Dag Hammarskjöld
Dag Hammarskjöld (1959)

Dag Hjalmar Agne Carl Hammarskjöld?/i [dɑːɡ ˈhɑmɑɾˌɧœld] (* 29. Juli 1905 in Jönköping, Schweden; † 18. September 1961 bei Ndola/Sambia) war ein parteiloser schwedischer Staatssekretär unter sozialdemokratisch geführten Regierungen und zweiter UN-Generalsekretär. Hammarskjöld wurde 1961, kurz nach seinem Tode, der Friedensnobelpreis verliehen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Dag Hammarskjöld (Fotografie aus den 1950ern)

Hammarskjöld war der jüngste von vier Söhnen des schwedischen Premierministers Hjalmar Hammarskjöld. Sein 1893 geborener Bruder Åke Hammarskjöld fungierte von 1936 bis zu seinem Tod ein Jahr später als Richter am Ständigen Internationalen Gerichtshof. Nach einer glänzend hinter sich gebrachten Schulzeit studierte Dag Hammarskjöld Rechtswissenschaft, Philosophie und Wirtschaftswissenschaften und habilitierte sich mit der Arbeit „Konjunkturspridningen“ an den Universitäten Uppsala und Stockholm. Von 1936 bis 1945 war er Staatssekretär im schwedischen Finanzministerium, von 1941 bis 1948 Präsident des schwedischen Reichsbankdirektoriums. 1949 wurde er Unterstaatssekretär im Außenministerium. Von 1951 bis 1953 war er stellvertretender Außenminister.

Am 7. April 1953 wurde er zum Generalsekretär der Vereinten Nationen ernannt und 1957 von der UN-Generalversammlung einstimmig für eine zweite Amtszeit eingesetzt.

Zu Beginn seiner Amtszeit traute man Dag Hammarskjöld nicht die Härte zu, die zur Lösung internationaler militärischer Konflikte erforderlich war. Als es ihm 1954 aber in hartnäckigen Gesprächen in Peking gelang, amerikanische Kriegsgefangene des Koreakrieges freizubekommen, schlug die Skepsis in Respekt um. 1956 drohte der Konflikt um den Sueskanal zum Weltkrieg zu eskalieren. Hammarskjöld gelang es innerhalb von 48 Stunden, eine internationale Friedens- und Polizeitruppe zu schaffen, 6000 Soldaten aus allen Kontinenten zu rekrutieren und so den Konflikt zu entschärfen. Ebenfalls 1956 bemühte er sich um den Friedenserhalt in Ungarn beim Ungarnaufstand.

Die Rolle Hammarskjölds beim Sezessionskrieg 1960 in Kongo ist umstritten, einige Autoren behaupten eine Beteiligung des UN-Generalsekretärs beim Sturz der Regierung Kongos unter Lumumba und dessen Ermordung.[1]

Tod durch Flugzeugabsturz

Hammarskjöld starb in der Nacht auf den 18. September 1961 bei einem ungeklärten Absturz seines UN-Flugzeuges an der Grenze zwischen der abtrünnigen kongolesischen Provinz Katanga und Nordrhodesien, dem heutigen Sambia; er war auf dem Weg zu einem Treffen mit dem Präsidenten Katangas Moïse Tschombé, um im Rahmen der ONUC-Mission der Vereinten Nationen in der Kongokrise zu vermitteln. Mit an Bord war auch sein Berater für Afrikafragen, der deutsche Ethnologe Heinrich Wieschhoff.

Als Ursache für den Absturz seines Flugzeuges wurden ein Abschuss durch die Truppen Katangas oder durch Söldner mit oder ohne Beteiligung der CIA, Belgiens oder des belgischen Königs Baudouin oder auch ein technischer Defekt vermutet.

Erst 1998 veröffentlichte die südafrikanische Wahrheits- und Versöhnungskommission bisher geheime Dokumente. Diese legten den Schluss nahe, dass Hammarskjöld einem raffinierten Mordkomplott der Geheimdienste Südafrikas, der USA und Großbritanniens zum Opfer fiel, die ihre Interessen im Kongo bedroht sahen. Sowohl die USA als auch Großbritannien bestreiten allerdings die Echtheit dieser Dokumente; Desmond Tutu wies ebenfalls darauf hin, dass es im Rahmen der Wahrheits- und Versöhnungskommission nicht möglich war, die Echtheit zu überprüfen.

Der UNO-Repräsentant im Kongo, Conor Cruise O’Brien, veröffentlichte bereits 1968 sein Theaterstück Murderous Angels (deutsche Fassung Mörderische Engel, Übersetzung von Dagobert Lindlau, Reinbek bei Hamburg 1971), in dem er einen Colonel Alcibiades Zbyre auftreten lässt, der im Auftrag eines britischen Bergwerkskonzerns die Entführung bzw. Ermordung Hammarskjölds organisiert. In der Figur des Zbyre ist der französische Colonel Roger Trinquier wiederzuerkennen, der 1960/1961 in Katanga operierte.

Hammarskjöld hinterließ ein vielbeachtetes spirituelles Tagebuch (Vägmärken, deutsch: Zeichen am Weg), das erst nach seinem Tod bekannt und veröffentlicht wurde.

Verleihung des Friedensnobelpreises

1961 wurde Hammarskjöld postum der Friedensnobelpreis verliehen. Das war möglich, weil bis 1972 auch ein kürzlich verstorbener Kandidat geehrt werden konnte, wenn er am Stichtag der Nominierung (Ende Januar des jeweiligen Jahres) noch gelebt hatte. Seither wurde die Regelung geändert, und der Kandidat muss bei Bekanntwerden der Preisvergabe noch am Leben sein.

Grab und Gedenkstätte für Dag Hammarskjöld

Gedenktafel auf dem Hammarskjöldplatz in Berlin

Hammarskjölds Grab liegt im alten Teil des Friedhofs von Uppsala etwa 500 Meter westlich des Doms; die Gedenkstätte für ihn befindet sich in der Friedenskapelle im rechten Seitenschiff des Doms von Uppsala.

Der dort im Fußboden eingelassene Gedenkstein trägt die Inschrift:

„Icke jag
utan gud i mig
Dag Hammarskjöld 1905–1961“

(Übersetzung: „Nicht ich, sondern Gott in mir. Dag Hammarskjöld 1905–1961“)

Banknote

Die Schwedische Reichsbank hat festgelegt, dass Dag Hammarskjöld den neuen 1000-Kronen-Schein zieren wird, eingebettet in eine Landschaft Lapplands.[2]

Werke

  • Nur der Frieden lastet nicht auf der Erde. Benziger Verlag, Düsseldorf 2001, ISBN 3-545-20325-5
  • Jeder Tag – ein Leben. Verlag Neue Stadt, München 2001, ISBN 3-87996-538-2.
  • Das Unerhörte – in Gottes Hand zu sein. Johannes-Verlag, Leutesdorf 1991, ISBN 3-7794-1208-X.
  • Zeichen am Weg. Das spirituelle Tagebuch des UN-Generalsekretärs. Droemer/Knaur, München 1965, ISBN 3-426-77767-3. (Erweiterte und kommentierte Neuausgabe. Urachhaus, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-8251-7770-6)

Literatur

  • Stephan Mögle-Stadel: Dag Hammarskjöld – Vision einer Menschheitsethik. Verlag Urachhaus, Stuttgart 1999, ISBN 3-8251-7268-6.
  • Johann Hoffmann-Herreros: Dag Hammarskjöld. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1991, ISBN 3-7867-1549-1.
  • Manuel Fröhlich: Die politische Ethik Dag Hammarskjölds. Universität Jena, Dissertation 2000.
  • Karl E. Birnbaum: Die innere Welt des jungen Dag Hammarskjöld. Agenda-Verlag, Münster 2000, ISBN 3-89688-086-1.
  • Ruth Röhlin: Dag Hammarskjöld – Mystiker und Politiker. Kösel Verlag, München 2005, ISBN 3-466-36684-4.
  • Stephan Mögle-Stadel: Dag Hammarskjölds Vermächtnis. Amthor Verlag, Heidenheim 2005, ISBN 3-934104-17-7.
  • Oliver Kohler: Dag Hammarskjöld - Die längste Reise ist die Reise nach innen. adeo Verlag, Asslar 2011, ISBN 978-3-942208-50-5.
  • Hermann J. Benning: Dag Hammarskjöld - Leben und Profil. Neue-Stadt-Verlag, München 2011, ISBN 978-3-87996-916-6.
  • Karl Amadé, Michael H.-Froehlich: Dag Hammarskjöld - Sein Tod, Vermächtnis, Vision. AAP Verlag, Basel 2011, ISBN 978-3-905868-21-0.

Weblinks

 Commons: Dag Hammarskjöld – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Annette Büttner: Staatszerfall als neues Phänomen der internationalen Politik. Marburg, 2004, S. 110.
  2. Schwedische Reichsbank: New banknotes and coins. (englisch) Abgerufen am 10. Juni 2011.

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