Abigail Folger

Abigail Anne Folger (* 11. August 1943 in San Francisco; † 9. August 1969 in Los Angeles) war die Ururenkelin des Kaffeekonzerngründers J. A. Folger („Folgers Coffee“ heute u.a. auch als „Folgers Flavors“ bekannt) und Erbin des gleichnamigen Kaffeeimperiums. Sie war Mitglied der amerikanischen High Society und kam aus einem etablierten Elternhaus. Abigail Folger gelangte zu trauriger Berühmtheit, als sie einem Mordanschlag der Charles Manson Family im Hause der Schauspielerin Sharon Tate zum Opfer fiel.

Leben

Abigail Anne Folger, genannt „Gibby“ war die Tochter von Peter Folger, dem Präsidenten der Folger Coffee Company und Inez Mejia, der Tochter einer kalifornischen Großgrundbesitzerfamilie. Die Eltern ließen sich früh scheiden. Abigail wuchs in San Francisco auf und war bald etabliertes Mitglied der kalifornischen „Upper-Class“. Bereits als Jugendliche interessierte sie sich intensiv für Kunst, Musik und Schauspiel. Nach ihren Schulabschlüssen an der Santa Catalina School in Monterey und am Radcliffe College in Cambridge, Massachusetts, ging sie verstärkt ihren schauspielerischen Ambitionen nach.

1961 wurde Abigail Mitglied einer Musik- und Theatergruppe und ging mit dem Ensemble auf Tournee. Nach erfolgreichem Abschluss am Radcliffe College studierte sie Kunstgeschichte in Harvard und schloss mit Diplom ab. Nach ihrer Graduierung 1967 zog sie zurück nach Kalifornien um im Art Museum der University of California als Pressesprecherin und Direktorin für Öffentlichkeitsarbeit zu arbeiten.

Aufgrund einer Sinnkrise verließ Abigail Folger im September 1967 Kalifornien und pendelte quer durch die USA. Sie arbeitete bei verschiedenen Verlagen und war gern gesehener Gast der Partyszene von New York. Durch eine Buchpräsentation traf sie 1968 auf den jungen polnischen Schriftsteller und Lebenskünstler Voyteck Frykowski, der gerade einen Monat in den Staaten war und noch kein Englisch sprach. Beide verständigten sich zunächst auf Französisch und verliebten sich ineinander. Der Autor Frykowski war ein Bekannter des ebenfalls aus Polen stammenden Regisseurs Roman Polański.

1968 wurde Abigail Folger Wahlkampfhelferin von Robert F. Kennedy und unterstützte den damaligen Senator auch finanziell. Im August 1968 zogen Folger und Frykowski zurück nach Los Angeles. Durch die Bekanntschaft zu Sharon Tate und Roman Polański entstanden neue Bekanntschaften, so zu dem renommierten Haarstylisten Jay Sebring, der der ehemalige Verlobte von Sharon Tate war. Frykowski widmete sich seinen Buchprojekten während Abigail sich für wohltätige Projekten einsetzte. Durch die enger werdende Freundschaft von Folger und Frykowski mit dem Ehepaar Polański-Tate sowie Jay Sebring entstand bald ein freundschaftlich-familiäres Verhältnis.

Abigail Folger engagierte sich – wie schon zuvor ihre Mutter Inez – intensiv in Wohlfahrtsprojekten; so unterstützte sie die Haight-Ashbury Free Medical Clinic oder arbeitete als Sozialarbeiterin für notleidende Kinder in den Ghettos von Los Angeles; überdies unterstützte sie Jay Sebring mit Investitionen. Durch ihren caritativen Einsatz könnten Mitglieder der Kommune um Charles Manson (und später Manson selbst) auf Folger aufmerksam geworden sein. Manson soll sich auch einige Zeit im Gästehaus Folgers einquartiert haben. Zudem hatte Folger bereits, auch bedingt durch die Bekanntschaft zu den Polańskis, einen großen Kreis von Prominenten wie z. B. Jane Fonda, Peter Fonda, Warren Beatty oder Tony Curtis um sich versammelt und mag dadurch – ebenso wie Sharon Tate und ihre Freunde – ein Zielobjekt Mansons und seiner Sekte geworden sein.

Der Mord

Am Abend des 8. August 1969 kehrten Abigail Folger, Voyteck Frykowski, Jay Sebring und Sharon Tate nach einem Essen in einem mexikanischen Restaurant zum Anwesen der Polańskis am Cielo Drive in Bel Air zurück. Abigail zog sich zum Lesen in ihr Bett zurück, wo sie gegen Mitternacht von Susan Atkins überrascht und ins Wohnzimmer gebracht wurde. Dort wurde bereits ihr Lebensgefährte Voyteck Frykowsky von den anderen Tätern Patricia Krenwinkel und Charles „Tex“ Watson in Schach gehalten. Auch Sharon Tate und Jay Sebring, die sich in Sharons Zimmer unterhalten hatten, wurden ins Wohnzimmer gezwungen. Kurz zuvor hatten die Täter bereits den eher zufällig auf dem Grundstück befindlichen Steven Parent in seinem in der Auffahrt stehenden Auto erschossen. Abigail Folger wollte in den Vorgarten flüchten, wurde aber im Flur des Hauses niedergestochen. Es gelang ihr in einem unbeobachteten Moment wieder aufzustehen und nach draußen zu rennen, verfolgt von Patricia Krenwínkel und Tex Watson. Dort wurde sie von beiden mit 28 Messerstichen niedergestochen. Ihre letzten Worte waren: „Ich gebe auf. Ich bin doch schon tot.“

Abigail Folger wurde am 13. August 1969 nach einer katholischen Messe auf dem Holy Cross Cemetery in Colma, Kalifornien bestattet.

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