Action Directe (Untergrundorganisation)
Logo der Action Directe

Die Action Directe war eine linksradikale Terrororganisation in Frankreich, die unter anderem für die Ermordung von General René Audran und Renault-Chef Georges Besse verantwortlich war. Die Gruppe gründete sich 1979 und wurde 1987 zerschlagen. Ihre Selbstbezeichnung leitet sich von der Praxis der direkten Aktion ab.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Hintergrund

Ende der 1970er Jahre gab es in Frankreich drei Arten von Terrorismus: den separatistischen in der Bretagne, in Korsika und dem Baskenland, den nahöstlichen und den linksradikalen durch die Action Directe (AD). Die AD war aus einem Zusammenschluss von Autonomen, Anarchisten und spanischen Emigranten, die vor dem Franco-Regime geflohen waren, hervorgegangen, nicht direkt aus der Studentenbewegung von 1968.

Radikalisierung und Aktionen

Es wurden ähnlich radikale Töne wie in Italien und Westdeutschland angeschlagen, doch in Handlungen äußerte sich das propagierte Gewaltpotential erst später und auch nicht so ausgeprägt wie dort. Im Laufe der Jahre 1979 bis 1980 sorgte die AD mit nächtlichen Bombenanschlägen und Maschinengewehrsalven gegen Gebäude für Aufsehen. Ziel waren öffentliche Einrichtungen wie der Sitz der Gegenspionagebehörde DST, das Entwicklungshilfeministerium, die Gendarmerie oder das Verkehrsministerium. 1983 kam es zum ersten Mordanschlag.

Erst später radikalisierte sich die AD mit gezielten Attentaten auf René Audran 1985 und Georges Besse 1986.

Der Sprengstoffanschlag auf die Rhein-Main Air Base 1985 wurde von der westdeutschen RAF und der Action Directe gemeinsam durchgeführt. Außerdem benannten sich Kommandos beider Gruppen nach Mitgliedern der jeweils anderen Organisation. Weitere Zusammenarbeit beider Gruppen ist nicht nachgewiesen. Jedoch waren die Kontakte der RAF zur Action Directe wahrscheinlich intensiver als zu allen anderen Gruppen. Am 15. Januar 1986 haben die RAF und die AD ein gemeinsames ideologisches Dokument veröffentlicht: „Die wesentlichen Aufgaben der kommunistischen Guerilla in Westeuropa“.

Als die Action Directe Anfang der 80er Jahre erstmals öffentlich in Aktion trat, reagierten die sozialistische Regierung sowie Präsident François Mitterrand zunächst relativ zurückhaltend: Anders als in der Bundesrepublik sahen weder die politischen Eliten noch die Öffentlichkeit die staatliche Ordnung durch terroristische Gruppierungen unmittelbar gefährdet; schließlich waren die französischen Kommunisten zu dieser Zeit an der Regierung beteiligt. Außerdem nahm Frankreich damals in Italien verfolgte Linke auf, um sie vor staatlicher Verfolgung zu schützen. All dies führte dazu, dass anarchistische und andere linksgerichtete Häftlinge im Herbst 1981 von einer Amnestie profitierten und freikamen, darunter Jean-Marc Rouillan, einer der Anführer von Action Directe.

Als jedoch ab den Jahren 1983/84 Action-Directe-Kommandos für erste Todesopfer verantwortlich waren, ging vor allem die Öffentlichkeit auf Distanz: Die großen linksliberalen Tageszeitungen wie Le Monde und Libération verurteilten die Action Directe und kritisierten den fehlenden Bezug zur Arbeiterklasse, in deren Namen die Gruppe angeblich agierte. Nach den Morden an René Audran im Januar 1985 und Renaultchef Georges Besse im November 1986 gab auch der Staat seine laxe Haltung gegenüber der Action Directe auf: Die Polizei schrieb die Führungsgruppe um Jean-Marc Rouillan und Nathalie Ménigon zur Fahndung aus.

Schlag gegen die Kerngruppe

Wenige Monate später gelang ein wesentlicher Schlag gegen die Action Directe: Am 21. Februar 1987 wurden die Gründer der Gruppe, neben Rouillan und Ménigon auch Régis Schleicher, Joëlle Aubron und Georges Cipriani auf einem Bauernhof nahe Orléans festgenommen und die Action Directe zerfiel.

Am 27. November 1987 wurde Max Frérot in Lyon verhaftet. Er wurde später wegen diverser terroristischer Straftaten zu lebenslanger Haft verurteilt. Am 12. Juni 2007 erhielt Frérot nach einem jahrelangem Prozess 12.000 € Entschädigung zugesprochen, weil er in der Haft mehrfach ohne Notwendigkeit erniedrigend behandelt wurde. [1]

Haftaktionen und -bedingungen

Ein Hungerstreik der Gefangenen wurde Ende Januar 2001 abgebrochen. Rouillan wurde in ein Gefängnis in der Nähe seiner Angehörigen verlegt, Ménigon und Cipriani erhielten medizinische Hilfe für die Folgen der Langzeitisolation. Von Seiten der Unterstützer und Gefangenen wurde dieser Hungerstreik als Teilerfolg bewertet. [2] 2006 baten die drei Häftlinge nach Verbüßung einer Mindeststrafe von 18 Jahren um Freilassung auf Bewährung. Sie wurde ihnen jedoch wegen fehlender Reue verweigert.[3] Am 2. August 2008 wurde Ménigon freigelassen.[4]

Literatur

  • Michael Y. Dartnell: Action Directe: Ultra Left Terrorism in France 1979-1987, Frank Cass Publishers 1995, ISBN 0714642126
  • Roland Jacquard: La longue traque d'Action directe, Albin Michel, 1987, ISBN 2226031464

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Gerichtsurteil vom 12. Juni 2007
  2. Angehörigen Info Nr. 242 vom 16. Februar 2001, S. 12
  3. http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2345837,00.html
  4. http://www.lemonde.fr/societe/article/2008/08/02/l-ex-militante-d-action-directe-nathalie-menigon-est-sortie-de-prison_1079670_3224.html

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