Abu Abdullah Muhammad al-Idrisi
Weltkarte des al-Idrisi (12. Jhd., Süden ist oben)
Die Tabula Rogeriana, von Al-Idrisi für Roger II. von Sizilien, 1154.

Abu Abd Allah Muhammad ibn Muhammad ibn Abd Allah ibn Idris al-Idrisi, arabischأبو عبد الله محمد بن محمد بن عبد الله بن إدريس الإدريسي‎, DMG Abū ʿAbd Allāh Muḥammad b. Muḥammad b. ʿAbd Allāh b. Idrīs al-Idrīsī, latinisiert Dreses (* um 1100 in Ceuta, Spanien; † 1166 in Sizilien) war Kartograph, Geograph und Botaniker.

Er studierte an der Universität von Córdoba und lebte dann in Sizilien am Hofe des Normannenkönigs Roger II. Er bereiste Spanien, Nordafrika und Vorderasien.

Al-Idrisi studierte sämtliche damals bekannten Heilpflanzen. Als er bemerkte, dass die Wissenschaft seit dem Altertum kaum Fortschritte gemacht hatte, begann er selbst, Pflanzen zu sammeln und zu katalogisieren. Es gelang ihm viele neue Heilpflanzen und deren Wirkung zu erforschen, die Ergebnisse seiner Arbeit fasste er in diversen Büchern zusammen; das bedeutendste davon ist Kitab al-Dschami-li-Ashtat al-Nabat / ‏كتاب الجامع لأشتات النبات ‎ / kitāb al-ǧāmiʿ li-aštāti ʾn-nabāt /„Das Sammelwerk für die Pflanzenarten“, dessen Handschrift der deutsche Orientalist Hellmut Ritter 1928 in der Istanbuler Fatih Handschriftenbibliothek entdeckt hat.

Nachhaltigen Ruhm erlangte al-Idrisi durch seine geographischen Studien. Er verwendete Angaben des Claudius Ptolemäus und früherer islamischer Gelehrter, aber auch selbst Erfahrenes ohne die in den mittelalterlichen Mappae mundi damals üblichen christologischen Themen. Die Karten behandeln auch Weltteile, die seit der späten Antike nicht mehr der Christenheit in Europa zur Erforschung und zum Wissenserwerb zugänglich waren wie Westafrika, die arabische Halbinsel, Indien, China und Zentralasien, aber den nun über ein Grossreich verfügenden Arabern. Entsprechend dem geographischen Schwerpunkt ist dagegen Nordeuropa nur wenig detailliert dargestellt, worüber in Europa viel mehr Informationen vorlagen.

Sein Hauptwerk Nuzhat al-Mushtak fi-ichtiraq al-afaq / ‏ نزهة المشتاق في اختراق الآفاق‎ / nuzhatu ʾl-muštāq fī-ʾḫtirāqi ʾl-āfāq /„Reise des Sehnsüchtigen um die Horizonte zu durchqueren“ bildete den Text zu einer für Roger II. 1134 verfertigten silbernen Erdtafel. Diese wurde anlässlich eines Aufstandes zerstört. Die Teilkarten blieben dagegen erhalten und erlauben eine Rekonstruktion der zerstörten originalen Weltkarte. Man nannte das Werk auch das „Buch Rogers“ und das „Roger-Buch“. Die damals bekannte Welt, aufgeteilt in sieben Klimazonen, wird von Landkarten, einige in Farbe, begleitet.

Die Identifizierung der dokumentierten Orts- und Landschaftsnamen wird dadurch erschwert, dass sie überwiegend auf mündliche Auskünfte zurückgehen, die dann al-Idrisi mit arabischen Buchstaben schriftlich festhielt. Das Werk liegt nunmehr in der sorgfältig bestellten Edition der Istituto Italiano per il Medio e l'Estremo Oriente at Rome unter der Mitwirkung mehrerer Wissenschaftler vor:Opus Geographicum sive liber ad eorum delectationem qui terras peragrare studeant. (Hrsg. F. Cerulli, G.Gabrieli, Lévi Della Vida u.a.). Neapel, Rom 1970ff. Deutsch ist das Kartenwerk zugänglich durch die "Mappae Arabicae" von Miller. Der zugehörige Text kann auf französisch einer neueren Ausgabe bei Flammarion entnommen werden.

Literatur

  • Konrad Miller: Mappae Arabicae. Nachdr. 1994 d. Ausg. Stuttgart 1926-1931. Universität Frankfurt Inst. f. Gesch. d. Arabisch-Islamischen Wiss. ISBN 978-3-8298-1218-4.
  • Idrîsî, La Première Géographie de l'Occident, GF Flammarion. Paris. 1999. ISBN 2-08-071069-9
  • Wilhelm Hoenerbach: Deutschland und seine Nachbarländer nach der großen Geographie des Idrisi (1162, Sektionen 5, 2 u. 6, 2). Stuttgart, Kohlhammer, 1938
  • G. Oman: Notizie bibliografiche sul geografo arabo al-Idrisi (XII secolo) e sulle sue opere. In: Annali dell' Istituto Universitario Orientale di Napoli (AIUON), Neue Serie XI (1961), 25-61, XII 193-4
  • J. H. Kramers: La Littérature géographique classique des musulmans. in: Analecta Orientalia, 2 (1956), 172-204
  • M. Amari: Dal Kitab Nuzhat al-mushtâq ecc. (Sollazzo per chi si diletta di girare il mondo) per Abû 'Abd Allâh Muhammad Ibn 'Abd Allâh Ibn Idrîs. In: Biblioteca Arabo-Sicula. Turin-Rom 1880, I. 33-133
  • The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Bd. 3, S.1038

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