Abtei von Trizay
Abteikirche, Zentralbau, Oktogon

Die Überreste der Benediktinerabtei von Trizay (nicht zu verwechseln mit der Zisterzienserabtei Trizay im Département Vendée) befinden sich etwa 10 km südöstlich der Stadt Rochefort, 1 km außerhalb der Ortschaft Trizay, am Canal de Pont-l’Abbé in der Saintonge (Dépt. Charente-Maritime, Frankreich).

Abtei Trizay, Grundrisse EG + OG
Abteikirche von außen

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Chorkapelle, Glasmalereien wurden im Foto entfernt

Im 11. Jahrhundert wurde die Abtei in der Mitte des Waldes auf einem Vorgebirge, das das fruchtbare Tal des Arnoult überragt, erbaut. Die Legende berichtet, ein Grundherr von Tonnay–Charente habe die Bauten als Sühne für seine grausamen Missetaten errichten lassen. Diese weit zurückliegende Vergangenheit ist nur wenig dokumentiert und daher kaum bekannt. Das Priorat war zunächst in der Obhut der Benediktiner-Mönche, die wegen der Farbe ihrer Kutten die „schwarzen Mönche“ genannt wurden. Später wurden diese von Mönchen des Ordens von La Chaise–Dieu (lat. Casa–Dei) aus der Auvergne abgelöst. Mit dem Prior waren es 13 Mönche, zusammen mit den Laienbrüdern insgesamt 50 Personen, deren Gemeinschaft vom Kloster La Chaise-Dieu abhängig war. Die Ländereien der Abtei umfassten große anbaufähige Felder, Wiesen, Wälder, Moore, Weinberge und Salinen.

Baubeschreibung der Abteikirche

Von dem ehemals monumentalen achteckigen Zentralbau stehen nur noch drei Wandstücke mit vier Gebäudeecken. An die Wandstücke angebaut sind die größere Chorkapelle mit Apsis und Kalotte, und zwei kleinere Kapellen mit Absiden, die untereinander mit Schleusengängen verbunden sind. In den aufrechten Wandstücken des Oktogons sind beidseitig der Kapellenabsiden noch je ein Rundfenster erhalten, so genannte „Ochsenaugen“.

Fresko im Chor

Die äußeren Umrisse des Oktogons wurden im Zuge der Sanierungsarbeiten ergraben und in Form einer Podestplatte sichtbar gemacht. Das tatsächliche Aussehen des großartigen, in der Saintonge wohl einzigartigen Zentralbaus der Abteikirche und deren Einwölbung und Überdachung wird allerdings vermutlich unbekannt bleiben. Auf einigen Kapitellen in den Apsiden sind Löwen ohne Haar und Mähne mit stark verrenkten Körpern dargestellt. Ähnlich denen in Saint Eutrope von Saintes hatten diese Löwen die Funktion, den Zugang zum Kirchturm und die Mönche zu beschützen. Man findet auch Kapitelle mit einem Adler und zwei Vögeln mit Ziegenköpfen. Auf der Wand befinden sich Reste eines rot- und ocker-farbigen Freskos. Die Chorkapelle wird durch Rundbogenfenster erhellt, von kleinen Säulen eingerahmt, deren Kapitelle mit pflanzlichem Dekor versehen sind.

Galerie Kapitelle

kleine Kapelle mit Apsis

Baugeschichte

Die Kirche, unter dem Patronat des hl. Evangelisten Johannes, datiert aus dem 12. Jahrhundert. Der Ursprungsbau war ein achteckiger Zentralbau mit Hauptapsis an der östlichen Facette und zwei Nebenapsiden an der südöstlichen und der nordwestlichen Facette. Das Kloster wurde in den Religionskriegen (1562–1598) zu einer Festung umgebaut, konnte sich aber trotz alledem nicht vor den erheblichen Plünderungen und Zerstörungen schützen (1585–1586). Dieses kann den hohen Baufälligkeitszustand erklären, in dem man es später vorgefunden hat. Nach Zerstörung der Kirche in den Religionskriegen wurde in den Triumphbogen der Chorkapelle eine Wand eingezogen, um einen Kirchenraum zu haben. Bis 1840 wurden dort Gottesdienste abgehalten. Während der französischen Revolution von 1789 wurden die Trümmer als Nationalgut an die Bevölkerung auf Abbruch verkauft und die noch stehenden Gebäudereste in einen landwirtschaftlichen Hof umgewandelt.

Kapitelsaal, Pfeiler

1920 wurde die Abtei von Trizay unter staatlichen Denkmalschutz gestellt. Die Gemeinde von Trizay erwarb die Gebäude und begann 1990 mit den Restaurierungsarbeiten. Die Kosten für die 2004 beendete Sanierung beschaffte der Bürgermeister und Senator Michel Doublet.

Kapitelsaal, Fenster von innen
Kapitelsaalfenster auf der Kreuzgangseite

Kapitelsaal

Die dem nicht mehr vorhandenen Kreuzgang zugewandte Fassade stammt aus dem 12. Jahrhundert. Sie besteht aus vier offenen Fenster- und zwei Türöffnungen, mit mehrfach abgestuften Rundbögen überdeckt. Die Bögen ruhen auf schlanken, in Reihen angeordneten Säulen mit Kapitellen, die mit pflanzlichem Dekor gestaltet sind. Die Tür links führt zur so genannten „Mette“, einer Treppe, die in das Obergeschoss zu den Schlafräumen führt. Der Kapitelsaal wird von einem sechsteiligen, kaum feingliedrigen, eher massiven Kreuzrippengewölbe aus dem 13. Jahrhundert überdeckt. Ausgeprägte und skulptierte Schlusssteine vermisst man hier. Die Rippenbündel stehen ohne skulptierte Kapitelle auf den Rundsäulen, die mit schmalen Profilen abschließen. An den Wänden gibt es einfache Kopfkapitelle, auf denen die Rippenenden stehen, ohne Säulenunterbau. An den rohen Steinwänden finden sich „Graffiti“ in Form eingemeißelter Tatzenkreuze der Templer, ein Santiago–Kreuz und verschiedene Rosetten. Die Mönche saßen entlang den Wänden auf Steinbänken und hörten von hier den Vortrag des Priors. Die Versammlung der Chor-Mönche nannte sich „Kapitel“, an der nur sie teilnehmen durften. Die Laienbrüder, die manuelle Tätigkeiten verrichteten, blieben außen im Kreuzgang und konnten von dort aus zuhören.

Galerie Kapitelsaal

Kleiner Schlafsaal (Dormitorium)

Ihn erreichte man über die „Mette“, eine Treppe, die eine direkte Verbindung der Schlafstellen zur Abteikirche und zum Kreuzgang ermöglicht. Der Schlafsaal ist so groß wie der Kapitelsaal darunter. Er wurde mit einem Bodenbelag aus Terrakottafliesen restauriert, darüber ein gekälktes Gebälk aus Eichenholz. Die Mönche schliefen in einem unbeheizten Gemeinschaftsraum, wie der hl. Benedikt von Nursia es vorschrieb. Zur Westseite hin gibt es schlanke romanische Rundbogenfenster.

Großer Schlafsaal

Dormitorium, roman. Fenster

Dieser Saal folgt dem vorherigen Schlafsaal. Auch hier belichten Rundbogenfenster den Raum. Auf Höhe der Wandmalereien war das Zimmer des Priors, das mit einem Heizkamin ausgestattet ist. Der Wappenschild gehört zu den Goumard, Grundherren von Echillais. Jacques von Saint Nectaire, 1491 gewählt und 1518 verstorben, war der letzte Ordensprior. Nach ihm gab es nur Weltgeistliche, die nicht den Klosterregeln unterworfen waren. Der Prior hatte eine eigene Treppe, über die er in das Refektorium und den Kreuzgang gelangen konnte.

Die Wandgemälde stammen aus dem 17. Jahrhundert und wurden in der Höhe der Schraffierungen restauriert. Sie stellen zur Hälfte biblische Szenen dar und wurden unter fünfzehn Kalkschichten entdeckt. Es handelt sich um vier Darstellungen im naiven Stil:

Galerie Putzmalereien

  • Ein ländlicher Tag. Die liegende Frau trägt ein Diadem, ein Junge trägt ein Spruchband, auf dem man lateinische Worte lesen kann, die spiegelverkehrt geschrieben sind.
Refektorium, Blendarkaden u. roman. Mauerverband
  • Der Riese Goliath, vom jungen David, der später König von Israel wurde, getötet und enthauptet.
  • Darstellung aus dem Buch Tobias: der Erzengel Raphael begleitet den jungen Tobias auf seiner Reise, während Tobias einen Fisch fängt.
  • Jupiter, mit einem Bündel Blitzstrahlen in der Hand, in einem von einem Adler gezogenen Triumphwagen.

Refektorium (gemeinsamer Speisesaal)

Refektorium, Deckenmalerei, geflügelter Löwe

Während der Mahlzeiten saßen die Mönche an Tischen, die in einer Reihe standen und aßen ohne ein Gegenüber. Der Prior saß in der Mitte. Die Reihenfolge der Mönche wurde nach ihrer Dienstzeit im Kloster bestimmt. Von einer Kanzel trug ein Mönch aus den Kapiteln der Benediktinerregel vor. Jede Woche wechselte der vortragende Mönch.

Refektorium, Deckenmalerei, geflügelter Mensch

Die Kreuzrippengewölbe stammen aus dem 15. Jahrhundert. Die Gemälde des zentralen Gewölbes datieren aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Sie brauchten nur geringfügig restauriert zu werden. Sie stellen die Symbole der vier Evangelisten dar:

  • den geflügelten Löwen für den hl. Markus
  • den geflügelten Stier für den hl. Lukas
  • den geflügelten Adler für den hl. Johannes
  • den geflügelten Menschen für den hl. Matthäus

Die Putzgemälde sind unter drei Schichten Kalkputz entdeckt worden. Auf der Giebelwand des Refektoriums gibt es steinerne Blendarkaden, darüber Steinmauerwerk im romanischen Fischgrät - Verband. Auf den Arkaden erinnern Jakobsmuscheln an die Durchreise der Pilger nach/von Santiago de Compostela. Der Westteil des Refektoriums wurde von der Gemeinde erworben und zu privaten Wohnungen umgestaltet.

Speisekammer

Speisekammer

Die Speisekammer wird durch ein angspitztes Tonnengewolbe überdeckt. Das Gewölbe wird durch einen Gurtbogen in zwei Teile getrennt. Die Kapitelle sind mit Rebenblättern geschmückt. Ein kleiner Teufel warnt vor den Folgen übermäßigen Weingenusses.

Kreuzgang (völlig zerstört)

Ein gewölbter Korridor verbindet den ehemaligen Kreuzgang mit den Gärten und Feldern des Außenbereichs. Der Brunnen stammt aus dem 12. Jahrhundert. Der Kreuzgang war die Mitte der Abtei, um den sich die Bauten der Abtei gruppierten. Die vier Galerien waren zunächst mit einem Holzgebälk und einem Pultdach überdeckt. Später zog man Steinstrukturen (Säulen, Gewölbe) ein, mit mehr oder weniger Dekor.

Glasfenster

Im Rahmen der Restaurierungsarbeiten und zu deren Abschluss hat die Gemeinde sich gewünscht, sieben Rundbogenfenster mit modernen „Glasgemälden“ zu versehen. Die künstlerischen Arbeiten wurden dem Maler und Graveur Richard Texier und dem Künstler und Glasmeister Gilles de Rousvoal der Werkstätten Duchemin in Paris anvertraut. Die Stiftung GDF (Gas) hat die Arbeit gesponsert.

Quellen

  • Handzettel vom Kiosk (für die Besichtigung überlassen)
  • Thorsten Droste: Poitou: Westfrankreich zwischen Poitiers und Angoulême - die Atlantikküste von der Loire bis zur Gironde. 288 S. DuMont-Verlag, Köln 1999 ISBN 3-7701-4456-2.
  • François Eygun: Saintonge romane. 410 S., Zodiaque, [Saint-Léger-Vauban] 1970
45.8854833333330.91603055555555

Weblinks

Hof, ehem. Kreuzgang, Brunnen
 Commons: Abtei von Trizay – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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