Adandozan

Adandozan war der formell neunte König von Dahomey (dem heutigen Benin). Er wird jedoch heute nicht zu den zwölf Königen von Dahomey gezählt. Er herrschte von 1797 bis 1818. Er war der älteste Sohn von Agonglo, seinem Vorgänger auf dem Thron auf den er nach dessen Tod folgte. Sein Name wurde aus der Geschichte von Abomey, der Hauptstadt des Landes, getilgt.

Adandozans Symbole waren ein Pavian mit angeschwollenem Bauch, vollem Mund, einer Maisähre in der Hand (eine Anspielung auf seinen Feind, den König vom Königreich Oyo), und einem großen Sonnenschirm ('der König überschattet seine Feinde').

Die Geschichten über Abandozans Herrschaft schildern ihn als grausam: Ihm wird nachgesagt, er habe zu seiner Erheiterung seine Opfer lebend Hyänen vorgeworfen. Auch wurde er abgebildet, wie er wegen einer Wette einer Schwangeren den Bauch aufschlitzte, da er behauptet hatte, er könne das Geschlecht des Fötus vorhersagen.

Adandozan galt außerdem als wenig begabter Krieger und General, der zudem Verrat an der königlichen Familie beging. Er soll die Mutter seines Halbbruders Gézo in die Sklaverei verkauft haben. Gézo, der sich als schwachsinnig verstellt hatte, floh ins Exil nach Kana.

Adandozan wird als wahnsinnig beschrieben. Er lehnte es ab, mit Francisco de Souza, einem brasilianischen Kaufmann zu verhandeln, obwohl dieser einer der wichtigsten Mittelsmänner des Sklavenmarktes in Ouidah war, nahm ihn gefangen und folterte ihn. Dann versuchte Adandozan, einen seiner eigenen Minister mit dem Sklavenverkauf zu beauftragen.

Traditionell wird erzählt, das Gézo heimlich aus dem Exil zurückkehrte und de Sousa zur Flucht verhalf. Im Gegenzug half der Brasilianer dann, eine Armee aufzustellen und mit Hilfe der terrorisierten Minister den Thron für Gézo zu erringen. Adandozan wurde nunmehr selbst ins Gefängnis geworfen.

Der Wahrheitsgehalt dieser traditionellen Schilderung ist unklar – die Propaganda der folgenden Regierung könnte die Geschichte verfälscht haben und Adandozan als Monster und Verrückten geschildert haben, nicht zuletzt um den Staatsstreich und das neue Regime zu legitimieren. Alle Geschichten stimmen allerdings darin überein, das Adandozan den Handel mit den Europäern profitabler gestalten wollte. Dazu hat er wohl auch die Macht der königlichen Familie durch verschiedene Reformen unterminiert.

Literatur

  • Robert Cornevin: Histoire du Dahomey. Editions Berger Levrault, Paris 1962
  • A. Le Hérissé: L'Ancien Royaume du Dahomey. H. Charles-Lavauzelle, Paris 1911
  • Melville J. Herskovits: Dahomey, an Ancient West African Kingdom. J. J. Augustin, New York 1938


Vorgänger Amt Nachfolger
Agonglo König von Dahomey
1797-1818
Gézo

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