Chammurapi
Hammurapis Gesetzeskodex
Hammurapis Gesetzeskodex
Stadtstaaten Mesopotamiens

Hammurapi bzw. Hammurabi war von 1792 bis 1750 v. Chr. (mittlere Chronologie; † 1750 v. Chr.) der 6. König der ersten Dynastie von Babylonien und trug den Titel König von Sumer und Akkad.

Inhaltsverzeichnis

Quellen

Quellen für die Regierungszeit Hammurapis sind die Jahresformeln[1], die einzelne Ereignisse bestimmten Regierungsjahren Hammurapis zuordnen. Weiterhin stellen in Mari und Larsa aufgefundene Briefe wichtige Quellen für die politischen Hintergründe der Zeit dar. Die Anzahl dieser Briefe geht in die Hunderte, oft verfasst von der Kanzlei Hammurapis, insbesondere von einem wahrscheinlich hohen Funktionär namens Awel-Ninurta. Empfänger der Briefe waren neben fremden Herrschern auch Beamte Hammurapis, wobei sich besonders viele an Personen (Sin-iddinam, Šamaš-hasir) im südmesopotamischen Raum gerichtete Briefe aufgefunden haben.

Herrschaft

Hammurapi war der sechste Herrscher von Babylon und wurde 1792 v. Chr. Nachfolger von Sin-muballit. Bereits Hammurapis unmittelbare Vorgänger konnten das Herrschaftsgebiet des Stadtstaates ausdehnen, sodass Borsippa, Kisch, Dilbat, Kazallu, Marad und Sippar den Babyloniern unterstanden. Dennoch war Babylon zu Beginn von Hammurapis Amtszeit ein Staat neben einer Reihe anderer in Mesopotamien; wichtige weitere Stadtstaaten waren Larsa, Ešnunna und Elam im Süden und Osten, sowie Mari und Assyrien im Norden. In Syrien nahm das Reich von Jamchad, im Bündnis mit Mari, eine Machtposition ein.

Hammurapi hat zu Beginn seiner Regierungszeit möglicherweise in einem Abhängigkeitsverhältnis zum assyrischen König Šamši-Adad I. gestanden. [2] Dies wird aus einer im zehnten Regierungsjahr Hammurapis ausgestellten Urkunde geschlossen, in der der Eid neben Hammurapi selbst auch bei Šamši-Adad I. beschworen wird. Zeugnis für enge Kontakte zwischen Hammurapi und Šamši-Adad in dieser Zeit sind in Mari, damals beherrscht von Šamši-Adads Sohn Jasmah-Adad, aufgefundene Briefe. Als Konsequenz hieraus wird bezweifelt, dass die Feldzüge Hammurapis etwa im ersten Drittel seiner Regierungszeit eigenständige Unternehmungen waren und nicht unter dem Oberbefehl bzw. auf Anweisung Šamši-Adads erfolgten. Weiterhin würden die Feldzüge ohne Unterstützung aus Assur ein zu großes Wagnis dargestellt haben. So errang Hammurapi in seinem siebten Regierungsjahr einen Sieg über Uruk und Isin, in seinem achten fand eine militärische Unternehmung nach Emutbal statt, die teils als gegen Rim-Sin I. von Larsa gerichtet, teils auch als mit diesem gegen Unruhestifter gemeinsam erfolgte Aktion interpretiert wird. Im zehnten Regierungsjahr unterwarf Hammurapi Malgum und im elften Rapiqum und Schalibi, Ortschaften, die dem Machtbereich Ešnunnas angehörten.

Nach Šamši-Adads Tod im 17. Regierungsjahr Hammurapis schwand der Einfluss Assurs in Mesopotamien und auch Hammurapi scheint nicht länger unter dessen Oberhoheit gestanden zu haben. Gleichwohl zeugt ein Brief von Šamši-Adads Sohn Išme-Dagan I. für weiterhin gute Beziehungen zwischen beiden Staaten. Für diese Jahre nennen die Jahresformeln die Anschaffung religiöser Objekte und Maßnahmen, die auf den Ausbau der Infrastruktur zielten. Auch darf mit einem Anstieg des Wohlstands und der Einwohnerschaft Babylons gerechnet werden.

In der folgenden Zeit entwickelte sich ein enges Verhältnis zwischen Hammurapi und Zimri-Lim von Mari, der den dort regierenden Sohn Šamši-Adads gestürzt hatte und Schwiegersohn des Königs von Jamschad war. Oft wird auch ein Dreierbund Babylon-Mari-Jamschad genannt. In den folgenden zwei Jahrzehnten stellten sich Hammurapi und Zimri-Lim untereinander mehrmals Truppen zur Verfügung, die von Zimri-Lim teilweise in Jamschad angeworben wurden und deren Zahl in die zehntausende ging. Mehrere Hinweise auf Verzögerungen von Truppenlieferungen seitens Hammurapis werden so gedeutet, dass dieser den größeren Nutzen aus dem Bündnis gezogen habe. [3] Eingesetzt wurden diese Truppen im Falle Hammurapis wohl zum Kampf gegen Ešnunna, Elam und Larsa.

Hammurapi verfügte, wie auch Zimri-Lim in Babylon, über ein ausgeklügeltes Netz von Botschaftern und Agenten in allen wichtigen Stadtstaaten. So stand Hammurapi in Briefkontakt mit Buqaqum und Bachdi-Lim, hohen Beamten in Mari, die ihm Informationen über militärische Aktionen Maris lieferten und, zumindest im Falle Bachdi-Lims, auch als seine Gesandten fungierten.

Etwa 1763 v. Chr., im 30. Regierungsjahr Hammurapis, drängten die Elamiter unter ihrem König Siwe-Palar-Khuppak von Osten in die mesopotamische Ebene und bedrängten die Stadt Larsa unter Rim-Sin I.. Diese Situation nutzte Hammurapi, um sich zunächst mit Larsa zu verbünden und gemeinsam die Elamiter zu vertreiben. Im selben Jahr siegte Hammurapi noch über Heere Ešnunnas, der Gutäer, der Stadt Malgum und Assurs.

Im gleichen Jahr brachen auch Feindseligkeiten zwischen Hammurapi und Rim-Sin von Larsa aus. Laut einem Brief eines Gesandten Zimri-Lims in Babylon war zuvor ein Bündnis Rim-Sins mit Hammurapi geplant, in dem gegenseitiger Schutz bei Angriffen eines nicht namentlich genannten Feindes zugesichert worden wäre. Die Initiative zu dieser Abmachung sei von Rim-Sin in einem Brief an Hammurapi ausgegangen. Ein endgültiger Abschluss dieses Vertrages ist nicht bekannt.

In einem ebenfalls aus Mari stammenden Brief werden Übergriffe von Untertanen Rim-Sins auf dem Gebiet Hammurapis erwähnt, welche dieser als Begründung des Krieges gegen Rim-Sin anführen konnte. Gemeinsam mit Truppen aus Mari belagerten und eroberten die Babylonier Rim-Sins Residenz Maschkanschapir. Larsa selbst soll von 40.000 Soldaten verteidigt worden sein [4]. Aus diesem Grund soll Hammurapi weitere Truppen ausgehoben haben. Larsa selbst wurde noch im selben Jahr eingenommen, aber nicht zerstört, sondern zum Zentrum eines Verwaltungsbezirks ausgebaut.

In seinem 32. Regierungsjahr fanden siegreiche Kämpfe Hammurapis gegen Assur, Ešnunna und die Gutäer statt, wodurch Hammurapi seinen Einflussbereich nach Norden erweitern konnte.

In seinem 33. Regierungsjahr eroberte Hammurapi, neben in den Jahresformeln genannten Kanalausbesserungen wegen Zerstörungen während der Kämpfe gegen Larsa, die früher verbündete Stadt Mari. Texte aus Mari, in denen Weissagungen gegen Hammurapi erwähnt werden[5]zeigen, dass man die Machtsteigerung Babylons durchaus als Bedrohung empfand. Außerdem wurden Malgum erneut und einige assyrische Städte erobert. Beide Städte rebellierten jedoch gegen Hammurapi und wurden in dessen 35. Regierungsjahr endgültig besiegt, wobei in Mari möglicherweise Zerstörungen vorkamen, deren Umfang nicht bestimmbar ist.[6]

Nachdem er in einem nicht datierten Brief Zimri-Lims von diesem gebeten worden war, den Thron Ešnunnas zu besteigen, eroberte Hammurapi dieses in seinem 38. Regierungsjahr. Möglicherweise hatte er es vorher mittels der Errichtung künstlicher Dammbauten überschwemmt.[7]

In seinem letzten Regierungsjahrzehnt führte Hammurapi Kriege gegen die Assyrer. Im Prolog des Codex Hammurapi werden Assur und Ninive als dem Herrschaftsbereich Hammurapis eingegliederte Städte genannt. Andere Belege hierfür fehlen aber. [8] In Dijarbekir wurde allerdings eine Stele des Hammurapi gefunden, die als Zeichen für ein weites Vordringen am Tigris gedeutete werden kann.[8]

Hammurapis Herrschaftsgebiet erstreckte sich nunmehr vom Persischen Golf und dem Zagros-Gebirge bis zum Euphratbogen. Seinem Reich war aber keine lange Lebensdauer vergönnt. Schon während der Regierungszeit seines Sohnes Šamšu-iluna kam es zu Unruhen in Südmesopotamien, und an den Grenzen erschien ein neues Volk, die Kassiten. Aus westlicher Richtung drangen fast gleichzeitig die Hethiter vor, die sich aber nach der Eroberung Babylons durch Muršili I. wieder zurückzogen. Die Kassiten lösten schließlich die Hammurapi-Dynastie ab. Damit endete die altbabylonische Epoche in Mesopotamien.

Codex Hammurapi

siehe auch Hauptartikel: Codex Hammurapi

Oberer Teil der Stele mit dem Text von Hammurapis Gesetzeskodex

Berühmt geworden ist Hammurapi jedoch für die älteste vollständig erhaltene Rechtssammlung, den Codex Hammurapi. Dieser umfasste einen Prolog, die 282 Gesetzesparagraphen und den Epilog, aufgezeichnet wurde er unter anderem auf einer ca. 2,25 m hohen Stele (ein freistehender Pfeiler) aus Diorit.

Die Stele wurde 1902 bei Ausgrabungen in Susa gefunden. Ihr ursprünglicher Standort ist unbekannt, vermutlich wurde sie von einem Eroberer aus einer babylonischen Stadt geraubt. Die Stele von Susa befindet sich heute im Louvre in Paris. Eine Kopie kann im Pergamonmuseum in Berlin besichtigt werden.

Hammurapis Rechtssammlung war keineswegs einzigartig. Bereits 300 Jahre zuvor schuf der sumerische König Ur-Nammu ein ähnliches Werk, und etwa 150 Jahre vor Hammurapi ließ Lipit-Ištar, König von Isin, ebenfalls eine Stele beschriften. Beide Werke sind jedoch nur fragmentarisch erhalten. Hammurapis Schriften wurden jedoch vielfach aufgezeichnet. In der Bibliothek des Assurbanipal in Ninive hat sich eine Abschrift auf Tontafeln erhalten. Jedoch lassen sich keine Einflüsse auf andere Rechtskreise nachweisen. Die allgemeine Hochschätzung galt nicht dem Recht, sondern dem literarischen Kunstwerk.

Bedeutung des Namens

Der Name Hammurabi setzt sich zusammen aus den akkadischen Begriffen hammu(m) und rabi'u(m). hammum hat die Bedeutungen „Familienoberhaupt, Familienvater“, „väterlicher Onkel“ oder „Großvater“. rapi'um bedeutet „Heiler“ und ist vom Verb rapûm (heilen) abgeleitet. Der Name Hammurapi kann demzufolge als „heilender Vater“ (seines Volkes) verstanden werden .

Gesetzgebung

Auf seiner Stele sind zum Teil harte Gesetze niedergelegt, deren tatsächliche Anwendung heute bezweifelt wird z. B.:

  • § 3 Wenn ein Bürger als Zeuge auftritt und seine Worte nicht beweisen kann, so soll er, wenn es eine Rechtssache um Leben und Tod ist, sterben.
  • §§ 229, 230 Wenn ein Baumeister für jemanden ein Haus baut und es nicht fest ausführt, und das Haus, das er gebaut, stürzt ein und schlägt den Eigentümer tot, so soll jener Baumeister getötet werden. Wenn es den Sohn des Eigentümers erschlägt, so soll man den Sohn jenes Baumeisters töten.
  • § 195 Wenn ein Sohn seinen Vater schlägt, so soll man ihm seine Hand abhacken.
  • § 196 Wenn ein Bürger das Auge eines Bürgers zerstört, so soll man sein Auge zerstören.

Literatur

  • Horst Klengel: König Hammurapi und der Alltag Babylons. Artemis 1991, ISBN 3-491-69122-2.
  • Ulrich Manthe (Hrg): Die Rechtskulturen der Antike: Vom alten Orient bis zum römischen Reich. München 2003.
  • Marc van de Mieroop: King Hammurabi of Babylon, a Biography. Oxford 2005.
  • Propyläen Weltgeschichte. Eine Universalgeschichte. Heuß, Mann (Hgg.), Bd. 1: Vorgeschichte, Frühe Hochkulturen, Frankfurt a. M. 1961.

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. Jahresformeln des Hammurapi (englisch).
  2. Horst Klengel: König Hammurapi und der Alltag Babylons, S. 51.
  3. Horst Klengel: König Hammurapi und der Alltag Babylons, S. 57.
  4. Horst Klengel: König Hammurapi und der Alltag Babylons, S. 58, Quelle hierfür ist ein Brief eines Vertrauten Zimri-Lims.
  5. Horst Klengel: König Hammurapi und der Alltag Babylons, S. 61, ARM XXVI 209–212.
  6. Horst Klengel: König Hammurapi und der Alltag Babylons, S. 61.
  7. Horst Klengel: König Hammurapi und der Alltag Babylons, S. 59; in den Jahresformeln heißt es, Hammurapi habe „in der ihm von Marduk gegebenen Weisheit Ešnunna mit großen Wassermassen zerstört“.
  8. a b Horst Klengel: König Hammurapi und der Alltag Babylons, S. 62.




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