Adjutus
Josephus Adjutus auf einem Holzschnitt von 1647 von Johann Michael Dilherz

Josephus Adjutus (* um 1602 in Mosul; † 21. Mai 1668 in Wittenberg) war ein Theologe.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Josephus Geburtsstadt Mosul im heutigen Irak steht nach biblischer Geographie für die altmesopotamische Stadt Ninive. Er selbst stammte offenbar aus einer Familie katholischer Chaldäer. Verwandte sandten ihn nach dem Tod seiner Eltern 1606 zur Erziehung nach Jerusalem. Bis 1613 wurde er in Palästina in einem Kloster der Minoriten erzogen und kam dann nach Neapel, wo er Aufnahme in einem Franziskaner-Orden fand. Durch seine fortgesetzten Studien wurde er Diakon und 1632 unter Papst Urban VIII. zum Presbyter erhoben. Fünf Jahre später (1637) erwarb er unter dem Ordensgeneral J. B. Bernardicelli den Titel eines Doktors der Theologie am Collegium Bononiensis in Bologna, wo er den Namen „Hugo Maria“ gebrauchte. Über Wien, Prag und Dresden zog er nach Wittenberg, wo er das „neue Jerusalem“ erleben wollte. Vor allem in Wittenberg wandte er sich gegen die katholische Kirche.

So hielt er am 23. Oktober 1643 im Großen Auditorium der Wittenberger Universität seine „Oratio-revocatoria“, eine Erklärung der Abkehr von der römischen Kirche, der er schon auf dem Deckblatt des Druckes Irrtümer in der Lehre und schmähliche Sitten vorwarf. In dieser Rede prangerte er an, dass die römische Kirche behaupte, die Heilige Schrift enthalte nicht alles, was zum Heile nötig sei. Die Kirchenoberen der damaligen Zeit behaupteten, dass alle Geheimnisse des Glaubens und das Übrige, das zu glauben und zu wissen nötig ist, bei ihrer Kirche bewahrt werde und im Herzen ihres Papstes aufgezeichnet sei. Deshalb könnten ihre Kirche und ihr Papst die Heilige Schrift vervollständigen und vollenden, da diese nicht hinreichend die ganze Belehrung zur Erreichung des Zieles, nach dem die Gläubigen streben, umfasse. Demgemäß betrachtete die Kirche es als ihre Aufgabe, die Schrift zu vervollständigen und die übrigen Geheimnisse des Glaubens zu erforschen und zu untersuchen.

Josephus warf der römischen Kirche vor, diese Ansichten in ihren Verordnungen zu verbreiten und beklagte, dass die Menschen mit solcher Ehrfurcht zur Spitze des Apostolischen Stuhles emporblickten, dass sie einen beträchtlichen Teil der Lehre der Heiligen und der alten Einrichtung der christlichen Religion mehr vom Munde des Papstes, als von der heiligen Schrift und den Überlieferungen der Väter zu erlangen suchten. Das Wollen und das Nichtwollen des Papstes stehe im Mittelpunkt der kirchlichen Lehren und die Menschen würden ihren Lebenswandel nach seinem Urteil ausrichten. Weiterhin würden päpstliche Beschlüsse dem überlieferten Wort Gottes vorgezogen. Jenes beschuldigt der Papst nicht nur der Unvollkommenheit, der Zweideutigkeit und der Dunkelheit, sondern er zeichnet es auch als Quelle von Irrtümern, als Stein des Anstoßes.

Der katholischen Kirche, der Adjutus bis dahin gefolgt war, warf er drei Hauptsünden vor:

  1. Die Verachtung der heiligen Schrift
  2. Die Beschuldigung des Irrtums der katholischen Kirche
  3. Die Tyrannei der Kirchenoberen

Diese harsche Kritik an der katholischen Kirche kam den Wittenbergern und dem sächsischen Hof gelegen und Adjutus wurde an der Wittenberger Universität aufgenommen, wo er den Lehrstuhl eines Professors für Theologie erhielt. Er blieb bis zu seinem Tod in der Stadt.

Werkauswahl

  • Oratio de potestate episcopi Josefi Adjuti. Wittenberg 1646
  • Serenissimo et potentissimo principi ac domino: Domino Frideresco Wilhelmo, Marchioni Brandenburgensis. Wittenberg 1650

Literatur

  • Burchard Brentjes: Josephus Adjutus, der Chaldäer zu Wittenberg. In: Wissenschaftl. Zeitschr. d. Martin-Luther-Univ. Halle-Wittenberg: Ges.- u. sprachwissenschaftl. R.. Band 26, 1977, Heft 4, S. S. 131–138.
  • Heinrich Kühne und Heinz Motel: Berühmte Persönlichkeiten und ihre Verbindung zu Wittenberg. Verlag Göttinger Tageblatt, 1990, ISBN 3924781176

Weblinks


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