Abtei Montièr-en-Der
Blendarkade der Abteikirche Montièr-en-Der, Viollet-le-Duc, 1856.

Die Abtei Montier-en-Der (Haute-Marne, Frankreich) war zunächst eine Benediktiner-, später eine Cluniazensische Abtei, die während der Französischen Revolution aufgelöst wurde. Seit 1806 wurden Gebäude und Einrichtungen als französische Staatsdomäne und Landgestüt genutzt.

Inhaltsverzeichnis

Abtei

Die Abtei wurde im Jahr 670, in einem Eichenwald am Ufer des Flusses Voire (Kanton Montier-en-Der) von Bercharius, Abt im Benediktinerkloster Hautvillers gegründet. Später wurde Bercharius heiliggesprochen;[1]. Die Anlage befindet sich im Grenzgebiet der Champagne nördlich des Burgund und westlich von Oberlothringen. Aufgrund des Fundes eines Diptychons, wird vermutet das die Abtei auf dem Gelände einer Villa urbana oder Villa rustica errichtet wurde.

Der Ort im Bistum Châlons trug zunächst die gallo-römische Bezeichnung Puteolus (kleine Quelle). Der ist die gallische Bezeichnung für Eiche; aus monasterium in Dervo wurde später Montier-en-Der.

Das 8. Jahrhundert war ein Höhepunkt mönchischer Gemeinschaften. Als der Name der Abtei im 9. Jahrhundert wieder auftaucht war sie karolingisches Krongut. Ludwig der Fromme übereignete sie dem Bischof von Reims. Sie wurde bis zu ihrer klösterlichen Erneuerung 827, veranlasst durch Ebo von Reims, durch Chorherren betreut.

Im frühen 10. Jahrhundert mussten die Mönche vor den Wikingern fliehen. Mit Akzeptierung der Klosterreform von Gorze wurden in Montier-en-Der wieder Mönche angesiedelt. Die Gorzer Reform stand im starken Gegensatz zur Cluniazensischen Reform und plädierte u.a. für ein Reichsmönchtum unter weltlicher Herrschaft. Einige Jahre später wurde das Kloster wiederum cluniazensisch reformiert.

Zum Ende des 10. Jahrhunderts wurden die primitiven Gebäude ersetzt. Abt Adso (960-92) ließ das ruinierte Kirchengebäude in Stein errichten; es wurde 998 eingeweiht. Das streng romanische Kirchenschiff kontrastiert mit dem gotischen Chor, der von Glasfenstern aus dem 16. Jahrhundert illuminiert wird. Die Abteikirche behielt ihr Holzdach aus dem 16. Jahrhundert. Der gotische Chor stammt aus dem 12. und 13. Jahrhundert.

Die Urkunden- und Quellensammlung von Montier-en-Der aus den 1120er Jahren, dem Höhepunkt von Einfluss und Reichtum des Klosters stellt für die Erforschung der mittelalterlichen Geschichte des Westfrankenreichs die grundlegende Quelle dar. Unter den echten Urkunden befinden sich auch Fälschungen, welche aber ihrerseits gleichfalls Auskunft über die Absichten ihrer Verfasser geben.

Die Urkunden enthalten Informationen zu Päpsten, Königen und Grafschaften, zu grundherrschaftlichen Strukturen, den Verpflichtungen von Landarbeitern und Pächtern und Reformbestrebungen des Mönchtums.

Während der Hugenottenkriege beaufsichtigte Montier-en-Der zwölf Priorate und die Abtei bildete das Rückgrat in der Strategie von Charles de Lorraine-Guise, der die Herrschaft über einundzwanzig Dörfer der nahen Umgebung ausübte.

Elfenbeindiptychon

Elfenbeinrelief aus dem Musée de Cluny, gefunden in Montièr-en-Der

Mehrere Flügel eines Elfenbeindiptychons (Hoehe: 29,9 cm) wurden , Das Panel Symmachorum wurde im 7. Jh. als Teil eines Schreines des Bercharius in einem Kloster in Montier-en-Der (Frankreich) benutzt. Er befindet sich nun im Victoria and Albert Museum in London. Inv. Nr. 212-1865. Auf der Tafel befinde sich die die Inschrift Symmachorum. Attribute sind Eiche und Altar, die zum Jupiterkult gehören.

Das Panel Nicomachorum befindet sich heute im Musée national du Moyen Âge in Paris. Auf der Tafel befindet sich die die Inschrift Nicomachorum. Die Frau stellt eine Priesterin der Ceres dar. Der hoch aufgeschuerzte Chiton laesst ihre rechte Brust frei. Ihre Attribute sind Pinie, Zimbeln und der runde Altar, die zum Kybelekult gehören.

Die Dyptichen wurden Quintus Aurelius Symmachus (einem nichtchristlichen Senator, Konsul und Stadtpräfekt im spätantiken Rom, der als der bedeutendste lateinische Redner seiner Zeit galt) und Virius Nicomachus Flavianus (einem spätantiken römischen Schriftsteller, Politiker und Freund des Symmachus) gewidmet.

Literatur

  • Constance Brittain Bouchard: The Cartulary of Montier-En-Der 666-1129 (University of Toronto) 2004
  • Robert Suckale: Der gotische Neubau der Abteikirche von Montier-en-Der und Gautier III. von Brienne. Welche Schlüsse erlaubt die Gestalt des Sanktuariums? in: Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft, 22. Bd., 1989 (1989), Seite 61-72
  • L. Falkenstein: Weitere Fälschungen unter den päpstlichen Privilegien für die Abtei Montièr-en-DerMontièr-en-Der in:Forschungen zur westeuropäischen Geschichte. Francia, 33 (1, 2006), 101-118.
  • Laurent Morelle: The Metamorphosis of Three Monastic Charter Collections in the Eleventh Century (St.-Amand, St.-Riquier, Montier-en-Der) , in: Charters and the Use of the Written Word in Medieval Society, hg. v. Karl Heidecker, Turnhout 2000 (Utrecht studies in medieval literacy 5) , S. 171-204.
  • Laurent Morelle: Autour du premier cartulaire de Montier-en-Der, in: Les moines du Der, colloque organisé par P. Corbet, Université de Nancy, 2 octobre 1998, Langres 2000
  • Claus-Dieter Droste: Das Polyptychon von Montierender, Kritische Edition und Analyse, (Trierer Historische Studien 14), Trier 1988
  • R. Delbrück: Die Consulardiptychen und verwandte Denkmäler, Berlin/Leipzig 1929

Einzelnachweise

  1. Adso's vita des St. Bercharius; Städtische Bibliothek Troyes. (Bouchard :34, note 7).

Weblinks


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