweg direkt an höhere Stellen berichten bzw. Meldung machen.

Als Gehilfe des Ia fungierte der Erste Ordonnanzoffizier (O1). Der Leiter der Kartenstelle war dem Ia unterstellt.

In der Bundeswehr entspricht der G3 dem Ersten Generalstabsoffizier.

→ siehe auch: Zweiter Generalstabsoffizier, Dritter Generalstabsoffizier

Literatur

  • Veit Scherzer: Formationsgeschichte des Heeres und des Ersatzheeres 1939-1945. (Deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg, Teilband 1B) Ranis, Scherzers Militaer-Verlag 2007, ISBN 978-3-938845-07-3, S. 714-5.
  • Herbert Schottelius, Gustav-Adolf Caspar: Die Organisation des Heeres 1933-1939. In: Hans Meier-Welcker: Deutsche Militärgeschichte in sechs Bänden 1648-1939. Band VII, S. 333 und 367.
  • Buchner, Alex: Das Handbuch der Infanterie 1939-1945, Dörfler Zeitgeschichte, ISBN 3-89555-041-8

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