Abstimmungen über den deutschen Bundeskanzler

Abstimmungen über den deutschen Bundeskanzler sind die Wahl des Bundeskanzlers nach Artikel 63 des Grundgesetzes, das konstruktive Misstrauensvotum gegen den Bundeskanzler (Artikel 67) und die Vertrauensfrage des Bundeskanzlers (Artikel 68). Hinzu kommt die Wahl des Bundeskanzlers und das konstruktive Misstrauensvotum gegen den Bundeskanzler durch den Gemeinsamen Ausschuss im Verteidigungsfall (Artikel 115 h Absatz 2). Die Wahl findet gemäß der §§ 4, 49 der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages mit „verdeckten Stimmzetteln“ (geheime Wahl) statt.

Übersicht über die Abstimmungen über den deutschen Bundeskanzler
lfd. Nr. Datum Bundestag Verfahren Vorgeschlagener, Herausforderer / Bundeskanzler, Bundeskanzler MdBs absolute Mehrheit Ja Nein Enth. ungültig nicht abgegeben relevantes Ergebnis Folge
1 15.09.1949 1. 1. Wahlgang Konrad Adenauer 402 202 202 142 44 1 13 202-200 Adenauer gewählt
2 09.10.1953 2. 1. Wahlgang Konrad Adenauer 487 244 305 148 14 0 20 305-182 Adenauer gewählt
3 22.10.1957 3. 1. Wahlgang Konrad Adenauer 497 249 274 193 9 0 21 274-223 Adenauer gewählt
4 07.11.1961 4. 1. Wahlgang Konrad Adenauer 499 250 258 206 26 0 9 258-241 Adenauer gewählt
5 16.10.1963 1. Wahlgang Ludwig Erhard 499 250 279 180 24 1 15 279-220 Erhard gewählt
6 20.10.1965 5. 1. Wahlgang Ludwig Erhard 496 249 272 200 15 0 9 272-224 Erhard gewählt
7 01.12.1966 1. Wahlgang Kurt Georg Kiesinger 496 249 340 109 23 1 23 340-156 Kiesinger gewählt
8 21.10.1969 6. 1. Wahlgang Willy Brandt 496 249 251 235 5 4 1 251-245 Brandt gewählt
9 27.04.1972 konstruktives Misstrauensvotum Rainer Barzel gegen Willy Brandt 496 249 247 10 3 0 236 247-249 gescheitert, Brandt bleibt Bundeskanzler
10 22.09.1972 Vertrauensfrage Willy Brandt 496 249 233 248 1 0 14 233-263 Brandt gescheitert, Bundestag aufgelöst
11 14.12.1972 7. 1. Wahlgang Willy Brandt 496 249 269 223 0 1 3 269-227 Brandt gewählt
12 16.05.1974 1. Wahlgang Helmut Schmidt 496 249 267 225 0 0 4 267-229 Schmidt gewählt
13 15.12.1976 8. 1. Wahlgang Helmut Schmidt 496 249 250 243 1 1 1 250-246 Schmidt gewählt
14 05.11.1980 9. 1. Wahlgang Helmut Schmidt 497 249 266 222 2 1 6 266-231 Schmidt gewählt
15 05.02.1982 Vertrauensfrage Helmut Schmidt 497 249 269 225 0 0 3 269-228 Schmidt bestätigt
16 01.10.1982 konstruktives Misstrauensvotum Helmut Kohl gegen Helmut Schmidt 497 249 256 235 4 0 2 256-241 Kohl gewählt
17 17.12.1982 Vertrauensfrage Helmut Kohl 497 249 8 218 248 0 23 8-489 Kohl gescheitert, Bundestag aufgelöst
18 29.03.1983 10. 1. Wahlgang Helmut Kohl 498 250 271 214 1 0 12 271-227 Kohl gewählt
19 11.03.1987 11. 1. Wahlgang Helmut Kohl 497 249 253 225 6 3 10 253-244 Kohl gewählt
20 17.01.1991 12. 1. Wahlgang Helmut Kohl 662 332 378 257 9 0 18 378-284 Kohl gewählt
21 15.11.1994 13. 1. Wahlgang Helmut Kohl 672 337 338 333 0 0 1 338-334 Kohl gewählt
22 27.10.1998 14. 1. Wahlgang Gerhard Schröder 669 335 351 287 27 1 3 351-318 Schröder gewählt
23 16.11.2001 Vertrauensfrage Gerhard Schröder 666 334 336 326 0 0 4 336-330 Schröder bestätigt
24 22.10.2002 15. 1. Wahlgang Gerhard Schröder 603 302 305 292 2 0 4 305-298 Schröder gewählt
25 01.07.2005 Vertrauensfrage Gerhard Schröder 601 301 151 296 148 0 6 151-450 Schröder gescheitert, Bundestag aufgelöst
26 22.11.2005 16. 1. Wahlgang Angela Merkel 614 308 397 202 12 1 2 397-217 Merkel gewählt
27 28.10.2009 17. 1. Wahlgang Angela Merkel 622 312 323 285 4 0 10 323-299 Merkel gewählt

Personen

Wahlverfahren des deutschen Bundeskanzlers

Insgesamt ist in der Geschichte der Bundesrepublik nur über neun Personen im Bundestag offiziell und verfassungsrechtlich bindend nach den grundgesetzlichen Vorschriften über die Bundesregierung abgestimmt worden, und zwar

  1. über Bundeskanzler Konrad Adenauer bei den Bundeskanzlerwahlen 1949, 1953, 1957 und 1961,
  2. über Bundeskanzler Ludwig Erhard bei den Bundeskanzlerwahlen 1963 und 1965,
  3. über Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger bei der Bundeskanzlerwahl 1966,
  4. über Bundeskanzler Willy Brandt bei den Bundeskanzlerwahlen 1969 und 1972, beim konstruktiven Misstrauensvotum 1972 sowie bei der Vertrauensfrage 1972
  5. über Rainer Barzel beim konstruktiven Misstrauensvotum 1972,
  6. über Bundeskanzler Helmut Schmidt bei den Bundeskanzlerwahlen 1974, 1976 und 1980, beim konstruktiven Misstrauensvotum 1982 sowie bei der Vertrauensfrage 1982
  7. über Bundeskanzler Helmut Kohl beim konstruktiven Misstrauensvotum 1982, bei der Vertrauensfrage 1982 sowie bei den Bundeskanzlerwahlen 1983, 1987, 1991 und 1994,
  8. über Bundeskanzler Gerhard Schröder bei den Bundeskanzlerwahlen 1998 und 2002 sowie bei den Vertrauensfragen 2001 und 2005,
  9. über Bundeskanzlerin Angela Merkel bei den Bundeskanzlerwahlen 2005 und 2009.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Liste der deutschen Bundeskanzler — Die Bundeskanzler Kiesinger, Schmidt und Brandt (v. l.) Der Bundeskanzler ist der Regierungschef der Bundesrepublik Deutschland: Er bestimmt die Bundesminister und die Richtlinien der Politik der …   Deutsch Wikipedia

  • Bundeskanzler (Deutschland) — Der damalige Kanzler Schmidt mit seinen Amtsvorgängern Kiesinger (l.) und Brandt (r.) 1979 in Bonn Der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland ist der deutsche Regierungschef …   Deutsch Wikipedia

  • Bundeskanzler Schröder — Gerhard Schröder (2003) Gerhard Fritz Kurt Schröder (oft genannt Gerd Schröder; * 7. April 1944 in Mossenberg, heute Ortsteil von Blomberg, Kreis Lippe) ist ein deutscher SPD Politiker. Er war von 1998 bis 2005 der siebte …   Deutsch Wikipedia

  • Deutscher Bundeskanzler — Die Bundeskanzler Kiesinger, Schmidt und Brandt (v. l.) Der Bundeskanzler ist der Regierungschef der Bundesrepublik Deutschland: Er bestimmt die Bundesminister und die Richtlinien der Politik der …   Deutsch Wikipedia

  • Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland — Heutige Bundesrepublik Deutschland, darüber die nach 1948 geteilten Gebiete: • Bundesrep. Deutschl. (bis 1990), • Berlin (West) (→ Berlin Frage), • DDR (Beitritt 1990) und • Saarland (Beitritt 1957, → Saarstatut) Unter der Deutschen… …   Deutsch Wikipedia

  • Ratifikation des Vertrages über eine Verfassung für Europa in Deutschland — Die Ratifikation des Vertrages über eine Verfassung für Europa wird in Deutschland durch die Artikel 23 und 79 des Grundgesetzes geregelt: Sie bedarf einer Zweidrittelmehrheit jeweils in Bundestag und Bundesrat. Da alle im Bundestag vertretenen… …   Deutsch Wikipedia

  • Gesetz über die Unterbrechung der Schwangerschaft — …   Deutsch Wikipedia

  • Eigene Mehrheit — Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (Literatur, Webseiten oder Einzelnachweisen) versehen. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst gelöscht. Hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und… …   Deutsch Wikipedia

  • Kanzlermehrheit — ist eine informelle Bezeichnung für eine bestimmte Mehrheit der Mitglieder des deutschen Bundestags. Sie wird in den Medien und in der politischen Diskussion verwendet. In der Verfassung wird diese Mehrheit als „Mehrheit der Mitglieder des… …   Deutsch Wikipedia

  • Kanzlermehrheit — Responsabilité gouvernementale en Allemagne Allemagne Cet article fait partie de la série sur la politique de l Allemagne, sous série sur la politique …   Wikipédia en Français

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”