Abraham Frowein (Industrieller)

Abraham Frowein (* 19. September 1878 in Elberfeld; † 12. Juli 1957 in Wuppertal) war ein deutscher Fabrikant.

Inhaltsverzeichnis

Familie und Teilhaber

Die ehemalige Seidenweberei Frowein & Co. GmbH

Frowein entstammt einer Familie, die sich seit 1500 in Lennep und seit 1600 in Elberfeld nachweisen lässt. Als Sohn des Juristen und Fabrikanten Dr. jur. Abraham Frowein (* 20. Februar 1847; † 26. August 1893) und seiner Ehefrau Luise aus'm Weerth (* 25. März 1856) aus dem Haus Ahr bei Wesel besuchte er ein humanistisches Gymnasium. Von 1897 bis 1901 unternahm er eine Reise nach Genf, London und New York. Anschließend begab er sich für die Dauer eines Jahres auf eine Weltreise.

Seit 1902 wirkt er als Sekretär, ab 1904 als Teilhaber der Firma Abraham & Gebrüder Frowein, die später in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Die Fabrik produzierte Spitzen, Litzen, Kordeln und Bänder. Die Produktionsstätte befand sich in Elberfeld in der Uellendahler Straße 70/71.

Öffentliche Ämter

Er engagierte sich in den gewerblichen Verbänden der Textilindustrie, so als Vorsitzender im Krefelder Verein deutscher Seidenwebereien und im Verband der Seidenbandindustrie in Deutschland. Nachdem am 4. Februar 1919 der Reichsverband der Deutschen Industrie (RDI) gegründet wurde, besetzte er in dieser Organisation den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden. Am 12. Juni 1919 leitete er eine Sitzung des RDI in Berlin, der sich mit dem Problem der Sozialisierung befasste. Dabei nahm er zu den geplanten Selbstverwaltungskörperschaften der Industrie Stellung und bezeichnete sie nur als scheinbare Selbstverwaltung.

Im Jahre 1920 gründete der RDI eine Kartellstelle. wobei er als Vorsitzender die Leitung innehatte. Er hatte in Sitzungen und Verhandlungen sich außergewöhnlich geschickt gezeigt und bezüglich der Probleme der Märkte ein große Erfahrung bewiesen, was offensichtlich bei Fabrikanten und Industriellen damals nicht oft vorkam. Als im Dezember 1926 in London eine Konferenz des RDI mit dem britischen Verband Federation of British Industries stattfand, gehörte Frowein zu der fünfköpfigen deutschen Delegation.

Präsident der Internationalen Handelskammer

Als 1925 die Deutsche Gruppe der Internationalen Handelskammer gegründet wurde, wurde er zum stellvertretenden Präsidenten nominiert, während Franz von Mendelsohn als Präsident fungierte. Nachdem dieser 1931 Präsident der Internationalen Handelskammer wurde, konnte er dieses Amt wegen einer Erkrankung nicht die üblichen zwei Jahre ausführen, so dass Frowein am 10. März 1932 seine Nachfolge bis 1933 antrat. Danach wurde Frowein zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Rückzug im Jahre 1933 und Nachkriegsaufgabe

Am 6. Januar 1928 hatte er noch den Gründungsaufruf zum Bund zur Erneuerung des Reiches (BER) unterzeichnet. Nach der Machtergreifung der NSDAP wurde er zum Rücktritt aus dem RDI gezwungen und so zog er sich aus den bisherigen öffentlichen Ämtern zurück. Aber schon im Jahre 1946 übernahm er das Amt des Präsidenten des Deutschen Wirtschaftsrats in der Britischen Besatzungszone.

Frowein engagierte sich politisch in der Deutschnationale Volkspartei (DNVP). In Elberfeld gehörte er vor 1914 und nach dem Kriege für eine Periode der Stadtverordneten-Versammlung an. Seit dem 16. März 1903 war er mit Eva Cohnitz, Tochter des Eugen Cohnitz, Teilhaber der Firma Gebhard & Co., und seiner Ehefrau Emma Schlieper, verheiratet. In Elberfeld wohnte er unter der Adresse Am Buschhäuschen 11.

Mitgliedschaft und Ämter

  • Vorläufiger Reichswirtschaftsrat
  • Beirat im Bund für koloniale Erneuerung (BKE)
  • Stifterverband der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft (NdW)
  • stellvertretender Vorsitzender des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen, Düsseldorf
  • Industrie- und Handelskammer für den Wuppertaler Industriebezirk
  • Vorstand der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
  • Verwaltungsrat der Treuhandverwaltung für das Deutsch-Niederländische Finanzbakommen, Berlin
  • Handelsstatistischer Beirat des Statistischen Reichsamtes, Berlin
  • Verwaltungsrat der Zweigstellen des Auswärtigen Amtes für Außenhandel und die Reichs-Nachrichtenstellen, Berlin
  • Aufsichtsrat der J.P. Bemberg AG, Barmen
  • Aufsichtsratsvorsitzender der Frowein & Co. KG auf Aktien
  • Aufsichtsratsvorsitzender der Walter Leberecht Stein AG, Osterrath
  • Vizepräsident der Continental Bandweberei AG, Budapest
  • Aufsichtsrat Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG, Elberfeld
  • Aufsichtsrat Vereinigte Bandfabriken AG, Wien
  • Aufsichtsrat Vereinigte Bandfabriken AG, Dobruska
  • Aufsichtsrat Silesia Allgemeine Versicherungs AG, Breslau
  • Aufsichtsrat Norstern Lebensversicherungs-Bank AG, Berlin

Auszeichnungen

Referenzen

  • Hermann A.L. Degener, Wer ist's?, Berlin 1935
  • Georg Wenzel, Deutscher Wirtschaftsführer, Berlin 1929
  • Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft, 1. Band, Berlin 1930
  • DBE, Band 3, München 1996
  • Der Weg zum industriellen Spitzenverband, Darmstadt 1956
  • Handbuch des Aufbaus der gewerblichen Wirtschaft, Band III, Leipzig 1937
  • Dieter Fricke et al., Lexikon zur Parteiengeschichte, Band I, III, und IV, Leipzig 1983

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