Curacao

Curaçao (Papiamentu: Kòrsou) ist mit rund 444 km² die größte Insel der Niederländischen Antillen in der Karibik.

Lage Curaçaos

Inhaltsverzeichnis

Geographie und Klima

Karte von Curaçao

Die Insel liegt bei 12° 11′ N, 68° 59′ W12.186111111111-68.9894444444447Koordinaten: 12° 11′ N, 68° 59′ W und in ca. 60 km Entfernung zum Festland (nördlich von Venezuela und nordöstlich von Kolumbien). Westlich von Curaçao befindet sich die Insel Aruba, die bis 1986 ebenfalls zu den Niederländischen Antillen gehörte, östlich die Insel Bonaire. Zusammen mit dieser gehört Curaçao innerhalb der Niederländischen Antillen geographisch zu den Inseln unter dem Winde, während die anderen drei politisch zu diesen gehörenden Inseln (Saba, Sint Eustatius und Sint Maarten) zu den Inseln über dem Winde gehören. Südöstlich liegt Klein Curaçao, eine besonders bei Tauchern beliebte unbewohnte Insel, auf der nur ein Leuchtturm steht.

Die Inseln Aruba, Bonaire und Curaçao werden auf Grund ihrer Anfangsbuchstaben zusammengefasst auch als ABC-Inseln bezeichnet.

Curaçao liegt im direkten Einflussgebiet des Nordost-Passats. Da die Insel zu flach für Steigungsregen ist, bringen die Luftmassen nur relativ wenig Regen auf die Insel und da die Niederschläge auf Curaçao nicht regelmäßig erfolgen, gibt es auf der Insel keine permanenten Flüsse. Es herrscht ein semiarides Tageszeitenklima mit einem durchschnittlichen Jahresniederschlag von 550 mm und einer Jahresdurchschnittstemperatur von fast 28 °C. Die jährlichen Niederschlagsmengen sind mit Werten zwischen 200 und 1200 mm dabei jedoch recht starken Schwankungen unterworfen.

Bevölkerung

Im Jahre 2005 lebten 135.882 Einwohner auf Curaçao, was einer Bevölkerungsdichte von 306 Ew./km² entspricht. Der größte Teil der Bevölkerung konzentriert sich auf die Hauptstadt Willemstad und den urbanen Raum rund um das Schottegat im zentral-östlichen Teil der Insel.

Die Bevölkerung Curaçaos setzt sich aus einer bunten Mischung verschiedener Völker zusammen. Die meisten von ihnen sind Nachkommen ehemaliger afrikanischer Sklaven. Mit nur 6 % stellen weiße Niederländer dagegen eine kleine Minderheit in der Bevölkerung dar. Von den ursprünglichen Einwohnern, den Arawak-Indianern, leben heute nur noch sehr wenige auf der Insel. Nachfahren von sephardischen Juden, die im 17. Jahrhundert aus Spanien und Portugal vor der Inquisition geflohen waren, und für die Ölindustrie auf die Insel geholte Gastarbeiter aus Asien, Südamerika und der Karibik runden das multikulturelle Bild ab.

Eine Familie hat im Durchschnitt 2 Kinder; Männer werden etwa 73 Jahre, Frauen etwa 77 Jahre alt (zum Vergleich Niederlande insgesamt: Männer ca. 77, Frauen ca. 82 Jahre[1]). Der Alphabetisierungsgrad ist hoch, etwa 96 % der Bevölkerung über 15 Jahren können lesen und schreiben.

Sprachen

Die Niederländische Sprache ist Amtssprache, aber Papiamentu (eine Kreolsprache mit spanischen, portugiesischen, niederländischen und englischen Elementen) ist auch eine offizielle Sprache und herrscht in der Praxis weitgehend als dominierende gesprochene Sprache vor. Das Papiamentu ist hoch entwickelt: es gibt z.B. zahlreiche Literaturwerke. Englisch- und Spanischkenntnisse sind verbreitet.

Willkommen auf Papiamentu = "Bon Bini"

Flagge

Flagge von Curaçao

Die Flagge von Curaçao hat einen blauen Hintergrund mit einem gelben Streifen nahe dem unteren Rand. In der oberen linken Ecke finden sich zwei weiße, fünfzackige Sterne. Das Blau symbolisiert das Meer und den Himmel (geteilt durch die gelbe Sonne). Die zwei Sterne repräsentieren Curaçao und die Nachbarinsel Klein Curaçao, die fünf Zacken stehen für die Kontinente, aus denen Curaçaos Bewohner stammen.

Geschichte

Die Insel ist seit ungefähr 4000 v.Chr. von indianischen Ureinwohnern besiedelt. Eine weitere, höher entwickelte indianische Kultur bildete sich nach einer zweiten Besiedelungswelle um ca. 1500 v.Chr. Die Zeichnungen sind heute noch an der Hatohöhle sichtbar.

Die (europäische) Entdeckung der Insel 1499 durch den Spanier Alonso de Ojeda führte bereits nach wenigen Jahren dazu, dass die indianischen Ureinwohner zur Zwangsarbeit aufs Festland deportiert wurden. 1527 begannen die Spanier schon mit der Re-Popularisation. Die nächsten Jahrzehnte blieb die Insel spanisch.

1634 eroberte eine Expedition von Johan van Walbeeck Curaçao für die Niederländische Westindien-Kompanie. Unter Generaldirektor Jacob Pieters Tolck wurde die Insel zum Zentrum für den karibischen Sklavenhandel und blieb dies bis 1863, als die Sklaverei von den Niederlanden abgeschafft wurde. Die Insel blieb niederländisch, bis die Briten die Insel während der napoleonischen Kriege – ähnlich wie Südafrika – besetzten. 1816 kam sie wieder an die Niederlande zurück.

Ab den 1860er Jahren verlor die wirtschaftliche Position von Curaçao an Bedeutung und wurde erst mit den Erdöl-Entdeckungen der 1930er Jahre wieder erheblich verbessert.

Heute basiert die Wirtschaft auf fünf Säulen: Erdöl, Hafen, Tourismus, Offshore-Banking und (limitierte) lokale Produktion.

Die Niederländischen Antillen sind seit 1954 innenpolitisch völlig autonom, lediglich die Außen- und Verteidigungspolitik wird durch die Niederlande wahrgenommen.

Die militärische Bedeutung der strategischen Lage der Insel, die den größten natürlichen Innenhafen der westlichen Hemisphäre besitzt, wurde im Juni 2006 nochmals unter Beweis gestellt, als ein großes Militärlandemanöver auf der Insel stattfand. An der Joint-Caribe Lion 2006 (J-CL06)-Übung nahmen Soldaten aus Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Großbritannien und den USA teil.

Politik

Voraussichtlich bis 2010 wird der Landesverband der Niederländischen Antillen aufgelöst. Dann wird Curaçao ein eigenständiges Bundesland innerhalb des Königreiches der Niederlande, neben den Niederlanden, Aruba und Sint Maarten.

Am 15. Mai 2009[2][3] findet jedoch nochmals ein Referendum statt, bei dem die Bevölkerung Curaçaos aus folgenden vier Möglichkeiten wählen kann:

  • a) Status quo - Curaçao bleibt teil der sich auflösenden Niederländischen Antillen
  • b) Curaçao wird ein eigenes Land innerhalb des Niederländischen Königreiches
  • c) Curaçao wird ein Teil der Niederlande - eine besondere Gemeinde der Niederlande (vgl. Status von Bonaire, Saba und Sint Eustatius)
  • d) Unabhängigkeit vom Niederländischen Königreich

Dieses verkündete ein Regierungssprecher am 2. Januar 2009. Dass nun auch die Möglichkeit c (Teil der Niederlande) auf dem Stimmzettel steht, ist wohl den Protesten aus der Bevölkerung nach der Abstimmung auf der Nachbarinsel Bonaire im Oktober 2005 zu verdanken. Bei der damaligen Abstimmung (die 2005 auf allen 5 Inseln der Niederländischen Antillen gehalten wurde) konnte die Bevölkerung auf Curaçao nur zwischen den heutigen Varianten a, b und d wählen, während die Wähler auf den 4 anderen Inseln auch die Möglichkeit c zur Auswahl hatten. Die Regierung ist an den Ausgang des Referendums gebunden.

Willemstad

Blick auf Willemstad

Die Hauptstadt von Curaçao ist Willemstad. Die Innenstadt von Willemstad mit den Stadtteilen Punda (Deutsch: Zacke) und Otrabanda (Deutsch: die andere Seite) beherbergen viele historische Gebäude. Willemstad zählt zahlreiche Monumente des UNESCO-Welterbes.

Wirtschaft

Strand

Die größten Industriezweige der Insel sind der Tourismus und die Erdölraffinerie. Weiterhin hat die Rolle als Offshore-Finanzplatz eine große Bedeutung. Offizielle Währung ist der Niederländische-Antillen-Gulden. Die Arbeitslosigkeit auf der Insel liegt bei 15 % (2006).

Verkehr

Der Flughafen wird von der KLM von Amsterdam täglich angeflogen.

Kulinarische Spezialitäten

Aus den Schalen von Bitterorangen (Pomeranzen), die auf der Insel wachsen, wird der nach der Insel benannte Likör Curaçao hergestellt. Die Schalen werden mazeriert und dabei in Alkohol eingelegt, der Aroma und Farbstoffe herauslöst. Danach werden blaue, seltener rote Farbstoffe zugesetzt. Nach der Farbe wird das Getränk dann als „Blue Curaçao“ oder „Red Curaçao“ bezeichnet.

Söhne und Töchter der Insel

Weblinks

Quellen

  1. OECD Factbook 2008 mit Daten für 2005
  2. www.kuradigital.com
  3. www.coha.org

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  • Curacao — Cu ra*[,c]ao , Curacoa Cu ra*[,c]oa , (k?? r? s? ), n. A liqueur, or cordial, flavored with the peel from the sour orange, and sometimes with cinnamon and mace; first made at the island of Cura[,c]cao. [1913 Webster +PJC] …   The Collaborative International Dictionary of English

  • Curaçāo — (Curassao), eine der Kleinen Antilleninseln im SO. des Caraibischen Meeres an der Nordküste von Venezuela, die größte der niederländischen Besitzungen in Westindien, 9,25 QM.; ein kahler, flacher Felsen, an vielen Stellen nur mit [587] Zoll Erde… …   Pierer's Universal-Lexikon

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