Abtei St. Maximin
Westfront der Klosterkirche
Kirche von 1684: Ansicht vom Petrisberg (Osten)
Abtei St. Maximin (Mitte) und St. Paulin (li.) vor der Stadtmauer (re. u.). Stich von 1646, wohl nach einer Ansicht von 1548/50)[1]
Stich der Abtei St. Maximin
Abtei im 18. Jahrhundert

Die Reichsabtei St. Maximin war das größte und einflussreichste[2] der vier früheren Benediktinerklöster in Trier und eines der ältesten Klöster Westeuropas. Erhalten sind von der Bausubstanz noch das Eingangsportal des Klosters und die Kirche aus dem 17. Jahrhundert, die heute als Sporthalle einer katholischen Privatschule und als Konzertraum genutzt wird.

Unter der Kirche ist für Gruppenführungen ein antikes Gräberfeld mit über 1000 Sarkophagen zugänglich.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte bis zur Säkularisierung

Das Kloster wurde der Legende nach durch den Bischof Maximin von Trier im 4. Jahrhundert gegründet. Nachdem Bischof Maximin während einer Reise von Konstantinopel nach Poitiers 346 starb, wurden 353 durch seinen Nachfolger seine Gebeine nach Trier überführt. Die Klosterkirche war zunächst eine Johanneskirche und wurde später nach dem Gründer umbenannt.

Als gesichert gilt, dass im 4. Jahrhundert auf dem nördlichen Gräberfeld des römischen Trier (siehe Augusta Treverorum) ein christliches Grabgebäude erbaut wurde. An der Grabstätte wurde im 6. Jahrhundert eine Benediktinerabtei gegründet, die später zur Reichsabtei wurde.

Das Kloster wurde 882 durch die Normannen zerstört. 899 zog sich Regino von Prüm, vorher Abt des Klosters Prüm in das Kloster St. Maximin in Trier zurück. 909 wurde Eberhard von Franken Laienabt des Klosters. 937 wurde von St. Maximin aus das Mauritiuskloster in Magdeburg besiedelt. In den Jahren 942 bis 952 erfolgte der Wiederaufbau.

Vom 10. bis Mitte des 12. Jahrhunderts waren die Grafen von Luxemburg Vögte der Abtei, unter anderen:

Der Versuch Adalberon von Munsterols, die reichsunmittelbare Abtei St. Maximin unter seine Jurisdiktion zu beugen, misslang. 1140 gewährte der Papst den Mönchen eine Bestätigung ihrer Exemption. Im 13. Jahrhundert erfolgte nach einem Brand der Wiederaufbau nach dem alten Grundriss.

Die Reichsunmittelbarkeit des Klosters war lange umstritten und wurde durch Kurtrier (das politische Herrschaftsgebiet des Erzbischofs von Trier) angefochten. 1669 unterwarfen sich Abt und Konvent endgültig unter Verzicht auf die Reichsunmittelbarkeit der kurtrierischen Landeshoheit.

Aufgrund der langen Auseinandersetzung über die Reichsunmittelbarkeit und der damit zusammenhängenden unklaren Herrschaftsrechte sind aus dieser Zeit viele Quellen "als konkrete Beweismittel für ausgeübte Herrschaftspraxis eher erhalten [geblieben] als in in [sic] Gebieten mit unbestrittenen Hoheits- und Gerichtsrechten."[3] Davon hat etwa die Forschung über Hexenprozesse im Trierer Land profitiert: Aus St. Maximin liegen noch ca. 250 vollständige Prozessakten und mehrere Fragmente von Hexenprozessen sowie Listen über Besagungen (Anzeige anderer Hexen unter Folter) und Hinrichtungen vor, die für das Gebiet von St. Maximin eine zeitweilig "gut organisierte Hexenjagd" belegen, wohingegen in Kurtrier fast alle Akten vernichtet worden sind.[3]

1674 wurde das Kloster von französischen Truppen wiederum völlig zerstört. Unter Abt Alexander Henn wurde es in den Jahren 1680 bis 1684 vom Baumeister Hans N. Kuckeisen unter Erhalt gotischer Formen ein weiteres Mal neu aufgebaut. Der Aufbau wurde finanziert über Darlehen von Privatleuten. So ist z. B. überliefert, dass Philipp Dictius-Dixen, Fährmann zu Schweich, 1674 dem Kloster St. Maximin 256 Reichstaler, später nochmals 200 Reichstaler, für den Wiederaufbau der Abteikirche lieh. Die Rückzahlung erfolgte erst 70 Jahre später an die Erben.

Historisches Eigentum der Abtei in der Umgebung

Zahlreiche Urkunden dokumentieren die Entwicklung der Umgebung (in Klammern Ersterwähnung): Weimerskirch (723 von Karl Martell dem Kloster geschenkt), Laubuseschbach, Kenn (beide 893 von Arnulf von Kärnten dem Kloster als Hofgut geschenkt), Guntersblum (897 von Zwentibold als Besitz des Klosters bestätigt), Mamer (960 dem Kloster geschenkt), Norheim (962 im Tausch), Tiefenthal (Rheinhessen) (1051), Uhler (1200; in der Urkunde der Reichsabtei als owilre erwähnt), Hosten (frühes 13. Jhdt.), Burg Rittersdorf (1263 als Besitz der Abtei), Kretz (1273), Dankerath (1276).

Geschichte und Nutzung seit der Säkularisierung

Neubau der Hauptschule St. Maximin und Kirchenfront

Nach der Säkularisierung des Klosters 1802 wurde der Bau umgestaltet und als Kaserne, Garnisonskirche, Gefängnis und Schule genutzt. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Abteibauten zerstört.

1953 wurde bei Ausschachtungen für das Trier Versorgungsamt im Süden des Kirchbaus ein kleiner, rechteckiger Grabbau mit Apsis (11,7 x 4,7 Meter) entdeckt und vom Rheinischen Landesmuseum Trier freigelegt. An dem Gebäude konnten mehrere Bau- und Belegungsphasen aus römischer bis frühmittelalterlicher Zeit nachgewiesen werden. Ein Teil des Fundes konnte mit drei Sarkophagen im Keller des Versorgungsamtes konserviert werden.[4]

1979 bis 1995 wurde die Kirche St. Maximin zu einer Turn- und Festhalle umgestaltet; nach Plänen von Gottfried Böhm wurden Stahlkonstruktionen mit Netzen als bewegliche Raumteiler eingezogen, der ursprüngliche Sakralraum in seinen Formen jedoch belassen[5]. Der entstandene Konzertraum mit ca. 1200 Plätzen, in dem in unregelmäßigem Turnus Konzerte stattfinden, ist für seine hervorragende Akustik bekannt. Die Halle ist außerdem bei schlechtem Wetter Ausweich-Spielort der Antikenfestspiele.

1983 zog die Kath. Konstantin Hauptschule Trier in die Gebäude neben der ehemaligen Abteikirche. 1996 wurde die Schule aufgrund des Standorts in Privatschule St. Maximin. Hauptschule in Trägerschaft des Bistums Trier umbenannt. Die Schule hat etwa 450 Schüler und bietet ein 10. Schuljahr zur Erlangung des qualifizierten Sekundarabschlusses an.[6]

Seit mehreren Jahren kann das unter St. Maximin entdeckte Gräberfeld besichtigt werden: Über 1000, meist schlichte Sarkophage liegen hier, die ältesten stammen aus dem 2. Jahrhundert. Eine kleine Anzahl der Sarkophage steht unter den Grundmauern der heutigen Kirche und stützt damit seit Jahrhunderten den aktuellen Bau. In einigen Sarkophagen wurden Schmuck und zum Teil auch menschliche Reste gefunden; manche von ihnen werden noch heute von Restauratoren und unter Zuhilfenahme moderner Technik ausgewertet.[7] Gruppenführungen durch das Gräberfeld werden auf Anfrage vom Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum durchgeführt.

Belege

  1. Matthäus Merians Stich von 1646 ähnelt stark dem Holzschnitt von Trier von 1548 in Sebastian Münsters Cosmographiae Universalis (Titel: Situs & figura antiquissimae & praecipuae Medioniatricum ciuitatis Treuirensis), die als die erste authentische Stadtansicht von Trier gilt. Zwar ist Merians Ansicht detaillierter als der Holzschnitt, bildet aber bauliche Veränderungen, die zwischen 1548 und 1646 vorgenommen wurden (z. B. an der Konstantinsbasilika) nicht ab. Vergleich den Holzschnitt in der lateinischen Ausgabe der Cosmographiae Universalis von 1550 auf Historic Cities
  2. Elisabeth Adams: Rundgang Klöster und Kirchen außerhalb der Stadtmauern (alternativer Titel: Rundgang nördliche Kultstätten: St. Maximin, St. Paulin, St. Martin, St. Maria ad Martyres). In: Eine Stadt im Mittelalter. Trier im Mittelalter – ein Stadtführer für Groß und Klein, S. 44 (Projektstudie zum mittelalterlichen Trier an der Universität Trier im Wintersemester 2002/03) (abgerufen 30. Januar 2007)
  3. a b Rita Voltmer (7.12.00): St. Maximin bei Trier (Reichsabtei) - Hexenverfolgung. In: Gudrun Gersmann, Katrin Moeller & Jürgen-Michael Schmidt (Hg.): Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung. historicum.net (abgerufen 30. Januar 2007)
  4. Kulturdatenbank Region Trier: Trier / Mitte-Gartenfeld. Sankt Maximin. Gräberfeld (unter Angabe des Belegs "Archäologie zwischen Hunsrück und Eifel - Führer zu den Ausgrabungsstätten des Rheinischen Landesmuseums Trier. 1999. ISBN 3-923319-43-6 (Schriftenreihe des RLM Trier Nr. 15).") (abgerufen 30. Januar 2007)
  5. Wolfgang Voigt (Hrsg.): Gottfried Böhm Katalogbuch zur Ausstellung Felsen aus Beton und Glas. Die Architektur Gottfried Böhms im Deutschen Architekturmuseum. JOVIS Verlag Berlin 2006, ISBN 978-3-936314-19-9, S. 127
  6. Internetseite Geschichte der Privatschule St. Maximin (abgerufen 20. Januar 2007)
  7. Nicole Reifarth: Grabausstattung früher Christen aus St. Maximin in Trier. Kulturhistorischer Erkenntnisgewinn unter Erhaltung der Befunde im Sarkophag. Exposé einer Dissertation an der Universität Bamberg (abgerufen 08. September 2008)

Literatur

  • Theo Kölzer (1992). Studien zu den Urkundenfälschungen des Klosters St. Maximin vor Trier (10.-12. Jahrhundert). (Vorträge und Forschungen, Sonderband 36), Sigmaringen 1989. Historisches Jahrbuch 112, S. 198f.
  • Adolf Neyses (2001): Die Baugeschichte der ehemaligen Reichsabtei St. Maximin bei Trier. Trier.
  • Nicole Reifarth (2006): Die spätantiken Sarkophagbestattungen aus St. Maximin in Trier. Denkmalpflegerische Problematik – Exemplarische Konzepte zur wissenschaftlichen Auswertung – Überlegungen zum zukünftigen Umgang. Masterarbeit im Fach Denkmalpflege – Heritage Conservation. Otto-Friedrich-Universität Bamberg 2006.

Weblinks

49.7596972222226.65175833333337Koordinaten: 49° 45′ 35″ N, 6° 39′ 6″ O


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