Abtorfung
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Torfstechen im Wurzacher Ried

Als Torfstich oder Torfstechen wird der obertägige Abbau von Torf bezeichnet. Dieses organische Material, das in Mooren durch beginnende Inkohlung entsteht, dient einerseits als niederenergetischer Brennstoff (wenn z. B. in flachen Regionen das Brennholz fehlt), andererseits zur Verbesserung (Durchlüftung) des Bodens, zur Herstellung faseriger Textilien und für medizinische Heilzwecke.

Maschineller Torfstich in Ostfriesland

Inhaltsverzeichnis

Torfstich und Umwelt

Durch den Torfstich wurden früher gleichzeitig weite Feuchtgebiete trockengelegt. Da aber der Verlust von Mooren – insbesondere Hochmooren – gravierende Schäden an der Umwelt verursacht (Bodenschäden, insbesondere Bodenwasserhaushalt) und das lokale Klima beeinflusst, wurde der Torfstich vor einigen Jahrzehnten weitgehend gestoppt und teilweise durch technisch gestützte Biotope ersetzt.

Der Torf ist ein langsames Zersetzungsprodukt pflanzlicher Substanzen, das unter Luftabschluss bei sauren Böden (niedriger pH-Wert) entsteht. Die Torfbildung geht äußerst langsam vor sich (nur ca. 1 mm pro Jahr), so dass ein Torfabbau von beispielsweise 2 Meter ein Werk der Natur von 1.000 bis 5.000 Jahren zerstört.

Manueller Torfstich

Es ist nachweisbar, dass in der gemäßigten Klimazone das Torfstechen schon seit 4–5 Jahrtausenden durchgeführt wurde:

  • manuell mit Spaten und Stiekern, rechteckigen Stecheisen und ähnlichen Werkzeugen. Dies galt jedoch als „Knochenarbeit“, obwohl man auch im nassen Moor arbeiten konnte. Daher gab es wohl schon in der Antike Versuche für die maschinelle „Torfernte“ mit zeilenartig geführten oder einem Förderband ähnlichen Geräten (heute meist mit Fräsen).
  • In Europa begann die Torfernte im Frühjahr und war bis spätestens Juli abzuschließen. Daher musste die gesamte Familie der Moorbauern zur Ernte antreten, und Kinderarbeit war selbstverständlich. Die Moosnarbe entfernten die Moorbauern mit dem Spaten, den darunter befindlichen Weißtorf gruben sie mit Schaufeln aus. Danach stießen sie auf den „Brauntorf“, der „gestochen“ wurde und nach dem Hauptabnehmer auch „Bäckertorf“ genannt wurde.
  • Der Brauntorf wurde zu ziegelsteingroßen Soden geschnitten und auf Karren verladen. Deren Ziehen zum Trockenplatz war meist die Aufgabe der Kinder, die sie auch über den Boden verteilten. Eine kleine Arbeitserleichterung war das Aufkommen der Loren, die wegen der Schienen leichter als Karren zu bewegen waren.
  • Besser war das Stapeln des Brauntorfs in „Ringeln“, an deren Außenwänden das Regenwasser ablaufen konnte. Der Torf trocknete den ganzen Sommer über, schrumpelte stark zusammen und wurde erst im Spätherbst in die Torfschuppen gebracht.
  • Der wertvolle Schwarztorf hatte den höchsten Brennwert. Sein Abbau war ausgesprochen „modderig“, weil ihn die Torfstecher in halbflüssigem Zustand aus metertiefen Kuhlen heben mussten. Auf dem Trockenplatz wurde der schwarze Matsch eben verteilt und „gepettet“ (festes Trampeln mit Holzschuhen, Kinder bloßfüßig). Wenn die meiste Flüssigkeit herausgepresst war, blieb die Masse zum Trocknen liegen. Später schnitt sie der Moorbauer in Streifen, aus denen er Soden formte.

Teilweise mechanisieren ließ sich der Torfstich nach Entwässerung des Moores durch ein verzweigtes Grabensystem. Zunächst wurde die störende, stark durchwurzelte Deckschicht abgehoben (als „Bunkerde“ diente sie später zur Verfüllung älterer Torfstiche). Nun konnte der anstehende Torf gestochen bzw. bei zu flüssiger Form in Holzrahmen „gemodelt“ werden. Die Abtorfung vorher geräumter, durch Zwischendämme abgetrennter Flächen erfolgte immer Richtung Erschließungsweg, in dessen Nähe sich Lagerplatz und Torfdarre (Trockenplatz) befanden.

Mechanisierter Torfstich ab etwa 1800

Bunkmaschine in Wiesmoor
Landschaftsveränderung durch Torfstich nordöstllich des Steinhuder Meeres (2007) bei Neustadt am Rübenberge

In größerem Stil – also mit Maschinen – setzt der Abbau von Torf die Entwässerung des Bodens voraus. Es gibt einige Museen und Lehrpfade zu diesem Thema.

Der Einsatz von Fördermaschinen erhöhte die geförderten Mengen, wobei erst später zunehmend weniger Arbeitskraft benötigt wurde.

Die Bunkmaschine entfernte vor den Torfbaggern die oberste Schicht aus Mutterboden und Weisstorf mit einer Mächtigkeit von etwa 50 cm und verbrachte sie in den Baggergraben (Pütt) des vergangenen Jahres.

Der Torfbagger gewann dann anschließend den Schwarztorf, presste ihn und zerteilte den Strang in einzelne Soden, die dann auf dem Land trockneten und früher von Hand, später maschínell, gewendet und durchgetrocknet wurden und danach auch wieder erst manuell, später maschinell, geerntet und der Verbrennung, unter anderem auch im Torfkraftwerk Wiesmoor, zugeführt wurden.

Die abgebunkte Erde wurden danach mit den darunter liegenden Sandschichten vermischt (industriell mit Tiefpflügen, privat mit dem Spaten), das nannte sich Wühlen oder Rigolen. Danach war der Boden kultivierbar.

Kurze Geschichte der Torfwirtschaft und Torfnutzung

Seit etwa 4.000 Jahren unterliegen Moorflächen in Mitteleuropa einer mehr oder minder intensiven Nutzung. Bereits seit Beginn der Bronzezeit wurde Brenntorf gewonnen, der in Form luftgetrockneter Ziegel die Basis zur Kupfer- und Zinnschmelze für die Bronzeherstellung war.

An der Nordseeküste wird die Nutzung von Torf als Brennstoff z. B. schon von Plinius beschrieben. Die Wärmeausbeute ist etwas geringer als jene von Braunkohle, doch entwickelt ein Torffeuer starken Geruch. Seine Asche glüht lange nach, sodass die Brandgefahr erheblich ist.
In wirklich großem Umfang setzte die Torfnutzung aber erst mit der Holzverknappung ab etwa 1750 ein, bis sie um 1900 allmählich durch die Kohlefeuerung abgelöst wurde.

In den Gebirgsländern Europas hatte der Torfstich etwas weniger Bedeutung als in den Niederungen, da hier genügend Brennmaterial existiert und Torf eher als Nebenprodukt der Urbarmachung (Trockenlegung feuchter Wiesen) gestochen wurde. Nur vereinzelt diente er für direkte Maßnahmen der Melioration (Bodenverbesserung), und als minderwertiger Brennstoff lediglich in Notzeiten vom Spätmittelalter bis etwa 1950 (allerdings auch der Splinttorf aus Hochmooren). Ferner wurde Torf in der Landwirtschaft und von Bergbauern früher auch als Streu in den Ställen verwendet.

Teilweise wurde der gestochene Torf auch zu Torfkohle weiterverarbeitet, was ähnlich wie bei der Holzkohle geschah. In Kohlenmeilern umgewandelter Torf hatte Brennwerte bis über 20 MJ/kg, sodass man die Torfkohle nach Verknappung der Holzkohle auch in der Metallindustrie zur Erzverhüttung einsetzte. Erst als die nach 1800 zur Industrialisierung abgeholzten Wälder (großteils mit Fichten) wieder aufgeforstet waren, ging der Bedarf nach Torfkohle zurück.

Heute werden in Deutschland (?) nur etwa 11 Mio. m³ Torf abgebaut, doch fast ausschließlich maschinell mit modernen Stechapparaten oder Fräsen.

Seit Moore als schützenswerte Biotope angesehen werden, findet in Mitteleuropa kein nennenswerter Torfabbau mehr statt. In Skandinavien und Teilen Westeuropas (z. B. Irland) hat Torf hingegen noch immer lokale Bedeutung als Heizmaterial.

Weitere (mengenmäßig geringere) Verwendungszwecke sind:

  • Niedermoor-Torf für Zwecke der Balneologie und Medizin, insbesondere
    • als Moorbad und für Moorpackungen, wobei Badetorf viel weniger Mikroorganismen als normaler Torf aufweist. Die Heilwirkung ist noch etwas unklar, ist aber eindeutig nachweisbar, wenn er mit 38–40 °C auf die Haut aufgebracht wird. Neben der Wärmebehandlung, die mutmaßlich den Haupteffekt eines Moorbades darstellt, fördern auch die im Torf enthaltenen Huminsäuren die Durchblutung des Körpers.
  • Hochmoor-Torf hauptsächlich für Gärtner und die Pflanzenindustrie, da er ein Vielfaches seines Eigengewichts an Wasser speichern kann.
    • Für Pflanzenerde säureliebender Pflanzen: mit Kalk neutralisiert und mit Nährsalzen und Ton oder Sand versetzt. Als Torfbeimischung von auch zur Regelung des Säurehaushaltes im Boden.
  • Weißtorf (wenig zersetzter Hochmoortorf) wegen seiner faserigen Struktur zur Bodendurchlüftung.
  • Schwarztorf zur Herstellung von Aktivkohle.
  • Torffasern neuerdings wieder als natürlicher Rohstoff für Matratzen, Bettdecken sowie zur Herstellung anderer leichter und warmer Textilien.
  • Bei der Whisky-Herstellung wird in Schottland nach wie vor das Malzes über Torffeuern getrocknet, um den speziellen rauchigen Geschmack zu erzielen.

Vorbehalte des Umweltschutzes

Der Naturschutz kritisiert von den o.a. Verwendungen insbesondere den Einsatz von Torf im privaten Garten. Hobbygärtner bringen pro Jahr über 2 Mill. Kubikmeter in ihren Gärten und Beeten zur Bodenverbesserung aus. Ohne Zusatzstoffe kann Torf zwar die Durchlüftung des Bodens verbessern, aber die Bodenqualität selbst verschlechtern, weil der nährstoffarme Hochmoortorf die Bodenversauerung fördert.

Der Abbau von Torf setzt im Regelfall eine Entwässerung des Bodens voraus, weshalb er auch in jenen Flächen, die dem Torfstich benachbart sind, das Moor langfristig zerstört. Wegen seiner Langsamwüchsigkeit kann es sich auch bei allfälligen Renaturierungen (wie in Finnland oder Kanada) nur mehr schwer erholen. Daher unterliegt die Zulassung neuer Flächen sehr strengen Auflagen.

Weltweit gibt es etwa 270 Mill. Hektar Torfboden, wovon die Hälfte auf Nordamerika und ein Drittel auf Europa entfällt. In Afrika und Südamerika sind es nur jeweils 2 %, was vor allem mit dem Klima zusammenhängt.
Zur heutigen Nutzung von Torf in verschiedenen Staaten und zu den vorhandenen Flächen siehe den geografischen Abschnitt im Artikel Torf#In den Ländern.

Das wachsende Umweltbewusstsein der Bevölkerung veranlasst daher in vielen Ländern die früher großräumigere Torfindustrie, die ehemaligen Abbaugebiete zusätzlich durch Bewässerung („Wiedervernässung“) zu regenerieren oder einer agrarischen Nutzung zuzuführen.

Siehe auch

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