Chordophon
Gitarre
Geige

Ein Saiteninstrument (Fachwort: Chordophon) ist ein Musikinstrument, das zur Tonerzeugung Saiten verwendet, die in den allermeisten Fällen ihre Schwingungen auf einen den Klang verstärkenden Resonanzkörper übertragen.

Verschiedene Tonhöhen werden entweder durch Abteilen der Saiten oder dadurch erreicht, dass für jeden Ton (mindestens) eine eigene Saite vorhanden ist. In jedem Fall gilt: je dünner, je kürzer und je straffer gespannt die jeweilige Saite ist, desto höher wird der resultierende Ton.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bereits Sumerer, Ägypter und Griechen des Altertums spielten auf mit Saiten bespannten Schallkörpern. (Beispielsweise die Kithara oder Lyra). Nach Alexander Buchner (1985) finden sich die ältesten Darstellungen eines einfachen Monochords oder Musikbogens bereits auf 15.000 Jahre alten Höhlenzeichnungen. Das älteste erhaltene Saiteninstrument ist dagegen die 4500 Jahre alte Leier der Königin Puabi von Ur. Damit sind die Saiteninstrumente gegenüber Flöten, Trommeln und Rasseln relativ jung.[1]

Der einfache Musikbogen gilt somit als „Urform“ aller Chordophone (nicht zu verwechseln mit dem Geigenbogen). Er besteht aus einem biegsamen Holzstab, um dessen Enden ein Stück Darm oder eine Schnur gezogen ist, die so den Stab zum Bogen spannt. Mit einem kleinen Stab angeschlagen oder mit den Fingern gezupft, werden schwirrende Klänge hervorgebracht, die durch einen am Bogen angebrachten Resonanzkörper, etwa eine getrocknete Kalebasse, extrem verstärkt werden können.

Die Weiterentwicklung vom einfachen Bogen zum komplexen modernen Saiteninstrument hat die unterschiedlichsten Typen hervorgebracht, von denen die meisten aber nur über eine begrenzte Zeitspanne hinweg in Gebrauch waren wie die in der Antike überaus beliebte Leier (Lyra). Schon Homer beschreibt die 4-saitige Leier, die Phorminx. Dieses Saiteninstrument bestand aus einem Resonanzkörper aus Holz, Schildkrötenpanzer oder später auch aus Metall, über den mehrere Saiten aufgespannt sind. Die Saiten wurden über Stege (Joch genannt) geführt, wovon das obere Querjoch die Saiten hielt und spannte. Die Saiten verliefen parallel zur Resonanzdecke. Gespielt wurde das Instrument mit den Fingern oder dem Plektrum durch Zupfen oder Anreißen. Mit der zweiten Hand wurden die Saiten bedämpft oder verkürzt und somit die Tonhöhe bestimmt.

Die historische Leier gehört mit zahlreichen antiken Funden zu den bestdokumentierten Instrumenten des Altertums. Die ältesten Funde weisen nach Mesopotamien ins 3. Jahrtausend v. Chr. Im Verlauf der Geschichte wurde die Leier den Erfordernissen angepasst und unterlag vielfältiger Wandlung. Dabei entstanden Formen mit bis zu 15 Saiten. Etwa seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. ist sie auch auf der iberischen Halbinsel und später bei den Kelten nachweisbar. Hier handelt es sich um die siebensaitige Leier, die auch als Vorläufer der mittelalterlichen Handharfe und der Drehleier gilt.

Beispiele für andere Saiteninstrumente, die zum Teil schon mit einem von Hand geführten Bogen gespielt wurden, finden sich in allen Kulturen, so die Spießgeige in Südostasien, die Sitar in Indien oder auch in Afrika und die verschiedenen arabischen Formen.

Klassifizierungen

Saiteninstrumente lassen sich auf verschiedene Weisen systematisch einordnen.

Schwingungserzeugung

Ein gebräuchlicher Ansatz ist die Klassifizierung nach der Methode, mit der die Saiten zur Schwingung angeregt werden, dann nach Bauart-Merkmalen weiter unterteilt:

  • außerdem gibt es Saiteninstrumente, bei denen die Saiten mit Klöppeln oder Hämmerchen angeschlagen werden:
  • und es gibt Instrumente, deren Saiten angeblasen werden:

Schwingungsübertragung

Der Instrumentenbauer unterscheidet unabhängig von der Spielweise zwischen drei Grundformen von Saiteninstrumenten und geht dabei von der Art der Schwingungsübertragung auf den Resonanzkörper aus, was unmittelbare Auswirkungen auf Klangfarbe und -entfaltung hat.

  • Als Harfen werden Instrumente bezeichnet, bei denen die Saiten an einem Ende direkt mit der Resonanzdecke des Schallkörpers verbunden sind. Der Saitenzug beim Spielen mehrerer Saiten wirkt damit durch minimale Verwindungen direkt auf deren physikalische Eigenschaften ein und verändert diese in chaotischen Variationen, was für den typischen "schwebenden" Klang von Harfen verantwortlich ist. Die Befestigung der Saiten am anderen Ende erfolgt an einem massiven Hals, der die Harfe zusammen mit der Vorderstange zu einem sehr massereichen Instrument macht, dessen Schwingung sich durch Direktkontakt mit Tanz- oder Konzertboden als natürlichem Verstärker sehr raumfüllend verteilen lässt.
  • Als Zithern werden Instrumente bezeichnet, bei denen kein direkter Kontakt der schwingenden Saiten mit der Resonanzdecke besteht. Die Übertragung erfolgt über die massiven Seitenteile (Klötze), an denen die Saiten befestigt sind und mit denen auch die Resonanzdecke direkt verbunden ist. Der typische Klang entsteht aus der Wechselwirkung zwischen Resonanzdecke und Klötzen, der sich über eine ebenfalls resonierende Auflagefläche (Zithertisch) noch erheblich verstärken und weiträumig verteilen lässt. Manche Zithern besitzen keine eigene Resonanzdecke und brauchen zur Schallerzeugung deshalb einen solchen externen Resonanzkörper.
  • Als Lauten werden Instrumente mit einem Hals bezeichnet, bei denen die Saitenschwingung über einen Steg auf die Resonanzdecke übertragen wird. Die Klangentfaltung ist erfolgt durch die Resonanzdecke und die von ihr in Schwingung versetzten Luftpartikel.

Der Kistenbass ist nach dieser Einteilung deshalb eine Harfe, das Hackbrett eine Zither und die Geige eine Laute.

Diese rein bautechnische Klassifizierung eignet sich nur sehr bedingt für die allgemeinen Beschreibung einzelner Instrumente, weil sie dem normalen Verständnis zu widersprechen scheint. Zudem gibt es eine große Anzahl von Mischformen, das Klavier ist also eine Zither ohne Resonanzdecke und die japanische Harfe (Koto) bautechnisch gesehen eine Zither, deren Schwingungsübertragung jedoch über bewegliche Stege aber ohne Hals erfolgt.

Einzelnachweise

  1. Klänge der Vergangenheit. in: epoc. Heidelberg 2009,2,15. ISSN 1865-5718

Literatur

  • Alexander Buchner: Handbuch der Musikinstrumente. Dausien, Hanau/M 1985. ISBN 3-7684-4169-5

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