Abtwil AG
AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Abtwilf zu vermeiden.
Abtwil
Wappen von Abtwil
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau
Bezirk: Muriw
Gemeindenummer: 4221i1f3f4
Postleitzahl: 5646
Koordinaten: (669508 / 225453)47.1763888.355564536Koordinaten: 47° 10′ 35″ N, 8° 21′ 20″ O; CH1903: (669508 / 225453)
Höhe: 536 m ü. M.
Fläche: 4.14 km²
Einwohner: 907 (31. Dezember 2010)[1]
Website: www.abtwilag.ch
Karte
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Abtwil (in einheimischer Mundart: [ˈɑpˑəl])[2] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Muri im Südosten des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt an der Grenze zum Kanton Luzern.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die Gemeinde liegt am Fuss des südlichsten Ausläufers des Lindenbergs, am Übergang zwischen dem Reusstal im Osten und dem Seetal im Westen. Rund zweihundert Meter südlich des eigentlichen Dorfes liegt etwas versetzt der Weiler Altchilen. Der grösste Teil des Gemeindegebiets ist flach bis wellig. Nur im Nordwesten steigt das Gelände bis zum Kamm des Lindenbergs leicht an. Ganz im Süden befindet sich das Moos, ein kleines Moorgebiet.[3]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 414 Hektaren, davon sind 92 Hektaren bewaldet und 34 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 662 Metern auf dem Kamm des Lindenbergs, der tiefste auf 500 Metern an der östlichen Gemeindegrenze. Nachbargemeinden sind Sins im Norden und Osten sowie Hohenrain im Westen.

Geschichte

Die Gegend um Abtwil war bereits während der Römerzeit besiedelt. Auf dem «Heidenhügel» befand sich damals eine villa rustica. Um die römische Ruine herum hauten die Alamannen zwei Dutzend Gräber in den Sandsteinboden. Die 1860 bei Bauarbeiten entdeckten Gräber waren genau nach Mass in den Boden gehauen worden. Diese Technik wurde auch bei Gräbern in Algerien angewendet, die eingewanderten Berbern zugeschrieben werden. Ob mehr als Zufall dahinter steckt, konnte bis heute noch nicht nachgewiesen werden.

Die erste Erwähnung der Ortschaft (et in Apwil VI liberos censarios) aus der ersten Hälfe des zwölften Jahrhunderts ist nur in einer Abschrift aus dem 14. Jahrhundert erhalten; die älteste Original-Urkunde von 1256 (in Apwiler) stammt aus dem Kloster Muri. Damals versuchte Graf Gottfried von Habsburg-Laufenburg vergeblich, seinen Besitzanspruch über das Dorf geltend zu machen. Der Ortsname geht wohl zurück auf eine althochdeutsche Zusammensetzung *App(in)wilari und bedeutet ‹Hofsiedlung des Appo›.[2]

Abtwil gehörte im Mittelalter zum habsburgischen Amt Meienberg. Im Jahr 1415 eroberte Luzern das Amt Meienberg, musste es aber 1425 an den gemeinsamen Besitz der Eidgenossen zurückgeben. Aus den eroberten Gebieten wurden die Freien Ämter gebildet, eine Gemeine Herrschaft. Nachdem 1742 die alte Kirche über dem (damals noch nicht entdeckten) alemannischen Friedhof im Ortsteil Altchilen abgebrochen und durch einen Neubau am heutigen Standort ersetzt worden war, wurde Abtwil 1748 eine eigene Pfarrei. Bis 1865 stammten die Pfarrer alle aus dem Kloster Engelberg. Die Grundherrschaft lag bis 1805 bei der Johanniterkommende in Hohenrain.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Abtwil war nun eine Gemeinde im Distrikt Muri des kurzlebigen Kantons Baden; seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieb das Dorf landwirtschaftlich geprägt, die Einwohnerzahl schwankte viele Jahrzehnte lang zwischen 300 und 400. Während des Zweiten Weltkriegs wurde im Moos Torf abgebaut. Ende der 1980er Jahre setzte eine durch die Nähe zu den Städten Luzern und Zug begünstigte markante Bautätigkeit ein. Die Gemeinde wuchs innerhalb von fünfzehn Jahren um fast das Doppelte.

Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche St. Germanus

Die Pfarrkirche St. Germanus wurde von 1740 bis 1742 erbaut und ersetzte die ein älteres Kirchengebäude, das sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. 1877 entstand an der Stirnseite des Chors der Kirchturm.[4]

Wappen

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau die gelbe Krümme eines Abtstabes mit wehendem weissen Velum (Schweisstuch) an gelbem Anhänger und mit gelben Quasten.» Das 1953 eingeführte Wappen zeigt das Emblem des Heiligen Germanus von Granfelden, dem ersten Abt von Moutier-Grandval und Kirchenpatron von Abtwil.[5]

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung:[6]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 393 325 347 342 343 297 321 369 674 907

Am 31. Dezember 2010 lebten 907 Menschen in Abtwil, der Ausländeranteil betrug 10,3 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 72,8 % römisch-katholisch und 11,7 % reformiert. 2,1 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 97,0 % gaben Deutsch als ihre Hauptsprache an.[7]

Politik und Recht

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Muri zuständig. Abtwil gehört zum Friedensrichterkreis Sins.

Wirtschaft

In Abtwil gibt es gemäss Betriebszählung 2005 rund 180 Arbeitsplätze, davon 32 % in der Landwirtschaft, 21 % in der Industrie und 47 % im Dienstleistungssektor.[8] Über die Hälfte der Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten mehrheitlich in den Agglomerationen von Luzern und Zug.

Verkehr

Die Gemeinde liegt zwar abseits des Durchgangsverkehrs, ist aber über gut ausgebaute Nebenstrassen mit Sins, Hochdorf und Ballwil verbunden. Ein Busrundkurs der Busbetriebe Seetal-Freiamt (seit 2004 Teil der Zugerland Verkehrsbetriebe) verkehrt von Sins über Auw, Abtwil und Fenkrieden zurück nach Sins.

Bildung

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Sämtliche Oberstufen der obligatorischen Volksschule (Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule) können in Sins besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Persönlichkeiten

Weblinks

 Commons: Abtwil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsstatistik, 2. Halbjahr 2010, Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 28. März 2011
  2. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. Historische Quellen und sprachwissenschaftliche Deutungen. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Jahresschrift der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau. Band 100/II, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 58–59. Angegebene Lautschrift: áp̄əl.
  3. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1130, Swisstopo
  4. Georg Germann; Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band V: Bezirk Muri, Birkhäuser Verlag, Basel 1967.
  5. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 102.
  6. Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden im Bezirk Muri, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  7. Gemeindeporträt, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  8. Betriebszählung 2005, Statistisches Amt des Kantons Aargau

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