Abtei Marienberg
Die Abtei Marienberg im Vinschgau
Die Abtei Marienberg

Die Abtei Marienberg ist ein Kloster der Benediktiner (OSB) im Vinschgau in Südtirol, Italien.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Das Kloster Marienberg liegt, als weiß getünchter festungsartiger Bau von weitem sichtbar, in einer Hangmulde oberhalb von Burgeis am orografisch rechten Talhang des oberen Vinschgaus. Mit einer Meereshöhe von 1.340 m ist es die höchstgelegene Benediktinerabtei Europas. Verkehrsmäßig erschlossen wird sie durch eine gut ausgebaute Bergstraße, die Burgeis mit den Weilern Amberg und Prämajur und mit der Ortschaft Schlinig im Schlinigtal verbindet.

Geschichte

Gründung im Engadin

Die Gründung des Klosters ist auf die Initiative eines churrätischen Edelfreiengeschlechtes zurückzuführen, der Herren von Tarasp. Ihr Bestreben war es, in der Nähe ihrer Burg Tarasp bei Schuls ein Hauskloster zu errichten. In der Zeit zwischen 1087 bis 1095 gründeten die Brüder Eberhard und Ulrich I. von Tarasp – letzterer war Bischof von Chur – ein erstes Kloster und statteten es reich mit Stiftungen aus. Dem jungen Kloster wurde die Existenz im Engadin aber nicht leicht gemacht; von widrigen Umständen, von einer feindlich gesinnten Bevölkerung und von einem Brand ist die Rede, so dass sich die Gründerfamilie schließlich aus dem Engadin zurückzog und einen Neuanfang im Vinschgau versuchte. Ulrich III. von Tarasp, der Großneffe der Gründer, holte mit dem ersten Abt des Klosters, Albert von Ronsberg, bei Papst Eugen III. die Erlaubnis zur Verlegung des Klosters nach St. Stephan oberhalb von Burgeis ein, auf Grund und Boden, der den Tarasp gehörte.

Umsiedlung in den Vinschgau

St. Stefan bei Marienberg mit Blick auf Mals

Die Umsiedlung erfolgte 1146. Es zeigte sich jedoch bald, dass die Standortwahl kein Glücksgriff war. St. Stephan liegt auf einem windigen und trockenen Hangrücken, weit entfernt von Quellen oder Wasserläufen. Eine neuerliche Erlaubnis vom Papst war notwendig, um die dann endgültige Verlegung weiter nach Westen auf den heutigen Standort durchführen zu können. Dort am Almeina Bach stand schon eine Marienkapelle gleichen Namens, deren Marienpatrozinium nach der Übersiedlung 1149/1150 auf das Kloster überging. Das Baumaterial stammte zu einem guten Teil von der Burg Kastellaz weiter oben am Berghang, die der Gründerfamilie gehörte, und die sie zu diesem Zwecke schleifen ließ.

Starthilfe aus Ottobeuren

Die ersten Mönche kamen vom Benediktinerkloster Ottobeuren im bayerischen Unterallgäu. Dies deshalb, weil das Kloster Ottobeuren das Hauskloster der Grafen Ursin-Ronsberg war, die mit den Edelfreien von Tarasp verwandtschaftliche Beziehungen hatten. Zudem war Uta, die Frau des Stifters Ulrich III., wahrscheinlich eine Schwester des Abtes Albert von Ronsberg. Die Mönche machten sich am neuen Standort an die Arbeit und erbauten zuerst eine Krypta, die am 13. Juli 1160 vom Churer Bischof Adalgott der hl. Dreifaltigkeit, der Gottesmutter Maria und allen Heiligen geweiht wurde. Die Klosterkirche wird wohl als nächstes in Angriff genommen worden sein, weil 1180 durch Bischof Heinrich II. von Chur die Chorseitenkapellen geweiht wurden. Am 28. Oktober 1201 wurde die Klosterkirche vom Bischof Reinher della Torre der hl. Dreifaltigkeit, dem hl. Kreuz und der Jungfrau Maria geweiht. Nebenpatrone wurden diejenigen Heiligen, deren Reliquien von Ulrich III. von Tarasp aus Köln nach Marienberg überführt worden waren: Der hl. Bischof Sebastian sowie die hl. Climaria und der hl. Panafreta, die beide zu den 11.000 Jungfrauen gehörten, die in Köln mit der hl. Ursula den Märtyrertod erlitten hatten.

Die Vogtei

Weil der einzige Sohn des Stifterehepaares, Ulrich IV., selbst in das Kloster eintrat, wurden die Rechte der Vogtei 1160 von Ulrich III. an Egino I. von Matsch übertragen, der sein Vetter war. Die Beziehungen des Klosters zu diesen „Edlen von Matsch“ war zwiespältig. Es gab Vertreter der Familie, die sich redlich um das Kloster kümmerten. Der Chronist Goswin von Marienberg überlieferte die großzügigen Gesten des Vogtes Hartwig II., der wie ein guter Onkel niemals nach Marienberg kam, ohne für die Mönche irgendeinen guten Bissen mit zu bringen. Andere waren roh im Umgang, habsüchtig und darauf bedacht, möglichst viel aus dem Kloster herauszupressen. Ihre Streitsucht brachte das Kloster in Situationen, die dessen wirtschaftliche Überlebensfähigkeit bedrohten. Eine Fehde der Matscher mit den Reichenbergern führte 1274 zur Plünderung des Klosters durch Schweighard von Reichenberg. Unter Ulrich II. gipfelten die Auseinandersetzungen des Klosters mit ihren Vögten in der Ermordung des Abtes Hermann von Schönstein, der beim Prälatenstein in Schlinig 1304 enthauptet worden sein soll. Zwar gingen die Vogteirechte 1313 an die Herzöge von Österreich über, den Matschern gelang es jedoch, sie wieder als Afterlehen in ihre Hände zu bringen. Erst 1421, nach einem 30-jährigen Machtkampf mit den Churer Bischöfen, verloren die Matscher alle ihre Vogteirechte an den Tiroler Landesfürsten.

Der Chronist Goswin

Goswin von Marienberg war ein Mönch des Klosters, dessen Wirken hauptsächlich in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts fällt. Im Jahr 1393 enden alle Hinweise über seine Tätigkeit, so dass davon ausgegangen werden kann, dass er damals oder in den Folgejahren verstorben ist. Das Spärliche, was über ihn bekannt ist, stammt aus seinen eigenen Aufzeichnungen. Ihm verdankt die Nachwelt einen umfangreichen schriftlichen Nachlass. Er hat Musikhandschriften verfasst, Urbare und Dokumentabschriften für das Kloster erstellt und mit seinen historischen Aufzeichnungen überaus wichtige Details der Geschichte Tirols und Graubündens überliefert. Sein Hauptwerk ist das Registrum monasterii Montis sancti Marie, eine Geschichte Marienbergs von dessen Anfängen in Schuls, von der Verlegung nach Marienberg, von den Zeiten unter den verschiedenen Äbten und vom Ausbau der Rechte und Besitzungen bis 1393. Er hat darin Urkunden von Päpsten und Landesfürsten zusammengetragen und wörtliche Vertragstexte festgehalten, um – was er auch klar ausspricht - die Rechte des Klosters unantastbar zu machen.

Zeit bis zur Aufhebung

Nicht nur durch seine Vögte, die Matscher, hatte das Kloster unzählige Konflikte zu erleiden. Nach dem Bau der Fürstenburg durch Bischof Konrad von Chur (1272–1281) am Hangfuß unterhalb des Klosters waren es auch die Bischöfe von Chur, die sich massiv in das Klosterleben einzumischen versuchten. Der Streit um die Frage, ob das Kloster dem Bischof oder nur direkt dem Papst (exempt) unterstellt sei, wurde erst im Jahre 1659 beigelegt. Bis in die Anfangszeit des 17. Jahrhunderts hinein hatte das Kloster mit Katastrophen, Religionswirren, mit wirtschaftlichem Niedergang und Zerfallserscheinungen zu kämpfen: Im Jahre 1418 machte ein verheerender Brand den weitgehenden Neubau des Klosters erforderlich. Auch die Verleihung der Pontifikalien 1440 durch den Papst zeigten keine Wirkung. Im Engadinerkrieg 1499 entging das Kloster der Brandschatzung, weil es die Bündner als Engadiner Gründung anerkannten. Bei den Bauernaufständen unter Michael Gaismair 1525 wurde das Kloster stark geplündert und vieler seiner Archivstücke beraubt. 1606 wurde sogar die Aufhebung des Klosters erwogen, weil zeitweilig nur mehr ein Mönch dort lebte.

Ein Umschwung gelang erst unter dem Abt Matthias Lang (1615–1640), der aus dem Kloster Weingarten in den Vinschgau kam und als zweiter Gründer des Klosters gilt. Er leitete eine innere Erneuerung ein und ließ Umbaumaßnahmen durchführen. Personelle Probleme gab es nicht, weil aus Deutschland, in dem der Dreißigjährige Krieg wütete, viele Mönche in Marienberg Zuflucht suchten. Unter dem Abt Jakob Grafinger (1640–1653) wurde die romanische Stiftskirche barockisiert (1642–1647). Neben ihrer seelsorglichen Tätigkeit hatten sich die Mönche schon seit dem Mittelalter schulischen Tätigkeiten gewidmet. Es wurde Latein und Musik unterrichtet. 1724 wurde vom Kloster in Meran ein humanistisches Gymnasium gegründet, in dem die männliche Jugend Latein und Griechisch erlernen konnte und in den Guten Sitten unterwiesen wurde. Der Aufhebung unter Josef II. entging das Kloster nur knapp, gerade dank seiner Unterrichtsaktivitäten. Unter der bayrischen Verwaltung ereilte das Kloster 1807 dann doch dieses Schicksal. In einer Nacht- und Nebelaktion wurde das Kloster in Beschlag genommen, die Mönche ins Stift Fiecht bei Schwaz eingewiesen und das Inventar verschleudert. Auch das Gymnasium in Meran wurde geschlossen.

Neubeginn nach der Napoleonzeit

Kaiser Franz I. von Österreich ordnete 1816 die Wiedererrichtung des Stiftes Marienberg an, unter der Bedingung, dass der Lehrbetrieb in Meran wieder aufzunehmen sei. Abt Karl Mayr (1816–1855) gelang dies unter schwierigsten Umständen. Das Gymnasium entwickelte sich zu einer wichtigen und anerkannten Bildungsinstitution. Unter dem Faschismus wurde das Gymnasium in Meran 1928 auf politischen Druck hin geschlossen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Kloster ein fünfklassiges Privatgymnasium eingerichtet, das im Schuljahr 1985/1986 endgültig seinen Betrieb einstellte.

Heute konzentrieren sich die Mönche auf seelsorgliche Tätigkeiten in den umliegenden Dörfern, betreuen Klosterwallfahrer und veranstalten Besinnungsseminare. In den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden – dem Berghang zugewandt – wurde 2007 ein Museum eröffnet, in dem das religiöse und kunsthistorisch wertvolle Vermächtnis des Klosters auf 300 Quadratmetern Ausstellungsfläche den Besuchern gezeigt wird.

Die romanischen Fresken in Marienberg

Die Krypta enthält einen Freskenzyklus aus der Zeit zwischen 1175 und 1180, der ein einzigartiges Denkmal romanischer Kunst ist. Die Fresken wurden schon 1887 teilweise wiederentdeckt und 1980, nachdem Grufteinbauten aus der Zeit der Barockisierung der Kirche entfernt worden waren, zur Gänze freigelegt. Die Malereien weisen eine hervorragende Qualität und einen guten Erhaltungszustand auf. Am Beginn des 13. Jahrhunderts wurde die Stiftskirche ebenfalls mit stark byzantinisch geprägten Malereien versehen, von denen sich aber nur Fragmente erhalten haben.

Die Fresken Marienbergs waren Beispiel gebend und von ihnen ausgehend haben Künstler in wenigen Jahrzehnten zahlreiche Kirchen im Vinschgau neu ausgemalt: St. Nikolaus in Burgeis, St. Jakob in Söles, St. Veit auf dem Tartscher Bühel. Es kann von einer Malschule gesprochen werden, die in Marienberg beginnt, sich aber bis ins Burggrafenamt (Maria Trost in Meran, St. Margarethen in Lana, St. Jakob in Grissian) verfolgen lässt und darüber hinaus ins Überetsch (Burgkapelle von Hocheppan, St. Jakob in Kastelaz in Tramin) und in den naheliegenden Nonsberg (St. Romedius, Kirche der Hl. Märtyrer in Sanzeno, San Tommaso u. San Bartolomeo) ausstrahlt.

Quellen

  • Jahreszahlen wurden mit Hilfe des Buches von Josef Rampold, Vinschgau, Verlagsanstalt Athesia, Bozen 1974, abgeglichen
  • Persönliche Notizen von Führungen und Vorträgen im Kloster sind die Hauptquellen.

Weblinks

 Commons: Abtei Marienberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
46.7067210.519559

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