Claude Louis Berthollet

Claude Louis, comte Berthollet (* 9. Dezember 1748 in Talloires; † 6. November 1822 in Arcueil), war ein französischer Chemiker und Arzt.

Claude-Louis Berthollet

Er forschte über Färbe- und Bleichmittel (Chlor und Hypochlorit) und bestimmte die chemische Zusammensetzung des Ammoniaks (NH3), der Blausäure (HCN) und des Schwefelwasserstoffs (H2S). Er entwickelte zusammen mit Antoine Lavoisier die moderne chemische Nomenklatur.

Leben und Werk

Geboren in Talloires bei Annecy in Savoyen, begann er ein Studium der Medizin in Chambéry. Nach kurzer Zeit wechselte er an die Universität von Turin, wo er 1770 zum Doktor der Medizin promovierte. 1772 ließ er sich als Arzt und Forscher in Paris nieder, wo er seine Kenntnisse der Chemie vertiefte. Er war zeitweise Leibarzt des Herzogs Philip von Orléans und wurde aufgrund seiner hervorragenden Reputation als Chemiker 1780 Mitglied der Akademie der Wissenschaften. 1784 übernahm er eine Anstellung als Direktor einer Manufaktur zur Herstellung von Wandteppichen (Gobelins).

1789 entdeckte er die bleichende Wirkung des Chlors. Berthollet, der Inspekteur der Färbereien war und auch ein „Handbuch der Färbekunst“ herausgegeben hat, führte daraufhin das Chlor beziehungsweise das Hypochlorit als Bleichmittel in die Textilindustrie ein. Die alkalischen Lösungen wurden nach dem Produktionsort als „Eau de Javel“ (Javelwasser) benannt und das Eau de Javel wird auch heute noch als eines der beliebtesten Reinigungs-, Bleich- und Desinfektionsmittel in Frankreich verkauft.

Bedeutend sind auch seine Untersuchungen zur Zusammensetzung des Ammoniaks (NH3) (1785), der Blausäure (HCN) und des Schwefelwasserstoffs (H2S).

Berthollet unterstützte Antoine Lavoisiers Widerlegung der Phlogistontheorie, was zur Reform der chemischen Nomenklatur führte (1787). Dies war die Grundlage zur Entwicklung der noch heute gebräuchlichen chemischen Fachsprache.

Als es zu Beginn der Französischen Revolution Schwierigkeiten mit dem Nachschub an Salpeter für die Herstellung von Schießpulver gab, wurde er Leiter sowohl einer Kommission, die die Salpeterversorgung Frankreichs sicherstellen sollte, als auch Leiter einer Kommission mit dem Ziel, die Methoden der Eisenherstellung zu verbessern.

1794 wurde er Professor für Chemie an der École Polytechnique. Vier Jahre später, im Jahre 1798 begleitete er, als Mitglied einer Gruppe von Wissenschaftlern, Napoléon Bonaparte (Napoleon I.) auf einer Reise nach Ägypten.

1803 veröffentlichte er das bedeutende Werk „Essai de statique chimique“ (dt. Versuch einer chemischen Statik). Diese und seine anderen theoretischen Arbeiten über die chemische Affinität begründen seine Bedeutung als Forscher. Berthollet erkannte zwar, dass die Mengenverhältnisse für chemische Reaktionen eine entscheidende Rolle spielen, dennoch vertrat er die Meinung, die Zusammensetzung eines Reaktionsprodukts hänge von den Bedingungen ab. Dies wurde zwar durch Prousts Gesetz der konstanten Proportionen widerlegt (eine bestimmte chemische Verbindung hat eine bestimmte Summenformel und damit eine bestimmte Zusammensetzung), aber es gibt in der Tat einige nichtmolekulare Verbindungen, die eine gewisse Variabilität in der Zusammensetzung zeigen (z. B. bei dem Eisenoxid Fe1-xO mit x=0.90-0.95). Eine solche Verbindung nennt man daher auch bertholloid. Außerdem ist seine Ansicht, dass Temperatur, Druck und Konzentration die Produktzusammensetzung beeinflussen, richtig im Sinne verschiedener Produktkonzentrationen, wie z. B. das Massenwirkungsgesetz zeigt.

1804 wurde er von Napoléon Bonaparte zum Senator und Offizier der Ehrengarde ernannt, gleichzeitig erhielt er einen Grafentitel (Comte). In seiner Eigenschaft als Senator stimmte er dennoch 1814 für die Amtsenthebung von Napoléon Bonaparte. Im Zuge der Restauration der Bourbonen erhielt er einen Sitz als Pair von Frankreich.

Seinen Lebensabend verbrachte Berthollet in Arcueil bei Paris, wo sein gut ausgestattetes Labor viele hochrangige Forscher anzog. Hieraus entwickelte sich die Société D'Arcueil, eine Diskussions- und Forschungsrunde, der auch Alexander von Humboldt, Jean-Baptiste Biot, Pierre-Simon Laplace und Louis Jacques Thénard angehörten. Die Fortschritte des Zirkels wurden in 3 Bänden zwischen 1807 und 1817 unter dem Titel „Memoires de la Société D'Arcueil“ veröffentlicht. Berthollet starb am 6. November 1822 als Träger vieler Ehrungen und Auszeichnungen in Arceuil.

Die Pflanzengattung Bertholletia (bekanntester Vertreter der Gattung ist die Paranuss) wurde zu Ehren von Berthollet benannt.

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