Landesregierung und Stadtsenat Reumann

Ein Stadtrat (30 Mandatare inklusive Bürgermeister Jakob Reumann) nach der alten Wiener Gemeindeordnung amtierte als Nachfolger des Stadtrates Weiskirchner von der Gemeinderatswahl 1919, der ersten voll demokratischen Wiens, bis zum 9. November 1920.

Inhaltsverzeichnis

Wien wird Bundesland

Am 10. November 1920 trat das Bundes-Verfassungsgesetz in Kraft, das in seinen Artikeln 108–114 Wien in allen Angelegenheiten, die nicht im Einvernehmen mit Niederösterreich ohne Wien als gemeinsame definiert werden würden, die Stellung eines selbstständigen Bundeslandes einräumte. In diesen Angelegenheiten fungiere der Bürgermeister auch als Landeshauptmann, der Stadtsenat auch als Landesregierung und der Gemeinderat auch als Landtag.[1]

Auf dieser Basis beschloss der Gemeinderat am gleichen Tag, zum ersten Mal als Landtag fungierend, die Verfassung der Bundeshauptstadt Wien, die auch die Wahrnehmung der Landeskompetenzen im Detail regelt.[2] Diese Stadtverfassung trat am 18. November 1920 in Kraft. Gemeinsam mit Niederösterreich ohne Wien verblieb bis Ende 1921 nur mehr die Aufteilung des bisherigen Landesvermögens auf die beiden neu konfigurierten Bundesländer (siehe: Trennungsgesetz vom 29. Dezember 1921).

Vom 10. November 1920 an amtierte infolge dessen der zwölfköpfige Stadtsenat, der nun gleichzeitig Wiener Landesregierung war, unter Bürgermeister Reumann bis 1923. Die Zahl der Vizebürgermeister war nun von drei auf zwei reduziert.

Vizebürgermeister waren 1919–1920 Georg Emmerling, Franz Hoß und Max Winter. Nach der Neuorganisation 1920 trat Julius Grünwald am 12. Jänner 1922 von seinem Amt zurück. Ihm folgte am 13. Jänner 1922 Anton Weber nach.

Mitglieder des Stadtrates 1919–1920

Name Partei
Breitner Hugo SDP
David Anton SDP
Grün Heinrich SDP
Hackl Michael SDP
Hellmann Josef SDP
Iser Hans SDP
Kokrda Quirin SDP
Linder Julius SDP
Müller Rudolf SDP
Richter Karl SDP
Scheuch Gustav SDP
Schorsch Johann SDP
Seidel Amalie SDP
Siegel Franz SDP
Speiser Paul SDP
Täubler Alexander SDP
Weigl Karl SDP
Winter Fritz SDP
Biber Ludwg CSP
Breuer Johann CSP
Haider Franz CSP
Kienböck Viktor CSP
Körber Johann CSP
Müller Josef CSP
Rummelhardt Karl CSP
Schmid Heinrich CSP
Seitz-Motzko Alma CSP
Vaugoin Karl CSP
Sirotek Bohumil PSDC

Mitglieder von Stadtsenat und Landesregierung 1920–1923

Amt Name Partei Ressorts
Bürgermeister und Landeshauptmann Jakob Reumann SDP

Vizebürgermeister
Landeshauptmann-Stellvertreter
Amtsführender Stadtrat
Georg Emmerling SDP Städtische Unternehmungen (Verwendungsgruppe VIII)

Vizebürgermeister
Landeshauptmann-Stellvertreter
Amtsführender Stadtrat
Franz Hoß CSP ohne Ressort
Amtsführender Stadtrat Hugo Breitner SDP Finanzwesen (Verwaltungsgruppe II)
Amtsführender Stadtrat Quirin Kokrda SDP Ernährungs- und Wirtschaftsangelegenheiten (Verwaltungsgruppe VI)
Amtsführender Stadtrat Karl Richter SDP Allgemeine Verwaltungsangelegenheiten (Verwaltungsgruppe VII)
Amtsführender Stadtrat Franz Siegel SDP Technische Angelegenheiten (Verwaltungsgruppe V)
Amtsführender Stadtrat Paul Speiser SDP Personalangelegenheiten und Verwaltungsreform (Verwaltungsgruppe I)
Amtsführender Stadtrat Julius Tandler SDP Wohlfahrtseinrichtungen, Jugendfürsorge und Gesundheitswesen (Verwaltungsgruppe III)
Amtsführender Stadtrat Anton Weber SDP Sozialpolitik und Wohnungswesen (Verwaltungsgruppe IV)
Stadtrat Viktor Kienböck CSP ohne Ressort
Stadträtin Alma Motzko CSP ohne Ressort
Stadtrat Karl Rummelhardt CSP ohne Ressort
Vorzeitig ausgeschiedene Mitglieder des Stadtsenats
Amtsführender Stadtrat Julius Grünwald SDP Sozialpolitik und Wohnungswesen (Verwaltungsgruppe IV)

Einzelnachweise

  1. Art. 108–114 B-VG, StGBl. Nr. 450 / 1920 (= S. 1791 ff.)
  2. LGBl. für Wien Nr. 1 / 1920

Literatur

  • Franz Patzer: Der Wiener Gemeinderat 1918-1934. Ein Beitrag zur Geschichte der Stadt Wien und ihrer Volksvertretung. Wien 1961 (Wiener Schriften; Heft 15)

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