Abschlag (Archäologie)
Muscheliger Bruch des Feuersteins, Abschläge

Ein Abschlag ist eine Grundform bei der Herstellung von Steinartefakten.

Abschläge werden durch Sprödbruch von einem größeren Ausgangsstück (Kern) abgetrennt. Das Rohstück besteht aus amorphem oder kryptokristallinen Gestein (Feuerstein, Rhyolith bzw. Obsidian, Quarz, Quarzit, Muschelkalk, Kieselschiefer, Jaspis, Chalzedon, Bergkristall u. a.), wodurch ein meist muscheliger Bruch mit typischen Schlagmerkmalen entsteht.

Die Knolle (seltener Platte) wird zunächst gekappt, wodurch eine frische Bruchfläche (Schlagfläche) mit einem spitzen Winkel zur Außenfläche entsteht. Von diesem Kern werden nun mit einem Schlagstein oder Schlägel durch gezielte Wahl des Treffpunktes weitere Abschläge gewonnen. Das Sprödbruchverhalten des zähen Gesteins bewirkt dabei zum einen charakteristische Merkmale und lässt zum anderen Form und Größe der Abschläge gezielt beeinflussen.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale von Abschlägen

Abschlagmerkmale (Feuerstein)

Man spricht von sogenannten „Schlagmerkmalen“, die als eindeutige Kriterien dienen, dass es sich bei gefundenen prähistorischen Abschlägen um menschliche Produkte handelt und nicht um Naturbruch. Kennzeichnend sind der Auftreffpunkt (Schlagpunkt) auf dem Schlagflächenrest und die davon ausgehenden primären Schlagmerkmale: Durch die im Gestein absorbierte Energie entsteht auf der Ventralfläche (der dem Kern zugewandten Seite) ein Schlagbuckel (Bulbus). Durch die Bruchausbreitung (eigentlich Rissausbreitung) entstehen sog. konzentrische Wallner-Linien (Wellenringe) und vom Bruch wegführende Radialstrahlen. Bei mehreren aufeinanderfolgenden Abschlägen an einer Kernkante sind auf der Dorsalfläche (der dem Kern abgewandten Seite) die Bruchlinien der zuvor abgetrennten Abschläge zu erkennen. Diese werden als Dorsal-Grate bezeichnet und sind neben den primären Schlagmerkmalen ein wichtiges Kriterium zur Identifizierung vom Menschen hergestellter Abschläge.

Abschläge können sowohl Produktionsabfall (Präparations-Abschläge) als auch das Ziel der Kernzerlegung sein, wobei in Levallois-Technik hergestellte Zielabschläge des Mittelpaläolithikums (Mittlere Altsteinzeit) eine Sonderform mit möglichst umlaufend scharfen Kanten bilden. Abschläge können durch randliche Retusche zu Geräten modifiziert werden (siehe auch Urgeschichtliche Bearbeitungstechniken). Als Abfallprodukte entstehen Abschläge bei jeder durch Schlagen erzeugten Veränderung eines Steins. Bei Größen unter 1 cm werden diese als Absplisse bezeichnet.

Spezialform: Klinge

Klinge aus Feuerstein

In der Archäologie bezeichnet „Klinge“ einen Abschlag, meist aus Silikatgestein wie Feuerstein, der mindestens doppelt so lang wie breit ist und einen regelmäßigen, annähernd parallelen Kantenverlauf aufweist.[1] Klingen gibt es bereits seit dem Mittelpaläolithikum. Durch eine neue Bearbeitungstechnik, die Anlage eines Leitgrates und einen serienartigen Abbau entlang der damit erzeugten Kernkanten, werden Klingen zur Leitform des Jungpaläolithikums.

Siehe auch

Literatur

  • Joachim Hahn (1993), Erkennen und Bestimmen von Stein- und Knochenartefakten: Einführung in die Artefaktmorphologie. – Archaeologica Venatoria 10. (2., überarbeitete Auflage). Tübingen.
  • John C. Whittacker, Flintknapping: Making and Understanding Stone Tools. University of Texas Press 1994. ISBN 978-0292790834
  • D. C. Waldorf, The Art of Flintknapping, (Branson Mo. 2006, 5th Edition). ISBN 0-943917-01-8

Einzelnachweise

  1. J. Hahn: Erkennen und Bestimmen von Stein- und Knochenartefakten. Einführung in die Artefaktmorphologie. Archaeologica Venatoria 10, 1991.

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