Abtei Königsmünster
Abtei Königsmünster mit angeschlossenem Gymnasium (links) und dem Begegnungszentrum „Oase“ (vorne links)

Die Abtei Königsmünster in Meschede (Nordrhein-Westfalen) ist ein Kloster der Benediktinerkongregation von St. Ottilien. Neben der Mission und der Seelsorge betreiben die Brüder eine Reihe handwerklicher oder landwirtschaftlicher Betriebe und ein Gymnasium.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Gründung

Die Abtei wurde 1928 von Mönchen aus drei bayerischen Klöstern gegründet. Der Vertrag vom 2. März 1928 zwischen der Stadt Meschede und der Benediktinerkongregation von St. Ottilien (Missionsbenediktiner) sah vor, dass die Mönche die städtische Rektoratsschule übernehmen und dafür von der Stadt materielle Unterstützung für den Aufbau des Klosters erhalten. Das Kloster erhielt den Namen Königsmünster, also „Kloster (lateinisch monasterium, davon deutsch Münster) des Königs (Christus).“

Innerhalb der Region stellten sich die Mönche auch in die Tradition von Kloster Grafschaft. Aus dem Wappen der alten Benediktinerabtei übernahm man in Meschede das Hirschgeweih. Außerdem erarbeiteten die Mönche in den letzten Jahren ein Nekrologium der Grafschafter Mönche, um ihrer an deren Todestagen im Gebet zu gedenken.

Priorat

1932 wurde das Kloster zu einem selbstständigen Priorat mit Pater Linus Leberle als erstem Prior. Zwischen 1937 und 1956 war Alban Buckel aus Münsterschwarzach Konventualprior. Durch das nationalsozialistische Regime war das Kloster von 1941 bis 1945 aufgehoben.

Als erster Mönch kehrte der 56jährige Bruder Virgil Wilhelm im April 1945 nach Meschede zurück. Im Juni wollte er mit einem geliehenen Fahrrad nach Kallenhardt fahren, doch kam er dort nie an. Seine sterblichen Überreste wurden schließlich ein Jahr später gefunden und anhand seines Klausurschlüssels und der Wäschereste identifiziert. Er war am 8. Juni 1945 am Stimmstamm bei Meschede von Unbekannten, möglicherweise „marodierenden Fremdarbeitern“, gefoltert und ermordet worden, die es vermutlich auf das Fahrrad abgesehen hatten. („Marodierende Fremdarbeiter“ war eine damals gängige Bezeichnung ehemaliger Nationalsozialisten für die über 1000 Zwangsarbeiter, die zur Sklavenarbeit nach Meschede verschleppt, in drei Lagern innerhalb des Stadtgebietes gehalten[1] und am 8. April 1945 von der amerikanischen Armee befreit worden waren.) Die Schützengemeinschaft Meschede-Nord errichtete einen Gedenkstein.[2]

Abtei
Die Abtei

Am 18. Oktober 1956 wurde das Kloster in den kirchenrechtlichen Rang einer Abtei erhoben und Pater Harduin Bießle wurde zum ersten Abt gewählt. In seine Amtszeit fiel der Bau der Abteikirche durch den Architekten Hans Schilling. Beim Kirchenbau wurden bewusst Formensprache und Symbolik für Menschen des 20. Jahrhunderts gewählt. Die Kirche wurde am 1. September 1964, also am 25. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen, als „Friedenskirche in einer Welt, die nicht zum Frieden kommen kann“ (Jahresbericht von 1958) geweiht.

In der Amtszeit des zweiten Abtes, Stephan Schröer (1976-2001), traten zahlreiche junge Männer der Gemeinschaft bei, so dass der Konvent zwischenzeitlich auf über 80 Mitglieder anwuchs. Dazu trug vermutlich bei, dass die Abtei durch die Arbeit in der Schule inzwischen in der Region sehr bekannt geworden war und durch ein verstärktes Engagement in der Jugendarbeit (Jugendgästehaus Oase seit 1981) gerade junge Menschen anzog.

In das Jahr 2001 fielen die Einweihung des „Hauses der Stille“, dessen von Peter Kulka stammende Architektur in der Fachwelt Beachtung fand, die Resignation von Abt Stephan, die Begrenzung der Amtszeit des Abtes auf 12 Jahre durch Beschluss der Gemeinschaft und die Wahl von Pater Dominicus Meier zum dritten Abt.

Im März 2010 wurden im Zuge der bundesweiten Aufdeckung von Missbrauchsfällen auch Missbrauch durch einen Mönch der Abtei Königsmünster in mehreren Fällen öffentlich bekannt.[3]

Die heute ungefähr 60 Mönche arbeiten in der Schule (Gymnasium der Benediktiner), in der Jugendarbeit, im „Haus der Stille“ (Haus für Einkehr und Exerzitien), in der Seelsorge und in verschiedenen Werkstätten. Einige Brüder sind als Missionare in Südkorea, Tansania und Kuba tätig, fünf arbeiten in der Cella Sankt Benedikt in Hannover.

Zur Unterstützung des Klosters wurde am 11. Januar 1990 der Freundeskreis Königsmünster e. V. gegründet, dem über 1.000 Mitglieder deutschlandweit angehören.

Klosteranlage

Klosterkirche

Die Planungen fanden zeitlich mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil statt. Vor dem Hintergrund der Aufbruchstimmung der Erneuerungsbewegung stritten die Brüder mit dem Architekten um die Gestalt ihrer Kirche. Beim Kirchenbau wurden bewusst Formensprache und Symbolik für Menschen des 20. Jahrhunderts gewählt. Die Kirche wurde am 1. September 1964, also am 25. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen, als „Friedenskirche in einer Welt, die nicht zum Frieden kommen kann" (Jahresbericht von 1958) geweiht. Geprägt ist der Bau durch die Einfachheit des Grundrisses und eine für ein katholisches Gotteshaus bemerkenswerte Schlichtheit der Ausstattung. Nach außen hin wirkt die weithin sichtbare Kirche aus rotbraunen Klinkersteinen wie eine große Burg oder wie ein Schiff.[4]

Wirtschaftsbetriebe

Von Beginn an gehörten zum Kloster eine Landwirtschaft und die Gärtnerei. Die Gärtnerei produziert heute fast ausschließlich Gemüse und ähnliches für den Eigenbedarf der Einrichtung. Im Gebäude der Gärtnerei befindet sich auch ein Mostbetrieb. Dagegen werden die Produkte der Landwirtschaft unter anderem durch eine hauseigene Metzgerei weiterverarbeitet und vermarktet. Die Produkte des „Putenpaters“ Reinald Rickert werden weit über die Grenzen der Stadt Meschede hinaus von Restaurants und Privatpersonen geschätzt. Hinzu kommt eine Schmiede, in der einige Brüder, Mitarbeiter, Auszubildende und Praktikanten verschiedene Metallobjekte aus Stahl und Messing herstellen. Neben Kreuzen, Grabmälern und Geländern werden auch Skulpturen und Brunnen gestaltet. Während die Schmiede von einem Bruder geleitet wird, arbeiten in der klostereigenen Schreinerei zurzeit nur weltliche Beschäftigte. Sie diente lange Zeit überwiegend dem Eigenbedarf, nimmt jedoch seit einiger Zeit auch Fremdaufträge an. Sie fertigt unter anderem Möbel in Handarbeit. Weitere Werkstätten sind die Schneiderei, in der die Habite der Brüder hergestellt werden, eine Handweberei, in der insbesondere liturgische Paramente gewebt und geschneidert werden und eine Hand-Töpferei, in der verschiedene Keramikgegenstände hergestellt werden. Zu dem Klosterbetrieb gehört eine Buch- und Kunsthandlung, die neben Literatur und Kunst auch die Produkte der Abtei anbietet. Sie wurde mehrfach als beste Klosterbuchhandlung Deutschlands ausgezeichnet. [5]

Gymnasium
Die Abtei oberhalb Meschedes

Das Gymnasium war der ursprüngliche Grund für die Errichtung des Klosters ins Meschede. Es spielt noch immer eine wichtige Rolle für die Abtei. Die Schule hat etwa 680 Schülerinnen und Schüler. Neben einigen Mönchen besteht das Kollegium in der Mehrzahl aus angestellten Lehrkräften. Jedes Jahr ist die Zahl der Anmeldungen größer als die der freien Plätze. Entgegen anders lautender Berichte entscheidet über die Aufnahme ein Losverfahren. Neben dem üblichen Unterricht sind die zahlreichen Schulpartnerschaften mit anderen Schulen der Benediktiner bemerkenswert. Auch die Betonung des musischen Aspekts durch Schultheater, -chor, -orchester und Kunstausstellungen sind ein Kennzeichen der Einrichtung.[6]

Platz für Gäste

Die Abtei legt großen Wert auf den Kontakt nach außen. Sie bietet vielfältige Möglichkeiten zur geistlichen Einkehr aber auch zu weltlichen Tagungen und Veranstaltungen. Zum einen besteht die Möglichkeit für Männer Gast im Klausurbereich zu sein. Dabei besteht die Möglichkeit am Leben und den Gebetszeiten der Mönche teilzunehmen.[7] Darüber hinaus existiert seit 1981 mit der Oase in einem eigenen Bau ein Haus der Besinnung und Begegnung insbesondere für junge Leute.[8] In der Oase leisteten jedes Jahr sechs oder sieben Zivildienstleistende ihren Dienst ab. Sie wurden von zwei Austauschschülern aus Ungarn unterstützt. Das jüngste Projekt ist das Haus der Stille. Entworfen von dem Architekten Peter Kulka ist der Bau in Architektenkreisen auf große Resonanz gestoßen. Es bietet zwanzig Einzelzimmer. Es richtet sich an Einzelgäste und Gruppen. Angeboten werden jährlich unterschiedliche Kurse.[9]

Mitglieder der Gemeinschaft

Im Jahr 1986 gehörten 72 Mönche der Gemeinschaft an. Diese waren in einem Alter zwischen 20 und 80 Jahren. Von diesen hatten 35 noch nicht die endgültig bindenden Gelübde abgelegt.[10] Im Jahr 2007 umfasste die Gemeinschaft noch 59 Mitbrüder. Davon lebten 51 in der Abtei und der Cella in Hannover. Gemäß dem Ursprung der Kongegration lebten drei als Missionare in Tansania, Südafrika und Südkorea. Fünf Brüder lebten außerhalb des Klosters. Von den 51 im Kloster lebenden waren 16 hauptsächlich mit internen Aufgaben als Abt, in der Verwaltung usw. beschäftigt. Vier Brüder befanden sich im Ruhestand. Weitere vier waren im Gymnasium tätig. Acht Brüder arbeiteten in den verschiedenen Handwerksbetrieben, dem Laden oder der Landwirtschaft der Abtei. Elf Mönche waren hauptsächlich in der Seelsorge, der Jugendarbeit oder als Therapeut tätig. Ein Bruder war als Prokurator für die Koordination der Missionsarbeit zuständig. Weitere zwei waren in der Cella St. Benedikt in Hannover beschäftigt. Immerhin fünf Brüder befanden sich in der Ausbildung. Das Durchschnittsalter betrug 47 Jahre.[11]

Das Haus der Stille

Auszeichnungen

2004: Das 2001 von dem Kölner Architekten Peter Kulka erbaute Gästehaus („Haus der Stille“) wurde mit dem Nordrhein-Westfälischen Architekturpreis ausgezeichnet, der alle drei Jahre vom Bund Deutscher Architekten verliehen wird.

Einzelnachweise

  1. International Tracing Service HQ: Catalogue of Camps and Prisons in Germany and German-occupied Territories, Sept. 1st, 1939 — May 8th, 1945, Volume II, Arolsen, April 1950.
  2. Stadtarchiv Meschede: Kriegsende. Die Stunde Null. (PDF)
  3. FAZ: Missbrauch - Der lange Schatten des zweiten Jahrtausends
  4. Wortmann, S.66f.
  5. Wortmann, S.67-70
  6. Wortmann, S.70
  7. Klausurbereich
  8. Wortmann, S.70, Oase
  9. Programm 2008/09
  10. Payer, roter Schwan, S.39
  11. Geschichte der Abtei

Literatur

  • Ansgar Wortmann: Die Abtei Königsmünster. Eine kleine Führung durch das Mescheder Benediktinerkloster. In: Jahrbuch Hochsauerlandkreis 1999 S.65ff.
  • Markus Payer: Wie ein schwimmender roter Schwan. In: Jahrbuch Hochsauerlandkreis 1986 S.39ff.

Weblinks

 Commons: Abtei Königsmünster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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