Abschlussball
Ball in der Wiener Hofburg um 1900, getanzt wird zum Wiener Walzer

Ein Ball (auch Tanzfest oder, aufgrund der Veranstaltungszeit, Ballnacht) ist eine gehobene, festliche gesellschaftliche Tanzveranstaltung, für ein meist ausgewähltes Publikum. Früher war er für gehobene Gesellschaftsschichten ein wichtiges Element des Heiratsmarktes. Junge Frauen traten auf Debütantinnenbällen erstmals als erwachsene, heiratsfähige Personen auf. Heute dienen Bälle u. a. dem Zweck des Sehens und Gesehenwerdens.

Allerdings heißen inzwischen auch viele Tanzveranstaltungen in der 5. Jahreszeit (dem Karneval, Fasching etc.), die nicht in Diskotheken stattfinden, Ball. Sie sind in der Regel keine gehobenen Veranstaltungen, da nur das Eintrittsgeld darüber entscheidet, wer eingelassen wird. Solchen Faschings- oft: Kostümbällen, fehlt überwiegend Garderobenzwang.

Inhaltsverzeichnis

Historie

Der Ball, William Hogarth, um 1745

„Ball“ kommt vom spätlateinischen „ballare“ - tanzen, hüpfen. Historisch fand ein Ball in einem Ballsaal statt. Herrschaftliche Häuser besaßen einen Ballsaal (Tanzhaus). Oft verwechselt wird dies mit dem Ballhaus, in dem Ball gespielt wurde. Der (Spiel-)Ball ist jedoch etymologisch nicht mit ballare-tanzen verwandt.

Im deutschen Sprachraum hieß ein Tanzfest zunächst „Dantz“. Erst im 18. Jahrhundert hatte sich „Ball“ durchgesetzt und zwar für eine öffentliche Tanzlustbarkeit.

Als Hauptstadt des Balls bezeichnet sich heutzutage Wien. Jede Schule, jede Berufsgruppe, verschiedene soziale Gruppen, ja sogar Bezirke veranstalten traditionell hier jedes Jahr eigene Bälle. Im offiziellen Wiener Ballkalender sind sogar ein „Ball der Religionslehrer“ sowie der „Ball der Floridsdorfer Wasserrettung“ zu finden (ebenso: Obdachlosenball, Asylantenball, Ball der roten Nelken). Auch lässt der „Life Ball“ erkennen, dass das Wien der Neuzeit „Ball“ etwas weiter fasst. Veranstaltungsrahmen und Bekleidung weichen von den unten beschriebenen Richtlinien gemäß dem Veranstaltungsbeweggrund ab. Gemein ist jedoch allen Bällen, dass es sich um ein jährliches feierliches Ereignis handelt, zu dem man nicht in Alltagskleidung kommen sollte; es wird aufwändig vorbereitet und sicher getanzt.

Zeitpunkt

Ein Ball findet in den Abendstunden statt. Ein Gartenfest, das in einen Ball im Garten übergehen soll, kann schon um 17 Uhr oder 18 Uhr mit einer kleinen Erfrischung anfangen. Ein Ball mit Büffet beginnt typischerweise um circa 20 Uhr. Die genaue Anfangszeit ist nicht exakt festgelegt und hängt von der Jahreszeit (festliche Stimmung eher nach Sonnenuntergang) und auch vom Anlass ab. So ist die Anfangszeit eines Hochzeitsballs häufig auf die Feierlichkeiten und Reisepläne des Brautpaares abzustimmen.

Einladung

Zum Flair eines edlen Balls gehört die gepflegte schriftliche Einladung, zum Beispiel mit gedruckten Einladungskarten. Auch hier gibt es Abweichungen. Der traditionelle Feuerwehrball eines Dorfes unterlässt persönliche Einladungskarten, z. B. auf handgeschöpftem Büttenpapier er fordert mit Aushang und Zeitungsanzeigen auf.

Große gesellschaftliche Bälle wie der Wiener Opernball oder der Frankfurter Opernball haben kompliziertere Einladungsformalien. 1A-Prominente, echte V.I.P.s, werden für ihre Ballteilnahme häufig bezahlt, um dem Ball Glanz zu verleihen. A-Prominenz wird direkt formal angesprochen, um die Festivität attraktiver zu machen, ohne dass ihr Kosten entsteht. Prominenten bietet man bevorzugt Karten zum Kauf an, und zwar mit einer höflichen Pseudo-Einladung, die auch auf die Kosten hinweist. Nicht-Prominente können versuchen, sich „einzukaufen“, das heißt möglichst großzügig an die „Charity“ oder „Charities“ spenden, die der Ball unterstützen will. Eventuell hat eine solche Spende über Jahre hinweg mehrfach zu erfolgen, bevor man eine Pseudo-Einladung erhält und dann Karten kaufen darf (meist streng limitiert auf zwei Stück). Beziehungen können hier entscheidend sein, was in diesem Zusammenhang nicht als ehrenrührig gilt. Schließlich weisen gute gesellschaftliche Beziehungen auf eine entsprechende gesellschaftliche Position hin, deren Festigung und Verbesserung ein Ziel dieser Edel-Bälle ist. Sponsoren solcher Veranstaltungen erhalten ebenfalls ein Kartenkontingent und vergeben es nach eigenen Kriterien, zum Beispiel an gute Geschäftspartner.

Eine schriftliche Einladung sollte spätestens zwei bis drei Wochen vor dem Balltermin erfolgen und neben dem Anlass auch kurz auf die gewünschte Kleidung hinweisen.

Kleidung

Altes Ballkleid und Uniform

Die Balleinladung notiert üblicherweise für Herren, in aufsteigender Reihenfolge des geforderten „Putzes“, je nach dem:

  1. Dunkler Anzug,
  2. Dunkler Anzug oder Smoking oder
  3. Gesellschaftskleidung

Die ersten beiden Punkte sind genau so zu verstehen.

Der dritte Begriff steht für Smoking oder Frack, bei Uniformträgern auch die (Gala-)Uniform. Ein Anzug ist absolut unerwünscht. Sofern vorhanden, werden die entsprechenden Orden und Ehrenzeichen getragen.

Der Grad des geforderten „Putzes“ für die Damen lässt sich aus den Informationen für die Männer und aus dem Anlass ableiten. So kann bei einem privaten Sommerball, bei dem für den Herrn Dunkler Anzug gefordert wird, für die Dame ein leichtes, langes Sommerkleid ausreichen. Bei Gesellschaftskleidung muss es ein edles, bodenlanges Ballkleid sein. Ebenso sind, wenn vorhanden, die teuren, funkelnden Schmuckstücke zu tragen. Prominenz tritt durchaus mit geliehenen Schmuckstücken oder Kleidern auf, zeigt sie im Auftrag der Eigentümer/Hersteller.

Ablauf und Bewirtung

Die Gäste werden entsprechend dem Anlass mit einem Getränk begrüßt.

Der genaue weitere Ablauf eines Balls hängt von Form und Anlass ab. Gibt es ein Büffet, eröffnet es ungefähr um 23:30 Uhr. Bei einem festlicheren Ball gibt es stattdessen zu Beginn des Balls ein sogenanntes Ball-Souper: ein gepflegtes, spätes Abendessen an entsprechend gedeckten Tischen.

Tanzen

Bei einem Ball ist das Tanzen Kern der Veranstaltung. Dass Dauertanzpaare eher unerwünscht sind, gilt allerdings als Höflichkeitsregel. Bei großen Bällen sind Flanieren, Sehen und Gesehenwerden, mindestens ebenso wichtig.

Grundsätzlich gilt: Bei geschlossenen gesellschaftlichen Bällen kann jede mit jedem und jeder mit jeder tanzen. Das gastgebende Paar, das Hochzeitspaar, DebütantInnen oder dazu bestimmte Prominenz eröffnen den Ball mit dem ersten Tanz. Als Gast tanzt man zuerst mit dem/der PartnerIn, mit der man gekommen ist, oder mit dem/r zugeteilten Tischherrn/dame. Bei einem kleinen Ball wird die Gastgeberin um den zweiten Tanz gebeten, wenn es sich aus der Situation ergibt.

Mitternachtseinlage

Bei vielen Bällen sind sogenannte Mitternachtseinlagen üblich: heutzutage unterbrechen Showeinlagen wie Darbietungen einer Tanzschule, eine Magieshow, eine Baletteinlage oder als exotischer Kontrast eine Sambashow oder ähnliches. Die Art der Events um Mitternacht überrascht die Gäste.

Anschließend findet bei Bällen mit Tombola die Ziehung der Preise statt.

Abtanzball

Viele junge Menschen gehen über einen bestimmten Zeitraum einmal wöchentlich zum Tanzkurs, d.h. zum Unterricht in Gesellschaftstanz. Am Ende gibt es einen festlichen Abtanzball, zu dem auch die Eltern geladen werden, bei dem das Gelernte angewandt und gezeigt wird. Festliche Kleidung gehört dazu, oft auch eine Polonaise und Tanzspiele. Aber auch zu anderen Tanzkursen, in denen ein bestimmtes Programm an Tänzen erlernt wird, kann ein Abtanzball gehören.

Abschlussball

Ein Abschlussball feiert eine bestandene größere Prüfung / den Abschluss, häufig das Abitur in Deutschland (ugs. Abiball) oder die Matura in Österreich. Der Begriff Abiball, Abschlussball oder Schlussball wird auch als Synonym für Abtanzball verwendet.

Bekannte Bälle

Ball der Stadt Wien im Rathaus (1900)

Siehe auch

Weitere formale gesellschaftliche Arten von Feiern:

  • Brunch
  • Frühstück -- welches gar kein Frühstück ist, sondern in gesellschaftlichem Zusammenhang ein sogenanntes kleines Mittagessen, zweites Frühstück, franz. Déjeuner, engl. Lunch.
  • Sektfrühstück --- ebenfalls ein kleines Mittagessen, allerdings mit extrem gehobener Küche
  • Empfang am Vormittag, Nachmittag oder Abend, Sektempfang am Vormittag, Nachmittag oder Abend
  • Nachmittagskaffee oder die Varianten Kaffeebüffet oder Kaffee-Empfang
  • Fünfuhrtee oder die Variante Teebüffet
  • Cocktailparty (nachmittäglicher Empfang)
  • Dinner (festlich), Herrendinner, Abendessen (zwanglos)
  • Party

Literatur

  • Monika Fink: Der Ball. Eine Kulturgeschichte des Gesellschaftstanzes im 18. und 19. Jahrhundert. Innsbruck, (1996). ISBN 3-7065-1136-3

Weblinks


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