Adalberon von Munsterol

Adalberon von Munsterol (Montreuil) (auch: Albero, Adalbero, * um 1080; † 18. Januar 1152 in Koblenz) war Erzbischof von Trier von 1131 bis 1152.

Als Erzbischof Meginher von Vianden in den Gefängnissen in Parma sitzt (1130) und der Domherr Bruno, bald darauf Erzbischof von Köln, am 7. Dezember die Wahl auf den Stuhl von Trier ablehnt, wählte die Geistlichkeit am 19. April 1131 Albero von Montreuil, den primicerius der Metzer Kirche, zum Erzbischof von Trier. In der Diözese Toul geboren war Adalbero des Deutschen nur unvollkommen mächtig, auch seiner ganzen Bildung nach französisch. Schon früh zeichnete er sich in den kirchlichen Bewegungen seiner Zeit als ein Mann von streitlustiger Tatkraft aus; ein eifriger Anhänger der päpstlichen Partei gegen die Kaiserlichen, galt er bald als eine Säule der kirchlichen Reformen, jeden päpstlichen Anspruch mit allen Mitteln seines gewandten Geistes zu verfechten stets bereit. Alle durch kirchliches Streben und Gelehrsamkeit bedeutenden Männer wusste er anzuziehen. Der weltlichen Seite war seine Wahl in Trier daher keineswegs willkommen und König Lothar erteilte ihm nur ungern die Regalien. Er selbst verweigerte sich anfangs der Wahl und ließ sich erst durch Papst Innozenz II. auf dem 4. Konzil zu Reims im Oktober desselben Jahres zur Annahme überreden.

Der verwilderte Zustand des Stiftes und der Übermut des Adels drückten dem neuen Erzbischof eher Schwert und Lanze, denn Stab und Buch in die Hand, und so sehen wir ihn denn vorzüglich als weltlichen Regenten und Reichsfürsten tätig. Er demütigte den Kirchenvogt, Burggraf Ludwig, der seinen Vorgänger völlig beherrscht hatte und dem er sich zunächst durch Verlegung seiner Residenz nach Pfalzel entzog. Die wichtigsten Ereignisse seiner Regierung waren sein Anteil an der Heerfahrt Kaiser Lothars nach Apulien mit 67 Rittern (September 1136), seine Ernennung zum apostolischen Legaten für Deutschland durch Innozenz II., den er in seinem Kampfe mit dem Gegenpapst Honorius II. auf das Kräftigste unterstützte, namentlich aber die von ihm mit List und Keckheit durchgesetzte Königswahl Konrads III. zu St. Kastor in Koblenz. Der Wahl folgte ebenso überraschend für die Gegenpartei und den herkömmlichen Formen hohnsprechend die Krönung in Aachen am 13. März. Es war Adalbero, dem König Konrad hauptsächlich diesen Sieg über seinen Gegner, Herzog Heinrich, verdankte. Großen Glanz verlieh seinem Pontifikate der Aufenthalt des heiligen Bernhard von Clairvaux in Trier (1147) und der Besuch des Papstes Eugen III. in derselben Stadt, bei welcher Gelegenheit die berühmte Abteikirche in St. Matthias eingeweiht wurde. Von Bernhard hatte er schon früher im Jahr 1138 Mönche erbeten, für welche er die Abtei Himerode stiftete, wie er denn überhaupt nach Ausweis seiner Regesten reichlich für die trierschen Klöster sorgte. Sein Versuch, die reichsunmittelbare Abtei St. Maximin unter seine Jurisdiktion zu beugen, misslang, indem der Papst 1140 den Mönchen eine Bestätigung ihrer Exemption gewährte. Alberos Ansprüche auf St. Maximin führten zudem zum Krieg gegen deren Vogt Graf Heinrich IV. von Luxemburg, der in den folgenden Jahren dreimal gegen Trier zog. Im Jahr 1148 nahm Adalbero an der Synode von Reims teil, wo Eugen III. ihm den Ehrensitz einräumte und wo er die traditionellen Ansprüche der trierschen Kirche aus das Primat über die belgische und ostfranzösische Kirchenprovinz — mit welchem Erfolge ist ungewiss — geltend machte. Seine letzte Tat war die Einnahme des Schlosses Treis a. d. Mosel, welches der Pfalzgraf Hermann von Stahleck dem Grafen Otto von Rheineck entrissen hatte. Nach 20jähriger Regierung hatte er Ruhe und Ordnung in seinen Ländern geschaffen. Zu Anfang des Jahres 1152, als er sich zur Schlichtung eines Streites zwischen den Grafen von Sayn und von Molbach wegen der Grafschaft Bonn nach Koblenz begeben hatte, ereilte ihn der Tod am 13. Januar 1152. Seine Eingeweide wurden zu Himmerod, sein Leib in Trier im Dom beigesetzt.

Adalbero war neben seinem 200 Jahre späteren Nachfolger Balduin von Luxemburg wohl die bedeutendste Persönlichkeit, welche den Stuhl von Trier geziert hatte, ein an Charakter hochstehender, wenn auch Pracht und Herrlichkeit, Waffenlärm und Krieg liebender Herrscher. Warum ihn Hugo Metellus in 2 Briefen vom Wohlleben abmahnt und zu größerer Energie antreibt, wäre schwer einzusehen, wenn wir nicht noch aus anderen Quellen hörten, dass er die Freuden der Tafel nicht verschmähte und sie in witzig fesselnder Unterhaltung, deren er Meister war, wohl bis in die späte Nacht ausdehnte.

Sein Leben beschrieb außer den Gesta Treverorum (ed. Waitz in Pertz Mon. SS. VIII.) Balderich, gebürtig aus Florennes in der Diözese Lüttich, ehemals Sachwalter an der römischen Kurie. Ihn hatte der Erzbischof 1147 von Paris mitgebracht und zum Vorsteher seiner Domschule gemacht. Die Gesta Alberonis (ed. Waitz a. a. O. 243—260) dieses Autors sind eine der besten Darstellungen ihrer Zeit und entwerfen uns ein höchst anschauliches, von freier Auffassung getragenes Bild des großen Bischofs. Die versifizierte Schilderung vom Geiste der Trierer und ihrer Schulen, welche F. X. Kraus in seinen Horae Belgicae (Ihb. d. Vereins v. Alterthumssr. , Bonn 1871, LI. 231—247) herausgab, die von einem Frater Winricus herrührt, dürfte einen anderen Scholasticus Adalberos zum Verfasser haben und jedenfalls in dessen Zeit gehören.

Vgl. Ramers, Churfürst (sic!) Albero. Programm d.Realsch., Trier 1853. Kraus.


Dieser Artikel beruht auf dem gleichnamigen Artikel von Liliencron in der Allgemeinen Deutschen Biographie, Band 1, S. 53. Die Urheberrechte sind abgelaufen.

Literatur

  • Hatto Kallfelz: Lebensbeschreibungen einiger Bischöfe des 10.-12.Jh., 1986. (= Freiherr vom Stein Gedächtnisausgabe, enthält die deutsche und lateinische Version der Balderici Gesta Alberonis)
  • Gesta Alberonis archiepiscopi auctore Balderico. In: Monumenta Germaniae Historica, Scriptores (in Folio) 8: Chronica et gesta aevi Salici. Herausgegeben von Georg Heinrich Pertz u. a. Hannover 1848, S. 243–260 (Digitalisat).
  • Marianne Pundt: Die Amtszeit Albero von Montreuils. In: Anton/Haverkamp (Hrsg.): 2000 Jahre Trier. Band 2: Trier im Mittelalter. 1996, S. 143–153.
  • Ferdinand Pauly: Aus der Geschichte des Bistums Trier. Band II. Die Bischöfe bis zum Ende des Mittelalters. 1969, S. 78–83.
  • Jörg R. Müller: Vir religiosus ac strenuus. Albero von Montreuil, Erzbischof von Trier (1132-1152). Phil. Diss. Trier 2003/2004, Trier 2006, ISBN 3-89890-089-4

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