Geschichte Costa Ricas

Die Geschichte Costa Ricas reicht mindestens bis 8000, möglicherweise bis 12000 v. Chr. zurück.[1] Bis zur Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert n. Chr. lebten nach Robert Carmack bis zu 400.000 Menschen im heutigen Staatsgebiet.[2]

Zwar erreichte Christoph Kolumbus bereits 1502 das Gebiet des heutigen Costa Rica, doch setzte die Kolonisierung durch Spanien erst 1560 ein. Diese Kolonialphase, in der die Region von eher geringer Bedeutung war, endete 1821 mit der Unabhängigkeitserklärung. 1823 bis 1838 war Costa Rica Mitglied eines mittelamerikanischen Staatenbundes, machte sich aber 1838 selbstständig. Kaffee und Bananen bildeten bald die wirtschaftliche Basis und brachten eine konservative Grundbesitzerschicht hervor.

Erst 1889 kam es zu ersten freien Wahlen, doch wechselten sich danach autoritäre Präsidenten ab, deren Regime Züge einer Diktatur trugen. 1948 kam es zu einem Bürgerkrieg, bei dem rund 2000 Menschen ums Leben kamen. José María („Don Pepe“) Figueres Ferrer gründete die Zweite Republik, bald folgte die Abschaffung der Armee, 1983 die Neutralität. Dieses und die zunehmende Prosperität brachten dem Land den Beinamen „Schweiz Mittelamerikas“ ein. Seit 2006 ist der Friedensnobelpreisträger von 1987[3], Óscar Arias Sánchez, Präsident Costa Ricas, das 2007 einem Freihandelsabkommen mit den USA beitrat.

Inhaltsverzeichnis

Früheste Kulturen bis zur Kolonialzeit (vor 10.000 v. Chr. bis zum 16. Jahrhundert)

Der Nordwesten, die Nicoya-Halbinsel (Nationalpark Barra Honda), war der südlichste Ausläufer des Nahuatl, der Süden und die Mitte des Landes waren hingegen vom südlichen Chibcha geprägt. Costa Rica war mit seinen Vulkanen und Gebirgszügen, aber auch mit seinen küstennahen Sümpfen ein Sperrriegel zwischen den Hochkulturen, so dass es nur zu einem spärlichen Austausch kam.

Vorkolumbianische Tonware aus Nicoya

Der Osten trug ausgeprägt südamerikanische Züge. Die dort lebenden Kariben sowie die Boruca und Chibcha im Südwesten waren halbnomadische Jäger und Fischer, die Yucca, Kürbis und Pflanzenknollen ernteten, Coca kauten und in palisadenumwehrten Dörfern lebten. Die matriarchalischen Chibcha entwickelten ein Sklavensystem und waren hervorragende Goldschmiede. Zudem fertigten sie präzise geformte Granitkugeln, die Steinkugeln von Costa Rica, welche aus unbekannten Gründen die Gräber am Río Terraba, auf der Caño-Insel und in der Golfito-Region füllen. Eine Schrift entwickelten sie nicht.

Räucherofen mit Krokodildeckel (500 - 1350)

Die größte archäologische Stätte ist Guayabo, an den Hängen des Turrialba, über 50 km östlich von San José. Sie existierte von 1000 v. Chr. bis etwa 1400, und wurde von vielleicht 10.000 Menschen bewohnt. Als besonders kunstvoll gelten die Tonwaren und die Metallarbeiten. Die Goldbearbeitung stand bereits um 600 auf einem Höhepunkt, besonders in den Gebirgsregionen.

Olmekenfigur aus dem Museo del Jade Marco Fidel Tristán Castro in der Hauptstadt

Dort lebten Corobicí, die in kleinen Hochlandtälern wohnten, und die Nahuatl, die aus Mexiko um 1500 einwanderten. In dieser Zeit wurde die Nicoya-Halbinsel in der nordwestlichen Provinz Guanacaste in das ausgedehnte mesoamerikanische Kultursphäre einbezogen. Besonders die Chorotega, die die größte indigene Gruppe darstellten, wiesen dabei kulturelle Eigenheiten ihrer nördlichen Nachbarn auf. Sie selbst kamen im 14. Jahrhundert aus dem Süden Mexikos, ihr Name bedeutet Flüchtendes Volk. Sie errichteten Städte mit Zentralplätzen und brachten ein Agrarsystem mit Bohnen, Mais, Kürbis und Flaschenkürbissen mit. Sie besaßen einen Kalender, schrieben Bücher auf Hirschpergament und stellten hochentwickelte Keramiken sowie anthropomorphe Figuren her, die heute im Jade-Museum von San José stehen.

Die kriegerischen Chorotega hatten Sklaven und eine von Priestern und Adel beherrschte, von scharfen Klassengrenzen gekennzeichnete Gesellschaft.

Spanische Eroberungsversuche (1502 bis ca. 1530)

Am 18. September 1502 landete Christoph Kolumbus als erster Europäer an der Atlantikküste Costa Ricas[4], eines Gebietes mit vielleicht 20.000 Einwohnern, wie Christopher Baker 1994 schätzte. Er landete in der Cariari-Bucht[5] und wurde dort freundlich empfangen. Die Indianer gaben ihm zwei junge Mädchen, dazu angeblich viel Gold. Er nannte das fruchtbare Gebiet La Huerta (Der Garten).

1506 entsandte der König von Spanien einen Gouverneur, Diego de Nicuesa, um die Atlantikküste von Veragua zu kolonisieren. Doch er lief mit seinem Schiff vor der Küste Panamas auf Grund und versuchte nordwärts zu marschieren. Die dortigen Indianer griffen sie jedoch in Guerillataktik an und verbrannten ihre Ernten, um ihren Vormarsch zu stoppen. Eine zweite Expedition unter Gil Gonzalez Davila brach 1522 von Panama auf. Davila erlangte reichlich Gold, was dem Land den Namen Costa Rica, Reiche Küste eintrug.

Davilas Priester tauften viele Indianer, doch von ihnen verstarb die Mehrzahl an Hunger und Krankheiten. Auch die Expedition verlor mehr als 1000 Mann, ähnlich wie spätere Expeditionen. Innere Streitigkeiten, die Feindschaft der Indianer, aber auch Piratenüberfälle zerstörten die Kolonien. 1528 gründete Francisco Fernandez de Cordova die erste Siedlung am Pazifik, Bruselas nahe dem heutigen Puntarenas. Sie hielt sich nur zwei Jahre.

Guatemala wurde 1543 zum Kernland der Landbrücke, die dem Vizekönig von Neuspanien unterstand, doch Costa Rica war längst wieder von den Spaniern verlassen worden.

Spanische Kolonialherrschaft (1560 bis 1821)

Erst in den 1560er Jahren setzten nach vier Jahrzehnten neue Kolonisierungs- und Christianisierungsversuche ein. Doch hatten Pocken und Tuberkulose inzwischen zahlreiche Indianer das Leben gekostet. Die übrigen flohen in die Berge, vor allem in die Talamanca-Berge. Nur auf der Nicoya-Halbinsel wurde eine nennenswerte Population von Chorotega versklavt.

Ab 1560 wurde sie systematisch kolonisiert, spanische Konquistadoren unter Führung von Juan Vázquez de Coronado gründeten 1562 Cartago, das von 1563 bis 1823 Hauptstadt Costa Ricas war. 1565 erhielt die Stadt ein Wappen und den Wahrspruch Muy Noble y Muy Leal (Besonders edel und besonders loyal). Sie lag in über 1400 m Höhe am Fuß des Vulkans Irazú oder Iaratzu (grollender Berg).

Die große Entfernung Costa Ricas zum Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum Guatemala, und die geringe wirtschaftliche Bedeutung machten die Kolonie zu einer der ärmsten in ganz Amerika, wie ein spanischer Gouverneur 1719 schrieb.[6]

Dabei fielen zahlreiche Indianer den Pocken zum Opfer.[7], wodurch für die Encomiendas zu wenige indigene Arbeitskräfte zur Verfügung standen, die den Grundherren eine steile Hierarchie und eine umfassende Freistellung von Arbeit ermöglicht hätten. Infolgedessen zeigte Costa Rica eine Neigung zu egalitäreren Strukturen, die Eroberer mussten ihre Äcker selbst bewirtschaften.

Auch nach einem Jahrhundert bestand Cartago nur aus einigen Adobe-Häusern und einer einzigen Kirche, die beim Ausbruch des Irazú 1723 verbrannten. Um stadtähnliche Siedlungen hervorzubringen, zwang man die Bevölkerung um die neu zu errichtenden Kirchen zu wohnen, gründete 1717 Heredia (Cubujuquie), San José (Villaneuva de la Boca del Monte) 1737 und Alajuela (Villa Hermosa) 1782. Weizen und Tabak wurden exportiert und ermöglichten eine dichtere Besiedlung der Meseta Central.

Die Vermischung mit den Indigenen war, im Gegensatz zu den meisten spanischen Kolonien, eher gering. Keine Mestizenklasse wurde von spanischen Siedlern unterdrückt, die Armut hatte eine angleichende Wirkung.

Nur Nicoya und Guanacaste am Pazifik waren über Straßen mit Nicaragua und Panama verbunden. Hier entstand eine ausgedehnte Viehwirtschaft. Dazu wurden die Indianer gezwungen auf den Haciendas zu arbeiten. Die Grundherren führten zu ihrem Ersatz zahlreiche schwarze Sklaven ein.

An der karibischen Küste entstanden hingegen Kakaoplantagen, nach deren Niedergang wurden sie von Tabakplantagen abgelöst. Als Antwort auf die zunehmende Piraterie schloss Spanien allerdings 1665 die Häfen und ruinierte damit den Handel. Die Region wurde zum Rückzugsgebiet für Schmuggler und Piraten, was wiederum die staatliche Autorität unterminierte.

1809 wurde aus der Provinz Costa Rica eine Provinz Spaniens. Mit der Charta von Cadiz entstanden 1812 Deputationen für die Provinzen, von ihnen war die Diputaciòn Provincial de Nicaragua y Costa Rica auch für Costa Rica zuständig. Nicoya und die dortige Zentralregion hatten einen gemeinsamen Gesandten zu den Cortes nach Spanien geschickt.

Unabhängigkeit (ab 1821) und Konföderation (1823 bis 1838)

Am 15. September 1821 erklärte Costa Rica zusammen mit anderen Kolonien die Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Spanien. Während sich die anderen mittelamerikanischen Staaten für einen Anschluss an die Zentralamerikanische Konföderation entschieden, entschloss sich Costa Rica eilig für den Anschluss an das mexikanische Reich des Agustín de Iturbide. Erst von 1823 bis 1839 gehörte es zur Konföderation. Die Hauptstadt Costa Ricas, die Mexiko unterstützte, wurde 1824 durch Präsident Juan Mora Fernández, der dieses Amt bis 1833 innehatte, in das 1738 gegründete San José verlegt, das eine unabhängige, republikanische Verfassung bevorzugte. 1843 wurde die Universidad de Santo Tomás gegründet, die spätere Universidad de Costa Rica. Dabei stand die Stadt in scharfer Konkurrenz zu Cartago, das ebenso konservativ war wie Heredia, während die anderen beiden Städte San José und Alajuela liberaler waren. 1823 kam es zum Bürgerkrieg. Die kurze Schlacht in den Ochomogo-Hügeln gewannen die republikanischen Kräfte von San José. Guanacaste löste sich zudem von Nicaragua und schloss sich ihm ein Jahr später an. Zugleich lähmten Grenzstreitigkeiten und vor allem die in den anderen Staaten vorherrschende Repression die Konföderation, so dass Costa Rica 1838 seine Unabhängigkeit erklärte. Hier spielten weder die massive Unterdrückung, noch ein unabhängiges Militär eine bedeutende Rolle.

Juan Mora Fernandez etablierte ein funktionsfähiges Rechtssystem, gründete die erste Zeitung und baute das Bildungssystem aus. Er ermutigte zum Kaffeeanbau, wozu er kostenlos Land ausgab. Dennoch griffen im September 1835 die anderen drei Städte San José an.

Braulio Carrillo, ein Diktator, löste 1838 Costa Rica aus der Konföderation. Der honduranische General Francisco Morazan stürzte Carrillo jedoch 1842. Morazans Ehrgeiz und die erhöhten Steuern zur Finanzierung seiner Pläne führten zu seinem Sturz 1843.

Eigenstaatlichkeit, Kaffeebarone (ab 1838)

Währenddessen stieg eine neue Führungsgruppe auf, die jedoch in sich zerstritten war, die Kaffeebarone, die Cafetaleros.

Sie taten sich zusammen, um José María Castro Madriz zu stürzen. Castro, ein Aufklärer, hatte eine höhere Schule für Mädchen gegründet und Pressefreiheit durchgesetzt.

Als seinen Nachfolger entschieden sie sich für Juan Rafael Mora Porras, einen der reichsten Kaffeearistokraten. Mora wurde bekannt für den rapiden wirtschaftlichen Aufstieg des Landes während seiner ersten Amtszeit und für den Kampf gegen die Ambitionen des amerikanischen Abenteurers William Walker während seiner zweiten. Diese zweite Wahl konnte er nur durch Wahlmanipulationen gewinnen. 1859 wurde er abgewählt, weil man ihn für die Cholera-Epidemie verantwortlich machte, die jeden zehnten Costaricaner das Leben kostete. Die Führungsgruppe ließ ihn fallen, nachdem er eine Nationalbank gründen wollte, denn sie fürchteten um ihr Kreditmonopol für die Kaffeeproduzenten. Nach einem Putschversuch gegen seinen Nachfolger wurde er hingerichtet. Diese bürgerkriegsartige Situation führte in den 1860er Jahren dazu, dass die Armee zu einem bedeutenden Machtfaktor aufstieg, der korruptionsanfällig war.

General Tomás Guardia Gutiérrez stürzte im April 1870 die Regierung und herrschte bis 1882 und etablierte ein autoritäres Regime. Er gilt als „guter“ Diktator, denn er schaffte die Todesstrafe ab, bändigte die Macht der Kaffeebarone, ebenso wie die der Armee. Er finanzierte aus den Kaffeeeinnahmen Straßenbauten und öffentliche Gebäude. Außerdem führte er die Schulpflicht ein, wobei der Staat die Kosten übernahm. Die Kaffeebarone unterstützten ihn zunehmend, da das liberale Regime ihren Interessen eher entgegenkam, als die Instabilität wechselnder militärischer Allianzen.

Zuwanderung und Eisenbahnbau, Bananen

Guardias schwierigstes Projekt wurde der Bau einer Eisenbahnverbindung vom zentralen Tal zur Atlantikküste, und damit die Anbindung an den Weltmarkt. Erbauen sollte sie der New Yorker Minor C. Keith aus Brooklyn.

Die meisten schwarzen Costaricaner, die heute rund 3 % der Bevölkerung ausmachen, kamen von Jamaika. Während der 1880er Jahren arbeiteten sie an Minor Keiths Eisenbahnprojekt mit, das die Städte des Zentralplateaus mit dem Hafen Puerto Limón an der karibischen Küste verband.[8] Minor C. Keith führte das Projekt mit Hilfe amerikanischer und chinesischer Arbeitskräfte durch. Zum Ausgleich erhielt Keith keine Bezahlung sondern Land und Einnahmen aus dem Bahnbetrieb. Diese nutzte er, um Bananen anzubauen, die Kaffee bald Konkurrenz machten. Der Grund und Boden blieb in amerikanischen Händen, unter ihnen die United Fruit Company, die erheblichen Einfluss im Land gewann.

Erste freie Wahlen (1889)

Präsident Bernardo Soto Alfaro rief 1889 zu den ersten freien Wahlen auf, wenn auch Schwarze und Frauen noch nicht wahlberechtigt waren. Zu seiner Überraschung gewann sein Kontrahent José Joaquín Rodríguez Zeledón die Wahl. Als die Regierung beschloss, den neuen Präsidenten nicht anzuerkennen, kam es zu Massenaufmärschen, die die Regierung zum Nachgeben zwangen.

Diktatoren

Rodriguez und sein Nachfolger, Rafael Yglesias Castro, förderten zwar den wirtschaftlichen Aufschwung, doch zogen sie so viel Macht an sich, dass ihr Regime eher eine Diktatur darstellte. Yglesias’ Nachfolger, Ascensión Esquivel Ibarra, der 1902 ins Amt kam, trieb drei seiner Kontrahenten ins politische Exil und erzwang 1906 die Einsetzung seines eigenen Kandidaten für das Amt des Präsidenten, nämlich Cleto González Víquez. Unter ihm wurde die Bahnstrecke von San José nach Puntarenas am Pazifik 1910 fertig gestellt. Am 4. Mai 1910 zerstörte ein Erdbeben Cartago und andere Orte in der gleichnamigen Provinz, und tötete etwa 1500 Menschen.[9] Den Gewinner des Plebiszits von 1914 erklärte der Kongress kurzerhand für nicht wählbar und ernannte seinen eigenen Kandidaten, Alfredo Gonzalez Flores, zum Präsidenten.

Dennoch war das Land formal weiterhin eine Demokratie, die Armee griff nicht ein. Dies änderte sich 1917, als Flores versuchte, die steuerlichen Lasten, die bisher praktisch nur von den mittleren und unteren Einkommen getragen wurden, durch eine direkte, progressive Besteuerung neu zu verteilen. Zudem sorgte er dafür, dass sich der Staat zunehmend in die Wirtschaft einmischte. Kriegsminister Federico Tinoco Granados übernahm die Macht. Der Diktator verlor jedoch bald die Unterstützung der amerikanischen Unternehmer, und Frauen und Studenten demonstrierten 1919 gegen den Diktator. Flores trat zurück, Federico Tinoco Granados ging ins Exil.

Die Liga Civica opponierte ab 1928 gegen das Elektrizitätsmonopol der Electric Bond and Share Co. (General Electric), das für die Elektrifizierung der Eisenbahnen und die allgemeine Stromversorgung eine zentrale Rolle spielte. Einer ihrer Führer, Ricardo Moreno Cañas, wurde am 23. August 1938 ermordet. 2008 wurde er zu einem der Wohltäter des Vaterlands (Benemeritos de la Patria) ernannt.[10]

Es folgte eine Reihe instabiler Regierungen, die sich unter Führung von Ricardo Jiménez Oreamuno (1910-14, 1924-28, 1932-36) und Gonzalez Visquez (1928-32) zwölf Jahre lang in der Führung abwechselten. Die Weltwirtschaftskrise erschütterte auch das kleine Land, wo Unterernährung, Arbeitslosigkeit, Hungerlöhne und brutale Arbeitsbedingungen zu Unruhen führten. Ein von Kommunisten geführter Streik gegen die United Fruit Company brachte einige Erleichterungen, doch der Ruf nach Reformen des paternalistischen Systems der Landbarone wurde lauter. Die politische Macht gewannen die Städte.

Von 1936 bis 1940 amtierte der autoritär herrschende Präsident León Cortés, dem Sympathien für den Nationalsozialismus nachgesagt wurden. Umstritten ist dabei insbesondere die Rolle des deutschen Einwanderers Max Effinger, der unter Cortés das Amt des Direktors für öffentliche Arbeiten ausübte. Er opponierte gegen die Einwanderung polnischer Juden.[11] Er wurde nach dem 6. Dezember 1941 als Deutscher interniert.

Weltkrieg und Bürgerkrieg

Cortés' Nachfolger, der Arzt Rafael Calderón Guardia (1940-44) orientierte sich stärker an den USA. Zudem führte Calderón eine Landreform durch, so dass unbearbeitetes Land denen gehören sollte, die es bearbeiteten. Dazu kam ein Mindestlohn, bezahlter Urlaub, eine Arbeitslosenversicherung, eine progressive Besteuerung sowie die Kodifizierung der Arbeiterrechte. Darüber hinaus gründete er die Universität von Costa Rica.

Im Dezember 1941 trat Costa Rica, nach dem Angriff auf Pearl Harbour, als erstes zentralamerikanisches Land in den Zweiten Weltkrieg ein. Deutsche, italienische und japanische Staatsbürger wurden überwacht und ihr Vermögen eingezogen. Die konservative Elite, die Calderón ins Amt gebracht hatte, betrachtete ihn zunehmend als ihren Gegner, zumal die Verhaftung einiger Deutscher, die zu ihnen zählten, sie weiter reizte. Die hohen Ausgaben und der Krieg führten zu einer steil ansteigenden Inflation, die die Mittelklasse und die Arbeiterschaft schädigte und sie gegen ihn aufbrachte. Calderón verbündete sich schließlich mit der Katholischen Kirche und Kommunisten, die zusammen die vereinigte sozialchristliche Partei bildeten.

Auf Calderón folgte seine Marionette Teodoro Picado durch eine manipulierte Wahl. Gegen die Regierung verbündeten sich Intellektuelle, die der „unheiligen Allianz“ Calderóns misstrauten, Landarbeiter (Campesinos) und Teile der Arbeiterschaft. Sie gründeten die Sozialdemokratische Partei, die von einer aufstrebenden Mittelklasse dominiert wurde. Diese SDP verbündete sich mit den traditionellen oligarchischen Eliten.

Während der Wahl von 1948, bei der sich Calderón zu einer zweiten Amtszeit stellte, kam es zu Ausschreitungen. Er verlor knapp gegen Otilio Ulate, doch die Regierung bezeichnete die Wahl als Betrug. Sie annullierte die Wahl und ließ die Wahlzettel verbrennen. Am 10. März 1948 begann der Nationale Befreiungskrieg.

Der Legende nach soll José María („Don Pepe“) Figueres Ferrer, ein 42 Jahre alter Kaffeebauer, Ingenieur, Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph spontan eine Armee aus Studenten und Intellektuellen aufgeboten haben. Doch der Aufstand war lange vorbereitet. Don Pepe war 1942 ins Exil nach Mexiko gegangen. 1944 kehrte er nach Costa Rica zurück und warb für einen bewaffneten Aufstand. Aus dem Ausland wurden Waffen an seine von Militärs aus Guatemala ausgebildeten Truppen geliefert. Neben Guatemala unterstützte ihn Kuba, und den Aufständischen gelang die Besetzung von Cartago und Puerto Limón. Noch bevor sie die Hauptstadt erreichten gab Calderón auf. Seine vom Somoza-Regime in Nicaragua und von kommunistischen Bananenpflückern unterstützten Regierungstruppen trugen Decken zum Schutz gegen die Kälte des Hochlands, was ihnen den Beinamen Mariachi eingetragen hatte. Der Bürgerkrieg hatte 2.000 Menschenleben gefordert, meist Zivilisten.

Don Pepe wurde für 18 Monate der Führer der Gründungs-Junta der Zweiten Republik Costa Ricas. Er setzte Calderóns Sozialreformen fort, verbot die Kommunistische Partei und ihre Presse, führte das Frauenwahlrecht ein, die Schwarzen erhielten alle Bürgerrechte und löste das stehende Heer auf. Er begrenzte die Amtszeit des Präsidenten und setzte ein unabhängiges Wahlgericht ein, das zukünftige Wahlen überwachen sollte. Er nationalisierte die Banken und Versicherungen.

Calderón und viele seiner Anhänger zwang er, ins Exil nach Mexiko zu gehen, Sondergerichte konfiszierten ihren Besitz. Viele linke Politiker und Aktivisten wurden entführt und ermordet. Von Nicaragua unterstützt, versuchte Calderón zwei mal vergeblich eine Invasion Costa Ricas. Noch 1962 trat er, wenn auch erfolglos, zur Wahl an.

Er ließ nach dem Beitritt zum TIAR-Pakt die Armee am 8. Mai 1949 per Verfassung abschaffen und investierte die hierdurch freigesetzten Gelder in den Aufbau des Bildungs- und Gesundheitswesens. Grenzschutzaufgaben übernahm die Polizei, wenn auch eine Sicherheitsgarde mit rund 8400 Mann bestand.

Abschaffung des Militärs 1949

Präsident José Figueres Ferrer führte eine Junta, die am 8. November 1949 abtrat und die Demokratie einführte. Zunächst übergab er Otilio Ulate, der die Vorbürgerkriegswahl von 1948 gewonnen hatte, sein Amt.

Der Sozialist Figueres gewann die erste demokratische Wahl 1953 und regierte bis 1957 und abermals von 1970–1974. Er beherrschte über Jahrzehnte als Führer der Partido de Liberacion Nacional (PLN) die Politik und starb am 8. Juni 1990. PLN und Christdemokraten lösten sich regelmäßig in der Macht ab, doch die Wahlen blieben demokratisch. Der häufige Wechsel war wirtschaftlich sehr erfolgreich und führte zur Etablierung eines Sozialstaats, für den 1981 40 % des Haushalts aufgewendet wurden. Zugleich wurde der Staat zum größten Arbeitgeber.

1963 bis 1965 brach der 3432 m hohe Irazú mehrfach aus. Er gilt als einer der gefährlichsten Vulkane. 1723 fand die älteste dokumentierte Eruption statt.[12] 1822, 1841 und 1910 fanden schwere Erdbeben statt, die Cartago schwer zusetzten.

1980 stürzte Costa Rica in eine schwere Wirtschaftskrise. Inflation, Abwertung, steigende Benzinkosten, aber auch sinkende Kaffee- und Bananen-, sowie Zuckerpreise waren kennzeichnend. Hinzu kamen die Störungen des Handels durch den Bürgerkrieg in Nicaragua, in dem Costa Rica zuerst zur Basis für die Sandinisten wurde, dann für die Contras. Die Aufnahme von Krediten stieg so stark an, dass Costa Rica als das Land mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung galt.

Neutralität

1983 verkündete Präsident Luis Alberto Monge angesichts der Verschärfung der Bürgerkriege in Nicaragua) die unbewaffnete Neutralität seines Landes.

Bei den Wahlen von 1986 gewann der Soziologe und Wirtschaftsanwalt Óscar Arias Sánchez. Arias versuchte die Contras aus Costa Rica zu verdrängen und die offizielle Neutralitätserklärung seines Landes von 1983 in die Tat umzusetzen. 1987 gelang ihm der Verhandlungsdurchbruch und die Unterzeichnung eines Friedensplanes durch die fünf mittelamerikanischen Länder. Er erhielt dafür den Friedensnobelpreis von 1987.

Im Februar 1990 gewann Rafael Angel Calderón Fournier, der Kandidat der Christlich-Sozialen Einheitspartei (PUSC) (PUSC) mit 51 % der Stimmen die Wahl. Genau 50 Jahre nach seinem Vater wurde er in sein Amt eingesetzt. Unter dem Druck der Weltbank und des International Monetary Fund, initiierte Calderón einen harten Sparkurs. Costa Rica wurde gelegentlich die „Schweiz Mittelamerikas“ genannt, weniger wegen der Landschaft, als wegen des Wohlstands und der Neutralität.

Im März 2006 wurde Óscar Arias Sánchez, wie schon 1986 (bis 1990) zum Präsidenten gewählt. Er ist bereits seit seiner Studienzeit Mitglied der Partei der Nationalen Befreiung (PLN), 1981-83 ihr Generalsekretär. Der Friedensnobelpreisträger vermittelte 2009 nach dem Putsch in Honduras.

Freihandelsabkommen mit den USA (2007) und Wirtschaftskrise

Am 7. Oktober 2007 fand in Costa Rica eine Volksabstimmung über ein Freihandelsabkommen mit den USA, Zentralamerika und der Dominikanischen Republik statt, den Tratado de Libre Comercio con los Estados Unidos, Centroamérica y República Dominicana, der mit 51,6 % der abgegebenen Stimmen angenommen wurde. Die Kampagne für das Abkommen wurde vor allem vom Präsidenten Óscar Arias Sánchez und seiner Partei der Partido Liberación Nacional (PLN) getragen, aber auch von Intellektuellen, Politikern und Wirtschaftsvertretern.

Die Kampagne gegen das Abkommen wurde von der Oppositionspartei Partido Accion Ciudadana (PAC) und deren Vertretern Otton Solis und Jose Miguel Corrales unterstützt. Es bildeten sich aber auch private Initiativen, die unter dem Slogan „¡Mi corazón dice no!“ (Mein Herz sagt nein!) antraten.

Streit um Rechte der Indianer

2008 wurde ohne die gesetzlich vorgeschriebene Einbeziehung der Betroffenen, vor allem der im dortigen Térraba-Tal ansässigen Teribe, das größte Stauseeprojekt Mittelamerikas beschlossen.[13] Mit diesem Projekt, El Diquis, soll ein See von 7400 ha Fläche entstehen, der Strom ist ganz überwiegend für den Export vorgesehen. Den Teribe gehörten noch vor wenigen Jahrzehnten rund 9000 ha Land, doch blieben ihnen nach illegalen Besiedlungen nur noch rund zehn Prozent. Ihre Dörfer sollen zwangsweise umgesiedelt werden, doch wehren sich die Indigenen gegen die Zerstörung ihrer Kultur, die auf der natürlichen Umgebung basiert. Gefährdet sind darüber hinaus 327 archäologische Stätten.[14] Im April 2011 besuchte James Anaya, der UN-Sonderberichterstatter zur Lage der Menschenrechte und Grundlegenden Freiheiten Indigener Völker, das Térraba-Tal, um sich ein Bild über die Situation zu verschaffen. Nach Gesprächen mit Vertretern der Teribe und dem staatlichen Energiekonzern ICE (Instituto Costarricense de Electricidad), stoppte letzteres vorläufig Baumaßnahmen auf 20 Hektar im indigenen Reservat[15]

Siehe auch

Nationalmuseum von Costa Rica

Literatur

  • Clotilde María Obregón: Nuestros gobernantes: verdades del pasado para comprender el futuro, 2. Auflage, San José: Editorial de la Universidad de Costa Rica 2002 (1. Aufl. 1999).
  • Guillermo Villegas Hoffmeister: La guerra de Figueres: crónica de ocho años, Universidad Estatal a Distancia San José 1998

Weblinks

Anmerkungen

  1. Iván Molina Jiménez, Steven Paul Palmer: The History of Costa Rica. UCR, San José 2006, S.3.
  2. Robert M. Carmack: Perspectivas sobre la historia antigua de Centroamérica. in: Robert M. Carmack (Hrsg.): Historia General de Centroamérica, Bd 1. Historia Antiqua, Sociedad Estatal Quinto Centenario, Madrid 1993, S. 300.
  3. The Nobel Peace Prize 1987
  4. Geographia.
  5. Cariari National Wetlands
  6. Winners and losers: how sectors shape the developmental prospects of states, Cornell University Press, Ithaca, New York 1994
  7. The Story Of … Smallpox – and other Deadly Eurasian Germs
  8. Blacks of Costa Rica, World Culture Encyclopedia.
  9. Das Beben tötete über 1.500 der rund 12.000 Bewohner (León Fernández Guardia, Amando Céspedes Marín: The Cartago Earthquake 6h. 47m. 35s. May 4th 1910, San José 1910, S. 12 (online)).
  10. Ricardo MORENO CAÑAS, Asamblea ligislativa. República de Costa Rica
  11. Lowell Gudmundson: Costa Rican Jewry: An Economic and Political Outline, Florida International University 1984, S. 7.
  12. Irazù, Global Volcanism Program des Department of Mineral Sciences des National Museum of Natural History an der Smithsonian Institution in Washington, D.C..
  13. Film der Teribe über das Projekt (deutsch).
  14. Website zum Staudamm.
  15. Infos zum Konflikt um den Staudamm.

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