13. Sinfonie (Mozart)

Die Sinfonie F-Dur KV 112 komponierte Wolfgang Amadeus Mozart im Jahr 1771 in Mailand. Nach der Alten Mozart-Ausgabe trägt die Sinfonie die Nummer 13.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Das Autograph dieser Sinfonie, die während der zweiten Italienreise entstand, trägt den Titel „Sinfonia del Sigre Cacaliere Wolfgango Amadeo Mozart á Milano 2 di Novemb. 1771“, wobei Wolfgang nur das erste Wort und Leopold Mozart den Rest schrieb. Die Uraufführung fand möglicherweise am 22. oder 23. November 1771 im Haus von A. M. Mayr, Verwalter der königlichen Privatschatulle von Erzherzog Ferdinand, statt.[1]

Zur Musik

Besetzung: zwei Oboen, zwei Hörner in F, zwei Violinen, Viola, Cello, Kontrabass. In zeitgenössischen Orchestern war es zudem üblich, auch ohne gesonderte Notierung Fagott und Cembalo (sofern im Orchester vorhanden) zur Verstärkung der Bass-Stimme bzw. als Generalbass-Instrument einzusetzen.[1]
Aufführungszeit: ca. 15 Minuten.

Abert[2] schreibt zu der Sinfonie: „Diese deutschen Einflüsse[3] haben auch über die zweite Italienische Reise vorgehalten, die an sinfonischer Arbeit ja überhaupt nicht ergiebig war. Die F-Dur Sinfonie (K. V. 112) (…) macht zwar in Thematik und Orchestration einige Zugeständnisse an den italienischen Geschmack, verwischt jedoch die deutschen Grundlagen keineswegs.“ Und in einer Fußnote fügt Abert hinzu: „Gegen WSF[4], die hier einen starken Rückfall ins Italienische feststellen, muss auf den häufigen Stimmungsumschlag, die ausdrucksvolle Schlussgruppe und die leidenschaftliche Durchführung des ersten Satzes, das Stamitzsche Andante und auf die teils deutschen, teils spezifisch Mozartschen Züge des Menuetts (Trio!) und Schlußrondos mit seinen zwei Seitensätzen hingewiesen werden.“

Zaslaw[1] lobt: Die Sinfonie „ist – von der wundervoll proportionierten Sonatensatzform des 1. Satzes über die sorgfältige Polyphonie des nur von den Streichern gespielten Andante bis zum energischen Rondo-Finale, einer Giga – von einem Geist des Vertrauens und solider Handwerkskunst durchdrungen, die vielleicht aus der erfolgreichen Aufführung des Ascanio einen Monat zuvor resultierten.“

Bei den hier benutzten Begriffen in Anlehnung an die Sonatensatzform ist zu berücksichtigen, dass dieses Schema in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entworfen wurde (siehe dort) und von daher nur mit Einschränkungen auf die Sinfonie KV 112 übertragen werden kann. – Die hier vorgenommene Gliederung der Sätze ist als Vorschlag zu verstehen. Je nach Standpunkt sind auch andere Abgrenzungen und Deutungen möglich.

1. Satz: Allegro

F-Dur, 3/4-Takt, 124 Takte, urspr. „Molto Allegro“, aber das „Molto“ ausradiert
Der Satz eröffnet mit einer Folge von drei Motiven: Zunächst ein im unisono absteigender Dreiklang im forte[5], gefolgt von einer piano-Floskel der Violinen / Viola, die wiederum vom Tutti im Forte mit einem Dreiklangsmotiv beantwortet wird. Die beiden letzten Motive werden einmal wiederholt, ehe in Takt 10 ein Überleitungsabschnitt mit dem Themenkopf einsetzt, der dann in virtuose Sechzehntel-Läufe, Triller und Tremolo übergeht. Der Abschnitt endet mit zwei Viertelschlägen auf der Doppeldominante G-Dur ( dominantische Hinführung zum zweiten Thema) und einer Viertelpause.

Das zweite Thema (Takt 24–31) basiert auf einem zweitaktigen Frage-Antwort-Motiv von Oboe und Viola, in das ein weiteres zweitaktiges Motiv der Violinen / Viola als „Streicherkonzertino“[2] eingebaut ist (ähnlich im ersten Thema). Beide Motive sind in Terzen aufgebaut.

Ab Takt 32 folgt wieder Tremolo, wobei das harmonische Gerüst teilweise etwas spärlich ist (z. B. Takt 34: Tremolo nur der 1. Violine auf G); dazu gesellt sich ab Takt 36 ein weiteres Motiv mit Pendelbewegung im punktierten Rhythmus. Die Schlussgruppe von Takt 43 bis zum Ende der Exposition in Takt 54 ist mit einem etwas chromatischen Motiv der Violinen deutlich abgegrenzt. Die Exposition endet mit vier Takten Tremolo und Akkordmelodik.

Der zweite Teil des Satzes („Durchführung“, Takt 55–70) beginnt mit zwei Takten Tremolo, das um den Ton A kreist. Ab Takt 57 wird dann eine Variante des Motivs der Schlussgruppe versetzt durch die Instrumente (1. Violine, 2. Violine, Viola) geführt. Über eine weitere Tremolo-Passage leitet Mozart zur Reprise (Takt 71 ff.) zurück, die wie die Exposition strukturiert ist. Exposition sowie Durchführung und Reprise werden einmal wiederholt.

2. Satz: Andante

B-Dur, 2/4-Takt, 64 Takte, nur Streicher
Der Satz beginnt mit einer tickenden Figur der 1. Violine, begleitet von uhrwerkartig-gleichmäßigen, gebrochenen Akkordfiguren im Staccato von 2. Violine und Viola und grundierenden Einzeltönen von Cello und Kontrabass. Zum Ende des viertaktigen ersten Themas spielen beide Violinen eine abgesetzte Figur abwärts.

Das zweite Thema (Takt 10 ff.) hat einen anderen Aufbau: Es basiert auf einem zweitaktigen Motiv, wobei die Figur des zweiten Taktes zwischen der 1. Violine einerseits und der 2. Violine sowie der Viola andererseits im Dialog auftritt. Die Takte 14–17 greifen den Kopf vom ersten Thema wieder auf, ehe die Schlussgruppe (Takt 18 ff.), dessen Elemente man sich aus den anderen Motiven ableiten könnte, die Exposition beendet.

Im Durchführungsteil (Takt 26–37) tritt das Motiv vom ersten Thema in veränderter Harmonie auf, unterbrochen von einer chromatischen Bewegung abwärts. Die Reprise (Takt 38 ff.) ist ähnlich wie die Exposition strukturiert. Diese sowie Durchführung und Reprise werden einmal wiederholt.

3. Satz: Minuetto

F-Dur, 3/4-Takt, mit Trio 32 Takte (in der Partitur ist der Wiederholungsteil des Menuetts ausgeschrieben, damit insgesamt 50 Takte)
Charakteristische Elemente der kräftigen Melodie des Menuetts sind eine dreifache Tonwiederholung sowie eine Triole abwärts. Im zweiten Teil dominieren die Triolen sogar zwei Takte lang. Das Trio für Streicher steht in C-Dur und ist durchweg im Piano gehalten. Der erste Teil ist relativ „dicht“ mit vielen Bögen gearbeitet. Der zweite Teil beginnt mit einem neuen, „lockeren“ Motiv auf einem C-Dur-Dreiklang im Staccato; das Anfangsmotiv tritt erst am Ende zwischen 1. und 2. Violine versetzt wieder auf.

Zaslaw[1] weist darauf hin, dass die Viola hier nicht wie in anderen Sinfoniemenuetten von Mozart eine eigene Stimme hat, sondern die Bassstimme verdoppelt. Da Mozarts Tanzmenuette (also nicht für eine Sinfonie geplante Menuette) normalerweise keine Viola verwenden, könne man aus dieser Besonderheit schließen, dass das Menuett für KV 112 aus einem anderen Werk übernommen wurde. Das Trio hat eine eigene Violenstimme und dürfte daher wohl für diese Sinfonie komponiert worden sein. Scherliess[6] weist darauf hin, dass der Menuett-Teil in Leopolds und nur das Trio in Wolfgangs Handschrift ist. Demnach könnte Wolfgang das Menuett für einen anderen Zweck komponiert haben, während es Leopold für diese Sinfonie kopierte; oder es handelt sich um ein Menuett von Leopold, für das Wolfgang ein Trio komponierte.

Bemerkenswert ist auch die gleichmäßige Struktur des Satzes mit jeweils 8 + 8 Takten im Menuett sowie im Trio.

4. Satz: Molto allegro

F-Dur, 3/8-Takt, 123 Takte
Der als Rondo strukturierte Satz besteht aus dem Refrain und zwei Couplets. Das Thema des Refrains ist periodisch aufgebaut mit jeweils acht Takten Vorder- und Nachsatz. Diese wiederum bestehen aus zwei Viertaktern (Phrasen): aufsteigende F-Dur-Dreiklangsmelodik (dieselbe Eröffnung am 1. Satz) und ebenfalls aufsteigende tremoloartige Figur.

Das erste Couplet (Takt 17-40) besteht anfangs aus einem „Auf und Ab“ der beiden Violinen in Gegenbewegung, gefolgt von einer Tremolopassage mit fallender Melodielinie, die einmal variiert (mit Chromatik und Oktavsprüngen) wiederholt wird. Das zweite Couplet (Takt 57-96), das auf einer tänzerischen Melodie mit Vorschlag basiert, steht als einziger Abschnitt in Moll (d-Moll) und ist in zwei je einmal wiederholte Passagen strukturiert.

Nach dem letzten Durchlauf des Refrains wird der Satz beendet von einer Coda (Takt 112 ff.) mit Akkordmelodik und Tremolo.

Einzelnachweise

  1. a b c d Neal Zaslaw: Sinfonie in F-dur, KV 112 (Nr. 13). Textbeitrag zu: Wolfgang Amadeus Mozart: The Symphonies Vol. VII, deutsche Übersetzung durch Decca 1988. Einspielung der Academy of Ancient Music; Konzertmeister Jaap Schröder, Continuo: Christopher Hogwood. Decca Record, London 1988.
  2. a b Hermann Abert: W. A. Mozart. Neubearbeitete und erweiterte Ausgabe von Otto Jahns Mozart. Erster Teil 1756-1782. 7. erweiterte Auflage (1. Auflage von 1919), VEB Breitkopf & Härtel, Leipzig 1955, S. 286
  3. Abert bezieht sich hier auf die Zeit vor der zweiten Italienreise
  4. gemeint ist das Mozart-Buch von Theodore de Wyzewa und de Georges Saint-Fox aus dem Jahr 1912
  5. der 4. Satz wird ebenso eröffnet
  6. Volker Scherliess: Die Sinfonien. In: Silke Leopold (Hrsg.): Mozart-Handbuch. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2005, ISBN 3-7618-2021-6

Noten, Weblinks

13. Sinfonie (Mozart): Partitur und kritischer Bericht in der Neuen Mozart-Ausgabe

  • Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonia in Fa, K. 112. P. R. 786, Ricordi-Verlag, Mailand 1955 (Taschenpartitur).

Siehe auch


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