DIE ZEIT
Die Zeit
Die Zeit Logo
Beschreibung Wochenzeitung
Verlag Zeitverlag Gerd Bucerius
Erstausgabe 21. Februar 1946
Erscheinungsweise wöchentlich / donnerstags
Auflage
(IVW Q4/2008)
546.515 Exemplare
Reichweite
(MA 2007 )
2,12 Mio. Leser
Chefredakteur Giovanni di Lorenzo
Herausgeber Helmut Schmidt,
Josef Joffe,
Michael Naumann
Weblink zeit.de
Artikelarchiv 1946 ff.
ISSN 0044-2070

Die Zeit (Eigenschreibweise DIE ZEIT) ist eine überregionale deutsche Wochenzeitung, die erstmals am 21. Februar 1946 erschien. Seit 1996 gehört sie zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Sie erscheint jeden Donnerstag, an Feiertagen wird der Erscheinungstag in der Regel vorgezogen.

Sitz der Zeit ist seit ihrer Gründung Hamburg. Zielgruppe sind traditionell vor allem Akademiker bzw. Bildungsbürger. Ihre politische Haltung gilt als liberal. Bei kontroversen Themen werden zur unabhängigen Meinungsbildung des Lesers zuweilen auch unterschiedliche Positionen gegenübergestellt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die erste Ausgabe der Zeitung erschien am 21. Februar 1946 in einer Auflage von 25.000 Exemplaren als Blatt der so genannten Lizenzpresse. Laut Media-Analyse erreichte sie 2007 rund 2,12 Millionen Leser. Die verkaufte Auflage betrug im dritten Quartal 2008 laut IVW 483.865 Exemplare.

Pressehaus in Hamburg
Das Logo am Hamburger Pressehaus

Die ersten Herausgeber der Zeit waren Gerd Bucerius, Lovis H. Lorenz, Richard Tüngel und Ewald Schmidt di Simoni. Sie hatten bereits während der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs geplant, eine bürgerliche Zeitung herauszugeben. Erster Chefredakteur wurde Ernst Samhaber. Am 1. März 1946 stieß Marion Gräfin Dönhoff zur Redaktion. In wechselnden Positionen – von 1972 an bis zu ihrem Tod 2002 als Herausgeberin – prägte sie die Zeitung.

Das Logo der Wochenzeitung Die Zeit gestaltete der Wiener Jugendstilkünstler Carl Otto Czeschka. Es zeigt den Schlüssel des Bremer Stadtwappens beim Sitz der Zeitung in Hamburg. Dort hatte die Stadtregierung die ursprüngliche Verwendung des Hamburger Tors als Missbrauch eines Hoheitszeichens untersagt. Der Bremer Bürgermeister Wilhelm Kaisen genehmigte hingegen die kostenfreie Nutzung.

In den ersten Jahren erwirtschaftete die Zeit Defizite und musste aus den Einnahmen von Bucerius' Illustrierter Stern subventioniert werden. Die Zeit fungierte in zahlreichen Artikeln als medialer "Vorreiter der Wiederbewaffnung in den fünfziger Jahren" mit Autoren wie zum Beispiel dem ehemaligen Pressechef des Auswärtigen Amtes im Nationalsozialismus Paul Karl Schmidt alias Nachkriegsbestsellerautor Paul Carell, der damals in der Zeit "unter dem Pseudonym P.C. Holm" schrieb.[1]. 1955 kam es zu einer Redaktionskrise der Zeit. Tüngel, der inzwischen Chefredakteur geworden war, hatte einen Text des NS-Staatsrechtlers Carl Schmitt veröffentlicht. Aus Protest dagegen verließ Marion Gräfin Dönhoff nach zehn Jahren die Redaktion. Kurz darauf versuchte er, den CvD Josef Müller-Marein zu entlassen, nachdem der in einem Artikel den amerikanischen Politiker Joseph McCarthy für dessen Kommunistenverfolgung scharf kritisiert hatte. Nach diesen Vorkommnissen wurde Tüngel entlassen, was die Rückkehr Dönhoffs ermöglichte und gleichzeitig eine Entscheidung über die politische Linie der Zeitung darstellte. Seit dem 1. Juli 1996 gehört die Zeit zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Geschäftsführer des Verlags ist Rainer Esser.

Als Autoren der Zeit schrieben unter anderem Walter Jens (unter dem Pseudonym Momos) und Ben Witter Artikel.

Mit Wirkung zum 1. Juni 2009 wird die von Dieter von Holtzbrinck neu gegründete Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH (DvH Medien) 50 % der Anteile am Zeitverlag von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck übernehmen. Die operative Führung wird ebenfalls an Dieter Holtzbrinck übergehen.[2]

Mitarbeiter und Ressorts

Herausgeber sind gegenwärtig Altbundeskanzler Helmut Schmidt (seit 1983), Josef Joffe und der ehemalige Staatsminister für Kultur, Michael Naumann. Naumann ließ sich ab dem 8. März 2007 beurlauben, um als Bürgermeisterkandidat für die SPD bei der Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft 2008 anzutreten. Darüber hinaus bezeichnet die Zeit auch die 2002 verstorbene Marion Gräfin Dönhoff noch als Herausgeberin.

Chefredakteur ist Giovanni di Lorenzo, stellvertretende Chefredakteure sind Matthias Naß und Bernd Ulrich. Die Redaktion hat derzeit etwa 115 feste Angestellte und zehn Ressorts:

Den Abschluss einer jeden Ausgabe bildet auf der letzten Seite ein geschichtlicher Rückblick auf ein historisches Thema mit aktuellem Bezug unter dem Titel „Zeitläufte“; dies wird von Benedikt Erenz geleitet. Jedes Ressort hat sechs bis zehn Redakteure. Die Zeitung unterhält Redaktionsbüros in Frankfurt am Main, Berlin, London, Brüssel, Paris, Moskau und Washington D. C. und hat Auslandskorrespondenten in Aalborg, Jerusalem, Johannesburg, New York und Peking.

Die Zeit entsteht in den Druckereien Frankfurter Societäts-Druckerei in Mörfelden-Walldorf, Axel Springer AG in Essen-Kettwig und Axel Springer Verlag in Ahrensburg. Der Vertrieb liegt bei Gruner + Jahr, Hamburg.

Nach der Einstellung der farbigen Zeitschriften-Beilage Zeit-Magazin 1999 wurde in der Nachfolge das Zeit-Ressort „Leben“ unter der Leitung von Andreas Lebert eingerichtet. Besonders bekannt sind darin die wöchentlichen Kolumnen von Harald Martenstein, der meist recht sarkastisch, aber durchaus humorvoll über „Gott und die Welt“ philosophiert, sowie Wolfram Siebecks Koch-Seite. Seit der Zeit-Ausgabe vom 24. Mai 2007 ist das Ressort wieder in eine Zeitschriften-Beilage mit Titel Zeitmagazin Leben ausgegliedert. In dieser Beilage hatte Helmut Schmidt bis Ende Januar 2009 eine Kolumne mit dem Titel „Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt“.

Erscheinungsbild

Die Artikel der Zeit waren traditionell länger und üblicherweise nicht wie etwa bei Tageszeitungen auch nebenbei konsumierbar. Als Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff regelmäßig in vielen hundert Zeilen ihre Meinung kundgab, wurde die Titelseite gar als „Grabplatte“ verspottet. Seit ihrem Ausscheiden wurden die Artikel jedoch deutlich kürzer sowie intensiver bebildert.

Die Überschriften sind in der Tiemann-Antiqua gesetzt, die Fließtexte in der Garamond, einer typischen Buchschrift, die Zeitungen sonst selten verwenden. Das Redesign stammt von Mario García. Zuvor war jahrelang die Times verwendet worden.[3]

Das große Format, ein Markenzeichen der Zeit, wird seit je in Literatur und Kleinkunst – meist in satirischer Form – thematisiert: laut dem Schriftsteller Hanns Dieter Hüsch ist die Zeit z. B. „so groß, wenn man die aufschlägt, muss der Nachbar gleich zum Zahnarzt“.

An der Diskussion um die Rückkehr zur traditionellen deutschen Rechtschreibung, die der Spiegel, die Süddeutsche und Bild anführten, beteiligte sich die Zeit nicht. Sie verwendet seit 1999 eine eigene, sowohl von der traditionellen als auch von den verschiedenen Versionen der reformierten Rechtschreibung abweichende Hausorthographie.[4] Bis in die 1990er Jahre wurden Wörter griechischen Ursprungs wie Telephon und Photographie grundsätzlich mit ph geschrieben. Gemäß der Hausorthographie werden diese Wörter nun mit f geschrieben.

Zeit online

Das Internetangebot der Zeitung heißt Zeit online. Die eigenständige Online-Redaktion berichtet seit 1996 über das tagesaktuelle Geschehen. Derzeit arbeiten rund 30 festangestellte Redakteure, Grafiker und Techniker bei der 100-prozentigen Tochter des Zeit-Verlags. Chefredakteur war bis Ende Februar 2008 der frühere Zeit-Redakteur Gero von Randow. Seit 1. März 2008 ist der Journalist Wolfgang Blau sein Nachfolger.

Der Onlineauftritt setzt inhaltlich, technisch und grafisch deutlich andere Akzente als das gedruckte Blatt: Auf der Website finden sich Themen für eine jüngere Zielgruppe. Meldungen, Analysen und Hintergrundstücke werden exklusiv für die Website geschrieben, gesprochen oder gefilmt. Seit Juni 2008 besteht eine Kooperation mit dem ZDF. Zeit online zeigt seitdem das ZDF-Nachrichtenformat "100 Sekunden".[5] Die Online-Beiträge werden dabei nicht nur von der Online-Redaktion, sondern auch von Zeit-Redakteuren und freien Autoren verfasst. Auch Artikel der gedruckten Ausgabe werden online veröffentlicht.

Seit September 2006 gibt es eine News-Seite, auf der die Nachrichten des Onlineauftritts des Berliner Tagesspiegel übernommen werden. Dieser gehört ebenfalls zur Verlagsgruppe Holtzbrinck.

Technisch basiert das gesamte Redaktionssystem auf freier Software (Zope, Apache HTTP Server, PostgreSQL). Die durch Zeit online vorgenommenen Weiterentwicklungen werden der Entwicklergemeinde zurückgegeben.

Multimediale und nutzergenerierte Elemente wie Filme und Bildergalerien, aber auch Spiele und moderierte Leserdebatten sind Teil des Angebots. Im sogenannten Premium-Bereich gibt es kostenpflichtig Artikel aus der gedruckten Zeit-Ausgabe als Audiodateien und die komplette Ausgabe der Wochenzeitung als PDF. Für Abonnenten der Printausgabe ist das sogenannte E-Paper kostenlos.

Mit dem Zuender hat Zeit online ein eigenes Netzmagazin für die jüngere Leserschaft mit einer eigenen Redaktion betrieben. Das Projekt wurde Anfang 2009 eingestellt. 2006 startete zeitgleich zum neuen Print-Magazin Zeit Campus online, ebenfalls mit einer eigenen Redaktion. Und aus 50 Reportagen im Druckmedium entsteht seit Oktober 2007 der Zeit-Bildungskanon auch online.[6]

„Netz gegen Nazis“

Am 5. Mai 2008 startete Zeit-Online mit Partnern wie dem Deutschen Fußballbund, dem Deutschen Feuerwehrverband, dem Portalverbund SchülerVZ, StudiVZ und meinVZ, dem ZDF und dem Deutschen Olympischen Sportbund das Internetportal Netz gegen Nazis.[7] Das Portal erfuhr neben dieser Unterstützung jedoch auch Kritik von publizistischer Seite.[8] Am 1. Januar 2009 zog sich Die Zeit weitgehend aus dem Projekt zurück und überließ die Trägerschaft der Amadeu Antonio Stiftung. Eine nicht definierte "Kooperation" soll weiterhin bestehen.[9]

Verwandte Themen

Weitere Print-Publikationen des Verlags

Periodika

  • Zeit Campus, seit 2006, zweimonatlich
  • Zeit Wissen, seit 2004, zweimonatlich
  • Zeit Geschichte, seit 2005, vierteljährlich
  • Zeit Studienführer, jährlich

Bücher

Auf Basis der 15-bändigen Brockhaus Enzyklopädie erschien eine eigene 20-bändige Enzyklopädie (mit Wörterbuch). In Zusammenarbeit mit dem Brockhaus-Verlag erschien eine Welt- und Kulturgeschichte in 20 Bänden.

Literatur

  • Die Zeit. Wochenzeitung für Politik, Wirtschaft, Wissen und Kultur. Zeitverl. Bucerius, Hamburg 1946ff. (Ersch. wöchentl.) ISSN 0044-2070
  • DIE ZEIT und die Bonner Republik. Eine meinungsbildende Wochenzeitung zwischen Wiederbewaffnung und Wiedervereinigung. Hrsg. v, Christian Haase und Axel Schildt. Göttingen 2008.
  • Frank Bajohr: Der Mann, der bei der ZEIT Ernst Krüger war. Sechs Jahre lang, von 1950 bis 1956, schrieb er für unsere Zeitung unter falschem Namen. Erst jetzt wurde seine wahre Identität entdeckt: hinter "Ernst Krüger" verbarg sich der Diplomat und SS-General Erwin Ettl, in: Die Zeit Hamburg 2006,9 (23.Febr.), S.94. ISSN 0044-2070. Artikel bei ZEIT online
  • Ralf Dahrendorf: Liberal und unabhängig. Gerd Bucerius und seine Zeit. C.H. Beck, München 2000. ISBN 3-406-46474-2
  • Mathias von der Heide, Christian Wagner: "Weiter rechts als die CDU". Das erste Jahrzehnt der "Zeit". in: Lutz Hachmeister, Friedemann Sierung (Hrsg.): Die Herren Journalisten. Die Elite der deutschen Presse nach 1945. C.H. Beck, München 2002, S. 165-184. ISBN 3-406-47597-3
  • Karl-Heinz Janßen, Haug von Kuenheim, Theo Sommer (Hrsg.): DIE ZEIT. Geschichte einer Wochenzeitung 1946 bis heute. Siedler, Berlin 2006. ISBN 3-88680-847-5

Weblinks

Einzelnachweise

  1. DIE ZEIT und die Bonner Republik. Eine meinungsbildende Wochenzeitung zwischen Wiederbewaffnung und Wiedervereinigung. Hrsg. v, Christian Haase und Axel Schildt. Göttingen 2008, S. 245-263, 1.Zitat S. 245, 2.Zitat S. 261f.
  2. Meldung bei Zeit-Online, 26. März 2009; Machtwechsel in der Familie Holtzbrinck, meedia.de, 26. März 2009
  3. Mario García über Zeitungsdesign und seine Arbeit an der neuen ZEIT, Zeit.de, 1998
  4. Dieter Eduard Zimmer: "ZEITSchreibung – Neue Rechtschreibung in der ZEIT. Zusammengestellt und erläutert, kritisiert und vorsichtig repariert". 10.6.1999, Aktualisierung 25.9.1999. (lizenzierte Kopie?, PDF, 556 kB)
  5. "journalist" 8/2008
  6. Bildungskanon – von Zeit online
  7. Zeit-Online: Bohren, wo es wehtut
  8. Thomas Lindemann: "Ein Anti-Nazi-Netz, das wenig zu bieten hat" Die Welt vom 20. Mai 2008
  9. Robert Scholz: Amadeu-Antonio-Stiftung übernimmt "Netz gegen Nazis", Endstation Rechts. 25. Dezember 2008

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