Adlernest
Kehlsteinhaus
Kehlsteinhaus
Lage am Kehlstein; Bayern, Deutschland; Talort: Berchtesgaden
Gebirgsgruppe Berchtesgadener Alpen
Geographische Lage 47° 36′ 40″ N, 13° 2′ 30″ O47.61111111111113.0416666666671820Koordinaten: 47° 36′ 40″ N, 13° 2′ 30″ O
Höhenlage 1.820 m ü. NN
Kehlsteinhaus (Bayern)
DEC
Kehlsteinhaus
Betreiber Norbert Eder
Erbaut 1938/39
Hüttentyp Berggasthaus; Massiv
Erschließung Kehlsteinstraßen, Kehlsteinlift, Kehlsteinfußweg
Geöffnet Anfang/Mitte Mai bis Mitte/Ende Oktober
Beherbergung keine
Weblink www.kehlsteinhaus.de
Hüttenverzeichnis DAV
Eingang zum Kehlsteinlift

Das Kehlsteinhaus ist ein Berggasthaus auf 1.820 m ü. NN am Kehlstein (1.834 m ü. NN) in den Berchtesgadener Alpen, Landkreis Berchtesgadener Land, Bayern (Deutschland).

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage

Das Kehlsteinhaus wurde knapp unterhalb des Kehlsteingipfels auf einem Bergsporn errichtet, der aus der Perspektive der ehemaligen Kleinen Reichskanzlei im Bischofswieser Ortsteil Stangaß als höchster Punkt erscheint. Der Kehlstein ist ein dem Hauptmassiv des Gölls (2.522 m ü. NN) westlich vorgelagerter Gipfel östlich von Berchtesgaden. Nördlich und westlich des Kehlsteins befinden sich Ober- und Untersalzberg.

Ausstattung und Baukosten

Das Kehlsteinhaus besteht aus Arbeits-, Speise-, Wohn-, Wach- und Ruhezimmer, Küche, Waschräumen und einem großen Keller. Im Teeraum wurde der Untersberger Marmor, ein Kalkstein vermauert. Der Carrara-Marmor des Kamins wurde von Mussolini gestiftet. Besonders beachtenswert sind die ganz mit Zirbelholz verkleideten Wände des Scharitzkehlstüberls.

Die Baukosten beliefen sich damals auf rund 30 Millionen Reichsmark. Nach heutigem Wert betragen die Baukosten etwa 150 Millionen Euro. Das Haus war nach einer Bauzeit von einem Jahr fertiggestellt.

Erschließung

Kehlsteinstraße

In Hintereck (970 m ü. NN) am Obersalzberg beginnt die 1938 nach 13 Monaten Bauzeit fertiggestellte, 6,5 km lange Kehlsteinstraße. Sie überwindet den Höhenunterschied von etwa 700 Metern größtenteils über die aussichtsreiche Südseite des Kehlsteins mit Hilfe von fünf Tunnels (von unten nach oben: Reck-, Martinswand-, Gams-, Hirsch- und Schwalbennesttunnel) und endet bei einem großen Buswendeplatz (1.696 m ü. NN) nördlich unterhalb des Kehlsteinhauses. Die Straße ist für den motorisierten Individualverkehr und für Radfahrer und ab dem großen Wegekreuz am Klingereckboden (1.115 m ü. NN) auch für Fußgänger gesperrt. Über die Nordseite führt vom Ofnerboden (1.150 m ü. NN) eine weitere, die etwas schmälere, etwa 4 km lange Dalsenwinkelstraße ebenfalls hinauf zum Buswendeplatz. Sie quert kühn die steile Nordwand des Kehlsteins und kann von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden.

Beide Straßen sind asphaltiert. Sie entspringen im unteren Bereich einem weitläufigen, auch heute noch fast durchgängig geteertem Wegenetz zwischen der Scharitzkehlalm im Süden und der Roßfeldhöhenringstraße im Norden. Dazu zählen die Endstalstraße, die Ligeretstraße, die Salzwandstraße, die Ofnerbodenstraße und die Kehlalmstraßen. Das gesamte Wegenetz ist für den motorisierten Verkehr gesperrt.

Kehlsteinlinie

Die Kehlsteinstraße darf nur von den Bussen der Kehlsteinlinie befahren werden. Betrieben wird die Linie von der Regionalverkehr Oberbayern GmbH (RVO) mit Hilfe von Spezialbussen (Motorleistung, Getriebe und Bremsen verändert) während der Sommermonate.

Kehlsteinlift (Kehlsteinaufzug)

Vom Buswendeplatz führt ein schmaler geteerter Fußweg in mehreren Serpentinen hinauf zum Kehlsteinhaus, zuletzt über mehrere Steinstufen. Bequemer ist die Auffahrt mit dem Kehlsteinlift, einem 124 m hohen Aufzug, der direkt im Vestibül des Kehlsteinhauses endet. Die Auffahrt im Berginneren dauert nur ganze 41 Sekunden. Den Eingang zum Aufzug bildet ein Tor aus Granitquadern, das in einen ebenfalls 124 m langen und 3 m hohen Tunnel führt. Der Aufzug selbst ist verspiegelt und mit Messing verkleidet. Die gepolsterten Sitzmöglichkeiten bleiben aufgrund des hohen Besucheraufkommens normalerweise hochgeklappt.

Kehlsteinbetriebe

Das Kehlsteinhaus und dessen wirtschaftlich genutzter Umgriff mit Kehlsteinstraße, Kehlsteinlinie und Kehlsteinlift werden heute unter dem Begriff Kehlsteinbetriebe zusammengefasst.

Geschichte

Ab 1934 richtete die NSDAP am Obersalzberg ein „Führersperrgebiet“ ein. Bis zum Kriegsende umfasste es ein sieben Quadratkilometer großes Areal, das sich von der Tallage Berchtesgadens bis zum Kehlsteingipfel erstreckte, wo unter der Leitung von Martin Bormann das Kehlsteinhaus von Architekt Roderich Fick geplant und gebaut wurde. Es wurde damals Teehaus (2. Teehaus), D-Haus (Diplomatenhaus) oder T-Haus (Haus T) genannt. Es ist strittig, welche der drei Versionen richtig ist. Die Amerikaner tauften es nach Kriegsende Eagle's Nest.

Zum Einsatz kamen vor Kriegsbeginn vor allem deutsche, später auch tschechische und italienische Facharbeiter. Das Kehlsteinhaus wurde im Namen der NSDAP Adolf Hitler zu seinem 50. Geburtstag (1939) geschenkt. Unter anderem war es zur Bewirtung von offiziellen Gästen gedacht. Hitler selbst war nur etwa zehn Mal (die Zahlen schwanken zwischen fünf und dreizehn Mal) zu Besuch auf dem Kehlsteinhaus, da ihm die Ausflüge dorthin zu lang und riskant waren. Vor allem kritisierte er, dass der Aufzugsschacht nicht sicher gegen Blitzeinschläge sei; auch einem Überraschungsangriff der Alliierten mit Bombern wäre man schutzlos ausgeliefert gewesen.

Beim Fliegerangriff von britischen Lancaster-Bombern auf den Obersalzberg am 25. April 1945 war das Kehlsteinhaus eines der Ziele. Es wurde jedoch aufgrund der exponierten Lage im Hochgebirge nicht getroffen.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Führersperrgebiet am 4. Mai 1945 kampflos den Amerikanern übergeben, die es zum militärischen Sperrgebiet erklärten. Das Kehlsteinhaus wurde beschlagnahmt und am 1. April 1946 förmlich unter Kontrolle genommen (Aktenzeichen Y Co-1255-77). Am 17. Februar 1949 ging das Kehlsteinhaus an den Freistaat Bayern über (Übertragungsurkunde Nr. 1259/V, Kontrollratsdirektive Nr. 50). Rückwirkend zum 20. Juni 1948 wurde es am 18. Juli 1949 der Bayerischen Allgemeinen Finanzverwaltung, vertreten durch das Finanzamt Berchtesgaden, übertragen. Bis 1951 blieb es aber von den Amerikanern weiter beschlagnahmt.

Im Frühjahr 1951 gingen die Kehlsteinstraße und die Dalsenwinkelstraße in die Zuständigkeit der bayerischen Verwaltung über und am 12. Juni 1951 erhielt der Landkreis Berchtesgaden das Alleinbenutzungsrecht an diesen Straßen. Der Landkreis verpflichtete sich zur Einrichtung eines Linienverkehrs auf der Kehlsteinstraße und zur Übernahme der Instandsetzungskosten und des laufenden Unterhalts. Der Betrieb der Buslinie wurde zunächst der Deutschen Bundespost übertragen, am 19. Januar 1956 dann dem damaligen Fremdenverkehrsverband des Berchtesgadener Landes.

Der Landkreis bemühte sich derweilen um den Erhalt des Kehlsteinhauses. Durch den unermüdlichen Einsatz vor allem des damaligen Landrats Karl Theodor Jacob konnte die vom bayerischen Kabinett geplante Sprengung des Hauses verhindert werden. Im Februar 1952 wurde das Kehlsteinhaus mit Einverständnis der Amerikaner vom Freistaat Bayern an die Sektion Berchtesgaden des Deutschen Alpenvereins verpachtet.

Auf Initiative des Landrats Theodor Jacob brachte der Freistaat Bayern im Jahre 1960, anlässlich der 150-jährigen Zugehörigkeit der ehemaligen Fürstpropstei Berchtesgaden zu Bayern, den Nießbrauch an den Kehlsteinbetrieben in die Berchtesgadener Landesstiftung, im Volksmund Kehlsteinstiftung, ein. Die Erlöse der Stiftung kommen gemeinnützigen Zwecken im Landkreis Berchtesgadener Land zugute.

Eine Ausstellung im Haus arbeitet die Geschichte auf.

Tourismus

Das Kehlsteinhaus ist heute Anziehungspunkt vieler Ausflügler. Insbesondere amerikanische Gäste werden vom Eagle's Nest und dessen Mythos, der in der „braunen“ Vergangenheit begründet liegt, angezogen.

Für heutige Urlauber bietet das Kehlsteinhaus einen leicht zu erreichenden grandiosen Panoramablick über die Berchtesgadener Alpen. Vom Hohen Göll mit seiner Westwand kann der Blick über den Königssee, den Watzmann, den Hochkalter, den Untersberg bis nach Salzburg schweifen. Im Kehlsteingärtchen oberhalb des Kehlsteinhauses findet sich, teils mit Erklär-Täfelchen erläuterte, Alpenflora, unter anderem auch seltenere Pflanzen, die unter strengem Naturschutz stehen.

Der Kehlstein ist Ausgangspunkt für eine Tour über den Mannlgrat - ein Klettersteig, der direkt am Ende des Rundwegs beginnt und zum Gipfel des Hohen Gölls führt.

Über die Wintermonate ist das Kehlsteinhaus geschlossen (etwa November bis April).

Blick vom Anstieg zum Hohen Göll auf Mannlgrat und Kehlstein

Aufstieg

  • Vom Parkplatz Ofnerboden (1.150 m ü. NN) an der Roßfeldhöhenringstraße über die Dalsenwinkelstraße (leichte Wanderung, ca. 2 Stunden), auch für Mountainbike geeignet
  • Vom Parkplatz Ofnerboden über den Postensteig (mäßig schwierig)
  • Vom Parkplatz Sonneck an der Bergstation der Obersalzbergbahn (leichte Wanderung, ca. 2½ Stunden)
  • von der Scharitzkehlalm über die Ligeretalm (leichte Wanderung, ca. 2 Stunden, nur außerhalb der Busbetriebszeiten!)
  • von der Scharitzkehlalm ins Endstal und dann über den Steftensteig (schwierig, teilweise versichert, ca. 2½ Stunden)
  • Vom Purtscheller Haus oder dem Carl-von-Stahl-Haus über den Mannlgrat (schwierig, Klettersteig Kategorie B, nur mit Klettersteigausrüstung zu begehen!)

Literatur

  • Florian M. Beierl: Geschichte des Kehlsteins. Ein Berg verändert sein Gesicht. 1993 (2002 in 6. Auflage). ISBN 978-3-922-59081-1
  • Michael E. Seerwald: Hitlers Teehaus am Kehlstein. Gipfel der Macht? Geschichte in Bildern und Dokumenten. 2007. ISBN 978-3-929-82506-0

Weblink


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