11. September 1973
Salvador Allende (Briefmarke der DDR von 1974)

Am 11. September 1973 putschte das Militär in Chile. Der drei Jahre zuvor demokratisch gewählte sozialistische Präsident Salvador Allende kam unter ungeklärten Umständen zu Tode, nachdem die Luftwaffe begonnen hatte, den Präsidentenpalast La Moneda zu bombardieren. Eine Militärjunta unter der Führung von Augusto Pinochet regierte Chile daraufhin bis zum 11. März 1990 als Diktatur. Der Putsch wurde von den USA politisch und finanziell unterstützt und war ein zentrales Ereignis im Kalten Krieg, mit ähnlich symbolhafter Bedeutung wie die Revolution in Kuba.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Regierung Allendes

1970 war der Sozialist Salvador Allende mit Unterstützung des Linksbündnisses Unidad Popular ins Präsidentenamt gewählt worden. Schon in den 1960er Jahren hatte sich das Land politisch immer mehr polarisiert. Allendes Vorgänger, Eduardo Frei Montalva, hatte bereits tiefe soziale und ökonomische Reformen begonnen, etwa die Kupferminen – Lieferanten des wichtigsten Exportproduktes Chiles – teilweise verstaatlicht. Allende führt diese Politik weiter und vertiefte sie. Neben der vollständigen und entschädigungslosen Verstaatlichung der großen Kupferminen führte er eine umfassende Agrarreform und eine teilweise Nationalisierung von großen Banken und Industriebetrieben durch.

Siehe auch: Geschichte Chiles und Wirtschaft Chiles

Zunehmende Politische Gewalt: 1970–72

1971 wurde der Christdemokrat und Ex-Minister Pérez Zújovic ermordet und die Tat der linksextremistischen Gruppe Vanguardia Obrero Popular (VOP) angelastet. Die Linksparteien warfen den Rechten vor, den Mord verübt zu haben, um die Christdemokraten von der Unterstützung Allendes abzubringen. Die genauen Hintergründe des Anschlages konnten bis heute nicht vollständig aufgeklärt werden. Im folgenden Jahr beendeten die Christdemokraten ihre Unterstützung für Allende und schlossen sich der rechten Opposition an.

Ende 1971 besuchte Kubas Präsident Fidel Castro vier Wochen lang Chile. Dadurch wurde in Chile wie international der Eindruck verstärkt, dass Chile dem kubanischen Modell einer sozialistischen Planwirtschaft folgte.[1]

Die Proteste im Land schwollen an: Bauern protestierten gegen die Durchführung der Landverteilung, die Kollektive gegenüber Vertragsfarmern bevorzugte, und besetzten Ackerland, was Nahrungsmittelengpässe zur Folge hatte. 1972 mussten Lebensmittel rationiert werden und die Regierung war gezwungen, Devisen für die Einfuhr von Nahrungsmitteln aufzuwenden. Im Herbst 1972 streikten etliche Berufsgruppen, darunter Lastwagenfahrer, Bankangestellte, Arbeiter und Studenten, um eine Wende in der Wirtschaftspolitik zu erzwingen. Es kam zu Straßenschlachten. Allende rief den Notstand aus. Radikale rechte Gruppen verübten Terror und Sabotage. Es soll in Allendes Amtszeit insgesamt 600 Terroranschläge auf Eisenbahnen, Brücken, Hochspannungsleitungen und Pipelines gegeben haben.

Entspannung und Wahlen

Die Einbindung des Militärs in die Regierung im November 1972 durch die Ernennung von General Carlos Prats zum Innenminister konnte die angespannte Lage für einige Monate beruhigen. Anfang 1973 konnten planmäßig Parlamentswahlen abgehalten werden. Aufgrund von Bevölkerungswachstum und Wahlrechtsausweitungen der Regierungen Frei und Allende beteiligten sich mit 3,7 Mio. Bürgern fast 1,3 Mio. mehr Menschen bei der Wahl als 1969. Auch die hohe Wahlbeteiligung von mehr als 81 % spiegelt die Politisierung der gesamten Gesellschaft wider.

Bei diesen Wahlen steigerte die UP ihren Stimmenanteil noch einmal auf 44 % und erreichte damit das beste Ergebnis ihrer Geschichte. So erhielten sie 67 von 150 Sitzen im Abgeordnetenhaus und verfehlten damit die angestrebte absolute Mehrheit, wobei innerhalb der UP die Sozialisten als radikalste Kraft am stärksten gewannen und die moderateren Kommunisten, Rechte und gemäßigte Parteien stagnierten. Der parlamentarische Zusammenschluss von Partido Nacional und Christdemokraten unter dem Namen DOCE erlangte aber mit 55 % der Stimmen eine Parlamentsmehrheit von 75 Abgeordneten und 13 von 25 Senatoren. Diese Patt-Situation besiegelte die politische Blockade: Präsident Allende konnte auf keine Mehrheit im Parlament bauen, aber andererseits war selbst die vereinigte Opposition zu schwach um Allende des Amtes zu entheben oder die Verfassung zu ändern – für beides wären 2/3 der Parlamentsstimmen nötig. Wie geplant traten nach der ordnungsgemäßen Durchführung der Wahl die Militärs von ihren Ministerposten zurück.

Endgültige Eskalation: Mai-September 1973

Die letzte Phase der Regierung Allende und damit der Demokratie in Chile war gekennzeichnet durch eine stetige Eskalation der politischen Konfrontation. Der Historiker Mario Góngora nannte diese Zeit einen „Bürgerkrieg ohne Waffen“ und verglich ihn mit den letzten Monaten der Spanischen Republik.[2].

Schon in der Woche nach Allendes Wahl 1970 hatte sich die rechtsextreme Gruppe Patria y Libertad gegründet. Sie stand in vorderster Front im Straßenkampf gegen Gruppen der Kommunistischen und Sozialistischen Partei. Dutzende oder Hunderte Menschen wurden Opfer der politischen Gewalt beider Seiten.

Auftakt war ein parlamentarischer Boykott der Regierung, den die Opposition im Mai ausrief. Ab diesem Zeitpunkt lehnte sie alle Regierungsvorlagen ohne Debatte ab und griff die Regierung ununterbrochen an. Die Regierung wurde nicht zuletzt deshalb immer instabiler und Minister traten beinahe im Wochenrhythmus zurück.

Nachdem ein zweimonatiger Streik der Kupferarbeiter in der zweitgrößten Mine des Landes, El Teniente im Juni beigelegt wurde, streikten im Juli 1973 erneut Fuhrunternehmer und Spediteure. Bei den Streiks arbeiteten einzelne Arbeitergruppen und Gewerkschaftsführer mit der Nationalen Partei und den Studenten der Universidad Católica in Santiago zusammen. Die Mehrheit der Arbeiter dagegen unterstütze die Regierung immer noch.

Am 29. Juni erfolgte ein erster Putschversuch, der unter dem Namen Tanquetazo berühmt wurde. Die Erhebung von Cornel Roberto Souper vom Regiment Blindado 2 kostete 22 Menschen das Leben, doch Heeresführer Prats blieb der Regierung loyal. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde innerhalb der CIA entschieden, „Prats loszuwerden“.[3]

Am 26. Juli wurde der Offizier Arturo Araya Peters auf seinem Balkon erschossen. Die Opposition berichtet, die Täter seien kubanische Agenten und Mitglieder von Allendes Leibwächter Grupo de Amigos Personales (GAP). Tatsächlich steckt die Patria y Libertad hinter dem Anschlag. Die Mörder Guillermo Claverie, Adolfo Palmer und Guillermo Bunster wurden verhaftet, gingen jedoch unter der späteren Diktatur straflos aus.

Als im Juli ein letzter Versuch einer Einigung mit den Christdemokraten gescheitert war, berief Allende am 9. August erneut Militärs in sein Kabinett. Doch diesmal waren es nicht einzelne Generäle, sondern alle vier Oberkommandierenden der Teilstreitkräfte, daher der Name Gabinete de Comandantes en Jefe in der Presse. Carlos Prats vom Heer wurde Verteidigungsminister, außerdem wurden Raúl Montero (Marine), César Ruiz (Luftwaffe) und José María Sepúlveda (Carabineros) berufen. Die politische Gesinnung innerhalb des Militärs hatte sich jedoch gewendet und verfassungstreue Generäle wie Prats gerieten zunehmend unter Druck.[4] Diese Ernennungen führten zum endgültigen Bruch zwischen Allende und den extremen Linken. Die MIR etwa sprach von einer „Kapitulation Allendes“ und nannte ihn fortan nicht mehr „compañero“, sondern „señor“. Aber auch Allendes eigene Partei stand immer mehr in offenem Konflikt zu ihm.[5]

Am 22. August sprach der Kongress in einer symbolischen Geste Allende mit 81 zu 47 Stimmen (die UP hatte im März noch 62 Sitze gewonnen) das Misstrauen aus und forderte die Generäle zum Rücktritt auf.[6] Diese folgten dem Aufruf des Parlaments und traten von Ministerposten und auch als Oberkommandierende zurück. Nachfolger von Prats als Heereschef wurde General Augusto Pinochet, den Prats als verfassungstreu empfohlen hatte, neuer Luftwaffenbefehlshaber wurde Gustavo Leight. Schon am 26. Mai hatte das Verfassungsgericht der Regierung vorgeworfen, seine Urteile nicht umzusetzen und die Justiz zu behindern.[7]

Zwei Wochen später demonstrierten in der chilenischen Hauptstadt, in der größten je in Chile stattgefunden Kundgebung, über 700.000 Personen für die Regierung Allende.

Am 10. September 1973 erklärte sich Allende bereit, durch ein Plebiszit über sein Verbleib im Amt die verfahrene Situation demokratisch zu entscheiden. Diese Entscheidung konnte nicht mehr veröffentlicht werden, da im Morgengrauen des folgenden Tages das Militär putschte. Einige Historiker und Politiker bezweifeln, dass Allende ein Plebiszit plante.[8]

Ablauf des Putsches

Im Morgengrauen des 11. Septembers 1973 bombardierten Kampfjets vom Typ Hawker Hunter den Präsidentenpalast La Moneda. Das Militär stürzte die demokratische Regierung Chiles und Allende wurde mit einer Schusswunde im Kopf tot aufgefunden. Es ist bis heute nicht geklärt ob er sich selbst das Leben nahm, oder ermordet wurde. Eine Militärjunta übernahm die Macht und ernannte Pinochet zu ihrem Vorsitzenden.

Ablauf aus der Sicht Allendes

Präsidentenpalast La Moneda im November 2006

Am 11. September 1973 wurde Präsident Salvador Allende um 6:20 Uhr durch das Telefon geweckt. Er erhielt die Nachricht, die Flotte in Valparaíso, der größten Hafenstadt Chiles, habe sich gegen ihn erhoben und fordere seinen Rücktritt. Allende versuchte sofort den Oberbefehlshaber der Streitkräfte General Augusto Pinochet zu erreichen – dieser meldet sich nicht. Allende begab sich mit seinem Kabinett und einigen Freunden und Familienangehörigen in den Präsidentenpalast La Moneda, darunter zwei seiner Töchter, seinem Arzt, der Leibwache des Präsidenten und seiner langjährigen Geliebten. Nur der Verteidigungsminister Orlando Letelier war nicht anwesend – er war bereits von den Putschisten festgenommen worden.

Um 8:00 Uhr wurde eine Erklärung der Putschisten, die sich als Militärregierung bezeichnen, im Radio verlesen. Erst hier gab sich General Pinochet als Putschist zu erkennen. Wenige Minuten später erhielt Allende einen Anruf der Putschisten – sie forderten seinen Rücktritt und würden ihm im Gegenzug erlauben, sofort mit seiner Familie außer Landes zu fliegen. Er lehnte dies entschlossen ab. Um 9:30 drohten die Putschisten mit der Bombardierung La Monedas. Allende forderte die Palastgarde und alle Unbewaffneten auf, das Gebäude zu verlassen. Er selbst blieb mit wenigen Getreuen zurück und bereitete sich auf seinen letzten Kampf vor.

Um 11:55 Uhr begann die Luftwaffe mit zwei Flugzeugen ihre Bombardierung des Präsidentenpalastes. Auch regierungsfreundliche Radiosender sowie einige Viertel der Hauptstadt, in denen mehrheitlich Aktivisten und Sympathisanten der Unidad Popular wohnten, sollen bombardiert worden sein. Erstes Opfer des Putsches wurde einer der engsten Freunde des Präsidenten, der bekannte Journalist und Leiter des Fernsehsender Canal 7, Augusto Olivares („El Perro“). Dieser nahm sich im Erdgeschoss der Moneda mit einem Maschinengewehr das Leben. Mitten im Chaos ordnete Allende eine Schweigeminute für diesen an. Gegen 14:00 Uhr begann die Armee mit der Erstürmung des Palastes. Nach kurzem Gefecht ordnete Allende die Kapitulation an, nur er selbst blieb im „Saal der Unabhängigkeit“ zurück. Was dann genau geschah, ist bis heute nicht eindeutig geklärt, doch geht man immer mehr von einem Selbstmord Allendes aus.[4] Als Zeuge wird der Arzt Patricio Guijón zitiert, der den Leichnam auffand. Allerdings glauben viele seiner Anhänger, Allende sei von eingedrungenen Soldaten erschossen worden, die dann einen Selbstmord gestellt hätten. Eine erneute Obduktion nach Ende der Militärdiktatur, deren Ergebnisse im Einklang mit den Aussagen der Augenzeugen sowie des polizeilichen Untersuchungsberichts stehen, bestätigte die Suizid-These.

Eine 2006 erschiene Studie nährte dagegen erneut Zweifel an einem Selbstmord Allendes. Diese stützen sich unter anderem darauf, dass die Ergebnisse der ersten Autopsie nie vollständig veröffentlicht wurden und der im Grab befindliche Leichnam keiner DNA-Untersuchung unterzogen wurde. [9]

Die letzte Rede Allendes

Am 11. September um acht Uhr morgens hielt Präsident Allende seine letzte Rede im Radio. Die Luftwaffe hatte schon die meisten regierungstreuen Radiostationen bombardiert und nur noch einzelne sendeten Allendes letzte Worte an das chilenische Volk.

„Mit Sicherheit ist dies die letzte Gelegenheit, mich an Sie zu wenden. ... Mir bleibt nichts anderes, als den Arbeitern zu sagen: Ich werde nicht aufgeben! In diesem historischen Moment werde ich die Treue zum Volk mit meinem Leben bezahlen. ... Sie haben die Macht, sie können uns überwältigen, aber sie können die gesellschaftlichen Prozesse nicht durch Verbrechen und nicht durch Gewalt aufhalten. Die Geschichte gehört uns und sie wird durch die Völker geschrieben. Arbeiter meiner Heimat: Ich möchte Ihnen für Ihre Treue danken. ... Es lebe Chile! Es lebe das Volk! Es leben die Arbeiter! Dies sind meine letzten Worte und ich bin sicher, dass mein Opfer nicht umsonst sein wird, ich bin sicher, dass es wenigstens ein symbolisches Zeichen ist gegen den Betrug, die Feigheit und den Verrat.“[10]

Erklärung der Putschisten

In der Erklärung der Putschisten vom 11. September 1973 heißt es:

  1. Der Präsident (Allende) der Republik hat seine hohen Vollmachten unverzüglich den chilenischen Streitkräften ... zu übergeben.
  2. Die chilenischen Streitkräfte sind sich einig in ihrer Entschlossenheit, die verantwortliche historische Mission zu übernehmen und den Kampf für die Befreiung des Vaterlandes vom marxistischen Joch ... zu führen.
  3. Die Arbeiter Chiles brauchen nicht daran zu zweifeln, dass der wirtschaftliche und soziale Wohlstand, den sie bis zum heutigen Tage erreicht haben, keine großen Veränderungen erfahren wird.
  4. Die Presse, die Rundfunksender und die Fernsehkanäle der Unidad Popular haben von diesem Zeitpunkt an die Verbreitung von Information einzustellen, ansonsten werden sie zu Lande und aus der Luft angegriffen.
  5. Die Bevölkerung von Santiago de Chile hat in ihren Häusern zu bleiben, damit der Tod unschuldiger Menschen vermieden wird.
General Augusto Pinochet

Menschenrechtsverletzungen

Ehemaliger Bahnhof – rechts Reste des ehemaligen Konzentrationslagers des Pinochet-Regimes
Das Estadio Nacional heute

Hauptartikel: Folter in Chile

Unmittelbar nach dem Putsch gab es die meisten Opfer, sowohl von Folterungen wie von politischen Morden. Allein am 11. September wurden 2.131 Menschen aus politischen Gründen verhaftet, bis Ende des Jahres waren es 13.364. 43 % der Opfer wurden von Carabineros (Polizisten) verhaftet und weitere 30 % von Soldaten des Heeres (der Rest meist von Angehörigen von Luftwaffe und Marine oder Geheimdiensten). Opfer waren vor allem Mitglieder und Sympathisanten von Regierung, Linksparteien und Gewerkschaften. Die Festnahmen erfolgten meist in Fabriken, Universitäten und Gebäuden von Regierung, Linksparteien und Gewerkschaften. Oft wurden fast alle Anwesenden massenweise verhaftet. Öffentliche Gebäude wie Stadien, Konferenzhallen und Schulen wurden zu Konzentrationslagern umgerüstet. Der berühmteste Fall ist das Estadio Nacional, in dem alleine mehr als 40.000 Gefangene zusammengetrieben worden sind. Darüber hinaus gab es in Pisagua und Chacabuco ein KZ und die berüchtigte Colonia Dignidad wurde ebenfalls zu Folterungen benutzt.[11] Den Gefangenen wurde Kontakt mit einem Anwalt oder ihrer Familie genauso verweigert wie ein Prozess. Die Familien wurden über den Verbleib der „Verschwundenen“ im Ungewissen gelassen. Das Ende dieser „ersten Phase“ wurde durch die Schließung des KZs im Estadio Nacional im November eingeleitet. Parallel wurde das größte Geheimgefängnis „Londres 38“ eröffnet und informell die Dirección de Inteligencia Nacional gegründet, der wichtigste Geheimdienst im Zeitraum von 1974 bis 1977.

Im Nationalstadion von Santiago wurden die Opfer interniert, viele von ihnen gefoltert und getötet. Insgesamt wurden vermutlich etwa 3197 (gesicherte Anzahl der Opfer) bis 4000 Menschen während der Diktatur ermordet, der Großteil davon in den Wochen nach dem Putsch. Etliche Menschen verschwanden spurlos und auf bis heute ungeklärte Weise. Etwa 20.000 Menschen flohen noch 1973 ins Ausland.

Als Todeskarawane erlangt ein Exekutionskommando unter Kommandant Arellano Stark traurige Berühmtheit. Als Pinochet persönlich unterstellter und später zum General ernannter Offizier ermordeten er und seine Soldaten im ganzen Land 75 bereits verhaftete Regimegegner.

Nach den bürgerkriegsähnlichen, von unglaublicher und massenhafter Gewalt seitens der Militärs geprägten Wochen nach dem Putsch mit Tausenden Toten ging das Regime in den nächsten Jahren dazu über, die politische Opposition auszuschalten. Hunderte Menschen wurden entführt, gefoltert oder „auf der Flucht erschossen“. Tausende wurden zwangsweise des Landes verwiesen oder in abgelegene Landesteile im Norden oder Süden verbannt. Nach 1977 war praktisch jeder Widerstand ausgeschaltet, alle Gegner ermordet, im Ausland oder eingeschüchtert.

Schätzung der Opferzahlen durch Zeitzeugen

Für die Zeit unmittelbar nach dem Putsch sind die Berichte über die begangenen Verbrechen oft lückenhaft oder fehlen ganz. Etwa ab 1976 sind die Verbrechen dagegen relativ gut dokumentiert. Die Schätzungen über die Opferzahlen variieren deshalb sehr stark. Die Schätzung von Amnesty International mit bis zu 30.000 Toten alleine im ersten Jahr der Diktatur ist wohl aus heutiger Sicht als zu hoch anzusehen. Interessant ist, dass die US-Botschaft immerhin von 5000 Ermordeten ausgeht.

Nach der Rückkehr zur Demokratie dokumentierte die Rettig-Kommission die politischen Morde der Militärjunta. Ein aktualisierter Abschlussbericht aus dem Jahre 1996 dokumentiert 3.197 Morde mit biographischen Daten. Die Zahl der Opfer des Militärregimes dürfte also zwischen 3.200 und 4.000 liegen. Davon wurde die überwiegende Zahl innerhalb der ersten Tage und Wochen nach dem Putsch ermordet.

Ende Oktober 1973 hatte die Junta ein „Weißbuch“ herausgegeben, in welchem sie von ihren eigenen Gewalttaten abzulenken versuchte und angeblich unter Allende begangene wirtschaftspolitische Fehler und politische Morde auflistete. Unter Allendes Unidad-Popular-Regierung war es allerdings niemals zu Mord und Folter an politischen Gegnern gekommen, im scharfen Gegensatz zum Regime der Militärjunta.

Verschiedene Schätzungen zu Opferzahlen in den ersten Monaten[12]
Quelle Datum der Schätzung Tote
CIA-Direktor William Colby Oktober 1973 2000–3000
Amnesty International September 1974 5000–30.000
amerikanische Botschaft in Santiago ca. 5000
Vicaría de la Solidaridad mindestens 1200
Agrupación de Familiares de Ejecutados ca. 2500
Interamerikanische Menschenrechtskommission der OAS ca. 1500

Abschaffung der Demokratie

Lückenhaft In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: dieser Abschnitt fehlt noch völlig Prissantenbär 05:30, 13. Nov. 2006 (CET)

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Sämtliche staatlichen Institutionen in ganz Chile waren binnen Stunden vom Militär besetzt. Pinochet setzte die Verfassung sofort außer Kraft, löste den Kongress auf, ordnete eine strenge Zensur an und verbot alle politischen Parteien. Bei symbolischen Bücherverbrennungen wurden beispielsweise Bücher über Cubismo (Kubismus) verbrannt, weil man dachte, es seien Bücher über Kuba. Die USA erkennen die Militär-Junta nach zwei Wochen an.

Die Rolle der USA

Verdeckte Operationen der CIA in Chile

Hauptartikel: CIA-Aktivitäten in Chile

Die Vereinigten Staaten waren mindestens seit den frühen 1960er Jahren mit ihrem Auslandsgeheimdienst CIA an der chilenische Innenpolitik beteiligt. So unterstützten die USA regelmäßig die rechte Partido Nacional und auch Eduardo Freis Präsidentschaftswahlkampf 1965 – ohne dass dieser davon etwas wusste. Als 1969 Richard Nixon zum Präsidenten der USA gewählt wurde und Henry Kissinger zu seinem allmächtigen Sicherheitsberater aufstieg, wurde die direkte und illegale Einflussnahme im Namen der „Realpolitik“ auf ganz Lateinamerika deutlich stärker – auch auf Chile. Nachdem die USA die Wahl Allendes 1970 trotz Wahlkampfbeeinflussung für mehr als 7 Millionen US-Dollar nicht verhindern konnten, versuchten sie, noch vor dessen Amtseinführung die Militärs zum Putsch zu bewegen, was jedoch scheiterte. Sie wendete sowohl offizielle Mittel wie massiven Druck des Botschafters auf die Christdemokraten an (Track One), als auch massive Geheimaktionen der CIA (Track Two). Diese Operation, intern als Project Fubelt bezeichnet, sollte bis zu 10 Millionen Dollar kosten und war streng geheim. Weder Außenminister William P. Rogers, noch Verteidigungsminister Melvin Laird, noch der US-Botschafter in Santiago, Edward M. Korry, noch die CIA-Führung in Chile wurden informiert. CIA-Direktor Richard Helms sagte später über die Operation: „Niemals in meiner Karriere als CIA-Chef habe ich eine derartige Geheimhaltung erlebt und niemals eine derartig unbeschränkte Macht gehabt.“ Das Project FUBELT gipfelte im ersten politischen Mord in Chile seit der Ermordung von Diego Portales im Jahre 1837. Der Oberkommandierende des Heeres, René Schneider, war zwar der USA freundlich gegenüber eingestellt, einer langen Tradition chilenischer Militärs nach aber verfassungstreu (die sogenannte Schneider-Doktrin). Am 22. Oktober 1970 wurde er bei einem Entführungsversuch von Juan Luis Bulnes Cerda, Diego Izquierda Menéndez und Jaime Megoza Garay angeschossen und starb drei Tage später. Verstrickt in den Mord waren zahlreiche hohe chilenische Militärs wie Heeresgeneral Camilo Valenzuela und Roberto Viaux, die Maschinengewehre und Tränengasgranaten stammen von der CIA.[13] Der Versuch einer Destabilisierung des Landes scheiterte fulminant: Noch bevor Schneider starb, wurde Allende zum Präsidenten ernannt und alle politischen Kräfte unterstützten die Schneider-Doktrin.[14]

Der Mord an René Schneider wurde u.a. bald darauf vom chilenischen Liedermacher Víctor Jara in seinem Lied "Las casitas del barrio alto" thematisiert.

Internationale Reaktionen auf den Putsch

Gegen diese Menschenrechtsverletzungen erhoben sich auf der einen Seite Proteste von vielen Menschen in den Industrieländern, auf der anderen Seite kommentierte der CSU-Politiker Franz-Josef Strauß: „Angesichts des Chaos, das in Chile geherrscht hat, erhält das Wort Ordnung für die Chilenen plötzlich wieder einen süßen Klang.“[15]

Die CIA unterrichtete den Bundesnachrichtendienst bereits einige Tage vor dem Umsturz vom geplanten Putsch. Der Bundesnachrichtendienst soll es jedoch unterlassen haben, den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt vom geplanten Putsch zu unterrichten. Mit Alfred Spuhler einem Stasi-Spion im BND, gelangte die Information in die DDR. Eine Warnung aus Ost-Berlin an Allende kam zu spät.[16] In der Folgezeit wurden zahlreiche politisch verfolgte Linke durch das MfS aus Chile ausgeschleust und in die DDR gebracht, wo sie Asyl erhielten. Prominentestes Beispiel ist Guillermo Altamiranos, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chiles.[17] Die DDR nahm insgesamt ca. 6000 Flüchtlinge auf und verurteilte den Putsch. Die BRD bot 3000 Flüchtlingen Asyl.

Trotz der internationalen Empörung über die Grausamkeit des Pinochet Regimes, unterstützte die USA die Diktatur weiterhin. So erhielten die Putschisten 1976 eine direkte Hilfe von 290 Millionen US-Dollar von den Vereinigten Staaten.[18]

Zitate

  • „I don't see why we need to stand by and watch a country go communist due to the irresponsibility of its own people. The issues are much too important for the Chilean voters to be left to decide for themselves.“– US-Sicherheitsberater Henry Kissinger
"Ich sehe nicht ein, warum wir Nichts tun und zusehen sollten, wie ein Land durch die Unverantwortlichkeit seines eigenen Volkes kommunistisch wird. Die Angelegenheiten sind viel zu wichtig, als dass sie den chilenischen Wählern zur Entscheidung überlassen werden könnten."
  • „Not a nut or bolt shall reach Chile under Allende. Once Allende comes to power we shall do all within our power to condemn Chile and all Chileans to utmost deprivation and poverty.“ – Edward M. Korry, Botschafter der USA in Chile, nach Allendes Wahlsieg 1970
"Nicht das kleinste bisschen soll Chile unter Allende erreichen. Sobald Allende an der Macht ist, sollten wir alles in unserer Macht stehende tun, um Chile und alle Chilenen zu äußerster Entbehrung und Armut zu verdammen."
"Lasst die Wirtschaft [in Chile] aufschreien, dass Allende nicht an die Macht gelangt oder dass er gestürzt wird."
  • „It is firm and continuing policy that Allende be overthrown by a coup. It would be much preferable to have this transpire prior to 24 October [1970] but efforts in this regard will continue vigorously beyond this date. We are to continue to generate maximum pressure toward this end, utilizing every appropriate resource. It is imperative that these actions be implemented clandestinely and securely so that the USG and American hand be well hidden...“ – Nachricht an die CIA in Chile am 16. Oktober 1970 [20]
"Es ist eine fester und andauernder Grundsatz, dass Allende durch einen Staatsstreich gestürzt wird. Es wäre von großem Vorteil wenn dies vor dem 24. Oktober [1970] passierte, aber Maßnahmen in dieser Angelegenheit werden über dieses Datum hinaus energisch weitergeführt. Wir werden fortfahren, maximalen Druck unter Ausnutzung aller geeigneten Mittel bis zum Schluss aufzubauen. Es ist geboten, dass diese Maßnahmen heimlich und sicher vollzogen werden, so dass die US-Regierung and die amerikanische Hand wohl verborgen ist."
  • "We didn't do it. I mean we helped them. [Garbled] created the conditions as great as possible.Henry Kissinger in einem telefonischen Bericht an Präsident Nixon über den Putsch in Chile [21]
"Wir haben es nicht getan. Ich meine, wir haben ihnen geholfen. [Unverständlich] hat Bedingungen so großartig wie nur möglich geschaffen."

Literatur

  • Ignacio González Camus (ed.): El día en que murió Allende, Chilean Institute of Humanistic Studies (ICHEH)/CESOC, 1988.
  • Klaus Luis, Huhn Corvalán: Hoffnung und Terror: Der 11. September des Salvador Allende. Das Neue Berlin Verlags GmbH, Berlin 2003, ISBN 3-360-01226-7
  • James F. Petras, Morris H. Morley: How Allende fell: A study in U.S.–Chilean relations, Nottingham: Spokesman Books, 1974.
  • Patricia Verdugo: Comó La Casa Blanca Provocó Su Muerte. 2 Auflage. Catalonia Libros, Santiago – Chile 2003, ISBN 956-8303-00-6 (spanisch). 

Audiovisuelle Medien

  • Michael Trabitzsch: Der letzte Tag des Salvador Allende. (Film, D, 2004, 80 min)

Quellen

  1. Datenbank von Reden Castros der Universität von Texas. (englisch)
  2. „una guerra civil todavía no armada, pero catástofica, análoga a los últimos meses de la Repúblice española, antes de julio de 1936“ (Mario Góngora)
  3. Verdugo, Patricia (2003): Allende. Cómo la Casa Blanca provocó su muerte, Santiago.
  4. a b William F. Sater: Chile and the United States. Empires in Conflict. University of Georgia Press, Athens 1990, S. 178–181. ISBN 0-8203-1249-5
  5. etwa in einer Erklärung vom 8. September: „... han optado por la táctica criminal del repligue y la capitulación frente a las exigencias patronales.“
  6. Erklärung über den Zusammenbruch der chilenischen Demokratie
  7. William F. Jasper, Patriot Enchained, The New American, Vol. 15, No. 19, September 13, 1999.
  8. Patricio Aylwin sagte in einem Interview dazu, bis heute sei umstritten, ob dies Allendes Absicht gewesen sei: „Briones nos dijo que Allende buscaría una fórmula de salida, que una de ésas sería el plebiscito. Pero no hay ninguna prueba. “, El Mercurio vom 24. Dezember 2006, [1]
  9. Hermes H. Benitez: Las muertes de Salvador Allende: una investigacion critica de las principales versiones de sus ultimos momentos. RIL editores, Santiago 2006, ISBN 956-284-497-8
  10. Übersetzung von Benutzer:Prissantenbär nach dem spanischen Original [2]
  11. Abschlussbericht der Valech-Kommission zur Folter in Chile (spanisch), besonders S. 351 [3] (PDF, 1.2 MB).
  12. Detlef Nolte: Staatsterrorismus in Chile
  13. Auszug aus Hitchens' Buch The Trial of Henry Kissinger, erschienen im Guardian
  14. Verdugo, Patricia: Comó La Casa Blanca Provocó Su Muerte. 2. Auflage. Catalonia Libros, Santiago – Chile 2003, ISBN 956-8303-00-6 (spanisch). 
  15. Bayernkurier, 22.9.1973
  16. Peter Müller, Michael Mueller und Erich Schmidt-Eenboom: Gegen Freund und Feind. Der BND: Geheime Politik und schmutzige Geschäfte, 2002, Rowohlt.
  17. Flucht vor der Junta : die DDR und der 11. September. Berlin, 2005
  18. Eduardo Galeano: "Die offenen Adern Lateinamerikas", Peter Hammer Verlag.
  19. http://www.gwu.edu/~nsarchiv/NSAEBB/NSAEBB8/ch26-01.htm
  20. http://www.gwu.edu/~nsarchiv/NSAEBB/NSAEBB8/ch05-01.htm
  21. http://www.gwu.edu/~nsarchiv/NSAEBB/NSAEBB123/Box%2022,%20File%203,%20Telcon,%209-16-73%2011,50%20Mr.%20Kissinger-The%20Pres%202.pdf

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