Abtsgreuth
Abtsgreuth
Koordinaten: 49° 40′ N, 10° 35′ O49.66583333333310.580555555556340Koordinaten: 49° 39′ 57″ N, 10° 34′ 50″ O
Höhe: 340 m ü. NN
Einwohner: 100
Eingemeindung: 1972
Postleitzahl: 91481
Vorwahl: 09166

Abtsgreuth (fränkisch: „Abtsgreid“) ist ein Dorf im Steigerwald mit etwa 100 Einwohnern. Es gehört zur Gemeinde Münchsteinach im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim und liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen Würzburg und Nürnberg in Mittelfranken auf der Anhöhe zwischen Mittelsteinach und Altershausen zirka vier Kilometer nordwestlich von Münchsteinach auf 340 Meter über N.N.

Geschichte

Es wird vermutet, dass Abtsgreuth eine Gründung des Klosters Münchsteinach aus dem 12. oder 13. Jahrhundert war. Der Name deutet darauf hin, dass ein Abt des Klosters Münchsteinach das Dorf durch Rodung gegründet hat. Die Endung -greuth bedeutet durch Roden urbar gemachtes Land. Abtsgreuth bedeutet demnach Rodung des Abtes.

Überblick von Norden
Altershäuser Straße Richtung Osten
Altershäuser Straße Richtung Westen
Glockenturm

Als Keimzelle des Ortes wird der Schafhof (heute Anwesen Gugel und Schmidthammer) betrachtet, der früher von einer Mauer umgeben war und dem Kloster gehörte.

Geschichtlich erstmals erwähnt wurde Abtsgreuth am Dienstag 2. September des Jahres 1494, als der Erkinger von Seinsheim einen Hutstreit zwischen dem Kloster Münchsteinach und dem Herrn Heinrich von Stieber zu Steinach und Taschendorf mit einem Vertrag regelte.

Nach der Zerstreuung der Mönche 1525 durch die aufgebrachten Bauern im Zuge der Reformation und des Bauernkrieges wurde das Kloster Münchsteinch nicht mehr besetzt. Danach bestimmten die Markgrafen von Ansbach die Geschicke von Abtsgreuth, die bereits 1265 das Hoheitsrecht über das ehemalige Kloster Münchsteinach erhalten hatten.

1537 geht der klostereigene Schafhof zu Abtsgreuth für 200 Gulden in den Besitz des Peter Pessolt aus Mittelsteinach über.

In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges beherrschen Not, Seuchen, gewaltsamer Tod und die Furcht der Überlebenden unsere Heimat. So wird 1633 der Schmied Wenzeslaus Paz von Abtsgreuth von umherstreifenden Reitern erschlagen und 1647 werden Münchsteinach und die umliegenden Dörfer gründlich geplündert – die ganze Gegend ist 20 Wochen lang gänzlich unbewohnt.

Die Bevölkerungszahl wuchs bis um 1750 wieder an, was vor allem dem Zustrom von Exulanten, den aus den Alpenländern vertriebenen Evangelischen, zuzuschreiben war. Viele Einwohner Mittelfrankens haben Vorfahren, die aus österreichischen Landen gekommen waren.

Unsere Vorfahren, bis 1791 Untertanen der Markgrafen von Ansbach, werden 1791 Preußen, 1807 Franzosen und schließlich 1810 Bayern.

1823 wird die Schulstelle zu Abtsgreuth aufgelöst.

1834 verkauft der Bauer Johann Conrad Mechs aus Abtsgreuth seinen Hof an den Bierbrauer Johann Georg Landbeck.

1835 wird in Abtsgreuth eine Schmiede errichtet, auf der im gleichen Jahr ein Türmchen mit Uhr und Glocke angebracht wird.

1846 wird der Fuhrweg (Straße) zwischen Mittelsteinach und Abtsgreuth, nachdem er selbst mit kaum beladenem Wagen nicht mehr befahren werden kann, neu ausgebaut.

1849 lebten in der Gemeinde Abtsgreuth über 250 Menschen - so viel wie seitdem nicht mehr wieder.

Im Jahre 1861 bringt der Hopfenanbau in der Abtsgreuther Flur 65 Zentner Hopfen.

1869 sollen nach einer Entschließung der Regierung jeweils mehrere Orte zu einer Gemeinde unter einer Bürgermeisterei vereinigt werden. Abtsgreuth und Mittelsteinach sträuben sich mit allen Kräften dagegen, nach Münchsteinach eingemeindet zu werden. Die Bürger protestieren beim Bezirksamt und erhalten schließlich 1873 das Recht, eine eigene Gemeinde zu bilden.

1871 sollen die Kinder aus Abtsgreuth nach Münchsteinach umgeschult werden. Die Bürger des Dorfes wenden sich aber entschieden gegen dieses Vorhaben. 1873 wandern die Taglöhner Philip und Barbara Müller nach Amerika aus.

Ab dem 4. Dezember 1874 werden die Gemeinderatsbeschlüsse mit der Glocke ausgeschellt.

1884 wird der Männergesangverein Altershausen/Abtsgreuth gegründet.

1899 wird in Abtsgreuth eine Posthilfsstelle errichtet.

Am 6. Januar 1900 wird in Abtsgreuth eine Dreschgenossenschaft gegründet und eine Dampfdreschmaschine gekauft.

Im Mai 1902 wird in Abtsgreuth die Freiwillige Feuerwehr gegründet.

1909 wird in Abtsgreuth in der Gastwirtschaft Mechs eine öffentliche Telefonstelle eingerichtet.

1923 werden in der Gemeinde der Strom und die Dorfbeleuchtung eingerichtet.

In der Nacht vom 1. zum 2. August 1928 brennen die Anwesen von August Mechs und Christian Thaler ab. Hierbei verbrennt leider eine große Truhe mit alten Urkunden.

Am 31. Mai 1930 wird von der Dreschgenossenschaft Abtsgreuth eine mit Dampfkraft angetriebene Dreschmaschine gekauft.

Anfang 1940 kommen verschleppte polnische Landarbeiter zwangsweise nach Abtsgreuth.

Ab 1943/1944 bekommen die Abtsgreuther des Öfteren Luftangriffe - hauptsächlich auf Nürnberg - mit.

1945 wollen SS-Soldaten etliche Häuser sprengen, um die Straßen zu blockieren. Zwischen Abtsgreuth und Altershausen wird die Straße vermint.

Am Sonntag 15. April 1945 rücken früh die Amerikaner in Abtsgreuth ein, binnen 10 Minuten müssen Häuser geräumt werden.

Seit 1952 existiert in Abtsgreuth ein eigener geweihter Friedhof, so dass die Verstorbenen nicht mehr in Münchsteinach begraben wurden.

1954 erfolgt die Teerung der Ortsstraßen in Abtsgreuth.

1958 stiftet der nach dem Tode von Bürgermeister August Mechs zum Bürgermeister gewählte Johann Mechs für das Türmchen auf der Schäferei eine neue Glocke, nachdem die beiden Glocken dieses Türmchens in den zwei Weltkriegen eingeschmolzen worden sind.

Im Winter 1966/67 finden sich die Abtsgreuther Damen zusammen und gründen den „Strickabend“, an dem sie sich nun jede Woche im Winter treffen.

Von 1966 bis 1972 war David Thaler aus Abtsgreuth letzter Bürgermeister der Gemeinde Abtsgreuth - Mittelsteinach, die am 1972 aufgelöst wird und nach Münchsteinach eingemeindet wird.

1972 eröffnet der Schmied Adolf Dietlein eine Tankstelle in Abtsgreuth.

Zwischen 1970 und 1982 wurde die Flurbereinigung Abtsgreuth-Mittelsteinach durchgeführt.

Im Juli 1979 helfen einige Abtsgreuther zusammen und bauen die alte, bis zur Unkenntlichkeit verfallene Freiluft-Kegelbahn, welche vor dem Krieg schon mal im Kellerhaus bestanden hat, wieder auf. Der Kegelclub Abtsgreuth wird am 8. August 1979 gegründet und stellt seitdem das zentrale Dorfgeschehen dar.

Seit 1980 findet jeweils am dritten Sonntag im Juli die Keglerkerwa statt und im gleichen Jahr schließt die einzige Gaststätte Bayer in Abtsgreuth.

Am 17. Juni 1988 wird das neue Feuerwehrhaus im Gründleinsweg eingeweiht, in dessen Kellergeschoss der Kegelclub eine vollautomatische Kegelbahn mit Bewirtschaftung einbaut, die am 15. Dezember 1990 eingeweiht wird.

Im Frühjahr 1991 bildete sich im Kegelclub eine Sportkeglermannschaft, die 1993, 1994 und 1995 dreimal hintereinander den Aufstieg schaffte und mittlerweile in der Bezirksliga kegelt.

Am Wochenende 10.-11.Oktober 1992 veranstalten die Abtsgreuther ein großes Treffen aller ehemaligen und jetzigen Einwohner, wozu viele gute alte Bekannte wieder einmal in Abtsgreuth weilten und manche alte Geschichte wieder aufgewärmt wurde.

Am 15.Juli 1994 findet der Festabend zur erstmaligen Erwähnung der Ortschaft Abtsgreuth vor 500 Jahren am Freitag der Keglerkerwa statt. Zu diesem Anlass überreicht Herr Lehrer Simon dem Vorstand des Kegelclubs Lorenz Beihl eine gerahmte Kopie der Originalurkunde des Staatsarchivs Bamberg. Eine eindrucksvolle Bildersammlung von Ludwig Singer findet reges Interesse und bildet eine reichhaltige Erinnerungsgrundlage für manch kleine Anekdote. Eine Chronik der Ortschaften Abtsgreuth und Mittelsteinach wird von Jürgen Schmidthammer zusammengestellt und in über 130 Exemplaren veröffentlicht.

Am 18. März 1995 wird in einem feierlichen Akt eine von der Gemeinde anlässlich der 500-Jahr-Feier gestiftete Eiche neben dem Keglerheim gepflanzt.

Vereine

Literatur

  • Helmut Simon / Jürgen Schmidthammer: Chronik der Ortschaften Abtsgreuth und Mittelsteinach - Herausgegeben anlässlich des 500-Jahr Feier der erstmaligen urkundlichen Erwähnung Abtsgreuths. – Abtsgreuth: Juli 1994

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