Römisch-katholische Kirche im Sudan

Die Römisch-katholische Kirche im Sudan ist Teil der weltweiten römisch-katholischen Kirche, unter der geistlichen Führung des Papstes und der Kurie in Rom. Sie wurde im 19. Jahrhundert gegründet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Mission

Bischof Franz Xaver Geyer, Apostolischer Vikar in Khartum (1903-1922).
Bischof Antonio Roveggio, Apostolischer Vikar in Khartum (1895-1902). Er führte Missionsreisen u.a. zu den Azande. Sein Seligsprechungsprozess ist eingeleitet.

1842 wurde die erste katholische Schule und Mission in Khartum von Fr. L. Montuori, einem Vinzentinerpater, eingerichtet.

Bereits 1846 war von Papst Gregor XVI. das Apostolische Vikariat Sudan oder Zentralafrika errichtet worden, das sich damals vom Atlantik bis zum Roten Meer erstreckte, bis 1868 der westliche Teil, als Apostolisches Vikariat Sahara, davon abgetrennt wurde. Sitz der Mission und des Apostolischen Vikars war Khartum. Große Verdienste darum erwarb sich Österreich-Ungarn, denn bedeutende Missionare kamen von dort und Kaiser Franz-Joseph übernahm die Schirmherrschaft und unterstützte die Arbeit nach Kräften. Bis 1861 forderte die Mission durch Klima und Strapazen vierzig Todesopfer, so dass sie fast zum Erliegen kam.

Es ist das Verdienst des (inzwischen heiliggesprochenen) italienischen Weltpriesters Daniele Comboni, der in Khartum als Missionar tätig war, die Mission neu zu beleben. Comboni wurde noch als österreichischer Staatsbürger geboren. 1867 gründete er in Verona ein Missionsseminar, aus dem die heute nach ihm benannte Kongregation der Comboni-Missionare, die „Söhne des Heiligsten Herzens Jesu“ (FSCJ) hervorging, auch „Afrikanische Missionen von Verona“ genannt. 1876 entstand durch Comboni auch eine Schwesterngemeinschaft der „Frommen Mütter der Negerländer“ (Pie madri della Negrizia). 1872 wurde Comboni Provikar und 1877 erster Apostolischer Vikar des nun nur noch den eigentlichen Sudan umfassenden Missionsgebietes. Er starb am 10. Oktober 1881 in Khartum, erst 50 Jahre alt und musste nicht mehr die Vernichtung der gesamten Mission durch den Mahdi-Aufstand seit 1882 erleben.

In der schiitischen Dogmatik ist der Mahdi – das heißt „der (von Gott) Geleitete“ − der wiedererstandene Imam der Endzeit, nach sunnitischer Auffassung ist der Mahdi der Wiederhersteller des reinen islamischen Glaubens. Seit 1881/82, dem Jahr 1300 nach islamischer Zeitrechnung gab sich ein Muhammad Ahmad im Sudan als Mahdi aus und es gelang ihm, die Engländer zu vertreiben und 1885 Khartum zu erobern, wobei der englische General Charles George Gordon bei der Verteidigung der Stadt fiel.

Zur Zeit des Mahdi-Aufstandes von 1881 bis 1899 waren alle katholischen Aktivitäten verboten und die Aktiven der Kirche waren entweder geflohen oder inhaftiert. Erst 1898 gelang es Lord Kitchener, den Nachfolger Muhammad Ahmads, den Bakkara-Sudanesen Abd Allah, bei Omdurman zu besiegen. Seit 1899 war der Sudan ein anglo-ägyptisches Kondominium. Der Vertrag wurde 1936 erneuert und endete 1956 mit der Selbstständigkeit des Landes Sudan. Nach der Errichtung des Anglo-Ägyptischen Sudans konnten die katholischen Aktivitäten wieder aufgenommen werden.

Der zweite Aufbau der Mission ist ein Verdienst der Apostolischen Vikare Antonio Roveggio (1858–1902), von 1895 bis 1902 Apostolischer Vikar in Khartum und Franz Xaver Geyer (1859–1943) der von 1903 bis 1922 das gleiche Amt bekleidete. Da die Kolonialverwaltung keine Missionstätigkeit im islamischen Norden zuließ, erfolgte diese nur im Süden. Das große Gebiet des ehemaligen Apostolischen Vikariates Sudan wurde seit 1913 mehrfach unterteilt. Zunächst wurden die Apostolischen Vikariate Khartum und Bahr el-Ghazal geschaffen, später auch die Apostolischen Vikariate von Rumbek, Juba und Wau sowie die Apostolischen Präfekturen von Mupoi und Malakal.

Als letztem Land Afrikas wurde 1974 im Sudan eine kirchliche Hierarchie mit Diözesen eingeführt. Heute umfasst der Sudan die Kirchenprovinz Khartum mit dem Suffraganbistum ElObeid und Südsudan umfasst die Kirchenprovinz Dschuba mit den Suffragandiözesen Malakal, Rumbek, Tombura-Yambio, Torit, Wau und Yei.

Struktur

Übersicht über die Diözesen im Sudan

In der römisch-katholischen Kirche im Sudan besteht eine Kirchenprovinz und insgesamt zwei Diözesen.

Kirchenprovinz Khartum

In der römisch-katholischen Kirche im Südsudan besteht eine Kirchenprovinz und insgesamt sieben Diözesen.

Kirchenprovinz Dschuba

Geografisch und politisch gesehen umfasst die Kirchenprovinz Khartum den Nordsudan und die Kirchenprovinz Dschuba den Südsudan. Die auffallend stärkere Gliederung der südsudanesischen Kirchenprovinz Dschuba ist durch die dort relativ hohe Katholikenzahl begründet. Anders als in der nordsudanesischen Kirchenprovinz Khartum, wo der Katholikenanteil an der Gesamtbevölkerung weit unter 10% liegt und nur 2 Diözesen bestehen, die mit ihrer großen Fläche den gesamten Nordsudan umfassen.

Im September 2008 ist die Eröffnung der Katholischen Universität von Sudan vorgesehen.[1]

Statistiken

Stand: 2004

  • Bevölkerung

In Sudan leben etwa 4.019.000 Katholiken und bilden damit einen Anteil von 9,13% an der Gesamtbevölkerung Sudans. Während der Katholikenanteil im Nordsudan (Kirchenprovinz Khartum) bei 3,5% liegt, sind in Südsudan (Kirchenprovinz Dschuba) 21,5% der Bevölkerung römisch-katholisch. Die Katholiken bilden nebenbei den größten Anteil der Christen in Sudan (ca. 65%).

  • Geistliche

Für die Gläubigen sorgen 18 Bischöfe (davon 2 emeritiert), 169 Welt– und 95 Ordenspriester und 4 ständige Diakone.
Ordensleute ohne Priesterweihe gibt es 510 (167 Männer, 343 Frauen).

Institutionen

Die Apostolische Nuntiatur im Sudan hat ihren Sitz in Khartum.
Apostolischer Nuntius ist seit der Ernennung am 16. Januar 2007 Erzbischof Leo Boccardi.

Es besteht die sudanesische Bischofskonferenz, die in Khartum ihren Sitz hat. Präsident der Bischofskonferenz ist derzeit der Erzbischof von Dschuba, Paolino Lukudu Loro. Die sudanesische Bischofskonferenz ist des Weiteren Mitglied des Verbands der ostafrikanischen Bischofskonferenzen.

Kirchenbauten

In den meisten Diözesen existieren nur wenige Gemeinden, die über eine eigene Kirche verfügen. Diese Gemeinden richteten stattdessen kirchenähnliche Gebetshäuser ein. Folgende Kirchen und Kathedralen bestehen in den jeweiligen sudanesischen Diözesen:

Patrone

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. „ Neue katholische Universität in Juba“, kathweb.at, 13. August 2008

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