Abrantès
Laure-Adelaide Abrantès

Laure-Adelaide Abrantès, bzw. Laure (Laurette) Junot, Duchesse d’Abrantès, geborene Permond (* 6. November 1784 in Montpellier; † 7. Juni 1838 in Paris) war eine Hofdame am napoleonischen Hof und eine französische Schriftstellerin.

Lebenslauf

Laure wurde am 6. November 1784 in Montpellier, Frankreich, als Tochter des Charles Permond geboren. Ihre Familie stammte wie die Bonapartes aus Korsika. Nach Paris übergesiedelt, wo Laure die französische Revolution erlebte, musste die Familie nach Toulouse flüchten. Als Laure 1794 wieder nach Paris zurückkehrte, lernte sie in einem der Pariser Salons den jungen General Napoléon Bonaparte kennen. In ihren Memoiren hat sie später die Zusammenkunft und den Eindruck, den sie vom künftigen Kaisers hatte, aufgeschrieben.

1800 heiratete die sechzehnjährige Laure General Andoche Junot, den Adjutanten Napoléons. Napoléon, der zu diesem Zeitpunkt erster Konsul war, hatte sogar den Vertrag zur Einrichtung des neuen Haushalts unterzeichnet und Junot gehörte von nun an zu dessen unmittelbarer Umgebung. 1802 wurde die erste Tochter, Josephine, geboren, darauf folgten Constance 1803 und die beiden Söhne Louis Napoléon 1807 und Andoche Alfred 1810.

Laure folgte ihrem Mann, der zu dieser Zeit Botschafter war, nach Portugal. 1806 kehrten sie nach Paris zurück. Dort angekommen wurde General Junot mit Ehren überhäuft. Er bekam die Titel Divisionsgeneral, großer Offizier des Imperiums, Gouverneur von Paris, Kommandant der 1. Militärdivision und Herzog von Abrantes. Er hatte Besitztümer in Westfalen, Preußen, Hannover und Italien.

Das Haus Junot wurde schnell für ihre häufigen Empfänge berühmt. Alle zwei Wochen wurde ein Diner mit 80 Gedecken für die Marschälle, Generäle und Oberste gegeben. Als Hofdame speiste Laure häufig bei der Kaiserin. Sie wurde wegen ihrer Schönheit und Extravaganz zu einer gefragten „Femme fatale“ der Pariser Szene.

Nachdem General Junot finanziellen Ruin und militärische Niederlagen in Spanien und Portugal erlitten hatte, stürzte er sich geisteskrank am 29. Juli 1813 aus dem Fenster in den Tod. Nach der Abdankung des Kaisers Napoléon I. verarmte Laure und zog sich ins Privatleben zurück. In ihrer Wohnung versammelten sich viele große Talente von Paris. Gelehrte, Dichter, Musiker und Künstler, darunter auch der Schriftsteller Honoré de Balzac, den sie 1829 kennen lernte. Laure nahm ihn mit auf Empfänge, zu Festen und Theateraufführungen und führte ihn in die großen Salons ein. Selbst nach einer leidenschaftlichen Affäre blieb sie ihm freundschaftlich verbunden.

Laure schrieb Romane und Bühnenstücke. Zwischen 1830 und 1834 schrieb sie ihre Memoiren, die zu ihren bedeutendsten Werken zählen, wenn sie auch historisch nicht immer ganz richtig sind. Die achtzehn Bände (dt. "Memoiren oder historische Denkwürdigkeiten über Napoleon, die Revolution, das Direktorium und die Restauration", 18 Bde., Lpz., Allgem. niederl. Buchhandlung Anton Peeters 1831-36)werfen ein Licht auf die Revolution und die Regierungszeit Napoléons I., außerdem schrieb sie noch "Memoiren über die Restauration oder: Historische Denkwürdigkeiten aus der Zeit der Restauration, der Revolution von 1830 und den ersten Jahren der Regierung Ludwig Philipps, 7 Bde., Lpz. Allgem.niederl. Buchhandlung C.Hochhausen u. Fournes 1836-38; es erschien weiter noch ein 7 bändiges Werk über die "Salons von Paris" und das Buch „Les femmes celèbres de tous les pays, leurs vies et leurs portraits“.Die Memoiren sind in der dt. Erstausgabe in Antiquariaten vollständig nicht mehr auffindbar, nur einbändige Ausgaben aus dem 20.Jh. werden angeboten,( z.B. Gernsbach: Schoeller 1972; 502 Sn. Ddr.).

Interessante Beurteilungen der Memoiren geben die berühmten und sehr kritischen Napoleonbiographen Tulard (Napoleon, dt. 1978) und Presser (Napoleon, Manesse 1990) zu Laure Junot. Einen längeren guten Aufsatz hat Karl Georg Jacob 1846 über die Herzogin in seinen "Beiträge zur franz.Geschichte", Lpz. Vogel gebracht.

Laure-Adelaide Abrantès starb am 7. Juni 1838 mit fast 54 Jahren in einer Mansarde in Paris. Trotz ihrer fieberhaften Arbeit, starb sie in völliger Armut.

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