Abraham Philipp Schuldt

Abraham Philipp Schuldt (* 9. April 1807 in Hamburg; † 29. Februar 1892 in Hamburg) war ein Hamburger Kaufmann und Stiftungsgründer.

Leben

Abraham Philipp Schuldt wurde am 9. April 1807 in Hamburg als Sohn des Kaufmanns Joachim Michael Schuldt und dessen Ehefrau Catharina Agneta Schuldt geb. Kryck geboren. Der Vater war Alleininhaber der Firma J. C. Haack & Schuldt, einem Kommissions- und Speditionsgeschäft, welches sich hauptsächlich dem Import von russischem Getreide widmete. Er hatte einen älteren Bruder namens Matin Heinrich.

Die Kindheit beider fiel in die Zeit der französischen Besatzung Hamburgs, die sogenannte Hamburger Franzosenzeit, in der der Vater 1813, nach der Wiederbesetzung Hamburgs durch die Franzosen als Geisel nach Harburg verschleppt wurde, weil die Stadt mit der ersten Rate der geforderten Strafkontribution von 48 Millionen Francs in Verzug geraten war. Der Vater sollte 80.000 Francs für seine Freilassung zahlen, was auf sein beträchtiliches Vermögen schließen lässt. Die Mutter starb am 2. Juni 1819 als Abraham Philipp zwölf Jahre alt war.

Seine Lehrzeit absolvierte er zusammen mit seinem Bruder in der Firma des Vaters, die nun auch Finanzierungsgeschäfte betrieb. Es folgte ein fünfjähriger Aufenthalt im Ausland, vor allem in Bordeaux, zur Erweiterung seiner kaufmännischen Kenntnisse. Der Vater machte ihn danach zum Teilhaber der Firma, entfernte ihn aber wieder aus dem Geschäft, nachdem dieser eigenmächtige Spekulationen mit einem wirtschaftlich ungünstigen Ausgang durchführte. Er erhielt daraufhin ein vom Vater bewilligtes Jahreseinkommen.

Als der Vater am 1. Januar 1832 mit 55 Jahren in Rente ging, übernahm sein ältester Sohn Martin Heinrich die Firma, starb aber schon am 30. Mai 1834 mit nur 29 Jahren in Pisa, so dass Abraham Philipp Alleininhaber der Firma wurde. Der Vater übte allerdings immer noch eine gewisse Kontrollfunktion aus. Nach wenigen Jahren am 1. Januar 1839 liquidierte Abraham Philipp die Firma allerdings, wahrscheinlich weil ihm die Lust und das Interesse am Geschäft fehlten und es häufiger zu Differenzen mit seinem Vater kam.

In den Folgejahren widmete er sich eher dem gesellschaftlichen Vergnügen. Dies führte wohl auch dazu dass sein Vater ihn in seinem Testatment von 1841 zwar zum einzigen Erben erklärte, aber auch verpflichtete den umfangreichen Grundbesitz nicht verkaufen oder hypothekarisch belasten zu dürfen. Abraham Philipp war wahrscheinlich weiter kaufmännisch tätig und sammelte Kunstgegenstände.

Am 16. März 1857 starb der Vater und hinterließ ihm ein beträchtiliches Erbe, das unter anderem auf einen großen Grundbesitz fußte aus dem sich weiterhin einige Mieteinnahmen ergaben. Schon ein Jahr später kaufte er den umfangreichen Besitz des königlich-bayrischen Generalkonsuls Adolph Ritter von Hildebrandt an den Hohen Bleichen in Hamburg und ließ das Gebäude vom späteren Mitglied der Hamburger Bürgerschaft und Architekten Martin Haller aufwendig umgestalten. Der herrschaftliche Wohnsitz mitsamt eines prächtigen Gartens im französischen Stil entwickelte sich gar zu einer Sehenswürdigkeit Hamburgs. Auf dem Gelände waren edle Reitpferde untergebracht.

Als Vermieter seines Grundbesitzes zeigte sich Abraham Philipp Schuldt gegenüber seinen Mietern als großzügig und erhöhte die Mieten nicht. Damals wurden die Mieten noch halbjährlich bezahlt, was es jedoch Minderbemittelten schwer machte, da sie sechs Monate sparen mussten. Vor jedem Miettermin verteile Schuldt einen großen Geldbetrag in kleinen Raten an Leute, allerdings ohne deren Bedürftigkeit zu prüfen, die dafür vor seinem Anwesen anstanden.

Schuldts Testatment

Am 14. Januar 1887 machte Schuldt sein Testament und verfügte, dass sein gesamtes Vermögen liquide gemacht und zur Gründung einer nach ihm benannten Stiftung verwandt werden sollte. Wörtlich ist zu lesen: "Die Stiftung soll die Errichtung von kleinen Wohnungen bezwecken, welche aus zwei bis drei Zimmern, Vorplatz und Küche bestehen". Als Mieter waren respektable und unbescholtene Leute mit kleinem Einkommen vorgesehen, anders als bei anderen Stiftungen, die preiswerte oder mietfreie Wohnungen für Witwen, unverheiratete Frauen ohne Beruf, Alte und Erwerbsunfähige zur Verfügung stellten.

Zwei Drittel der Baukosten sollten aus dem Stiftungsvermögen bezahlt werden, das letzte Drittel war durch Aufnahme von Hypotheken oder Kontrahierungen von Schuldverschreibungen zu beschaffen. Die Zinsen dafür, sowie alle Gebühren, Verwaltungskosten und Reparaturen sollten aus den Mieteinnahmen bestritten werden.

Gegründet wurde die Abraham Philipp Schuldt-Stiftung am 28. August 1891 und besteht bis heute.

Abraham Philipp Schuldt starb am 29. Februar 1892 mit 85 Jahren ohne vorher krank gewesen zu sein. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem St. Jacobi-Kirchhof an der Wandsbeker Chaussee in Hamburg, wo sich ein Grabmonument mit einem weißem Portraitmedaillon befindet.

Literatur

  • Renate Hauschild-Thiessen: 100 Jahre Abraham Philipp Schuldt-Stiftung

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