Choreographie

Choreografie (griech. choreía = Tanz und gráphein = Schrift) bezeichnet heute das Erfinden und Einstudieren von Bewegungen, meist in Zusammenhang mit Tanz. Eine Choreografie wird ebenso wie eine musikalische Komposition als Kunstwerk betrachtet und reicht vom kurzen Solo- oder Showtanz (z. B. Michel Fokines Der sterbende Schwan, 1907) bis zur mehrstündigen Inszenierung eines Tanztheaterstückes mit vielen Personen und komplexer Handlung.

Auch bei der Planung eines Feuerwerkes spricht man von Choreographie. Dabei wird – oft in Übereinstimmung mit dem Takt einer zuvor gewählten Musik – der zeitliche Ablauf, die Farbgestaltung und die Höhenstaffelung eines Großfeuerwerkes erstellt und festgelegt.

Ein Choreograf ist der kreative Gestalter einer Choreografie. Er ist gleichzeitig Erfinder und Regisseur des Stückes und repräsentiert somit im Vergleich zum Schauspiel gleichermaßen die Rolle von Autor und Regisseur. Aus dieser Doppelfunktion ergeben sich in der Folge komplexe urheberrechtliche Fragen. In Oper, Schauspiel und Musical arbeitet der Choreograf meist mit übergeordneten Regisseuren zusammen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Choreografie war ursprünglich die Notation der Bewegungen des Chores im Griechischen Drama und wurde dann zur Aufzeichnung von Tanzbewegungen überhaupt.

Für Jean Georges Noverre im 18. Jahrhundert ist ein „chorégraphe“ noch derjenige, der Tanzbewegungen schriftlich festhalten will, und dies war eher abschätzig gemeint. In derselben Zeit entwickelte sich ein Ballett-Repertoire, das auch auf andere Ballettkompanien übertragbar war, aber ohne schriftliche Zeugnisse auskam. Der einstudierende Tanzmeister schrieb diese Ballette also gleichsam direkt in die Körper ein. Diesen Vorgang bezeichnet man bis heute als Choreografie: die Komposition von Bewegungen beim Tanz, im erweiterten Sinne auch jedes Inszenieren von Bewegungsabläufen. Die schriftliche Aufzeichnung von Tanzbewegungen hingegen wird heute als Tanznotation bezeichnet. In der praktischen Wiederaufnahme von älteren Werken spielt die Tanznotation jedoch kaum eine Rolle. Trotz der heute üblichen Existenz von Videoaufnahmen früherer Aufführungen werden die Choreografien meist von ehemaligen Tänzern/Assistenten in einem Prozess von Zeigen und Lernen weitergegeben. Choreografie zählt somit kommunikationstheoretisch zu den wenigen Kommunikationsformen, in denen "Überlieferung" in der Praxis von heute noch zentrale Bedeutung zukommt.

Die berühmtesten klassischen Ballette aus dem 19. Jahrhundert, die überall immer wieder inszeniert und aufgeführt werden, entstammen der überaus fruchtbaren Zusammenarbeit des Choreografen Marius Petipa mit dem Komponisten Tschaikowsky. Dazu gehören Schwanensee, Der Nussknacker, Dornröschen.

Seit den Avantgarden um 1900 hat sich der Bühnentanz von der Forderung nach einer Handlung, die ihn seit dem 18. Jahrhundert vom Gesellschaftstanz befreite, gelöst. Tanz kann ganz abstrakt, reine Form ohne konkreten Inhalt sein, wie besonders George Balanchine es liebte. Der zeitgenössische Tanz unterscheidet nicht primär zwischen narrativen, assoziativen und abstrakten Inszenierungen. Sehr oft hat Tanztheater jedoch einen Inhalt, der als Originalwerk vom Choreografen konzipiert sein kann, wie sehr oft bei Ausdruckstanz und Modern Dance, oder auf eine literarische Vorlage zurückgeht wie die Choreografien nach Bühnenstücken von John Cranko, z. B. Romeo und Julia nach Shakespeare (Stuttgart 1962) und Prof. Tom Schilling z. B. Undine Berlin 1972, Schwarze Vögel Berlin 1974 und Ein neuer Sommernachtstraum Berlin 1984.

Seit dem 20. Jahrhundert gibt es auch viele bedeutende Choreografen wie z. B. Pina Bausch, Susanne Linke, Amanda Miller, Jessica Iwanson, Reinhild Hoffmann, Sasha Waltz, Meg Stuart oder Rosemary Butcher, Arila Siegert, Prof. Tom Schilling und Gregor Seyffert. Der Moderne Tanz entwickelte sich in beiden Teilen Deutschlands zu einer wegbestimmenden, vielfältigen, reichen Kunstform.

Im zeitgenössischen Tanz entstehen neue Formen und oft programmatische Genrebezeichnungen, z. B. nennt Johann Kresnik seine Stücke Choreografisches Theater.

Verhältnis zur Musik

Der Choreograf sucht die Begleitmusik aus oder lässt sich von einem Musikwerk inspirieren, wie John Neumeier von der Dritten Symphonie von Gustav Mahler oder von Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion, oder Uwe Scholz von Haydns Schöpfung.

Oder er arbeitet mit einem Komponisten zusammen, der neue Musik für ein bestimmtes Tanzstück schreibt, z. B. auch Neumeier bei seinem Ballett Odyssee mit dem griechischen Komponisten George Couroupos oder Bernd Schindowski mit Stefan Heucke bei Gilgamesch-Epos, oder Frederick Ashton mit Hans Werner Henze bei Undine oder Sergei Pawlowitsch Djagilew mit Igor Strawinsky für das Ballett Der Feuervogel.

Auch die Emanzipation von der Musik spielt im zeitgenössischen Tanz eine Rolle, also das Tanzen zu Geräuschcollagen oder gesprochenen Texten.

Siehe auch

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