Abgebrochene Kirchengebäude in Eisenach
Ehemaliges Dominikanerkloster
Die Kreuzkirche, sie besteht aus Abbruchmaterial des Dom
Am Standort des Elisabethhospitals
Der Brunnen vom Hospital St. Elisabeth

In der Geschichte der Stadt Eisenach gab es zahlreiche, heute abgebrochene Kirchengebäude. Dazu zählen Klöster, Kirchen, Kapellen, Spitäler wie auch Synagogen.

Inhaltsverzeichnis

Klöster

Nikolaikloster

St. Nikolai

(Lage50.97630555555610.326222222222) Das Nikolaikloster in Eisenach befand sich im Osten der heutigen Altstadt, im Bereich zwischen dem Nikolaitor, der nördlich anschließenden Stadtmauer, der heutigen Schillerstraße bis zur Kreuzung Sommerstraße und dem östlichen Karlsplatz mit der Nikolaikirche. Heute ist dieses Gelände durch das Diakonissen-Mutterhaus und Teile des Klinikums St. Georg überbaut.

Geschichte

Mit dem Aufbau des Nikolaiklosters betraute Anfang des 12. Jahrhunderts Landgraf Ludwig III. seine Tante Adelheid von Thüringen, sie war die Tochter Landgraf Ludwigs I., welche im Kloster Drübeck bei Wernigerode als Benediktiner-Nonne lebte und so zur ersten Äbtissin des Eisenacher Klosters werden konnte.

Die Nikolaikirche war ursprünglich nur eine schlichte romanische Kaufmannskirche. Mit der Klostergründung verbunden war ein repräsentativer Umbau dieser Kirche, bei dem, aus architektonischen Details nachweisbar, auch Fachleute der landgräflichen Bauhütte beteiligt waren. In der Folgezeit bildete das Nikolaikloster eine bevorzugte Stätte als Wittwensitz, es diente neben der seelsorgerischen und kulturellen Bedeutung für die Stadt auch der Ausbildung und Versorgung der (weiblichen) adeligen Oberschicht. Zu den Klostergebäuden rechnete man neben der Nikolaikirche und dem Glockenturm auch die Propstei, das lange Haus – Wohnbereich der Nonnen, das Beinhaus, verschiedene Lager- und Wirtschaftsgebäude, davon zwei Schüttböden (Kornlagerplätze).

Außerhalb der Stadt befanden sich in zahlreichen Umlandgemeinden Wirtschaftshöfe, die das Kloster mit ihren Erträgen versorgt haben. 1529 wurden alle Kirchen, Klöster und Kapellen, in welchen kein protestantischer Gottesdienst gehalten wurde, geschlossen, die Gebäude wurden an Privatpersonen verkauft oder dienten anderen Zwecken. 1557 zählte das Kloster noch sieben Nonnen. Bei einer Überprüfung und Beschreibung der Baulichkeiten (zur Wertermittlung)wurde eine Skizze angefertigt, die als älteste erhaltene Abbildung des Klosters gilt. Beim Großbrand von 1636 wurde auch das Nikolaikloster stark in Mitleidenschaft gezogen. Im 18. Jahrhundert diente das Langhaus als Fabrikationsgebäude einer Wollkämmerei-Manufaktur, Vorläufer der Eichelschen Textilfabriken, der größte Teil der Nebengebäude wurde in dieser Zeit beseitigt.

Im 19. Jahrhundert erhielt die Diakonissen-Bewegung in Eisenach das Grundstück übereignet um hier das Eisenacher Diakonissen-Mutterhaus zu erbauen.

Katharinenkloster

St. Katharinenkloster

(Lage50.97710.304852777778) Das einstige Katharinenkloster befand sich am westlichen Ende der Katharinenstraße, Anfangs der Frankfurter- und der Kasseler Straße. Die verkehrsgünstige Lage am Schnittpunkt der westlichen Ausfallstraßen mögen für die Platzwahl ausschlaggebend gewesen sein. Auch war von diesem Punkt aus ein sehr kurzer und bequemer Zugang zur Wartburg über den Zeisiggrund möglich.

Geschichte

Die Ansiedlung am Ehrensteig (Stiegk) stand über Jahrhunderte in einem besonderen Verhältnis zur Wartburg, sie war eine Art Wirtschafts- und Versorgungshof der Burg.

1214 wird als das Jahr der (abschließenden) Kirchweihe überliefert, bei der der Landgrafenhof zugegen war. Bereits 1208 hatte Papst Innozenz III. dem Abt des Klosters Pforta bei Naumburg (Saale) die geistliche Aufsicht über Äbtissin und Nonnen des noch im Aufbau befindlichen Eisenacher Katharinenklosters übertragen.

Auf Betreiben des Landgrafen ging das Kloster an den Zisterzienserorden über. Chronisten beschreiben das Kloster als eine ansehnliche Anlage mit einer stattlichen, noch im spätromanischen Stil erbauten und St. Katharina geweihten Kirche und einer Kapelle St. Johannis. Das Kloster gab vornehmlich adligen und vornehmen Damen aus dem Thüringer Lande Domizil; unter ihnen sind Angehörige der Geschlechter von Weingarten, von Farnrode, von Seebach, von Hopfgarten und von Goldacker bezeugt. Als erste Äbtissin ist die junge Brabanter Herzoginwitwe Imagina überliefert, eine Nichte des Landgrafen, die die Bauarbeiten am Kloster nach Kräften förderte. Namhafte fürstliche Persönlichkeiten wählten sich das Katharinenkloster als Begräbnisstätte, unter ihnen Landgraf Hermann I. und seine Gattin Sophia, die Landgrafen Heinrich Raspe und Friedrich der Freidige.

Das Kloster war reich begütert und besaß zahlreiche Liegenschaften in Thüringen. Bei Carl Wilhelm Schumacher (1777) heißt es: „Es (das Kloster) lag vor dem Georgenthore am sogenannten Ehrensteige, wo sich die Landstraße nach Hessen wendet, und nahm den ganzen Platz... ein.“ Aus einer späteren Verwendung als Kornboden resultierte der noch lange Zeit bekannte Name des alten Kornhauses.

Reformation und Bauernkrieg brachten auch diesem Kloster das Aus. Schon um 1552 wurden die fürstlichen Särge zunächst nach Schloss Grimmenstein bei Gotha und 1615 nach Reinhardsbrunn überführt. Die Klostergebäude wurden umgenutzt: unter Herzog Johann Ernst, dem 1596 der Eisenacher Landesteil zufiel, als Zeughaus, unter Johann Georg I. als Kornspeicher, unter seinem Nachfolger als „Comödienhaus“.

Franziskanerkloster St. Paul

Glockenturm Paulanerkloster

(Lage50.97361666666710.318652777778) Das erste Eisenacher Franziskanerkloster befand sich auf einem Gelände, welches heute die (obere) Marktschule am Pfarrberg und südlich der Esplanade bis an den Rand der südlichen Stadtmauer mit dem Glockenturm und einen östlich der Schule befindlichen Hotelkomplex umfasst.

Geschichte

Um das Jahr 1224 stiftete die Landgräfin Elisabeth das erste Franziskanerkloster in Eisenach als Haus der »minderen Brüder«. Wohl auf ihre Veranlassung erhielten die Franziskaner ein noch unbebautes Hanggrundstück südlich, unmittelbar oberhalb des landgräflichen Steinhofes geschenkt. Ursprünglich soll es nur ein kleines, aus Holz errichtetes Gebäude gewesen sein, was die Mönche neben der bereits aus Stein erbauten Franziskanerkirche errichteten. Holzbauten waren im damaligen Eisenach noch die Regel. Schon 1225 kamen die ersten Franziskaner aus Erfurt ins Eisenacher Kloster, dabei sollen dem Eisenacher Franziskanerkloster auch einige Reliquien übergeben worden sein. Spätromanische Tonnengewölbe der damaligen Klosterwirtschaftsgebäude und einige aufgefundene Grabsteine sind heute die wenigen sichtbaren Zeugen des spätmittelalterlichen Klosters. Das Eisenacher Kloster wurde dem Heiligen Paulus geweiht, es trägt somit auch den Beinamen „Paulanerkloster“.

Der Friedhof im hinteren Teil des Klostergeländes wurde gemeinsam mit der benachbarten Pfarrkirche St. Georg genutzt. Die Franziskaner-Mönche blieben nur bis zum Jahre 1525 in Eisenach aktiv. Im Verlauf des „Pfaffensturms“ kam es im Stadtgebiet zu zahlreichen Ausschreitungen und zur Plünderungen von Klöstern und Kirchen. Die Georgenkirche wurde so schwer beschädigt, dass man den jetzt evangelischen Gottesdienst notgedrungen in der Klosterkirche der Franziskaner abhalten musste. Die angrenzenden Klostergebäude und der umfangreiche Besitz waren bereits säkularisiert. Mit der Angliederung des Klostergeländes an die benachbarte herzogliche Residenz waren umfangreiche Abbrucharbeiten verbunden, zugleich entstand im stark hangigem Gelände ein fürstlicher Lustgarten mit der Bezeichnung „Charlottenburg“ - zum Teil noch auf altem Friedhofsgelände gelegen. Auf Veranlassung des Eisenacher Herzogs begann 1732 an gleicher Stelle der Bau einer dann unvollendeten Garnisonskirche. Noch heute erinnern die Straßennamen Mönchstraße, Klosterstraße und Barfüßerstraße an dieses Kloster.

Bauliches

Bei den Bauarbeiten für die Charlottenschule und bei anderen Gründungsarbeiten stießen die Arbeiter auf Baureste des Klosters. Die Franziskanerkirche am Pfarrberg konnte so teilweise rekonstruiert werden, es handelte sich um eine 57,6 Meter lange dreischiffige romanische Basilika mit einer Krypta.

Franziskanerkloster St. Elisabeth

Elisabethkloster

Ein heute als Elisabethplan bekannter, inoffizieller Wallfahrtsort erinnert an ein hier im Spätmittelalter befindliches Franziskanerkloster und ist als Gedenkstätte für die Heilige Elisabeth, Landgräfin von Thüringen gedacht.

(Lage50.96759722222210.308458333333) Am Fußweg von der sogenannten Eselstation zur Wartburg, kaum zweihundert Meter vor dem Burgtor, unmittelbar über der Zufahrtsstraße. Die Klosteranlage befand sich am Platz einer heute Elisabeth-Brunnen genannten, in den Fels des Burgberges eingetieften Schöpf-Brunnenanlage, welche die nächstgelegene Trinkwasserquelle war.

Geschichte

Um 1225 entstand unterhalb der Wartburg ein kleines Hospital, es wurde von der Hl. Elisabeth gestiftet und wohl zunächst auch geleitet. Hier wurden Kranke und Bedürftige gepflegt. Die genaue Anzahl, Lage und Größe der Gebäude sind unbekannt. Hölzerne Blockhäuser sowie eine kleine Kapelle sind anzunehmen. Der heute noch vorhandene Elisabethbrunnen entstand vermutlich bereits vor der Hospitalzeit. Bei Ausbruch der Kämpfe um den Besitz der Wartburg im thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg lag das dicht vor der Burg befindliche Hospital zwischen den Fronten (siehe Eisenacher Burg) und wurde wahrscheinlich zerstört oder zeitweise aufgegeben.

Etwa 100 Jahre nach Vertreibung und Tod der Hl. Elisabeth (1231) entstand an der Stelle ihres Hospitals eine kleine Klosteranlage der Franziskaner, welches der Legende nach vom Landgrafen Friedrich des Ernsthaften gestiftet wurde. Die Baulichkeiten dieses Klosters entstanden nach aufwändigen Planierarbeiten auf zwei Hangterrassen, sie bestanden aus der Klosterkirche, den Zellen der Mönche, Lager- und Wirtschaftsgebäuden - jetzt meist steinerne Gebäude, alles umgab eine schützende Mauer. 1441 wurde der Zugang verlegt, wobei eine Felspartie abgetragen werden musste. Aus der Mitte des 15. Jh. ist eine Klosterchronik erhalten geblieben, sie ermöglicht viele Anhaltspunkte zum Klosterleben.

Die Franziskanerbrüder verlassen 1525 das Kloster, es wird fortan als Steinbruch genutzt.

Bei Schachtungs- und Planierungsarbeiten auf Veranlassung des Wartburgarchitekten Hugo von Ritgen im Umfeld des Elisabethbrunnens stießen Arbeiter 1851 auf massive Grundmauern einstiger Gebäude, Nachforschungen unterblieben jedoch. Burgwart Hermann Nebe untersuchte 1924-25 das Gelände, als man bei Anlage eines kleinen Rosengartens erneut Mauerreste und Kleinfunde freilegte.

Das für die Landesgeschichte hoch interessante Gelände wurde bereits in der DDR als Bodendenkmal ausgewiesen und durch das Museum für Ur- und Frühgeschichte Weimar und des Wartburgmuseum untersucht. In den Jahren 1957 bis 1960, 1964 und 2006 erfolgten Grabungskampagnen mit dem Ziel die die bauliche Entwicklungsgeschichte des Klosters und noch erhaltene Gebäudestrukturen zu analysieren. Hierbei wurden mehrere Bauphasen und zahlreiche Details der Anlage bekannt.

Auf der oberen Terrasse wurde schon 1931 ein erstes Holzkreuz, inzwischen mehrfach erneuert, sowie 1991 eine Elisabeth-Plastik als Wallfahrtsort und Gedenkstätte errichtet. Im Elisabeth-Jahr 2007 fanden auf dem Platz mehrere Gedenkgottesdienste zur Erinnerung an die Heilige statt.

Bauliches

Die von Franziskanermönchen errichtete Anlage wurde Hanglage errichtet und bestand aus einer Klosterkirche mit ansetzenden Mönchszellen, einigen Lager- und Wirtschaftsräumen sowie einer „Brauerei“. Im Klostergelände befand sich auch der Elisabethbrunnen. Die ganze Anlage war terrassenförmig angelegt und durch eine Schutzmauer gesichert.

Soweit möglich, wurden bereits in den 1950er Jahren die aufgedeckten Grundmauern der Steingebäude durch Steinsetzungen sichtbar gemacht, um so die Lage und Ausrichtung der ursprünglichen Gebäude zu veranschaulichen.

Das zum größten Teil begehbare Gelände wurde durch eine Treppenanlage und durch eine zur Straße hin errichtete Schutzmauer gesichert. Im Nahbereich des Klosters befand sich auch ein Heiligenbildnis oder Bildstock - Reste davon werden heute als der "Welsbachstein" angesprochen.

Die in der Eisenacher Südstadt, im Mariental befindliche Armenruhe ist ein zum Ende des 19. Jahrhunderts angelegter Andachtsort, der an das Rosenwunder der heiligen Elisabeth erinnern soll.

Johanniskloster

Plan zum St. Johanniskloster

Das heute als Johannistal bekannte Seitental erinnert mit seinem Namen an ein dort ehemals vorhandenenes Eisenacher St.-Johannis-Kloster, welches dem Orden der Zisterzienser zugehörig war und dessen Standort heute nur noch als Bodendenkmal besichtigt werden kann.

(Lage50.95969444444410.320083333333) Die Klosteranlage befand sich scheinbar abgelegen von der Altstadt in einem seitlich des Sengelsbaches gelegen Kerbtal, heute Ludwigsklamm genannt, zwischen Paulinen- und Sophienhöhe. Dieses gegenwärtig wieder teilweise bewaldete, winzige Tal von kaum 200 m Länge und 20 bis 80 m Breite lag natürlich geschützt durch Steilhänge und Fels. Hier findet man noch neben einer künstlich terrassierten Fläche einem durch Quellbach gespeisten Teich. Heute erreicht man diesen, geschichtsträchtigen, aber weitgehend vergessenen Platz, bequem über den Wanderweg, welcher von der Kapellenstraße zum Ludwigsklamm abgeht.

Geschichte

Das Kloster geht auf die Initiative eines als „Bruder Gerhard“ – auch Atze genannten Mönches zurück. Dieser bat die zum damaligen Zeitpunkt in Eisenach oder auf der Wartburg anwesende Sophie von Brabant als vermeintliche Regentin, das von ihm erworbene Flurstück als Bauplatz für eine Mönchszelle nutzen zu dürfen. Hierzu wurde am 4. September 1252 eine auf der Wartburg ausgestellten Urkunde hinterlegt.

In seiner ersten, als Thüringer Landgraf gesiegelten Urkunde bestätigt Albrecht diesen Sachverhalt 1256, verschweigt aber in der Erläuterung aus politischen Gründen jeden Hinweis auf seine einstige Rivalin Sophie.

Da diese Zelle dem heiligen Johannis geweiht wurde, findet sich in der schriftlichen Überlieferung für diese Lokalität als topographische Angabe die lateinische Form „vallis Johannis babtiste“ (1256) und vallis St. Johannis (1294). In Ermangelung brauchbarer Bezugsorte nutzte man schließlich den Namen Johannistal für den größten Teil des vom Sengelsbach durchflossenen Talgrundes.

In einer weiteren, auf Landgraf Albrecht zurückgehenden Urkunde erhält die Klosterzelle einen nahebei gelegenen Hopfenberg zur Bewirtschaftung geschenkt. Zu dieser Zeit ist St. Johannisthal als Filiale des Georgenthaler Zisterzienserkloster anerkannt.

Das Klosterleben erlischt, als am 24. April 1525 der Eisenacher Pfaffensturm – eine antiklerikale Revolte – losbricht und sich auf zahlreiche kirchliche Besitztümer und Bauwerke entlädt. Die Mönche flohen oder wurden verjagt, der Besitz wurde geplündert, der Grund und Boden später an Interessenten verkauft.

Mit der planmäßigen Erweiterung der Villensiedlung in der Eisenacher Südstadt zum Anfang des 20. Jahrhundert erreichte die Stadtgrenze nun auch diesen abgelegenen Bereich, man griff bei der Namenswahl „Kapellenstraße“ und „Johannistal“ auf die historische Überlieferung zurück.

Bauliche Spuren

Die Klosteranlage wurde nach der Vertreibung der Mönche wohl noch für landwirtschaftliche Zwecke genutzt und möglicherweise im Dreißigjährigen Krieg bis auf die Grundmauern zerstört. Heute erkennt man einen von Bäumen umstandenen rechteckigen eingeebneten Platz, an dessen Ränder sich vereinzelt noch Mörtel- und Ziegelbruch und Mauerwerkspuren zeigen. Unmittelbar unterhalb der Freifläche befindet sich ein kleiner von Schichtwasserquellen gespeister ehemaliger Fischteich und daneben die sogenannte Schäfchenwiese, ein beliebter Rastplatz und Tränke am einstigen Triftweg. Auch die an der Waldschänke im Johannistal vorgefundenen, heute meist verlandeten Teiche und die im Hang erkennbaren Wölbäcker und Beete sollen auf die Mönche zurückgehen.[1]

Kartäuserkloster

Kartausgarten des ehemaligen Kartäuserklosters

(Lage50.96794444444410.324508333333) Das Eisenacher Kartäuserkloster befand sich auf dem Gelände des heutigen Kartausgartens, im Mittelalter lag dieser Platz an einer Straßengabelung, etwa 500 Meter vor dem Marientor am Ufer des Marienbaches.

Geschichte

Bereits 1378 hatte der Orden der Kartäuser in Eisenach ein Grundstück erworben, auf dem 1380 mit Unterstützung der Landgrafen Friedrich, Balthasar und Wilhelm das Kloster Elisabethenhaus (domus vallis sanctae Elisabeth) entstand, in das sechs Brüder aus der Niederlassung Erfurt einzogen. Die Kirche und die Mönchszellen waren zuerst nahe am Bach errichtet worden, aber bei Schneeschmelze und Hochwasser (1379) nahmen sie großen Schaden und mussten in den Bereich des heutigen Kartausgartens versetzt werden.

Die Mönche lebten in Einzelzellen neben der Kirche, absolutes Schweigen, strengste Klausur und härtestes Fasten waren ihnen auferlegt. Neben den regelmäßigen geistlichen Übungen widmeten sie sich manueller und wissenschaftlicher Arbeit. Von ihrem Fleiß beim Bücher-Kopieren legt die Erfurter Bibliothek Zeugnis ab. Aus dem Eisenacher Konvent ging der Gelehrte Johannes von Hagen (latinisiert: Johannes de Indagine) hervor, der von 1454 bis 1456 Prior in Eisenach, dann in Erfurt, Frankfurt an der Oder und Stettin war. Mehr als 500 Arbeiten stammen aus seiner Feder. Sein Nachfolger im Eisenacher Priorat, Heinrich Nemritz (1457−1474), spielte eine bedeutende Rolle im Orden, besonders 1477−1482 als Generalvisitator der niederdeutschen Ordensprovinz.

Die wirtschaftliche Lage der beiden thüringischen Kartausen war günstig, zum Eisenacher Kloster gehörte großer Grundbesitz an Wald, zahlreiche Äcker und Weinberge und Fischteiche, Abgabenleistungen wurden von mehr als 40 Dörfern eingezogen.

Die Gebäude wurden 1525 beim Eisenacher „Pfaffensturm“ beschädigt, aber 1537 weitestgehend instand gesetzt, man brauchte Schüttböden und Lagerräume auch eine neue Schäferei. Bereits 1525 verließen die letzten Kartäuser-Mönche Eisenach. Das Kloster wurde vom Herzog beschlagnahmt, zeitweise bestand hier ein Lustgarten, Vorläufer des heutigen Landschaftsparkes. Ganz anderen Zwecken diente die Straf- und Besserungsanstalt welche im 19. Jahrhundert an gleicher Stelle betrieben wurde. Die letzte große Umgestaltung erfuhr das Klostergelände mit dem Bau der Wandelhalle und der Einrichtung des weitläufigen Kur- und Landschaftsparkes Anfang unseres Jahrhunderts. Bis auf geringe Reste (Gartenhaus) wurden die ehemaligen Klostergebäude abgerissen.

Bei Schachtarbeiten am Rande des Gartenhauses wurden 1995 einige Gräber gefunden, sie waren in Ost-West -Richtung bestattet.

Kirchen

Peterskirche

Plan zur Kirche St.Peter

(Lage50.97865555555610.346030555556) Am Westhang des Petersberges befand sich nahe dem Zusammenfluss von Hörsel und Nesse bereits vor der Stadtgründung eine bedeutende Siedlung mit dem Namen "Ysenach", in welcher eine dem Heiligen Peter geweihte Kirche stand.

Geschichte

Nach den stadtgeschichtlichen Quellen bestand die am Petersberg befindliche Siedlung noch bis zum 15. Jahrhundert als Siedlung. An diese erinnern die Straßennamen Hellergasse und Altstadtstraße. Die Peterskirche war demnach die älteste Pfarrkirche Eisenachs. Das Peterspratozinium deutet bereits auf ein hohes Alter hin. Bei Bauarbeiten für eine Eisenacher Brauerei am Petersberg und beim Wohnungsbau in den Nachkriegsjahren wurden an mehreren Stellen Gräber und Grundmauern der Peterskirche entdeckt und untersucht.

Eisenacher Dom - St. Marien

Standort vom Dom St. Marien

(Lage50.97098055555610.321461111111) Auf dem Frauenberg, unmittelbar über dem Eisenacher Bachhaus.

Geschichte

Landgraf Albrecht förderte in seiner Stadt Eisenach eine Stätte der Marienverehrung. Es schwebte ihm das Erfurter Chorherrenstift mit seinem prächtigen Dom vor, deshalb führte er 1294 einen Grundstückstausch durch. Den Rittern vom Deutschen Orden, welche in Eisenach seit Mitte des 13. Jahrhunderts eine Niederlassung und Grundbesitz um die Marien- oder Frauenkirche besaßen, übertrug er das Patronat der Margarethenkirche in Gotha. Für die Frauenkirche setzte er sogleich den Dekan und das Kapitel zu Großburschla als Patron ein. Der Landgraf bedachte seine Stiftung mit reichen Schenkungen.

Der Dom muss einen prächtigen Anblick geboten haben. Er stand oben am Frauenplan, links, wenn man hinaufgeht. Breite Steintreppen führten hinauf zum vielleicht noch romanischen Chor, der von zwei Türmen mit Portalen flankiert war. Diese Türme wurden bereits 1306 aus wehrtechnischen Gründen wieder niedergelegt.

An die Kirche angebaut war noch eine Fronleichnamskapelle angefügt.

Der Frauenplan - eigentlich der Plan am Frauenberge, denn der Frauenberg ist die Höhe selbst, auf der der Dom stand - war von Häusern nach unten frei, dagegen stand weiter oben das Stiftsbrauhaus (nach der Reformation bis 1610 fürstliches Brauhaus) und ein Brunnen, den die Domherren als eine Entschädigung für die abgerissenen Türme von der Stadt bekommen hatten. Hier befanden sich auch Brotbänke, der Platz war ursprünglich ein Marktplatz.

Oben waren rechter Hand Wohnungen der Stiftsherren, weiter nach links die Schule, die Johannes Rothe eine Zeit lang leitete, links von der Kirche das Kirchnerhaus und der Friedhof.

Jetzt ist vom Dom an Ort und Stelle keine Spur mehr zu sehen, auch die Stufen, die Ende des 17. Jh. noch zu bemerken waren, sind jetzt verschwunden.

Bei Schachtarbeiten auf dem Frauenplan fanden sich 1883 einige Skelette, sie stammen vom einstigen Friedhof, der sich zeitweilig auf dem Frauenplan befunden hatte. Archäologische Grabungen im Bereich der oberen Rittergasse und Philosophenweg legten 1995-96 Reste einstiger Bebauung frei, der unmittelbare Standort des Domes wurde aber nicht erreicht.

Michaelskirche (von Oberstedtfeld)

(Lage50.98431666666710.303802777778) Auf der Michelskuppe, im westlichen Teil der Stadt Eisenach, hier befand sich entlang der Hörsel, um die Einmündung des Michelsbaches und rings um die Michelskuppe das Dorf Oberstedtfeld als eine eigenständige Gemeinde.

Geschichte

Wann die Siedlung Oberstedtfeld entstanden ist, weiß man nicht. Im Jahre 1016 war es mit der angrenzenden Wildbahn an Kloster Hersfeld gekommen, gehörte dann zum Lehensgebiet der Frankensteiner. Noch einmal, 1330, hört man vom Dorfe Oberstedtfeld im Verkaufsbrief an die Henneberger. Ende des 14. Jahrhunderts fällt das Dorf wüst. 1405 ist von einer Hufe Land die Rede, welche „gelegen vor Isenach in den feldin zue Obrinstetefelde und dorumme". Im Nahbereich der Stadt Eisenach gelegen, wird die ehemalige Bevölkerung, wie auch die der Nachbarortschaften Ammern, Wegses und Ziegenberg hinter die schützenden Mauern gezogen sein, ihre Äcker und Wiesen blieben natürlich in Bewirtschaftung. Hiervon künden weitere Notizen und Akten: Am 3. Dezember 1518 erhält Heinrich von Madelungen das Lehen über Oberstedtfeld durch Wilhelm, Graf zu Henneberg.

Als Pfarrkirche der Dörfer Amra und Oberstedtfeld gehörte die dem Heiligen Michael geweihte Kirche zu den ältesten im heutigen Stadtgebiet von Eisenach, sie mag auf Betreiben des Klosters Hersfeld entstanden sein. Am 25. April 1352 datiert der Tauschvertrag der Abtei Hersfeld über die Patronatsrechte der Kirchen zu Ober-und Niederstedtfeld an das Eisenacher Sankt Marienstift. Die Stedtfelder Magarethenkirche und die Michaelskirche werden 1356 auch formell in den "Besitz" der Eisenacher Marienkirche übertragen. Dieses Vertragswerk wird im April 1427 erneuert.

Baubefunde

Anfang der 20er Jahre stieß man bei Rodungsarbeiten für einen Kartoffelacker auf zahlreiche menschliche Knochen, Tonscherben und Dachziegelbruch. Im Herbst 1926 wurde eine Untersuchung durchgeführt: „Die hierbei zu Tage beförderten Steine ließen auch erkennen, welches Material zum Bau der Kirche verwandt worden war. Da waren zunächst Kalksteine, ... dann Rotliegendes und Grievensteine, die nur aus dem Georgental stammen können und weiter Sandsteine, wie man sie am Moseberg findet. Die Sandsteine fanden sich nur an der oberen Bodenfläche … Unter ihnen war auch ein profilierter Stein. Er stellte sich als das Kapitell einer romanischen Säule dar. ... Da wo die Mauer aufhörte, d.h. wo sich wieder gewachsener Boden zeigte, wurde in 1/2 Meter Tiefe ein vollständiges Gerippe gefunden mit der Lage von Osten nach Westen. Es kann nur an der Außenseite der Kirche gelegen haben. Die Länge der Mauer betrug 11 Meter, die Mauerstärke einen Meter. Mit der Aufdeckung dieses Mauerzuges waren aber auch die Ausgrabungen erschöpft. Es war nicht möglich klarzustellen, ob die Mauer die östliche oder westliche Querseite der alten Kirche gewesen ist. Weitere Grabungen verliefen ohne Ergebnis". Gegenwärtig ist der o.g. Bereich Teil einer privaten Gartenanlage.

Jakobskirche

Standort von St. Jakob

(Lage50.97664444444410.318113888889) Die Jakobskirche befand sich im nordwestlichen Teil der Altstadt im Zentrum des Jakobsplan, heute eine von Bäumen umstandene Grünfläche an der westlichen Sophienstraße.

Geschichte

Eine Jakobskapelle oder -kirche wurde um 1190 vom thüringischen Landgrafen Hermann I. im nordwestlichen Teil der heutigen Altstadt gestiftet.

Das Bauwerk hatte vier Altäre, geweiht waren diese den Heiligen: Jacobus, Magdalena, Andreas, den heiligen drei Königen und Sigismund, Johannes dem Täufer, Antonius und Katharina.

Eine Mauer und Lindenbäume umgaben die Kirche. Die Kirche sollte der Mittelpunkt eines Handwerkerbezirkes innerhalb der Stadt werden, gleichzeitig entstanden die ersten Gebäude entlang der heutigen Sophienstraße, der Jakobs und der ehemaligen Grünen Gasse, doch der Zuzug von Handwerkern und anderer Siedler stockte rasch, so dass noch um 1800 einige Teile der Altstadt nördlich der Sophienstraße unbebaut geblieben waren. Diese Flächen wurden einstweilen als Gärten und Wiesen genutzt. Die Unruhen von 1525 gingen auch an der Jakobskirche nicht vorüber, die gottesdienstliche Nutzung wurde danach eingestellt.

Nach der Reformation wurden die Einkünfte der Kirche wie die der Pfarrkirchen dem Stadtrat überlassen, das Gebäude selbst diente fortan als Lagerstatt für die vor dem Nadeltor gelegenen Mahlmühlen. Hier wurde unter strenger städtischer Kontrolle das eintreffende Getreide gewogen, und auf die Lagerhäuser und Schüttböden innerhalb des Stadt verteilt, das Gebäude wird darum in Stadtrechnungen auch als städtische Mehlwaage bezeichnet. Der für 1607 geplante Umbau zum fürstlichen Brauhaus erfolgte nicht. Bei der großen Feuersbrunst von 1636 brannte die Jakobskirche aus und wurde nicht wieder hergestellt, ihre Mauern wurden allmählich abgetragen.

Auf die Reste des Gemäuers baute man im Anfang des 18. Jh. die (neue) Stadtmehlwaage. Als auch diese 1796 niederbrannte, wurde der Platz ganz frei gemacht und mit Grünanlagen versehen.

Baubefunde

Anlässlich der Neubebauung der Südseite der Sophienstraße und der Jakobsgasse wurden 1987-89 auf dem gesamten Baugelände archäologische Untersuchungen durchgeführt. Hierbei konnten Reste der spätmittelalterlichen Bebauung der Wasser- und Abwasserversorgung und einer entwickelten handwerklicher Produktion, (u.a. Drechsler, Weber, Färber usw.) nachgewiesen werden. Bei den Ende Juli 1999 erfolgten Schachtarbeiten auf dem Jakobsplan wurde in einiger Tiefe ein Stück Pflaster festgestellt - ob von der Kirche kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden.

Kapellen und Spitäler

Kapelle St. Egidien

Standort der Armenruhe

(Lage50.96371111111110.312277777778) Die als Egidien-Kapelle bezeichnete Mönchszelle befand sich oberhalb der heute als Ilgengrund bezeichneten Straße im Süden der Stadt. Eine dort vorhandene und von Anwohnern als Bolzplatz genutzte Hangterasse wird als der Standort dieses Bauwerkes angesehen.

Geschichte

Der Eisenacher Heimatforscher Helmbold: „Der heilige Aegidius, einer der 14 Nothhelfer, hieß auch St. llgen; ihm war hier eine kleine Kapelle, Zelle oder Klause geweiht, und so ist der Name des Grundes noch ein Andenken an die Aegidienklause, aber auch das einzige. Auch sonst ist über sie nur wenig bekannt. Sie bestand schon, als Landgraf Albrecht Thüringen übernahm; er nahm sie 1291 mit ihrem Besitz und Rechten noch einmal ausdrücklich in seinen Schutz. Nur einige wenige Brüder werden die Kapelle bedient haben. Sie waren bis 1329 dem Zisterzienserinnenkloster St.Katharinen untergeordnet; in diesem Jahre traten die Nonnen ihr Recht an den Abt von Pforta ab. 1421 bestand die Kapelle noch (Rothe: cluess sente Egiden). Mit der Reformation wird sie verschwunden sein. Die Zelle eines Bruders Gerhard im Hellthal (heiletal) wird urkundlich 1218 genannt.

„Auch bei der Egidienkapelle unter der Eisenacher Burg, welche Landgraf Albert 1291 eine Cella nennt, befanden sich einige Cisterzienser, die der erwähnten Urkunde zufolge [Urk. im Geh. Arch. zu Weimar] hier regelmäßig Gottesdienst hielten und dem Katharinenkloster untergeordnet waren. Die Aebtissin mag dieses Verhältnis als unpassend erkannt haben und schenkte daher die Cella dem Abte von Pforta (1329) unter der Bedingung, bei eintretender Vakanz sofort zwei Bruder von Pforta hierher zu senden."

Um 1500 wird die Kapelle noch einmal im Zusammenhang mit der Begründung einer Wallfahrt genannt. Die heute in der St.Alban-Kirche von Diedorf gezeigte spätgotische Monumentalplastik - Das Heilige Grab - soll ursprünglich aus der Eisenacher Egidienkapelle stammen (!) und in den Wirren des Bildersturmes heimlich aus Eisenach abtransportiert worden sein.[2].

Kapelle St. Johannis

Standort von St. Johannis

(Lage50.97377777777810.323972222222) Der in der Eisenacher Altstadt befindliche Johannisplatz und die von diesem abgehende Johannisstraße erinnern beide an eine dort ehemals befindliche gotische Andachtskapelle, deren Standort am Platz des heutigen Kaufhauses Schwager überliefert ist.

Geschichte

Aus einer Franziskanerchronik geht hervor, dass 1322, ein in Eisenach eintreffender Mönch Friedrich begann, zu Ehren des hl. Johannis des Täufers innerhalb der Grenzen der Pfarrei St. Nikolai in Eisenach über dem Bächlein "Sceyzbach" (alter Name des Löbersbach) eine Kapelle zu bauen. Nach dem dies geschehen war, ließ er einige Geistliche vom Orden der Kreuzträger des hl. Johannes herbeikommen, die in einem benachbarten Haus damals die geistlichen Stunden abhielten, bis die Kapelle eröffnet war, über deren Ankunft sich die Geistlichkeit sehr wenig erfreute. Nachdem aber wenige Tage vergangen waren, wollten die vorgenannten Kreuzträger benachrichtigt und versieh sichert werden über Aufwand und Empfang von Nahrung und Kleidung, sie wussten sich reichlich zu verschaffen, weil ihre Absicht nicht zu erreichen gelang, verabschiedeten sie sich und gingen zurück; nachdem dies geschehen war, wies der einigermaßen aufgeregte Herr der Minderbrüder (Franziskaner) an, alle Steine für eine derartige Kirche heranzuführen, von denen man die bis zur Rolle gebaute steinerne Wand kennt.

„Es geschah 1331 Jahr nach Christi Geburt, da kam Markgraf Friedrich mit seiner Frau Mechthild aus Meißen zu Ostern nach Eisenach, und da hatte er eine Eingebung des Heiligen Geistes in dem Sinne, daß sie in die St.-Johannes-Kapelle, die in der Pfarrei von St. Nikolai gelegen war, an der Löbersgasse, vier Barfüßerbrüder (Franziskaner)setzen und mit Almosen belegen wollten, die sie von Zinsen und Renten ewig gebrauchen sollten für ihre Seelen und all ihrer Eltern, und diese sollten da täglich Messe und alle Tageszeiten abhalten. Da waren zwei Grafen in ihrem Rat, einer von Schwarzburg und der andere zu Käfernburg, die rieten ihm (aber), daß er eine Kapelle unter der Wartburg baute,…“

Aus der Thüringischen Weltchronik des Johannes Rothe

Aus den oben zitierten Quellen geht zunächst die ungefähre Lage der Kapelle hervor: sie befand sich im Bereich des Pfarrbezirks von St. Nikolai - d.h. im Bereich des östlichen Teils der ummauerten Altstadt von Eisenach sowie in unmittelbarer Nähe eines Baches - in wörtlicher Übersetzung "über" dem Sceyzbach -dem heutigen Löbersbach. Die latente Hochwassergefahr des Löbersbaches mag der Anlass für die Aufgabe der Kapelle gesen sein, möglich ist aber auch der ausgeübte Druck auf den Stadtherren durch die Kirchenoberen - im Bereich des heutigen Johannisplatzes berührten sich die Pfarrbezirksgrenzen der Pfarreien von St. Nikolai (Karlsplatz), St. Georgen (Markt) und St. Marien (Frauenberg), eine weitere Kapelle wurde als Konkurrenz empfunden.

Hospital und Kapelle St. Justus

Erster Standort von St. Justus
Der Neubau des Justusstift

(Lage50.97354166666710.317697222222) Das Gebäude des Hospitals St. Justus stand zwischen dem ehemaligen Diaconat und der Kirchnerwohnung am Pfarrberg, etwas oberhalb des heutigen Postamt.

Geschichte

Das Eisenacher Hospital St. Justus wurde auch „Heiligenhaus“ und „Weibersiechen“ genannt. Es gehörte zum benachbarten Franziskanerkloster und war zunächst nur eine mit vielen Heiligenbildern geschmückte Andachtskapelle. Zur Unterbringung alter und kranker Frauen innerhalb der Stadt wurde die Kapelle mit weiteren Anbauten zu einem Spital und Siechenhaus umgewidmet. Das Spital besaß einen Ziehbrunnen in der Gasse, vor dem Haus gelegen und einen großen Garten, welcher von den Pfründnerinnen genutzt wurde. Die Kosten für die Unterbringung im Siechenhaus wurden durch Spenden und Abgaben gedeckt. Das Hospital durfte den Friedhof des benachbarten Franziskanerklosters mitbenutzt. Nach der Reformation wurde das Franziskanerkloster aufgegeben, das Hospital aber bestand bis 1883. In diesem Jahre wurde es zusammen mit dem Hospital St. Spiritus in die sogenannte „Eichelsche Stiftung“ in das neugebaute Spital an der Fischerstadt (Hospitalstraße) verlegt. Das baufällige Haus kaufte die Stadt und riss es 1885 nieder.

Hospital und Kapelle St. Clemens (Altes Spital)

(Lage50.97610277777810.303963888889) Die ursprüngliche Hospitalanlage wird am westlichen Ende der Katharinenkirche auf einer Anhöhe beim Dorf Stieg vermutet. Das verlegte Hospital befand sich bis zum Bau der Langensalzaer Straße neben der Clemenskapelle, welche zu diesem Hospital zugehörig war.

Geschichte

Dem Chronisten Rothe zufolge soll Landgraf Hermann I. (1190-1217) gelegentlich der Gründung des Katharinenklosters im Jahr 1214 das nahe gelegene Alte Spital vor das Nikolaitor "an den Steinweg" verlegt haben. Da das Siechenhaus ursprünglich "in ziemlicher Entfernung von der Stadt" erbaut worden ist, schließt Storch hinsichtlich der Entstehung auf die Zeit der Kreuzzüge. Als Aussätzigenhaus ist es am "Steinweg" für das Jahr 1295 bezeugt. Für das Jahr 1713 bezeichnet Schumacher das Hospital St. Clemens als derart baufällig, dass eine größere "Reparatur" notwendig war. Anschließend erhielten Bürger beiderlei Geschlechts hier Domizil und Verpflegung. Bald nach 1815 wurden wiederum nur Personen männlichen Geschlechts aufgenommen. Die Zahl der "Pfründner" ist auf 10 Personen festgesetzt worden, mit einem Hausvater und einer Magd. 1885 werden alle Insassen von St. Clemens umgesiedelt - allerdings nur für kurze Zeit in das gerade frei gewordene St. Spiritus-Spital. Im Clemensspital wurde eine Männerabteilung von St. Annen eingerichtet, wie es eine Zeichnung aus dem Jahre 1889 überliefert. Der nach der mutwilligen Zerstörung im Gefolge der Kriegsereignisse von 1813 erforderlich gewordene Neubau von 1815, wiederum erneuert 1886, musste im Zuge der neuen Bahnlinien- und Straßenführung um 1904 beseitigt werden.

Von all diesen Geschehnissen blieb nicht unberührt die zum Clemensspital gehörende kleine Kapelle. Nicht immer wurde sie ihrer Bestimmung gemäß für den Gottesdienst genutzt, war sie im 18. und 19. Jahrhundert doch vorwiegend der Holzschuppen für das Männersiechen. Beim Rückzug der Franzosen 1813 durch Eisenach erlitt sie erhebliche Beschädigungen, und es ist der Leitung des St. Annenhospitals und dem Geheimrat Thon, dem "Commisair des Armenwesens", zu danken, dass die Kapelle für gottesdienstliche Handlungen wieder instandgesetzt wurde. Ähnlich wie das Schwesterkirchlein St. Spiritus war auch die Clemenskapelle mit einem kleinen Kirchhof versehen.

Hospital und Kapelle St. Annen (Neues Spital)

Am Annenstift

(Lage50.97649444444410.313769444444) Das als „Neues Spital“ bezeichnete Siechenhaus befand sich im Mittelalter in der Fischerstadt, einer Vorstadt, unmittelbar nordwestlich vor dem Georgenthor der Eisenacher Stadtbefestigung gelegen. Das Spital grenzte an die St. Annen-Kirche. Heute sind alle betreffenden Parzellen zusammengeschlossen und bilden den Standort des Pflegeheims „St. Annen-Stift“ mit der da befindlichen St. Annen-Kirche.

Geschichte

Den Namen „St. Annen – Spital“ erhielt dieses erst im 18. Jahrhundert von der St. Annenkirche, vorher hieß es einfach „das Neue Spital“ - in Unterscheidung zu dem „Alten Spital“, dessen Reste wohl noch im 15. Jahrhundert nahe beim Katharinenkloster am Rande der dortigen Vorstadt.

Die von der Heiligen Eisabeth begründete St. Annen Kapelle hatte 1506 drei Altäre. Der Eisenacher Chronist Johannes Rothe berichtet, an der Stelle des Neuen Spitals hätte vorher ein Vorwerk der Eisenacher Ratsfamilie Hellgreve bestanden. Schon 1309 ist das Neue Spital vermögend. Beim ersten Eisenacher Stadtbrand 1343 brannte es aus, wurde aber umgehend erneuert. Die Kapelle wurde auch nach der Reformation von den Spittelleuten und auch von den Nachbarn benutzt. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Kirche erneuert und erweitert. Herzog Ernst August bestimmte die Annenkapelle 1743 zur Garnisonkirche und ließ sie mit zwei Emporen neu einrichten. Nachdem sie in der Zeit der Befreiungskriege zu Kriegszwecken benutzt worden waren, ist der Bau mehrfach wieder erneuert worden, namentlich im Jahre 1875, hierbei wurden auch die noch im Hof befindlichen Gebäude des Annenspitals abgebrochen.

Im Jahr 1883 beschließt die Eisenacher Stadtverwaltung den Bau eines modernen Alters- und Pflegeheim, hierzu wird ein benachbarter Bauplatz an der heutigen Hospitalstraße bestimmt. Die bisher an unterschiedlichen Standorten in der Stadt befindlichen Spitäler St. Justus und St. Spiritus werden in diesen Neubau umgesiedelt. Im Clemensspital wurde gleichzeitig eine Männerabteilung von St. Annen untergebracht.

Hospital und Kapelle St. Spiritus

Standort des ehemaligen Heilig-Geist-Spitals

(Lage50.97277222222210.301111111111) Am Südwestende des Ehrensteiges und der Frankfurter Straße, das dortige denkmalgeschützte Fachwerkhaus ist das einstige Hospitalgebäude.

Geschichte

Der latenten Gefahr von Seuchen und Epidemien begegneten die mittelalterlichen Städte durch den Bau von Hospitälern und Sondersiechenhäusern. Letztere lagen an den Ausfallstraßen, jedoch möglichst weit abseits der Stadt. Im Gegensatz zur Pest bedeutete die Lepra-Krankheit ein jahrelanges, qualvolles Sterben. Die erkrankten Personen waren für den Rest ihres Lebens Ausgestoßene. Um diesem Personenkreis eine geregelte Teilnahme am christlichen Leben zu ermöglichen, entstanden die Heiliggeist-Kapellen (St. Spiritus).

Über die Entstehungszeit des Eisenacher Hospitals St. Spiritus ist bisher nichts bekannt. Man vermutet, dass es gleich dem Clemensspittel sehr alt und für Aussätzige bestimmt gewesen sei. Dann nahm es arme Leute auf. 1425 erhielten die "guten Leute bei den Fichten" eine Spende von einem Gulden jährlich. "Vor den Fichten" hieß jene Gegend am Ehrensteig, der Berg über dem Spittel hat heute noch den Namen Siechenberg. 1506 kommt das Hospital unter der Bezeichnung Ad Sanctum Spiritum extra portam Sancti Jeorii vor (Bei St. Spiritus vorm Georgenthor), später wird es auch Weibersiechen oder Heiliger Geist genannt. Wie St. Clemens war es mit einer kleinen Kapelle verbunden, in der 1643 jede Woche einmal gepredigt wurde.

Die Kapelle wurde aber so baufällig, dass sie 1720 einfiel. Man baute sie nicht wieder, anstatt dessen erneuerte man das Hospitalgebäude, wie es zum größeren Teil heute noch steht. Die Insassen wurden früher auf dem kleinen Friedhof vor dem Hause beerdigt. Als die Frauen nach dem neuen Bau in der Fischerstadt gezogen waren, siedelten die Insassen von St. Clemens hierher über.

Siehe auch

Literatur

  • Lehfeld/Voss Stadt Eisenach - Abgebrochene Kirchen, Klöster u. andere geistliche Gebäude – Kloster Johannisthal und Egidienklause, in: Bau- und Kunstdenkmäler. Amtsgerichtsbezirke Gerstungen und Eisenach. S. 303-304.
  • Scherf, Helmut: Verschwundene Klöster, Kirchen und Kapellen in und um Eisenach. In: MFB Verlagsgesellschaft mbH Eisenach (Hrsg.): StadtZeit. Stadtjournal mit Informationen aus dem Wartburgkreis. Augustheft, Druck- und Verlagshaus Frisch, Eisenach 1994, S. 30-40.

Einzelnachweise

  1. Heinrich Weigel Wanderungen um Eisenach. In: Eisenacher Schriften zur Heimatkunde, Heft 7, Eisenach, 1979, S. 55
  2. In Mitteldeutschland selten. Heiliges Grab in Diedorf ist 500 Jahre alt. In: St. Benno Buch- und Zeitschriftenverlagsgesellschaft mbH - Onlinemagazin. Abgerufen am 5. Mai 2009.
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