Chronist

Eine Chronik (von griech.: chronika (biblia) zu chronos = Zeit) ist eine geschichtliche Prosadarstellung, die die Ereignisse in zeitlicher Reihenfolge darstellt.

Überblick

Die Chronik als Form der Geschichtsschreibung wurde in der Antike entwickelt. Gerade für die Zeit der Spätantike liefern einige Chroniken wichtige Erkenntnisse, so etwa das Chronicon Paschale oder die Chronik des Josua Stylites. Mit dem Ende der Antike lebte diese Tradition im byzantinischen Reich fort (siehe etwa Theophanes).

Im lateinischen Westen erlebte sie ihre Blütezeit im hohen und späten Mittelalter. Sie stellt sich als Bericht über geschichtliche Vorgänge in zeitlicher Anordnung, jedoch nicht auf der Grundlage der Kalender-Jahre (Annalen), sondern im größeren chronologischen Zusammenhang der Regierungszeiten von Königen, Päpsten u.ä. dar. Ziel der Chronik ist es also die Geschehnisse in größeren Zeiträumen überschauend darzustellen, miteinander zu verknüpfen und eine Epochengliederung zu entwickeln. Chroniken verfolgen die Absicht zu belehren und zu bilden und versuchen, einen Zusammenhang zwischen christlicher Heilsgeschichte und profaner Weltgeschichte herzustellen.

Mittelalterliche Beispiele von Chroniken finden sich zum Beispiel in der Chronica maiora des Isidor von Sevilla (6./7. Jahrhundert), der Fredegar-Chronik oder der Freisinger Chronik (12. Jahrhundert). Ein unbekannter Autor verfasste im 13. Jahrhundert die Chronik der Morea über die Geschichte des fränkischen Kreuzritter-Fürstentums Achaia unter Wilhelm II. von Villehardouin. Deutschsprachige Chroniken kennt man seit dem 13. Jahrhundert. Beispiel afrikanischer Chroniken sind die Kilwachronik (um 1520) oder die Patechronik.

Nach Inhalt und ‚Reichweite‘ sind Weltchroniken, Kaiser- und Königschroniken, Landeschroniken, Kloster- und Städtechroniken (für Köln schon 1270!), schließlich die Familienchroniken zu nennen, die seit der Renaissance in Italien, bald aber auch in den deutschen Handelsstädten entstehen und ein neues Medium bürgerlichen Selbst- und Traditionsbewusstseins, aber auch eine Vorform der Autobiografie bilden. Schulchroniken begannen im 19. Jahrhundert und zeichneten oft das bis dahin gesammelte Wissen der ortsschulgeschichtlichen Entwicklung auf, um dann detailliert über die aktuelle Schulsituation (schul-)jährlich zu berichten.

Neben ihrer historischen Gebrauchsform lebt die Chronik heute auch als populäre Gebrauchsform weiter, so zum Beispiel in Dorf- oder Vereinschroniken. Eine weitere Karriere hat sie als literarisches Strukturmodell besonders in der fiktionalen Erzählprosa gemacht. So zum Beispiel in den Buddenbrooks von Thomas Mann.

Durch die rein chronologische Darstellung von Ereignissen unterscheidet sie sich von solchen Geschichtswerken, die das Geschehene unter Herstellung von Bezügen und Zusammenhängen zu verstehen, beschreiben und erklären suchen. Solche haben wir unter anderem im Mittelalter von den Chronisten wie Gregor von Tours, Ernst von Kirchberg, Fulcher von Chartres, Lambert von Hersfeld, Jean Froissart, Thietmar von Merseburg, Otto von St. Blasien und Matthias von Neuenburg. Bekannte spätmittelalterliche Chronisten aus der Schweiz sind unter anderem Gerold Edlibach, Hans Fründ, Konrad Justinger, Diebold Schilling der Ältere, Diebold Schilling der Jüngere, Werner Schodoler, Christoph Silberysen, Bendicht Tschachtlan und Johann Jakob Wick.

Als Publikation ist eine Chronik ein Nachschlagewerk, das nicht nach dem Alphabet, sondern nach der Zeitachse gegliedert ist. Allerdings findet man im Buchhandel unter der Bezeichnung „Chronik“ auch sonstige Darstellungen, die der Chronologie nicht mehr als andere Geschichtswerke folgen.

Siehe auch

Literatur


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