Sternwarte Kremsmünster


Sternwarte Kremsmünster
Stift Kremsmünster, Blick von Nordost. Links der „Mathematische Turm“ mit den Sternwartekuppeln.

Die Sternwarte Kremsmünster in Oberösterreich (Specula cremifanensis) gehört zu den bedeutendsten historischen Observatorien der Welt. Sie wurde 1749 als 50 m hoher „Mathematischer Turm“ vom Benediktinerstift Kremsmünster auf der Südostseite des Stiftsgeländes errichtet, wo das Gelände steil zum Kremstal und dem Ort Kremsmünster abfällt. Neben astronomischen und meteorologische Forschungen – die Messreihe der täglichen Temperatur- und Wetterdaten ist die längste der Welt – erfolgten hier auch wichtige Arbeiten zur Landesvermessung und zur Geophysik.

Während Beobachtungen zur Astronomie gegen Mitte des 20. Jahrhunderts ausliefen (zuletzt noch Sterndurchgangsmessungen im Meridianhaus), ist der Messkeller nach wie vor ein Fundamentalpunkt für die Gravimetrie und das Erdmagnetfeld.

Die Sternwarte hat folgende geografische Koordinaten: Breite 48° 03' 19" Nord, Länge 14° 07' 54" Ost, Seehöhe 380 bis 430 Meter über Adria. Sie ist unter dem IAU code 539 registriert. Bis heute ist sie die naturwissenschaftliche Arbeitsstätte der Benediktiner von Kremsmünster. Die unteren 6 Stockwerke des Gebäudes dienen als naturkundlich-technisches Universalmuseum über einen Zeitraum von 250 Jahren. Führungen werden zwischen 1. Mai und 31. Oktober angeboten.

Inhaltsverzeichnis

Baugeschichte und Astronomie

Der „Mathematische Turm“

Da das im Jahr 777 gegründete Stift neben den religiösen Ordenszielen auch wichtigster Kulturträger des Traunviertels war, waren viele Patres in den Wissenschaften tätig. 1748 wurde der Bau einer großen Sternwarte begonnen, der mit 49 m Höhe eines der erste Hochhäuser darstellte[1] (im Gegensatz zu Kirchtürmen mit Vollausbau aller Zwischengeschosse). Nach einem teilweisen Einsturz wurde der Bau um 1750 mit verbesserter Statik fortgeführt und 1758 vollendet. Der große Bobachtungssaal befand sich im 6. Stock (heute astronomisches Museum), umgeben von zwei großen Terrassen und überragt von drei kleinen Beobachtungskuppeln.

Eine gut ausgestattete – bis heute aktive – Wetterstation wurde 1762 aufgebaut und hat mit fast 250 Jahren weltweit die längste ununterbrochene Messreihe.

Die Sternwarte brachte eine Reihe bekannter Astronomen hervor, unter ihnen P. Placidus Fixlmillner, der 1762–1791 Direktor der Sternwarte und der angeschlossenen Laboratorien war. Er konstruierte neuartige Messinstrumente, war ein hervorragender Beobachter (unter anderem präzise Ortsbestimmungen, Sternörter, Merkur, neuentdeckter Planet Uranus) und berechnete den bis dahin genauesten Radius der Erdbahn (Astronomische Einheit).

Unter den Kremsmünsterer Astronomen waren auch Mitglieder der Akademie der Wissenschaften wie die Patres Anselm Desing und Augustin Reslhuber.

Erdwissenschaften

Im 19. Jahrhundert wurde auch die Geophysik und die Messung des Erdmagnetfeldes ein Schwerpunkt. Weiters wurde ein Punkt des Schweregrundnetzes eingerichtet und 1895 eine seismische Beobachtungsstelle. An der um 1860 aufkommenden Astrophysik beteiligte sich die Sternwarte weniger, baute aber für die Astrometrie ein großes metallenes Meridianhaus im Garten nördlich der Sternwarte, das bis in die 1970er Jahre bestand.

Im 19. Jahrhundert wurde das österreich-ungarische Vermessungsnetz modernisiert und der nahegelegene Gusterberg zum Fundamentalpunkt für Oberösterreich und Böhmen gewählt. Die damals noch schwierige astronomische Koordinatenbestimmung wurde von Kremsmünster aus durchgeführt. Im Zuge eines großen Geoidprojekts war die Sternwarte auch namensgebend für den langen Meridianbogen Kremsmünster, der von Böhmen bis zur Adria reichte.

Die Sternwarte pflegte auch Kooperationen mit bekannten Wissenschaftlern an den Universitäten, unter anderem mit Simon Stampfer und Richard Schumann, und hinsichtlich der botanisch-zoologischen Sammlungen zu verschiedenen biologischen Instituten.

Vor dem 1200-Jahr-Jubiläum 1977 wurden Stift und Sternwarte ab etwa 1970 restauriert und für die große Oberösterreichische Landesausstellung 1977 adaptiert. Damals wurden auch die naturwissenschaftlichen Sammlungen im 1. bis 6. Stock neu geordnet und als Universalmuseum gestaltet.

Literatur und Weblinks

Einzelnachweise

  1. Die größten Irrtümer über die Sternwarte Kremsmünster - Eine Bereinigung anlässlich des 250-Jahr-Jubiläums. P. Amand Kraml (22. März 2008). Abgerufen am 3. März 2011.
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