Actos
Strukturformel


(S)-Pioglitazon (links) und (R)-Pioglitazon (rechts)

Allgemeines
Freiname Pioglitazon
Andere Namen
  • Pioglitazonum
  • (RS)-5-{p-[2-(5-Ethyl-2-pyridyl)ethoxy]benzyl}-
    2,4-thiazolidindion
Summenformel
  • C19H20N2O3S (Pioglitazon)
  • C19H20N2O3S·HCl (Pioglitazon·Hydrochlorid)
CAS-Nummer
  • 111025-46-8 (Pioglitazon)
  • 112529-15-4 (Pioglitazon·Hydrochlorid)
PubChem 77999
ATC-Code

A10BG03

DrugBank DB01132
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Insulin-Sensitizer

Fertigpräparate

Actos®, Glustin®

Eigenschaften
Molare Masse
  • 356,4 g·mol−1(Pioglitazon)
  • 392,90 g·mol−1 (Pioglitazon·Hydrochlorid)
Schmelzpunkt
  • 183−184 °C (Pioglitazon)[1]
  • 193−194 °C (Pioglitazon·Hydrochlorid)[1]
Löslichkeit

löslich in Dimethylformamid, schwachlöslich in Ethanol, wenig löslich in Aceton und Acetonitril, unlöslich in Wasser und in Ether (Pioglitazon·Hydrochlorid)[1]

Sicherheitshinweise
Gefahrstoffkennzeichnung

unbekannt
R- und S-Sätze R: ?
S: ?
Bitte beachten Sie die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Pioglitazon ist ein Arzneistoff aus der Grupper der Insulin-Sensitizer, der zur Behandlung der nicht-insulinabhängiger Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2) in Form von Tabletten eingesetzt wird. Das Wirkprinzip ist eine Sensibilisierung (Steigerung der Empfindlichkeit) des Gewebes auf Insulin. Das körpereigene Insulin ist folglich wieder in der Lage erhöhte Blutzuckerspiegel zu senken.

Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Bei übergewichtigen Patienten wird Pioglitazon in Kombination mit Metformin verwendet. Das Medikament wird oral verabreicht. Bei Patienten, die Metformin nicht vertragen oder bei denen Metformin kontraindiziert ist, kann Pioglitazon in einer Monotherapie (nur Pioglitazon) oder Kombination mit einem Sulfonylharnstoff eingesetzt werden. Es ist ferner möglich Pioglitazon in einer Triple-Therapie (zusammen mit Metformin und Sulfonylharnstoffen) einzusetzen, auch die Kombination mit Insulin ist möglich. Die Einnahme der Tabletten kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Die Wirkung von Pioglitazon tritt nicht sofort ein, sondern ist erst nach etwa 4 Wochen vollständig ausgebildet. Eine Ausnahme bildet die Kombination mit Insulin, da hierbei die Wirkung des Insulins direkt verstärkt wird. Es sollte eine engmaschige Kontrolle der Blutzuckerwerte erfolgen, um Hypoglykämien (Unterzuckerungen) zu vermeiden.

Wirkmechanismus

In den Körperzellen aktiviert Pioglitazon im Zellkern den PPARg-Rezeptor (Peroxisom-Proliferator-aktivierten Rezeptor-gamma). Dieser Rezeptor ist an der Regulation verschiedener Mechanismen im Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel beteiligt. Die Aktivierung dieses Rezeptors erhöht die Sensitivität der Zellen von Leber, Muskulatur und Fettgewebe für Insulin. Fettbausteine und Glukose werden dadurch vermehrt in die Zellen aufgenommen und verstoffwechselt. In der Leber verringert sich die Neubildung von Glukose.

Der Blutzuckerspiegel sinkt sowohl in nüchternem Zustand als auch nach den Mahlzeiten ab. Auch erhöhte Insulinkonzentrationen nach den Mahlzeiten werden gesenkt. Durch die verstärkte Wirkung vorhandenen Insulins benötigt der Körper nur noch geringere Mengen Insulin. Eine bestehende Insulinresistenz nimmt durch die Gabe von Pioglitazon daher ab.

Der Wirkstoff Pioglitazon verringert, nach dem gleichen Mechanismus wie alle Glitazone, die Insulinunempfindlichkeit (Insulinresistenz) des Fettgewebes, der Muskulatur und der Leber und senkt so den Blutzuckerspiegel. Außerdem kann Pioglitazon die Zuckerproduktion in der Leber verringern und die Zuckerverwertung im Körper, beispielsweise in der Muskulatur, verbessern. Dadurch wird zusätzlich der Zuckerstoffwechsel optimiert.

Neben der Verbesserung der Wirkung des körpereigenen Insulins verstärkt Pioglitazon auch die Wirkung von zugeführtem Insulin. Der Wirkungseintritt des Pioglitazon, der bei Einzeltherapie etwa zwei bis drei Wochen auf sich warten lässt, tritt in der Kombination mit Insulin wesentlich schneller ein. Bei Einnahme von Pioglitazon muss der Patient teilweise seine Insulindosis um bis zu 30 Prozent senken, um Unterzuckerungen vorzubeugen. Manchmal ist es sogar möglich, das Insulin ganz abzusetzen. Allerdings darf die Umstellung auf die Kombination nur unter Kontrolle eines in der Behandlung von Diabetes erfahrenen Arztes und mit sehr häufigen Nachuntersuchungen geschehen[2].

Gegenanzeigen

Patienten mit Leberfunktionsstörungen dürfen Pioglitazon nicht angewenden. Außerdem dürfen Patienten mit Herzinsuffizienz, also Herzschwäche, Pioglitazon nicht erhalten. Das gilt auch, wenn die Herzschwäche in der Vergangenheit vorlag.

Es gibt keine Erfahrungen mit der Anwendung von Pioglitazon bei schwangeren Frauen und stillenden Müttern. Der Einsatz der Substanz bei diesen Patientinnen muss daher unterbleiben. Für die Anwendung von Pioglitazon bei Patienten mit schwerer Einschränkungen der Nierenfunktion, bei Dialysepatienten sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren gibt es bislang keine ausreichende Erfahrung. Pioglitazon sollte deshalb auch bei diesen Patientengruppen nicht eingesetzt werden.

Nebenwirkungen

Die verstärkte Aufnahme von Fettbausteinen aus dem Blut hat die unerwünschte Folge, dass vermehrt Körperfett und Fettgewebe gebildet wird und so Übergewicht resultiert. Das Körpergewicht kann daher während einer Behandlung mit Pioglitazon ansteigen. Regelmäßige Gewichtskontrollen sind daher erforderlich. Über einem Anstieg des Körpergewichts sollte auch der Arzt informiert werden. Außerdem kann durch Pioglitazon die Wassermenge im Körper ansteigen und auch eine verstärkte Wassereinlagerungen im Gewebe auftreten.

Stereoisomerie

Pioglitazon ist chiral und enthält ein Stereozentrum, es gibt also zwei Enantiomere, die (R)-Form und die (S)-Form. Die Handelspräparate enthalten den Arzneistoff als Racemat in Form des Hydrochlorids.

Herstellung

Mehrere verschiedene vielstufige Synthese für Pioglitazon sind in der Literatur beschrieben. [3]

Referenzen:

  1. a b c The Merck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage, 2006, S. 698, ISBN 978-0-911910-00-1.
  2. medikamente.onmeda.de
  3. Axel Kleemann, Jürgen Engel, Bernd Kutscher und Dietmar Reichert: Pharmaceutical Substances, 4. Auflage (2000), 2 Bände erschienen im Thieme-Verlag Stuttgart, ISBN 978-1-58890-031-9; seit 2003 online mit halbjährlichen Ergänzungen und Aktualisierungen.

Weblinks


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