Achebe

Chinua Achebe (* 16. November 1930 in Ogidi, Nigeria) ist ein nigerianischer Schriftsteller. Der Name Chinualumogu bedeutet „Gott kämpft zu meinen Gunsten“.[1]

Chinua Achebe gilt als der Begründer der modernen nigerianischen Literatur und weltweit als einer der herausragenden englischsprachigen Schriftsteller. Dabei hat er einen eigenen Stil entwickelt, der auf der Erzähltradition seiner Heimat aufbaut. Er verzichtet bewusst auf europäische Literaturkonventionen, verarbeitet jedoch nigerianische Erzählungen in seinen Romanen. Nach seinen eigenen Worten „... sollte jede gute Geschichte, jeder gute Roman, eine Botschaft enthalten, einen Zweck haben“.

Chinua Achebe hat sich sowohl während des nigerianischen Bürgerkrieges (auf Seiten Biafras) als auch danach politisch engagiert. Er war Professor an einer Reihe englischer, amerikanischer und nigerianischer Universitäten. Zur Zeit lehrt er am Bard College in New York City. Seit 1990 ist er in Folge eines Autounfalls von der Hüfte abwärts gelähmt.

Chinua Achebe wurde 2002 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. In seiner Dankesrede sagte er, die Auszeichnung und damit einhergehende internationale Beachtung hätten ihm buchstäblich das Leben gerettet, da er sich mit seinem Werk bei der nigerianischen Regierung sehr unbeliebt gemacht habe. 2007 erhielt er den Man Booker International Prize.

Inhaltsverzeichnis

Things Fall Apart

Achebes Erstlingswerk, der Roman "Things Fall Apart" von 1958, ist ein Klassiker der schriftlichen afrikanischen Literatur. Bereits ein Jahr später erschien die deutsche Übersetzung, "Okonkwo oder Das Alte stürzt".

Am Beispiel eines Igbo-Dorfes schildert Achebe eine nach althergebrachten patriarchalen Regeln funktionierende afrikanische Gesellschaft und ihre Unterwerfung unter die britische Kolonialherrschaft. Die Hauptfigur ist Okonkwo, ein wohlhabender Mann, der auch schon einige der lokalen Ehrentitel erworben hat, drei Frauen und einer im Laufe des Romans wechselnden Anzahl von Kindern. In Abgrenzung von seinem Vater, einem melancholischen Bohémien, der hochverschuldet starb, hat er von früher Jugend an hart und zielgerichtet gearbeitet und fühlt sich durch seinen Erfolg in der Überzeugung bestätigt, das Schicksal eines Menschen hänge von seinem Willen ab. Doch ein Rest von Selbstzweifel verlässt ihn nie und führt immer wieder zu Ungeduld, Jähzorn, unnötigen Bezeugungen von Härte, die ihm eher Kritik als Anerkennung eintragen.

Mit großer Sorge verfolgt er die Entwicklung seines ältesten Sohnes Nwoye, zu Beginn des Romans zwölf Jahre alt, und ist froh über den Einfluss, den Ikemefuna auf ihn ausübt, ein Fünfzehnjähriger, den er zu Beginn des Romans in seinem Haushalt aufnimmt. Ikemefuna wurde als Ausgleich für ein Mordopfer an Okonkwos Dorf gegeben. Als das Orakel einige Jahre später seinen Tod befiehlt, nimmt Okonkwo entgegen dem Rat seiner Freunde an dieser Vergeltungsaktion teil, führt sogar den tödlichen Hieb; eine Tat, die er anschließend nur schwer verwinden kann, obwohl er sie sich selbst und seinen Freunden gegenüber stets rechtfertigt. Nwoye, der nur ahnt, dass Ikemefuna tot ist, zieht sich endgültig von seinem Vater zurück, wenn auch nicht offen.

Unkomplizierter ist die Beziehung zu seiner Lieblingstochter Ezinma, einige Jahre jünger als Nwoye und einziges überlebendes von zehn Kindern seiner zweiten Frau Ekwefi. Sie hätte ein Junge werden sollen, denkt Okonkwo oft und tatsächlich besteht über ihre Pubertät hinweg ein Band wortlosen Einverständnisses zwischen Vater und Tochter.

Als Einzelkind nimmt Ezinma auch anderen Erwachsenen gegenüber eine besondere Stellung ein, angefangen bei ihrer Mutter, die sie ängstlich umsorgt und früh als Erwachsene anzusehen beginnt. "Meine Tochter" nennt deren Freundin Chielo sie, die den üblichen weiblichen Tätigkeiten nachgeht und nebenher das Amt der Priesterin ausübt (das Orakel spricht durch ihren Mund). In dieser Funktion entführt sie Ezinma eines Nachts und wandert mit dem Mädchen auf dem Rücken durch das ganze Siedlungsgebiet des Clans, heimlich gefolgt von der zu Tode geängstigten Mutter.

Was jetzt passieren könnte, ob Ezinma etwa in den Dienst der Götter treten soll, bleibt im Dunkeln, denn kurz darauf wirft ein tragischer Zufall alle Pläne über den Haufen: Auf einer Beerdigung löst sich unbeabsichtigt ein Schuss aus Okonkwos Gewehr und tötet einen jungen Mann. Zur Sühne wird Okonkwo mit seiner Familie für sieben Jahre verbannt. Diese Jahre verbringt er beim Clan seiner Mutter, freundlich aufgenommen, aber bis zum letzten Tag verbittert darüber, ohne eigenes Zutun so lange an der Verfolgung seiner weiterhin ehrgeizigen Pläne gehindert zu sein.

Die Missionsstation der Weißen nimmt er erst nicht ernst; ihr Glaube an einen einzigen Gott, der alle Menschen gleich liebt und ohne Frau einen Sohn hat, erscheint ihm wie den meisten lächerlich und unlogisch. Die Außenseiter des Dorfes, darunter Nwoye, sind die ersten, die sich dazu bekehren. Die Schule der Weißen erweckt größeres Interesse, als sich herausstellt, dass man mit den dort erworbenen Erkenntnissen gutes Geld verdienen kann. Diese Phase der Kolonialisierung erscheint wie ein die einheimischen Gesellschaftsstrukturen dynamisierender Wettkampf zwischen nicht unbedingt ungleichen Kräften.

Als Okonkwo nach sieben Jahren in sein eigenes Dorf zurückkehren kann, treten die tatsächlichen Machtverhältnisse deutlicher zu Tage. Ein Verhandlungstermin zwischen Dorfräten und Vertretern der Kolonialverwaltung stellt sich als Falle heraus. Die Männer, darunter Okonkwo, werden von den Gerichtsdienern gefangen genommen und so lange festgehalten und gedemütigt, bis die Dorfgemeinschaft ein überhöhtes Bußgeld bezahlt. Die anschließende Dorfversammlung wird von denselben Gerichtsdienern aufgelöst. Okonkwo erschlägt einen von ihnen. An der Reaktion der anderen merkt er, dass er auf verlorenem Posten steht, dass niemand mehr wagt, gegen das neue Regime zu kämpfen. Er erhängt sich und verliert dadurch die Ehre, die ihm sein ganzes Leben lang so wichtig war.

Für den Kolonialbeamten, der befiehlt, seine Leiche abzuschneiden, ist dieses Leben, das er ja auch gar nicht kennt, nur eine kleine Anekdote in dem Buch, das er eines Tages schreiben will und mit dem er sich einreihen würde in die lange Liste der Weißen, die sich berufen fühlen, anderen Weißen erklären, wie Afrikaner sind und wie man mit ihnen umzugehen hat.

Werke

  • Things Fall Apart (1958) (deutsch: Okonkwo oder Das Alte stürzt)
  • No Longer at Ease (1960) (deutsch: Heimkehr in ein fremdes Land)
  • The Sacrificial Egg and Other Stories (1962) (Kurzgeschichten)
  • Arrow of God (1964) (deutsch: Der Pfeil Gottes)
  • A Man of the People (1966) (deutsch: Man of the People)
  • Chike and the River (1966)
  • Beware, Soul-Brother, and Other Poems (1971) (Gedichte)
  • How the Leopard Got His Claws (1972) (zusammen mit John Iroaganachi)
  • Girls at War (1973) (Kurzgeschichten)
  • Christmas at Biafra, and Other Poems (1973) (Gedichte)
  • Morning Yet on Creation Day (1975) (Essays)
  • The Flute (1975)
  • The Drum (1978)
  • Don't Let Him Die: An Anthology of Memorial Poems for Christofer Okigbo (1978) (Zusammen mit Dubem Okafor herausgegeben)
  • Aka Weta: An Anthology of Igbo Poetry (1982) (Mitherausgeber)
  • The Trouble With Nigeria (1984)
  • African Short Stories (1984) (Kurzgeschichten)
  • Anthills of the Savannah (1988) (deutsch: Termitenhügel in der Savanne)
  • Hopes and Impediments (1988) (Essays)
  • Home and Exile (2000) (Essays)
  • Collected Poems (2004) (Gedichte)

deutschsprachige Ausgaben

  • Chinua Achebe: Okonkwo oder Das Alte stürzt. edition suhrkamp, Frankfurt 1983/2002
  • Chinua Achebe: Termitenhügel in der Savanne. edition suhrkamp, Frankfurt 1991/2002
  • Chinua Achebe: Der Pfeil Gottes. Peter Hammer Verlag, Wuppertal 1994/2002
  • Chinua Achebe: Heimkehr in ein fremdes Land. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002
  • Chinua Achebe: Ein Bild von Afrika. Essays (Über Joseph Conrads "Herz der Finsternis"), Alexander Verlag, Berlin, 2000

Quellen

  1. Bedeutung von Chinualumogu in Nigerian.name

Weblinks


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