Abt Eigil

Eigil von Fulda (* um 750 in Bayern; † 15. Juni oder 6. August 822 in Fulda) stammte aus bayerischem Adel und wurde 818 vierter Abt des Klosters Fulda.

Er war Schüler von Abt Sturmi, seinem Onkel, unter dem er Propst und Schöffe im Abtsgericht wurde, und verfasste seine Biographie, die Vita Sturmi primi abbatis et fundatoris Fuldensis coenobii. Den Fuldaer Mönch Brun Candidus veranlasste er zur Abfassung der Vita des zweiten Fuldaer Abtes Baugulf. Er ist damit der Begründer der beeindruckenden Fuldaer Vitenreihe, die die ersten fünf Äbte (Sturmi, Baugulf, Ratgar, Eigil, Rabanus Maurus) sowie die Fuldaer Heiligen Bonifatius und Lioba umfasst. Fuldaschüler sind Ermenrich von Ellwangen, der Verfasser des Sermo de Vita B. Soli des Einsiedlers Sola von Solnhofen, einer Fuldaer Propstei, sowie der Kaiserbiograf Einhard und Walahfrid Strabo, der Verfasser und Herausgeber zahlreicher Viten (Vita S. Galli, Vita Mammae, Vita Blaithmaic, Vita S. Otmari; Einharts vita Karoli, Thegans Gesta Hludowici). Außerdem war es wahrscheinlich Baugulf, der Hrabanus Maurus zum Leiter der Klosterschule und zum Propst und präsumptiven Nachfolger erkor. Es gelang ihm, die existenzbedrohende Krise beizulegen, die sein Vorgänger Ratgar durch ein hartes und kompromißloses Regiment, durch Eingriffe in die überlieferten Consuetudines und durch sein forciertes Bauprogramm ausgelöst hatte. Eigil hatte zu den Gegnern Ratgers gehört, setzte sich aber später für dessen Begnadigung und Rückkehr in ein Fuldaer Nebenkloster ein. Während des Interregnum nach der Absetzung Ratgers war auf Befehl Kaiser Ludwigs des Frommen die Reform Benedikts von Aniane in Fulda eingeführt worden, die Eigil als neue Grundlage zu akzeptieren hatte, ohne ihr jedoch in allen Einzelheiten zu folgen. So ließ er weiterhin die Außenposten von Mönchen und nicht wie vorgeschrieben von Laien verwalten. Er vollendete die von seinen beiden Vorgängern begonnene Salvator-Basilika in Fulda und ließ nachträglich zwei Krypten einbauen, die zu den frühesten Hallenkrypten zählen. Außerdem ließ er eine von Hrabanus Maurus konzipierte Friedhofskapelle, St. Michael, errichten, einen Zentralbau über acht Säulen mit Kuppel und Krypta. Um den Kult des Gründerabtes Sturmius, seines Verwandten, kümmerte er sich besonders und ordnete dessen liturgische Memoria neu. Das neue Konventsgebäude konnte er nicht mehr fertigstellen. Unter seinem kurzen Abbatiat blühte das Klosterleben auf und wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Fulda unter seinem Nachfolger Hrabanus Maurus zu einem der bedeutendsten Zentren geistiger Kultur aufsteigen konnte. Sein Grab, das er nach dem Vorbild Benedikts von Nursia) mit eigenen Händen gegraben haben soll, befindet sich in der Krypta der von ihm in Auftrag gegebenen Michaelskirche.

Der katholische Gedenktag ist am 15. Juni.

Literatur

  • M. Sandmann: Eigil. In: K. Schmid (Hrsg.): Die Klostergemeinschaft von Fulda im früheren Mittelalter In: Münstersche Mittelalterschriften 8, 1. Bd. 1, München 1978, S. 184.
  • P. Engelbert: Die Vita Sturmi des Eigil von Fulda. literarkritisch-historische Untersuchung und Edition. In: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck. Marburg 1968.
  • G. Becht-Jördens: Vita Aegil abbatis Fuldensis a Candido ad Modestum edita prosa et versibus. Ein opus geminum des IX. Jahrhunderts. Einleitung und kritische Edition. Marburg 1994.
  • G. Becht-Jördens: Die Vita Aegil abbatis Fuldensis des Brun Candidus. Ein opus geminum aus dem Zeitalter der anianischen Reform in biblisch-figuralem Hintergrundstil. In: Fuldaer Hochschulschriften 17. Frankfurt am Main 1992.
  • G. Becht-Jördens: Die Vita Aegil des Brun Candidus als Quelle zu Fragen aus der Geschichte Fuldas im Zeitalter der anianischen Reform. In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 42. 1992, S. 19–48.
  • O. Ellger: Die Michaelskirche zu Fulda als Zeugnis der Totensorge. Zur Konzeption einer Friedhofs- und Grabkirche im karolingischen Kloster Fulda. In: Veröffentlichungen des Fuldaer Geschichtsvereins 55. Fulda 1989.
  • E. Krause: Die Ratgerbasilika in Fulda. Eine forschungsgeschichtliche Untersuchung. In: Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei und Diözese Fulda 27. Fulda 2002.
  • Friedrich Wilhelm Bautz: Eigil (Egil). In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Hamm 1975, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 1479.



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