Adigrantha

Guru Granth Sahib (auch Adi Granth (Ur-Buch)) ist die heilige Schrift der Sikhs. Das Guru Granth Sahib wird als lebendiger Guru der Sikhs angesehen. Dieses Werk setzt sich aus schriftlichen Niederlegungen verschiedener Heiliger zusammen. Guru Nanak und seine Nachfolger verfassten die Verse (Gurbani) in poetischer und bildhafter Sprache.

Diese wurden von Guru Arjan, dem 5. Guru, zusammengetragen und in dem Werk Aad Guru Granth Sahib vereint. Einzigartig an dieser Komposition, die auf musikalischen Melodiefolgen (Raga) beruht, ist die Einbeziehung verschiedener Sprachen sowie Verse nordindischer Heiliger unterschiedlichster Glaubensrichtungen wie Sheikh Farid, Pipa, Namdew oder Kabir.

Die Gurus wenden sich mit ihrer Botschaft nicht an bestimmte Menschen oder eine spezifische Region. Sie sprechen in ihren Versen vielmehr über eine grundsätzliche menschliche Haltung dem Leben gegenüber, die durchdrungen ist von Nächstenliebe, Hingabe und Aufrichtigkeit. Die Lehren legen daher großen Wert auf gegenseitigen Respekt. Im Abschlussgebet der Sikhs wird für das Wohl der gesamten Schöpfung gebetet. Dieser Gedanke drückt sich auch in den Gebetsstätten (Gurdwara) der Sikhs aus: Jeder Mensch, ungeachtet seiner Herkunft und Religion ist eingeladen, an den Gottesdiensten und Veranstaltungen teilzunehmen.

Auszüge aus dem Guru Granth Sahib

„So wie sich das Wort des barmherzigen Schöpfers mir offenbart, so verkünde ich es, O Lalo.“

Guru Granth Sahib, S. 722, Guru Nanak

„Ich faste nicht, noch begehre ich den Monat Ramadan. Ich diene nur dem Einen, der mich am Ende schützen wird. […] Er erteilt Gerechtigkeit – an Hindus und an Muslimen. Pause. Ich mache keine Wallfahrt nach Mekka, noch bete ich in den heiligen Schreinen der Hindus. […] Ich vollziehe keine Anbetungsrituale der Hindus, noch rezitiere ich die Gebete der Muslime. Ich habe den einen formlosen Schöpfer in meinem Herzen aufgenommen, dort verehre ich ihn voller Demut. Weder bin ich ein Hindu noch ein Muslim. Mein Körper und mein Lebensatem gehören Allah (Bezeichnung Gottes bei Muslimen), Ram (Bezeichnung Gottes bei Hindus) – dem Gott aller.“

Guru Granth Sahib, S. 1136, Guru Arjan

„Von der Frau wird man geboren, in der Frau wächst man heran, mit einer Frau verlobt und vermählt man sich. Von der Frau erfahren wir Freundschaft, durch die Frau setzt sich der Gang der Welt fort. […] Wie kann man sie als minderwertig bezeichnen, wo sie doch Königen das Leben schenkt? Aus einer Frau entsteht eine Frau, niemand wäre ohne die Frau. Nanak sagt, ganz ohne Frau existiert nur der eine Schöpfer.“

Guru Granth Sahib, S. 473, Guru Nanak

„Zu Anbeginn schuf Allah, der Schöpfer, das Licht. Dann alle sterblichen Wesen. Aus dem einen göttlichen Lichte, der Weltseele, entwickelte sich alles. Wen sollen wir da gut und schlecht nennen?“

Guru Granth Sahib, S. 1349, Kabir

„Ohne die Verrichtung guter Taten wird man nicht ein Heiliger.“

Guru Granth Sahib, S. 1349, Guru Nanak

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