Ach (Ägyptische Mythologie)
Ach in Hieroglyphen
G25 Aa1
X1

Achet
3Ḫt
Der weiblich verklärte Ahnengeist
G1 Aa1

G25 Aa1
[1]
Ach
3Ḫ
Der männlich verklärte Ahnengeist
Waldrapp Geronticus eremita.jpg
Vorbild im Alten Ägypten: Schopfibis Comatibis eremita
(Darstellung hier: Geronticus eremita)

Der Ach (auch Achet; "Lichtgeist", abgeleitet von einem Wort für "Lichtglanz") ist in der ägyptischen Mythologie die Verklärungsseele eines Verstorbenen, die erst nach dessen Tod entsteht.[2] Er ist einer der drei wichtigsten Aspekte des Seelischen; die anderen sind Ba und Ka. Im Unterschied zu Ba und Ka ist der Ach nicht etwas, was dem Lebenden zukommt, sondern dieser Begriff beschreibt einen Zustand, den der Verstorbene nach seiner Verklärung erreicht.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Während Ba und Ka Freiseelen sind, die zusammen mit dem Körper entstehen, den Menschen dann auf seinem Lebensweg begleiten und seinen Tod überdauern, handelt es sich beim Ach um eine Existenzform, die man erst nach dem Tod durch entsprechende Bemühungen erlangt. Der Tote eignet sich die Ach-Kraft an und wird dadurch zum Ach. Der Begriff Ach bezeichnet sowohl das über diese Kraft verfügende Wesen als auch die Kraft bzw. ihre Personifikation.[3]

Mit dem Begriff Ach ist eine Vorstellung von Glanz und Herrlichkeit verbunden. Ursprünglich war das Wort wohl eine Bezeichnung für "Leuchtendes", "Strahl", "Sonnenstrahl". Man dachte dabei an eine schöpferische Kraft, die dem Verstorbenen eine besondere Lebensfähigkeit und Lebensqualität, einen "lichten" Daseinszustand ermöglicht. Daher wird in diesem Zusammenhang in der modernen Literatur der Begriff Verklärung verwendet, der aus der christlichen Terminologie stammt.[4] Der Ach-Zustand wurde offenbar als götterähnlich aufgefasst, denn mitunter wurden auch Götter als Ach bezeichnet. Auch Dämonen nannte man Ach.[5]

Die Erlangung des Ach-Status setzte magisch-rituelles Wissen voraus, das man sich zu Lebzeiten aneignen konnte. Die zuständigen Totenpriester vollzogen am Grab Riten, um dem Toten die Ach-Werdung zu ermöglichen; außerdem wurden entsprechende magische Inschriften im Grab bzw. auf dem Sarg angebracht. Ferner erwartete man bei der Umwandlung zum Ach Hilfe von Göttern wie Re und Osiris, die in besonders hohem Maße als Besitzer von Ach-Kraft galten.[6]

Im Lauf der altägyptischen Kulturgeschichte hat sich der Ach-Glaube in manchen Aspekten gewandelt. So wurde im Alten Reich eine zeremonielle Speisung des Ach durchgeführt; später benötigte er im Unterschied zu Ka und Ba keine materielle Versorgung im Rahmen der Totenfürsorge mehr, doch wurden ihm Opfer dargebracht. In der älteren Form dieses Glaubens war der Ach-Zustand keine Belohnung für moralisches Verhalten; vielmehr handelte es sich um ethisch neutrale Macht, über die jeder verfügte, der sie sich zu verschaffen wusste. Daher war ein Ach nicht notwendigerweise moralisch gut, sondern konnte ebenso wie ein Lebender auch böswillig sein. Im Neuen Reich begann man jedoch einen Zusammenhang zwischen moralischen Verdiensten und dem Ach-Werden herzustellen.[7]

Nach einem korrekten Vollzug der Verklärungsriten am Grab erlangte der Tote den Status eines "wirksamen", "versehenen (vollausgestatteten)" und "verehrungswürdigen" Ach; als solcher konnte er auf die Welt der Lebenden einwirken.[8] Im Unterschied zu Ka und Ba konnte sich der "wirksame" Ach Lebenden als Gespenst zeigen. Als solches half er den Hinterbliebenen oder schadete den Feinden seiner Familie. Daher pflegten Angehörige eines Beerdigten ihre an seinen Ach gerichteten Botschaften mit Bitten um Hilfe am Grab zu deponieren.[9]

In der christlichen Zeit änderte sich die Bedeutung des Begriffs; in der koptischen Sprache bezeichnet er einen von unreinen Dämonen Besessenen.[10]

Siehe auch

  • Aperach
  • Imachu

Literatur

  • Eberhard Otto: Ach. In: Wolfgang Helck/Eberhard Otto (Hrsg.): Lexikon der Ägyptologie, Bd. 1, Harrassowitz, Wiesbaden 1975, Sp. 49-52
  • Klaus Koch: Geschichte der ägyptischen Religion, Kohlhammer, Stuttgart 1993, ISBN 3-17-009808-X
  • Hermann Kees: Totenglauben und Jenseitsvorstellungen der alten Ägypter, 2. Auflage, Berlin 1956
  • Hans Bonnet: Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte, Berlin 1952, S. 4

Anmerkungen

  1. In der Hieroglyphenschrift wurde der Ach als Vogel mit einem strahlenförmigen Schopf dargestellt, wobei der Schopfibis (Comatibis eremita) das Vorbild war; vgl. Elmar Edel: Zu den Inschriften auf den Jahreszeitenreliefs der "Weltkammer" aus dem Sonnenheiligtum des Niuserre. In: Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Nr. 8. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1961, S. 237.
  2. Eberhard Otto: Ach. In: Wolfgang Helck/Eberhard Otto (Hrsg.): Lexikon der Ägyptologie, Bd. 1, Wiesbaden 1975, Sp. 49; vgl. Rainer Hannig: Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.), 4. Auflage, Mainz 2006, S. 11f.
  3. Bonnet S. 4.
  4. Hellmut Brunner: Grundzüge der altägyptischen Religion, Darmstadt 1983, S. 141f.
  5. Bonnet S. 4, Kees S. 37.
  6. Hellmut Brunner: Grundzüge der altägyptischen Religion, Darmstadt 1983, S. 142.
  7. Eberhard Otto: Ach. In: Wolfgang Helck/Eberhard Otto (Hrsg.): Lexikon der Ägyptologie, Bd. 1, Wiesbaden 1975, Sp. 50.
  8. Eberhard Otto: Ach. In: Wolfgang Helck/Eberhard Otto (Hrsg.): Lexikon der Ägyptologie, Bd. 1, Wiesbaden 1975, Sp. 50f.
  9. Hellmut Brunner: Grundzüge der altägyptischen Religion, Darmstadt 1983, S. 142f.; Koch S. 175.
  10. Kees S. 37.

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