Abgeordnetenkammer (Frankreich)

Die Abgeordnetenkammer (Chambre des députés) war eine der beiden gesetzgebenden Kammern der Dritten Französischen Republik (1871–1940), die andere war der Senat. Beide zusammen bildeten die Nationalversammlung.

Die Abgeordnetenkammer wurde alle vier Jahre in allgemeiner und unmittelbarer Wahl gewählt. Sie hatte 565 Mitglieder, davon sechs aus Algerien und zehn aus den Kolonien. Aktives Wahlrecht hatten alle Franzosen ab 21 Jahren, passives Wahlrecht ab 25 Jahren. Ab 1885 wählte jedes Département die Anzahl von Abgeordneten, die ihm nach der Bevölkerungszahl zustanden.

Wie der Senat besaß sie umfassende Befugnisse zur Gesetzgebung und zur Kontrolle der Regierung. Der Präsident der Republik konnte die Kammer auflösen, was aber nach 1877 nicht mehr geschah.

Das Regierungssystem der Dritten Republik war recht instabil. Nach dem Ersten Weltkrieg delegierte die Abgeordnetenkammer die gesetzgebende Gewalt oft an die Regierung.

Am 10. Juli 1940 übertrugen Abgeordnetenkammer und Senat in Vichy alle ihre Befugnisse auf General Pétain (Vichy-Regime). Danach trat die Abgeordnetenkammer nicht mehr zusammen.

Nachfolgerin der Abgeordnetenkammer in der Verfassung der Vierten Republik war die Nationalversammlung.

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