Democrazia Cristiana

Die Democrazia Cristiana (DC) (ital. für Christliche Demokratie) war die wichtigste politische Partei Italiens zwischen 1945 und 1993 und stellte fast alle Ministerpräsidenten in diesem Zeitraum. Sie verstand sich als gemäßigte katholische Volkspartei der Mitte.

Inhaltsverzeichnis

Gründung und politische Grundlinien

Die Democrazia Cristiana wurde 1942 am Ende der vent'anni (20 Jahre) der Regierung Mussolini von einigen christlichen Bewegungen gegründet: von Mitgliedern der PPI (Partito Popolare Italiano) des Don Luigi Sturzo, von der Azione Cattolica sowie der Federazione Universitaria Cattolica Italiana (FUCI). Zu ihren Mitbegründern gehörten einige spätere Ministerpräsidenten:

Inhaltliche Grundlagen waren der Katholizismus, die christliche Soziallehre und der Antikommunismus.

Politische Sekretäre der DC

Die Führung der Partei oblag den Politischen Sekretären (Segretari Politici). Diese waren in der Geschichte der DC:

Regierungen unter der DC

Die Democrazia Cristiana ging häufig wechselnde Koalitionen von bis zu fünf Parteien ein, die im Regelfall als Mitte-links-Koalitionen einzustufen waren. Ihre Schwerpunkte lagen in der politischen Mitte mit Tendenzen nach links und rechts, je nachdem welche Strömung in der Sammelpartei sich gerade durchsetzen konnte oder den stärksten Flügel stellte.

Die vier häufigsten Koalitionspartner der DC waren die Italienische Sozialistische Partei (PSI), die Italienische Sozialdemokratische Partei (PSDI ), die Republikaner (PRI) und die Liberalen (PLI). Diese vor allem in der 1980er-Jahren bestehende Fünferkoalition wurde als Pentapartito bezeichnet.

Ausnahmsweise arbeiteten die italienischen Christdemokraten auch mit Parteien am rechten und am linken Rand zusammen. So konnte Fernando Tambroni mit der Unterstützung des neofaschistischen Movimento Sociale Italiano von Mai bis Juli 1960 eine sehr kurzlebige Regierung anführen. In der zweiten Hälfte der 1970er wurden dann einige DC-Regierungen im Rahmen des „Historischen Kompromisses“ von der kommunistischen Partito Comunista Italiano (PCI) toleriert, um gemeinsam der terroristischen Bedrohung durch die Roten Brigaden entgegenzuwirken.

Die weitaus meisten Ministerpräsidenten der sogenannten Ersten Republik (1946-1994) entstammten der Democrazia Cristiana. De Gasperi und Andreotti führten jeweils sieben, Fanfani sechs und Moro fünf Regierungen an. Nur vier Kabinette wurden von Mitgliedern anderer Parteien geführt: namentlich die Regierungen Spadolini (PRI, 1981-82), Craxi (PSI, 1983-87), Amato (PSI, 1992-93) und Ciampi (parteilos, 1993-1994).

Krise und Auflösung der DC

Nachdem die Ermittlungen der Mailänder Staatsanwaltschaft 1992 unter dem Titel Mani pulite (Saubere Hände, entspr. „Weiße Weste“) zahlreichen hohen Amtsträgern der DC und der PSI Verstrickungen in Korruptionsfälle (siehe auch Tangentopoli) nachgewiesen hatten, geriet die DC in eine schwere Krise.

Die Partei versuchte sich unter Mino Martinazzoli zu reformieren. Am 18. Januar 1994 beschloss die Führung, den Namen der Partei wieder auf Partito Popolare Italiano (PPI) zu ändern - jene Partei, aus der die DC 1942 hervorgegangen war. Nach einer Wahlniederlage kurz darauf trat Martinazzoli zurück, und die Partei spaltete sich in zahlreiche Gruppierungen auf.

Unmittelbare Ableger der DC

Mitglieder des konservativeren Lagers bildeten unter Führung von Pier Ferdinando Casini die CCD (Centro Cristiano Democratico), ein linker Flügel der PPI gründete die CS (Cristiano Sociali), die im Bündnis der Linksdemokraten (Democratici di Sinistra, ehemalige Kommunisten) aufgingen. Aus dem PPI ging dann La Margherita - Democrazia è Libertà hervor. Keine dieser Parteien existiert mehr.

Folgende, heute noch bestehende Parteien bezeichnen sich ausdrücklich als politische Erben der Democrazia Cristiana:

  • UDC, geführt von Pier Ferdinando Casini und Rocco Buttiglione, langjährige Verbündete Berlusconis und nunmehr Oppositionspartei;
  • Democrazia Cristiana: Diese Kleinstpartei trägt denselben Namen wie die DC, zumal ihr Vorsitzender Giuseppe Pizza, Unterstaatssekretär im Kabinett Berlusconi, nach einem langen Rechtsstreit die Namensrechte innehat.
  • UDEUR, angeführt von Clemente Mastella, ist im Nationalparlament nicht mehr vertreten, sehr wohl aber in zahlreichen Regionalparlamenten, Provinz- und Stadträten. Die UDEUR war lange Zeit in Koalitionen der linken Mitte vertreten und fungierte unter anderem als Mehrheitsbeschafferin für die Regierung Prodi II, an deren Fall sie anschließend maßgeblich beteiligt war; im Jahr 2009 kündigte Mastella eine Zusammenarbeit mit dem Mitte-rechts-Block um Silvio Berlusconi an.

Das DC-Erbe in anderen Parteien

Nach der Fusion der Margherita mit den Linksdemokraten finden sich zahlreiche Christdemokraten des ehemals linken Parteiflügels im Partito Democratico wieder. Der ehemalige italienische Ministerpräsident und Vorsitzende der EU-Kommission (1999-2004) Romano Prodi gehört zum christdemokratischen Flügel des Partito Democratico. Er hatte als Industrieminister in einem von Giulio Andreotti geführten Kabinett mitgewirkt. Der derzeitige Vorsitzende der Demokratischen Partei Dario Franceschini begann seine Karriere ebenfalls in der DC.

Auch in Berlusconis Popolo della Libertà haben viele christdemokratischen Politiker und Wähler ihre neue politische Heimat gefunden. Die DC-Ablegerin Democrazia Cristiana per le Autonomie, die mit Gianfranco Rotondi den Minister für die Umsetzung des Regierungsprogrammes im Kabinett Berlusconi stellt, hat sich mittlerweile aufgelöst und ist dem PDL beigetreten. Zudem sind prominente Minister wie Claudio Scajola und Angelino Alfano sowie der lombardische Regionalpräsident Roberto Formigoni in den Reihen der Democrazia Cristiana politisch groß geworden.

Im Übrigen sind die meisten Politiker der Regierungspartei Movimento per l’Autonomia, unter ihnen der Präsident der Region Sizilien Raffaele Lombardo, ehemalige Christdemokraten.

Literatur

  • Igino Giordani, Alcide De Gasperi il ricostruttore, Roma, Edizioni Cinque Lune, 1955.
  • Giulio Andreotti, De Gasperi e il suo tempo, Milano, Mondadori, 1956.
  • Pietro Scoppola, La proposta politica di De Gasperi, Bologna, Il Mulino, 1977.
  • Nico Perrone, Il segno della DC, Bari, Dedalo, 2002.
  • Luciano Radi, La Dc da De Gasperi a Fanfani, Soveria Manelli, Rubbettino, 2005.

Siehe auch:


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