Abraham Schaaffhausen

Johann Abraham Anton Schaaffhausen (* 22. Juni 1756; † 13. Januar 1824 in Köln) war ein deutscher Bankier.

Sein Vater war der Bankier, Handelsherr, Kölner Ratsherr und Kirchmeister der Pfarre St. Jacob Johann Wolter Schaaffhausen. Die Mutter war Maria Sibylla (geb. Knaben). Schaafhausen erhielt seine Ausbildung im väterlichen Unternehmen. Nach seiner Eintragung ins Bürgerbuch der Stadt Köln am 10. März 1777 übernahm er zahlreiche öffentliche Ämter. So wurde er 1784 Fiskalrichter, 1785 Gewaltrichter und 1807 Handelsrichter und war seit 1792 Ratsherr.

Nach dem Tod seines Vaters gründete er 1790 ein eigenes Handelshaus, das neben dem Transport-, Speditions- und Immobilienwesen auch Bankgeschäfte betrieb. Schaaffhausen nutzte den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt Köln nach der französischen Besetzung von 1794 für seinen ökonomischen Aufschwung. Ein weiterer Schritt zu seiner Unabhängigkeit von den Eltern war der Kauf des ehemals Gräflich-Salm-Dickschen Hofs, genannt „Die Aue“, in der Trankgasse 25 am 13. Januar 1794. Am 12. Juni 1794 heiratete er die lebenslustige Maria Anna Giesen (* 1760) aus Honnef. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts verlagerte sich der Schwerpunkt des Unternehmens vom Handel auf Bankgeschäfte. Am 29. Januar 1797 wird Tochter Maria Sibilla Josepha - genannt Sibylle - geboren. Kurz nach der Geburt stirbt die Mutter am 5. Februar 1797. Am 19. April 1800 heiratet er in zweiter Ehe die 23-jährige Therese De Maes (* 21. März 1777 in Roermond, † 30.  Dezember 1867 in Köln), in kurzen Abständen kommen ab 1801 sechs Kinder auf die Welt. Im Jahr 1810 war Schaaffhausen der wichtigste Bankier in der Stadt. Das Kapital der Firma lag 1800 bei 80.000 Talern und stieg bis 1825 auf 555.000 Taler. Als Abraham Schaaffhausen 1815 erfuhr, dass das Rheinland durch den Wiener Kongress Preußen zugeschlagen wurde, soll er entsetzt ausgerufen haben: „Jesses Maria, do hierode mer ävver en en ärm Famillich!“ („O jemine, da heiraten wir aber in eine arme Familie!“)[1].

Napoleon bestimmte ihn während der französischen Besetzung am 25. November 1800 zum „Maire“ (Bürgermeister) von Köln, doch der ämtergewohnte Schaaffhausen lehnte aus geschäftlichen und privaten Gründen ab: «Mes facultés & mes affaires privées». Napoleon I. kommt am 13. September 1804 als Kaiser nach Köln als eine der „bonnes villes“ Deutschlands. Dabei versäumt er es nicht, Schaaffhausen in Augenschein zu nehmen, worauf sich zwischen beiden folgender Dialog entwickelt haben soll: „Gibt es hier Millionäre?“ - „Ja, Sire, aber seit 1797 ist keiner mehr dazugekommen.“ - „Sieh an - ein stolzer Deutscher!“[2] [3].

Schaaffhausen vergab als einer der ersten Bankiers Kölns Kredite an die entstehende Industrie und den Bergbau. Zum eigentlichen Kern des Unternehmens wurde ab 1807 das Immobiliengeschäft. Dabei profitierte Schaaffhausen vor allem von der Säkularisation der Klöster. Im Jahr 1811 wurde Schaaffhausen Mitglied des Gemeinderates und ein Jahr später der Handelskammer. 1817 kaufte er Schloss Morsbroich; den Eheleuten gefiel die Umgebung so sehr, dass sie sich in Leverkusen-Schlebusch begraben ließen.

Eines seiner größten Geschäfte war der Kauf von 46 Grundstücken im Wert von mehr als 2 Millionen Talern. Der Kauf erwies sich als kompliziert und konnte zu Lebzeiten von Schaaffhausen nicht abgeschlossen werden. Das dadurch gebundene Kapital führte im Jahre 1848 zur Zahlungsunfähigkeit der Bank. Zur Rettung wandelten Abraham Oppenheim, Gustav Mevissen und andere Geldgeber das Unternehmen in den A. Schaaffhausen’scher Bankverein AG um. Dieser war die erste Bank auf Aktienbasis in Deutschland.

Der alternde Schaaffhausen wollte die Leitung seines Unternehmens in die Hände der jüngeren Generation legen. Sein Schwiegersohn Joseph Ludwig „Louis“ Mertens übernahm 1816 zunächst die Geschäftsführung und wurde 1820 Hauptteilhaber der Bank. Es folgte Wilhelm Ludwig Deichmann, der 1818 Lehrling in der Bank gewesen war. Deichmann war ebenfalls mit einer der Töchter Schaaffhausens verheiratet und führte das Bankhaus über dessen Krise im Jahre 1848 hinaus bis 1857.

Einzelnachweise

  1. Stadtchronik Bonn, S. 5
  2. Über Sybille Mertens-Schaaffhausen
  3. "Vous êtes un fier Allemand!"

Literatur


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