Der Freitag


Der Freitag
der Freitag
Beschreibung Internetmedium und Wochenzeitung
Verlag der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG
Erstausgabe 1990
Erscheinungsweise Netz: täglich, Print: wöchentlich (donnerstags)
Chefredakteur Philip Grassmann
Herausgeber Daniela Dahn, György Dalos
Frithjof Schmidt, Friedrich Schorlemmer
Weblink freitag.de
ISSN 0945-2095

der Freitag (bis Januar 2009 Freitag – Die Ost-West-Wochenzeitung) ist eine seit November 1990 in Berlin verlegte überregionale Wochenzeitung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Strukturen

Altes Logo bis Januar 2009

Der Freitag wurde 1990 in Berlin gegründet. In ihm gingen der Ost-Berliner Sonntag (gegründet 1946) und die Volkszeitung (gegründet 1953) zu einer neuen, gesamtdeutschen Zeitung auf. Der Freitag sah seine publizistische Aufgabe zunächst darin, das Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten kritisch und konstruktiv zu begleiten und ein Forum für eine west-östliche Debatte zu bieten. Er wandte sich dabei vornehmlich an eine urbane, gebildete, linksbürgerliche Leserschaft. Eine Leserbefragung im Jahr 2006 ergab, dass etwa ein Drittel der Freitag-Leser aus den neuen Bundesländern stammte. [1]

Die Gründungsherausgeber waren Günter Gaus (†), Wolfgang Ullmann (†), Gerburg Treusch-Dieter (†) und Christoph Hein. Auf die Frage, was der Begriff „links“ ihm bedeute, antwortete Gaus im Gespräch mit Alexander Kluge im Jahr 1993: „Ich nenne links, dass man gesellschaftliche Fragen für vorrangig hält. Dass man die gesellschaftlichen Antworten, die gegeben werden, jedes Mal sehr skeptisch überprüft, ob sie wirklich mehr als eine Tagesantwort sein können.“[2]

Bis 1996 gehörte der Freitag der Medien Schmidt & Partner, die unter anderem auch für den Verlag Elefantenpress verantwortlich zeichnete. Im Frühjahr des Jahres wurde der Freitag für den symbolischen Preis von einer Mark verkauft. [3] Zur damaligen neuen Eigentümergruppe gehörten unter anderem die Journalisten Ursel Sieber, Wolfgang Storz und Holger Schmale, der Arzt Willi Brüggen und der Sozialwissenschaftler Frieder Otto Wolf. Es gelang den neuen Verlegern, das Unternehmen fast von der gesamten Schuldenlast in Höhe von rund 1,5 Millionen Mark zu befreien.

Am 26. Mai 2008 kaufte der Verleger und Journalist Jakob Augstein den Freitag und übernahm formell am 1. Juni des Jahres die Zeitung. [4] Unter Jakob Augstein erhielt der Freitag zunächst eine neue Redaktionsstruktur: Seit Herbst 2008 ist Philip Grassmann, vorher bei der Süddeutschen Zeitung, Chefredakteur der bislang eher basisdemokratisch organisierten Redaktion. Sein Stellvertreter ist Jörn Kabisch, vorher bei der taz.[5]

Die Geschäftsführung der der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG übernahm Detlev Hustedt. Er war zuvor stellvertretender Gesamtanzeigenleiter bei der WELT-Gruppe und Anzeigenleiter bei der Wochenzeitung Die Woche, sowie Geschäftsführer der Nachrichtenagentur pressetext.deutschland.[6]

Die verkaufte Auflage (Stand: Q3/2008) liegt bei 12.631 Exemplaren pro Woche.[7] Damit ist die Auflage seit der Gründung der Zeitung deutlich gesunken. 1990 lag sie noch bei rund 50.000 Exemplaren, seit dem Jahrtausendwechsel pendelt sie um den heutigen Wert.[8] Dabei stützte sich der Freitag seit jeher vor allem auf einen Stamm treuer Abonnenten. Die Einzelverkäufe am Kiosk waren gering.

Nachdem erste Anzeigen von Markenartikeln im bis dahin anzeigenarmen Freitag erschienen, gab es auf der Leserbriefseite Diskussionen über den künftigen Kurs des Blattes, in denen Augstein auf die wirtschaftliche Notwendigkeit des Anzeigengeschäftes hinwies und die redaktionelle Unabhängigkeit des Freitags gegenüber allen äußeren Interessen unterstrich. [9]

Am 5. Februar 2009 erfolgte ein optischer Relaunch der Zeitung und ein neuer Internetauftritt[10]. Neben den Artikeln der Redaktion und einem Archiv wird dort nun auch Bloggern die Möglichkeit geboten, in der „Community“ eigene Beiträge zu veröffentlichen. Eine Auswahl hieraus wird wöchentlich in der gedruckten Ausgabe veröffentlicht. Die Zahl redaktioneller Mitarbeiter wurde von sieben auf zwanzig erhöht und die Verkaufsstellen verfünfzehnfacht. [11] Das Titellogo wurde geändert, die Namen der Herausgeber wurden vom Titelblatt entfernt; das Impressum enthält keine Bezugnahme mehr auf den Sonntag und auf die Volkszeitung. Die Neuerungen werden von der Leserschaft unterschiedlich beurteilt. Die Verbindung von Print-Redaktion mit Blogs auf der Website des Freitag wird ungeachtet der technischen Probleme in der Startphase überwiegend als interessantes Experiment gelobt, während die neuen unterhaltenden Elemente eher zurückhaltend aufgenommen worden sind. Viele Leser vermissen kritische Analysen und nachdenkliche Elemente, die für den Freitag bisher charakteristisch waren.

Stimmen zum Freitag

„Der Freitag ist heute die gescheiteste deutsche Wochenzeitung - klein, aber unverwechselbar souverän, bisweilen angenehm anachronistisch.“

Heribert Prantl, in: Süddeutsche Zeitung, Deutschland Archiv, 5/2004.

„Nach meinem Eindruck hat sich die Gesellschaft im staatlich zusammengeschlossenen Deutschland weit nach rechts hin entwickelt. Was unter den Blättern der alten Bundesrepublik einstmals linksliberal war, ist neoliberal geworden; manches auch deutschnational. Die Politik im Land und die Darstellung und Diskussion in den Medien hat Schlagseite. Ob es hilft, dass sich der Freitag dagegen stemmt? Die Zweifel daran, die mich gelegentlich befallen, können meine Absicht nur bestärken, den Freitag im Dagegen-Sein zu unterstützen.“

Günter Gaus (2001)

„Der Freitag war manchmal ganz schön weit draußen. Jetzt kreuzt er wieder in Sichtweite der Küste.“

Jakob Augstein (2008)[10]

Literatur

  • Lutz Herden (Hrsg.): Ernstfall Einheit – 15 Jahre Freitag. Ein Dokument der Zeitgeschichte, der politischen und journalistischen Vitalität von 1990 bis 2005. Edition Freitag, Berlin 2005, ISBN 3-936252-05-X.

Weblinks

Fußnoten

  1. Freitag Archiv: „In eigener Sache: Ein starkes Zeitungspublikum“, Freitag online vom 05. Januar 2007
  2. Freitag Archiv: „Was nennen Sie links?“, JUBILäUM II : Günter Gaus im Gespräch mit Alexander Kluge (1993)
  3. Wilhelm Brüggen: „Ein gut bestelltes Haus“, Freitag Nr. 22 vom 30. Mai 2008
  4. Wilhelm Brüggen: „Ein gut bestelltes Haus“, Freitag Nr. 22 vom 30. Mai 2008
  5. Kress.de: „Kress Profil "Jörn Kabisch"“, In der Personendatenbank KressKöpfe
  6. Kress.de: „Kress Profil "Detlev Hustedt"“, In der Personendatenbank KressKöpfe
  7. Bezahlte Auflage seit 1998 nach den Zahlen der IVW
  8. Nach den Zahlen der IVW seit 1998
  9. Freitag Nr. 49 vom 5. Dezember 2008 S. 12 „Tagebuch“
  10. a b Die Welt: Zurück zu den Wurzeln. 29. Dezember 2008
  11. Fast verdreifachte Redakteurszahl, verfünfzehnfachte Verkaufsstellen zum Relaunch... in "journalist" 2/2009, S.30/33

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