Carlos Ibañez

Carlos Ibañez
Carlos Ibáñez del Campo
Carlos Ibáñez del Campo als Präsident

Carlos Ibáñez del Campo (* 3. November 1877 in Linares; † 28. April 1960 in Santiago de Chile) war ein chilenischer Militär und Politiker. Zweimal war er Präsident Chiles.

Leben

Ibáñez besuchte die Schule in seinem Heimatort und trat im März 1896 in die Kadettenschule (Escuela Militar) ein, die er nach zwei Jahren planmäßig verließ, um eine Karriere beim Heer zu machen. Er wurde in Santiago stationiert. 1903 führte ihn ein militärischer Auftrag als Ausbilder nach El Salvador. Während seiner Zeit dort brach ein Krieg gegen Guatemala aus, in dem die chilenischen Berater Weisung hatten, sich strikt neutral zu verhalten. Ibáñez widersetzte sich und nahm aktiv an den Kampfhandlungen teil, die ihm den Rang eines Obersten der salvadorianischen Armee bescherten. 1907 heiratete er Rosita Quiroz y Ávila, die einer Aristokratenfamilie El Salvadors entstammte.

1909 kehrte Ibáñez mit seiner Familie nach Chile zurück, wo er 1912 mit der Militärakademie begann, um auch in Chile die Offizierslaufbahn durchlaufen zu können. 1916 wurde er offiziell zum Major ernannt und diente als Adjutant. 1918 starb seine Frau. Nach einer Zwischenstation in der Heeresausbildung wurde er zum Präfekten von Iquique im Norden Chiles ernannt, genau zum Zeitpunkt des Wahlkampfes für die Präsidentschaftswahlen von 1920, aus denen Arturo Alessandri Palma siegreich hervorging, der ihn prompt zum Direktor der renommierten Kavallerie-Schule ernannte.

Bei den Wahlen vom März 1924 siegte die Alianza Liberal in beiden Kammern, so dass Präsident Alessandri gegen die parlamentarische Mehrheit praktisch handlungsunfähig war. Gleichzeitig erhob sich die chilenische Armee gegen die geringe Besoldung, mangelnde Ausrüstung und die schlechten Aufstiegsmöglichkeiten. Die Heeresleitung trat im Senat auf, um die Unzufriedenheit der Armee zu verdeutlichen; am 5. September 1924 trafen sich Vertreter des Militärkomitees (Junta Militar) mit Präsident Alessandri und erreichten, dass dieser ein neues Regierungskabinett berief, dem auch General Luis Altamirano angehörte. Unter dem Druck, den das Militär ausübte, passierten die Gesetze zur Verbesserung der Heeresausrüstung auf einmal sehr schnell den Senat. Alessandri wurde zum Rücktritt gezwungen und flüchtete in die Botschaft der Vereinigten Staaten.

General Luis Altamirano wurde neuer Vizepräsident und Innenminister, löste den Kongress auf und hielt damit die Regierungsgewalt mit seiner Regierungs-Junta vollständig in Händen. Bald kam es zu Differenzen zwischen der Regierungs-Junta unter Altamirano und der Militär-Junta unter Ibáñez. Altamirano sandte Ibáñez nach Europa und gestattete ihm erst Ende des Jahres zurückzukehren.

Die Unzufriedenheit des Heeres fand mit der neuen Regierung kein Ende: Am 23. Januar 1925 kam es zum Staatsstreich, die Kavallerieschule unter Ibáñez und zwei Jagdschwadronen stürmten die Moneda, den Präsidentenpalast von Santiago. Ibáñez übernahm das Amt des Kriegs- und Marineministers. Am 20. März 1925 kehrte Arturo Alessandri wieder ins Amt des Präsidenten zurück, behielt aber alle Minister des vorherigen Kabinetts, so auch Ibáñez als Kriegsminister. Bei den Präsidentschaftswahlen vom Oktober 1925 wollte Ibáñez — als starker Mann und Interessenvertreter der Armee — kandidieren. Alessandri drängte ihn, seinen Ministerposten abzugeben, wenn er als Präsidentschaftskandidat auftrete. Doch Carlos Ibáñez weigerte sich, worauf alle anderen Minister im Kabinett zurücktraten.

Damit war Ibáñez der einzige verbleibende Minister, was dazu führte, dass praktisch jede Maßnahme des Präsidenten seine Unterschrift erfordert hätte, um Geltung zu erlangen. Alessandri war sein gesamtes Kabinett losgeworden und hing vom Wohlwollen des einzigen Ministers ab, den er zum Rücktritt aufgefordert hatte. Diese Situation erschien ihm untragbar, und auch er trat zurück. Damit hatte Ibáñez mit seiner Präsidentschaftskandidatur und seinem starrsinnigen Festhalten an seinem Ministerposten bereits lange vor den Wahlen eine veritable Staatskrise ausgelöst.

Am 23. Dezember 1925 wurde Emiliano Figueroa Larraín zum neuen Präsidenten Chiles gewählt. Ibáñez blieb im neuen Kabinett als einflussreicher Kriegsminister und eigentlicher starker Mann hinter einem Marionettenpräsidenten. Als im Februar 1927 der Innenminister zurücktrat, übernahm Ibáñez auch dieses Amt und schwächte damit die Position des Präsidenten weiter, der schließlich am 7. April 1927 zurücktrat. Carlos Ibáñez wurde zum Vizepräsidenten. Bei den Wahlen für Figueras Nachfolge trat Ibáñez an mit dem Ansinnen, die Forderungen der "Revolution von 1924" endlich zu erfüllen. Am 21. Juli 1927 wurde er zum Präsidenten Chiles ernannt.

Die Wirtschaftslage war günstig und erlaubte ihm, ein umfangreiches Programm öffentlicher Investitionen aufzulegen. 1927 richtete er die Carabineros de Chile ein, die kasernierte Polizei Chiles, die der Armee unterstellt ist. In seine Amtszeit fällt auch die Einteilung der Republik in sechzehn Provinzen. 1928 gründete er die chilenische Luftwaffe sowie die Fluglinie Línea Aérea Nacional de Chile (LAN Chile). Unter Ibáñez' Präsidentschaft spielte der Staat in der Wirtschaft und im Sozialwesen eine führende Rolle, die mit einer deutlichen Ausweitung des öffentlichen Dienstes und seiner Bürokratie einherging.

Außenpolitisch erreichte Ibáñez eine Normalisierung der Beziehungen mit Peru und Bolivien, die ihren Ausdruck etwa in der Eisenbahnlinie zwischen Arica und dem bolivianischen La Paz oder im Vertrag von Ancón (mit Peru) fanden .

Die große Wirtschaftskrise von 1929 traf Chile hart. Die Arbeitslosigkeit erreichte enorme Ausmaße, und weite Teile der Bevölkerung litten Hunger. Die Studenten der Universidad de Chile traten in den Streik und ihre Kommilitonen von der Universidad Católica griffen sogar zu den Waffen. Ein Generalstreik verschärfte die Situation und zwang Carlos Ibáñez am 26. Juli 1931 zum Rücktritt. Er ging nach Argentinien ins Exil.

1938 kehrte er zurück, um bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen erneut zu kandidieren. Der Wahlkampf wurde am 5. September von einem Staatsstreichversuch der Nationalsozialistischen Bewegung Chiles abrupt beendet, an dem Ibáñez aber nicht beteiligt war.

Am 4. November 1952 sollte Carlos Ibáñez doch wieder in die Moneda einziehen; er hatte die Präsidentschaftswahlen mit 46,8% der Stimmen klar gewonnen. Vorsichtige Ansätze einer liberaleren Wirtschaftspolitik, die seine Berater ihm nahelegten, scheiterten bald. Erfolgreicher waren seine Bemühungen um eine Erweiterung des Wahlrechts für alle Bürger.

1958, zum Ende seiner Amtszeit, übergab er die Moneda friedlich an seinen gewählten Nachfolger Jorge Alessandri und zog sich aus dem politischen Leben zurück. Zwei Jahre später starb er.

Auszeichnungen (Auswahl)

siehe auch: Geschichte Chiles


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