Absatzkontrolle

Ist im Buchdruck eine einzelne Zeile eines Absatzes durch einen Seitenwechsel abgetrennt, spricht der Setzer entweder von einem Schusterjungen (heute auch: Waisenkind, englisch: orphan) oder einem Hurenkind (heute auch: Witwe, englisch: widow), je nachdem, ob es sich um die erste oder die letzte Zeile des Absatzes handelt.

Unten links ein Schusterjunge, oben rechts ein Hurenkind

Inhaltsverzeichnis

Hurenkind

Als Hurenkind wird die letzte Zeile eines Absatzes bezeichnet, wenn sie zugleich die erste einer neuen Spalte oder Seite ist. Hurenkinder gelten in der Typografie als schwere handwerkliche Fehler, da sie die Ästhetik des Satzspiegels besonders stark beeinträchtigen.

Als Hurenkinderregelung bezeichnet man die entsprechende Konvention aus der Satztechnik bzw. dem Buchdruck, die besagt, dass die letzte Zeile eines Absatzes niemals am Anfang einer Buchseite stehen darf, damit das Erscheinungsbild der Seite nicht darunter leidet.

Schusterjunge

Wenn eine Seite oder Spalte nach der ersten Zeile eines neuen Absatzes umbrochen wird, so wird diese allein am Ende der Seite oder Spalte stehende Zeile als Schusterjunge bezeichnet. Der Schusterjunge gilt gegenüber dem Hurenkind als weniger gravierender Fehler und fällt besonders dann auf, wenn Absätze mit Einzug gesetzt werden.

Als Schusterjungenregelung bezeichnet man eine Konvention aus der Satztechnik bzw. dem Buchdruck. Diese Vereinbarung besagt, dass die erste Zeile eines Absatzes niemals am Ende einer Buchseite stehen darf, damit das Erscheinungsbild der Seite nicht darunter leidet.

Der Begriff bezeichnet also eine Zeile eines neuen Absatzes, die sich vorwitzig wie ein Schusterjunge auf die vorhergehende Seite wagt.

Vermeidung

In den Zeiten des Typensatzes konnten nur Setzer mit geschultem Auge solche Satzfehler vermeiden, indem sie frühzeitig beim Erstellen der Seite die Laufweite mittels Sperren, den Durchschuss und den Zeilenumbruch anpassten, sodass am Ende der Satzspiegel gewahrt wurde.

Heutzutage übernimmt DTP-Software solche Aufgaben. Die dabei meist verwendete Bezeichnung für das Hurenkind- und Schusterjungenproblem ist Absatzkontrolle. Absatzkontrolle wird heute von den meisten Layoutprogrammen und Textverarbeitungen als Standard angeboten (zum Beispiel bei OpenOffice.org Writer unter Format/Absatz/Textfluss, bei Microsoft Word 2003/2004 unter Format/Absatz/Zeilen- und Seitenumbruch/Absatzkontrolle, bei Microsoft Word 2007 unter Start/Absatz/Zeilen- und Seitenumbruch/Absatzkontrolle). Sollten diese Satzprobleme technisch nicht lösbar sein, übernimmt es der Lektor oder Autor in der Korrektur, durch Streichen oder Ergänzen in den entsprechenden Textabsätzen, diese Satzfehler zu beheben.

Sonstiges

Als Hilfe zur Unterscheidung dieser zwei typografischen Fehler dient folgender Merkspruch:

Ein Hurenkind weiß nicht, wo es herkommt, ein Schusterjunge nicht, wo er hingeht.

Ein alternativer Merkspruch benutzt die Termini im zeitlichen Kontext:

Ein Hurenkind hat keine Vergangenheit und ein Schusterjunge keine Zukunft.

Siehe auch

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  • Typografie für digitale Texte — beschäftigt sich unter typografischen Gesichtspunkten mit der Umsetzung menschlicher Sprache in eine Kette digital kodierter Schriftzeichen. Typografie bezweckt, Texte lesbar und verständlich sowie optisch ansprechend zu präsentieren. Hierfür… …   Deutsch Wikipedia

  • Hurenkind — Hu|ren|kind 〈n. 12; Typ.〉 letzte Zeile eines Absatzes, die auf eine neue Seite kommen würde; Ggs Schusterjunge (2) * * * Hu|ren|kind, das [die Zeile dürfte nicht an dieser Stelle stehen u. hebt sich so von der normalen Zeilenordnung ab, ähnlich… …   Universal-Lexikon

  • Schusterjunge — Schus|ter|jun|ge 〈m. 17〉 1. 〈veraltet〉 Jugendlicher während der Lehrzeit bei einem Schuhmachermeister 2. 〈Typ.〉 erste Zeile eines neuen Absatzes, der als letzte Zeile auf einer Seite steht; Sy Waisenknabe (3); Ggs Hurenkind ● es regnet… …   Universal-Lexikon

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