Abitur nach 12 Jahren

Das Abitur nach zwölf Jahren (auch achtjähriges Gymnasium oder G8) ist die in Deutschland in allen Ländern eingeführte Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur von dreizehn auf zwölf Jahre.

Als Hauptargument für die Einführung wird vor allem die in Deutschland vergleichsweise lange Dauer der Schulzeit angeführt. Die Schüler sollen nach dem neuen System ein Jahr früher als bisher in Beruf oder Studium einsteigen können. In manchen Ländern (Berlin, Mecklenburg-Vorpommern) besteht ein nur sechsjähriges Gymnasium von der siebten bis zwölften Jahrgangsstufe.

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Die Einführung des Abiturs nach zwölf Jahren ist mittlerweile in allen deutschen Ländern beschlossen. Aufgrund der Kulturhoheit der Länder existieren bei der zeitlichen und inhaltlichen Umsetzung des Konzepts von Land zu Land große Unterschiede.

Die Weimarer Republik legte mit der obligatorischen vierjährigen Grundschule für alle Kinder statt der bisher meist üblichen dreijährigen Vorschule zum neunjährigen Gymnasium die dreizehn Schuljahre fest. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde ab 1937 die Schulzeit zum Abitur auf zwölf Jahre verkürzt, um sogenannter „Überbildung“ der Jugend entgegenzutreten. In der DDR blieb es dabei, vor allem aus Kostengründen.

Da in der DDR das Abitur nach zwölf Jahren normal war, haben die Länder Sachsen und Thüringen das dreizehnjährige Abitur nie eingeführt. In den anderen neuen Bundesländern ist die (Wieder-)Einführung des Abiturs nach zwölf Jahren inzwischen größtenteils abgeschlossen.[1]

In den alten Bundesländern dauert die Einführung größtenteils noch an und ist umstritten.

Land Einführung Abschluss der Umstellung
Baden-Württemberg Baden-Württemberg ja 2012
Bayern Bayern 2011
Berlin Berlin 2012
Brandenburg Brandenburg
Bremen Bremen
Hamburg Hamburg 2010
Hessen Hessen 2013
Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern bis 2001 und seit 2008
Niedersachsen Niedersachsen 2011
Nordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen 2013
Rheinland-Pfalz Rheinland-Pfalz ja
(an Ganztagsschulen
im Modellversuch)
2016
Saarland Saarland ja 2009
Sachsen Sachsen von Beginn an
Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt seit 2007
Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein 2016
Thüringen Thüringen von Beginn an

Umsetzung und Kontroversen

Im Vorfeld der Umstellung forderten viele, dass die kürzere Schulzeit nicht zur Qualitätsminderung des Abiturs führen dürfe. Die Kultusministerkonferenz (KMK) entsprach dem, indem sie insgesamt 265 Wochenstunden für acht Schuljahre auf dem Weg zum Abitur festlegte. Folge war eine Erhöhung der Wochenstundenzahlen für die Schüler mit kürzerer Schulzeit. Daran üben zum Teil heftige Kritik Eltern-, Lehrer- und Schülerorganisationen, doch ausschließlich aus den westlichen Ländern.[2] Trotz des Wegfalls eines Unterrichtsjahres werden zumeist weiterhin alle Inhalte der bisher dreizehn Schuljahre vermittelt. Dies bedeutet, dass der Stundenplan ausgeweitet wird und Schüler über 40 Wochenstunden in der Schule verbringen müssen. Noch höhere Stundenzahlen entstehen noch, wenn ehrgeizige Schüler über das Minimum zusätzliche Kursangebote wahrnehmen. Mindestens 260 Wochenstunden müssen im Lehrplan fachgebunden ausgewiesen werden. Bei acht Jahrgangsstufen bedeutet das, dass die Schüler mindestens 33 Stunden pro Woche Unterricht haben.

Kritisiert wird vor allem die Umsetzung, so nannte Gitta Franke-Zöllmer vom Verband Bildung und Erziehung Niedersachsen die Reform „undurchdacht und konzeptionslos“ und erwägt die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium. Eine Streichung von Unterrichtsfächern droht vor allem zu Ungunsten der musischen Fächer und Religion auszufallen.[3] Eine Ausdehnung des Unterrichts auf den Samstag, wie von der Hamburger Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig vorgeschlagen, wird ebenfalls kontrovers diskutiert. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bezeichnet den Samstagsunterricht als „familienfeindlichen Unsinn“.[4] Kritik äußert sich auch, dass es im Vergleich zu anderen europäischen Staaten weniger Ganztagsschulen mit Mensaversorgung und Förderangeboten gäbe.[5] In einer ersten Reaktion haben sich die Kultusminister der Länder (Kultusministerkonferenz) auf „mehr Zeit für individuelles Üben“ verständigt.[6] Kritisiert wird dagegen, dass durch die Straffung der Lehrpläne wichtige Inhalte ausgedünnt und gestrafft werden. So soll nach einem Entwurf des Kultusministeriums Bayern die Thematik des Nationalsozialismus in der Oberstufe nur noch in sieben Wochenstunden abgehandelt werden.[7]

Einzelnachweise

  1. Spiegel Online: Im Osten nichts Neues
  2. Spiegel Online: Diebstahl der Kindheit
  3. Spiegel Online: Gymnasiasten ächzen unter der Stundenlast
  4. Spiegel Online: Hamburgs Schüler bleiben verschont
  5. Spiegel Online: Kultusminister bessern beim Turbo-Abi nach
  6. Süddeutsche Zeitung: Kultusminister wollen Schnell-Abitur entschärfen
  7. Süddeutsche Zeitung: Nationalsozialismus light, vom 19. Juli 2008

Weblinks


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