Adlwang
Adlwang
Wappen von Adlwang
Adlwang (Österreich)
Adlwang
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Oberösterreich
Politischer Bezirk: Steyr-Land
Kfz-Kennzeichen: SE
Fläche: 17 km²
Koordinaten: 47° 59′ N, 14° 13′ O47.98333333333314.216666666667422Koordinaten: 47° 59′ 0″ N, 14° 13′ 0″ O
Höhe: 422 m ü. A.
Einwohner: 1.685 (1. Jän. 2011)
Bevölkerungsdichte: 99 Einwohner je km²
Postleitzahl: 4541
Vorwahl: 07258
Gemeindekennziffer: 4 15 01
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchenplatz 5
4541 Adlwang
Website: www.adlwang.at
Politik
Bürgermeister: Franz Hieslmayr (ÖVP)
Gemeinderat: (2009)
(19 Mitglieder)
12 ÖVP, 3 SPÖ, 3 FPÖ, 1 BZÖ
Lage der Gemeinde Adlwang im Bezirk Steyr-Land
Adlwang Aschach an der Steyr Bad Hall Dietach Gaflenz Garsten Großraming Laussa Losenstein Maria Neustift Pfarrkirchen Reichraming Rohr im Kremstal Schiedlberg Sierning Steyr Sankt Ulrich bei Steyr Ternberg Waldneukirchen Weyer Wolfern OberösterreichLage der Gemeinde Adlwang im Bezirk Steyr-Land (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Adlwang ist eine Gemeinde im Traunviertel mit 1685 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2011). Der zuständige Gerichtsbezirk ist Steyr.

Adlwang ist einer der ältesten Marien-Wallfahrtsorte Oberösterreichs. Hauptsehenswürdigkeiten sind die Kirche in der Ortsmitte und der Heilige Brunnen. An den ersten drei Wochenenden im Oktober findet jährlich der traditionsreiche „Adlwanger Kirtag“, der auch als „Drei goldene Samstagnächte“ bekannt ist - statt.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Adlwang liegt im Südosten von Oberösterreich, südlich von Bad Hall und westlich von Steyr. Die Ausdehnung der Gemeinde beträgt von Nord nach Süd 4,5 km, von West nach Ost 6,9 km. 15,9 % der Fläche sind bewaldet, 73,5 % landwirtschaftlich genutzt.

Katastralgemeinden sind Adlwang, Emsenhub und Weißenbach. Weitere Ortsteile der Gemeinde sind Eggmayr, Möderndorf, Mandorf und Mühlgrub.

Nachbargemeinden

Pfarrkirchen bei Bad Hall Bad Hall
Nußbach (Oberösterreich) Nachbargemeinden Waldneukirchen
Grünburg

Geschichte

Ursprünglich im Ostteil des Herzogtums Bayern liegend, gehörte der Ort seit dem 12. Jahrhundert zum Herzogtum Österreich. Seit 1490 wird er dem Teilfürstentum 'Österreich ob der Enns' zugerechnet. Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach besetzt. Seit 1918 gehört der Ort zum Bundesland Oberösterreich. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum „Gau Oberdonau“. Nach 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs.

Frühe Besiedelung

Seit wann die Gegend um Adlwang besiedelt ist kann nicht mit Exaktheit bestimmt werden.

Bevölkerungs-
entwicklung
Datum Einwohner
1869 986
1880 910
1890 947
1900 1.016
1910 1.022
1923 1.001
1934 1.014
1939 992
1951 1.133
1961 982
1971 1.106
1981 1.230
1991 1.379
2001 1.576
2011 1.685

Obwohl Lochbeilfunde und römische Münzen in der Region nachgewiesen sind, gibt es nichts was aus frühzeitlicher Besiedlung übrig geblieben wäre. Der heutige Ort Adlwang gehörte jedoch schon zum ersten Staatsgebilde auf österreichischen Boden, dem keltischen Norikum und wurde später von den Römern besetzt. Nach dem Abzug der römischen Truppen und der Völkerwanderung, die auch die ehemalige römische Provinz betraf, wurde die Gegend von den Baiern besetzt. Diese dehnten ihren Einflussbereich ausgehend vom heutigen Bayern Richtung Osten hin aus. Die Bayrische Landnahme wurde in dieser Region durch die Gründung des Klosters Kremsmünster im Jahr 777 vollzogen. Herzog Tassilo III. schenkte dem Kloster Land, darunter auch die Gegend um den Sulzbach, in der Absicht die Region zu kolonialisieren, zu christianisieren und die Menschen zu seinen Untertanen zu machen.

Das Kloster Kremsmünster übte in der Geschichte großen Einfluss auf Adlwang aus, die sich dadurch ausdrückt, dass Adlwang immer schon von Kremsmünster aus seelsorglich betreut wird und damit das Kloster lange Zeit Grundherr in Adlwang war. 1095 findet sich in der Chronik des Klosters Garsten die Eintragung: „der hl. Tiemo (damals Erzbischof v. Salzburg) weihte eine Kirche in der Gegend von Hall“. Diese Aussage wird auf Adlwang bezogen und diese heute oft als erste Erwähnung angenommen. Was der Grund war, in Adlwang eine Kirche zu errichten und was den berühmten Erzbischof von Salzburg dazu bewegt hat eine Kirche hier zu weihen, ist heute ungewiss.

Eine alte Legende berichtet von einer schönen Jungfrau, die oftmals bei einem Brunnen gesichtet wurde. Diese Legende wird schon im Mirakelbuch von 1683 von P. Gotthard Freyd beschrieben, wo Adlwang auch als uralter Marienwallfahrtsort erwähnt wird. Um diese Zeit wird auch ein Adelssitz vermutet, da der Name „Heinrich von Adlwang“ in einigen Urkunden als Zeuge auftaucht. Den ersten felsenfesten schriftlichen Beweis für die Existenz Adlwangs, zumindest für die der Kirche, liefert die Pfarreinteilung des Stiftes im Jahr 1330, wo beschrieben wird, dass Adlwang Teil der Pfarre Pfarrkirchen und Eigentum des Klosters von Kremsmünster ist.

Entstehung als Wallfahrtsort

Dass Adlwang schon sehr früh ein beliebter Marienwallfahrtsort war, zeigt eine Stiftung, die die Herren von Rohr um ca. 1300 machten. Durch die hohe Zahl an Wallfahrern gelang es dem Abt den Papst von einem Ausbau der Kirche in Adlwang zu überzeugen. Papst Eugen IV. stellte im Jahr 1431 einen Ablassbrief mit der Gültigkeit von 20 Jahren für das Gotteshaus in Adlwang aus. Dies trieb die Zahl der Wallfahrer weiter nach oben und bewirkte so eine erste Blütephase der Wallfahrt. Von dieser Kirche ist heute noch die Westwand erhalten, in der man im 20. Jahrhundert ein gotisches Portal freilegte. Das zeigt, dass die Kirche zumindest in der Länge schon annähernd dasselbe Ausmaß hatte wie im 15. Jahrhundert. Da die Kirche jedoch wieder zu klein wurde, baute man am Beginn des 16. Jahrhunderts das Presbyterium nach dem Vorbild der Donauschule, heute ein beliebtes Postkartenmotiv und Identifikationsbild für Adlwang.

Da die Kirche in St. Blasien Reliquien des heiligen Blasius von Sebaste beherbergt, der nach der Legenda aurea einem jungen Mann, der sich an einer Fischgräte verschluckte, vor dem Ersticken rettete, galt im Mittelalter der dort empfangene Blasiussegen als Schutz gegen Halsleiden wie z. B. die Diphtherie.[1]

Reformation und Bauernkriege

In der folgenden Periode der Reformation wurden die Menschen in dieser Region evangelisch und es brachen Bauernaufstände aus. Als im Jahr 1596 Bauernunruhen beginnen, war ein Adlwanger maßgeblich daran beteiligt. Wolf Ackerlhaider ist als Rädelsführer in einen Aufstand verwickelt der am 7. Oktober 1596 in der Gegend um Steyr niedergeschlagen wurde. Ackerlhaider floh in die Steiermark, wurde später festgenommen, zum Tode verurteilt und in Gmunden 1599 mit dem Schwert hingerichtet.

Adlwang als Superoriat

Wallfahrtskirche Adlwang. Im Vordergrund die Trachtenmusikkapelle Adlwang.
Andachtsbild, Wallfahrt Adlwang, um 1860

Nach der Niederschlagung der Bauernaufstände begann die Zeit der Gegenreformation, da der oberste Landesherr ein katholisches Land wollte. Dies führte zu einer besonderen Förderung des Wallfahrtswesens in Adlwang durch die Kremsmünsterer Mönche. 1653 wurde das Kirchenschiff neu gebaut. Seit dieser Zeit besteht die Kirche im Wesentlichen in der Form, in der wir sie heute kennen. In diese Periode fallen auch die Adlwanger Mirakelbücher, die neben einer Sammlung von Wundern durch die Adlwanger Madonna auch Angaben über die Geschichte Adlwangs enthält. Der Wallfahrtskult steigerte sich, bis er im Barock seinen absoluten Höhepunkt erreichte. 1696 überstieg die Zahl der jährlichen Messen die 1000er-Grenze, was dazu führte dass Adlwang im Jahr 1700 zum Superoriat erhoben wird und damit den Status eines großen Wallfahrtsortes erhält.

In dieser Zeit wird Adlwang als „Mariazell von Oberösterreich“ beschrieben und ist der bedeutendste Wallfahrtsort im Lande ob der Enns. Adlwang hatte in der Regel vier Priester. Dies führte dazu, dass man den Pfarrhof in seiner jetzigen Größe baute. Es wurden in der Zeit des Superoriates von 1700–1784 2,7 Millionen Kommunikanten gezählt. Priester aus der näheren und weiteren Umgebung hielten Messen in Adlwang. Nicht nur aus allen Teilen des Reiches, sondern auch aus Russland, Rom und Jerusalem kamen Priester. Man plante sogar eine vollkommen neue Kirche in Adlwang zu errichten, Baumaterial und Bauplatz waren schon vorhanden, aber ein Rechtsstreit mit der Herrschaft Hall verhinderte den Baubeginn. Seit 1778 verfügt Adlwang auch über eine Trivialschule, was in etwa einer Volksschule entspricht, obwohl es schon vorher bescheidenen Unterricht gab. Zur weiteren Verstärkung des Wallfahrtskultes haben noch 2 Dinge beigetragen. Zum einen wurde ein Bild, das des kreuztragenden Heilands beobachtet wie es Blut geschwitzt haben soll, was in Expertengutachten auf einen nicht natürlichen Ursprung zurückgeführt wurde. Zum anderen wurde Adlwang von der Pest verschont, die damals im ganzen Land verbreitet war und sogar Mariazell zur zeitweiligen Schließung zwang.

Joseph II. und der Widerstand gegen die Aufklärung

Als mit Joseph II. das Zeitalter der Aufklärung in den Verwaltungsanordnungen anbrach wurde versucht den Wallfahrtskult von staatlicher Seite auszulöschen. Da sich Kloster und das einfache Volk nicht an die Anordnungen hielten, wurden Pfarrer und Abt abgesetzt. Da aber der gewünschte Erfolg nicht eintrat, versuchte die Obrigkeit sich mit drastischeren Maßnahmen durchzusetzen. Adlwang wurde der Status des Superoriates entzogen, indem es zu einer eigenen Pfarre gemacht wurde, was bewirkte, dass nur noch ein Priester in Adlwang sein durfte. Per Regierungsdekret vom 3. Februar 1789 wurde verordnet, dass die Gnadestatue durch ein Bild ersetzt werden musste. Der Pfleger von Hall, zu dessen Herrschaft Adlwang gehörte, reiste mit Gerichtsdienern an, um die Verordnung umzusetzen. Da sich der Bischof von Linz nur in Beschwichtigungsversuchen übte, ging zu Ostern 1790 in Adlwang die Geduld zu Ende. In einer Beschreibung heißt es: „Die Weiber von Adlwang (…) waren in die Kirche eingedrungen, rissen das neue Altarblatt herab und stellten das alte Gnadenbild wieder an seine Stelle.“ Joseph II. starb 1790, so dass die Geschichte keine Fortsetzung fand, denn sein Nachfolger Leopold II. hatte andere Sorgen. 1809 wurde Oberösterreich zum Schauplatz der napoleonischen Kriege. In der Schlacht bei Ebelsberg unterliegen die österreichischen Truppen dem französischen Heer unter Napoleon. Wie weit Adlwang vom napoleonischen Feldzug durch Oberösterreich betroffen war lässt sich nicht genau sagen, P. Richter, Pfarrer von Adlwang sorgte jedenfalls für „die Beseitigung der Schäden durch den Einfall der Franzosen“. Seit dem 19. Jahrhundert ist auch der Brauch der goldenen Samstagnächte, zu Beginn ein reines Wallfahrtsereignis, bekannt. Papst Pius IX. gewährte jeden, der Adlwang zu den goldenen Samstagnächten besucht einen vollkommenen Ablass.

Adlwang setzt sich als eigenständige Gemeinde durch

P. Lambert Guppenberger

Das kleine Dorf Adlwang erfährt im 19. Jahrhundert einen anhalten Aufschwung, der zum Wachstum des Ortskernes beitrug. 1871 wird in Adlwang ein Postamt eingerichtet, es besteht eine Brückenwaage im Zentrum und eine Molkerei wird in der Greilmühle gegründet. 1894 wird die Freiwillige Feuerwehr, die zuvor nur als lose Gruppe bestand, gegründet und im selben Jahr ein Feuerwehrhaus gebaut. Adlwang war zu dieser Zeit auf mehrere politische Gemeinden aufgeteilt und hatte keine eigene Verwaltung. Da sich die Meisten jedoch als Adlwanger identifizierten und hier den Mittelpunkt ihres Lebens sahen, gab es das Bestreben eine eigene Gemeinde zu werden. Dass diese Versuche zu Beginn nicht sehr erfolgreich waren, lässt sich darauf zurückzuführen, dass man in Wien massive Bedenken gegen diese Initiative aus der Provinz hatte. Letztendlich setzte sich jedoch eine Gruppe beharrlicher Adlwanger, unterstützt von P. Lambert Guppenberger, durch und erreichte, dass 1893 mehrere Steuergemeinden zu einer Ortsgemeinde zusammengefasst wurden und unter dem Namen Adlwang Teil des Bezirkes Kirchdorf wurden.

Erster Weltkrieg

1914 beginnt der Erste Weltkrieg, der auch Adlwang nicht verschont. Zahlreiche Männer müssen einrücken und an allen möglichen Fronten kämpfen. Viele von ihnen kehrten nicht mehr nach Hause zurück und hinterließen Löcher in den Familien. Die Gemeinde zeichnete Kriegsanleihen und verschuldete sich. Um die fehlenden Arbeitskräfte zu ersetzen werden 40 russische Kriegsgefangene nach Adlwang gebracht. Große Not macht sich in Adlwang breit und die Verteuerung nimmt rapide zu. Nach und während des Krieges wird auch Adlwang von Flüchtlingen und freigelassenen Kriegsgefangenen überflutet und die ausgehungerten Soldaten kommen, sofern sie noch leben nach Hause zurück. Mittlerweile hat sich in Österreich einiges verändert, da die Donaumonarchie zusammenbrach und die Republik Österreich ausgerufen wurde.

Zwischenkriegszeit

An dieser Stelle trat der wohl Berühmteste Adlwanger in das Licht der Geschichte. Michael Mayr, Sohn des Ferdlstraßergutes, der in Adlwang die Volksschule besuchte und Universitätsprofessor in Innsbruck war, wurde Bundeskanzler einer Übergangsregierung und war Mitbegründer der österreichischen Bundesverfassung. Die Probleme seiner Zeit, der Abwehrkampf in der Steiermark, zwangen ihn zum Rücktritt. Seiner Aufgabe als Nationalrat konnte er sich leider nicht mehr lange widmen, da er 1922 beim Besuch seiner Schwester in Waldneukirchen an einem Schlaganfall starb. Der politische Umbruch 1914 führte auch in Adlwang zur Bildung politischer Gruppierungen, die seither die Geschicke der Gemeinde leiten.

Durch die Wirren der Wirtschaftskrise kommt es zu extremen Teuerungen, beispielsweise wurden die Gemeindeabgaben mehrmals um einige tausend Prozent erhöht. Trotz der wirtschaftlich extremen Bedingungen wird Adlwang an den öffentlichen Verkehr und das Stromnetz angeschlossen. Weiters wird zu dieser Zeit auch die Raiffeisenkasse und eine Zweigstelle der Sparkasse gegründet. Zusammen mit der Postsparkasse existieren damit drei Banken in Adlwang. Weiters besteht eine Gemeindekrankenkasse, ein Gemeindearmenhaus mit Pflegerin und ein Gendarmeriestützpunkt mit Arrest. Obwohl Adlwang vom Bürgerkrieg verschont blieb, ziehen die Ereignisse auch Adlwang in seinen Bann. Neben schwierigen politischen Verhältnissen bildet sich eine vaterländische Front, was später zu Schwierigkeiten führte.

Zweiter Weltkrieg

Kriegerdenkmal in Adlwang

Am 15. März 1938 besetzten 150 deutsche Soldaten Adlwang, alle Vereine werden aufgelöst, anstelle des Bürgermeisters tritt ein kommissarischer Leiter der Nationalsozialisten, der die Gemeinde die nächsten sieben Jahre leitet. Bei der Anschlussabstimmung wird nur eine einzige Nein-Stimme abgegeben. Der Pfarrvikar wird von der Gestapo verhaftet und in Linz festgehalten. Die Wallfahrt und die Kirche werden in dieser Zeit wieder zum politischen Streitthema. Den Pilgern ist es erst nach einer Petition an den Gauleiter in Wien möglich, wieder die Straße zu Fuß zu benützen. Wieder müssen Adlwanger als Soldaten in den Krieg ziehen, um an Fronten in ganz Europa zu kämpfen und erneut kommen viele nicht wieder nach Hause zurück. In Adlwang werden inzwischen 25 französische Kriegsgefangene einquartiert, die bei der Landarbeit mithelfen müssen.

Das Stift Kremsmünster wird von der Gestapo besetzt und unter Strafandrohung untersagt zum Besuch der Kirche zu animieren. Trotz eines behördlichen Verbotes werden zahlreiche Prozessionen in und nach Adlwang durchgeführt, was ein sechsmonatiges Betätigungsverbot der Musikkapelle zur Folge hat. Da sich die Musiker dem Verbot dennoch nicht unterwerfen, werden sie von der Kreisleitung verhört, die den Besitz der Kapelle beschlagnahmt und Leopold Höllhuber die Einlieferung ins KZ androht. Durch Intervention wird dies verhindert und er muss eine Geldstrafe auf sich nehmen. Weiters wird die Kapelle unter Aufsicht eines Parteimitgliedes unterstellt.

1944 kommen die ersten Flüchtlinge aus dem Osten nach Adlwang, wo Erdhütten errichtet werden. 1945 wird die Schule geschlossen und Flüchtlinge darin untergebracht, die in einem pausenlosen Zug gemeinsam mit Militär auch durch Adlwang ziehen. Weiters ist in Adlwang eine Verrechnungsstelle der Wiener Polizei und eine Wehrmachtseinheit untergebracht. Einen Zug des Grauens bilden ca. 800 Juden, die von Fürstenfeld nach Mauthausen getrieben werden. Diese hatten im Herzogwald ein Nachtlager, das für Viele ihr letztes wurde. In Adlwang versucht eine verhetzte Jugendgruppe, die „Wehrwölfe“ die Gewalt im Ort an sich zu reißen. Diese erschießen auch einen Studenten aus Wien, der die Sinnlosigkeit des Krieges eingesehen hatte. Am 5. Mai fahren ca. 300 amerikanische Fahrzeuge durch Adlwang und 200 Soldaten besetzten den Ort. Die NS-Strukturen werden wieder aufgelöst und die vorherige Gemeindeführung wieder eingesetzt. Langsam beruhigen sich die Zustände wieder und die Soldaten kehren nach Hause zurück.

Aufschwung und Wachstum nach 1945

Nach 1945 setzt ein kontinuierlicher Aufschwung ein, der den Bau öffentlicher Einrichtungen zulässt. Weiters beginnt in Adlwang in den 1960er Jahren eine verstärkte Siedlungstätigkeit im Ortskern. 1963 wird ein neues Feuerwehrhaus gebaut, welches später erweitert wurde. 1965 wurde das neue Amtshaus gebaut und der Ortsplatz umgestaltet und ausgebaut. In den Folgejahren wird die Schule erweitert und ein Kindergarten angebaut. Die Raiffeisenkasse, die Sparkasse und die Post errichten ebenfalls eigene Gebäude in Adlwang. 1978 wird mit der hessischen Gemeinde Engelrod eine Partnerschaft geschlossen, die bis heute anhält und der der „Englroder Brunnen“ gewidmet ist. 1980 wird das erste Styria-Wohnhaus gebaut und seinen Bewohnern übergeben. Heute stehen im Ortskern bereits vier Wohnanlagen dieser Größe. Für die bestehende Sportunion wird eine Sportanlage errichtet, die neben dem Fußball- und Trainingsfeld zwei Tennisplätze, 2 Asphaltstockbahnen und das Vereinshaus umfasst. 1988 wird die Bürgerhalle, das Veranstaltungszentrum für Adlwang und als Stiftung des Ehepaares Zeillerbauer vorgesehen war, fertiggestellt. Adlwang wird 1989 im Rahmen der Blumenschmuckaktion der Titel „Schönstes Dorf Oberösterreichs“ verliehen.

Politik

Bürgermeister ist seit 19. Januar 1995 Mag. Franz Hieslmayr von der ÖVP. Fraktionsobleute sind Mag. Erika Bohn (SPÖ) und Alois Baldinger (FPÖ).

Wappen

Blasonierung: Von Blau und Rot durch einen silbernen Balken geteilt; oben eine silberne, wachsende heraldische Lilie, unten sieben goldene, vier zu drei gestellte Kreuzchen. Die Gemeindefarben sind Blau-Weiß-Rot.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Gnadenbrunnen Adlwang.
Pfarrheim Adlwang.

Adlwang ist der älteste Marienwallfahrtsort Oberösterreichs.

  • Wallfahrtskirche „Sieben Schmerzen Mariae“ und Gnadenbrunnen Adlwang: 1330 erstmals urkundlich erwähnt. Sie zieht die Pilger aus ganz Österreich an. Spätgotischer Bau mit Westportal aus 1431–1451. Steinskulptur 'Gnadenbild Mariens' aus 1410–1420.
  • Kirche & Mesnerhaus St. Blasien
  • Eustachiusbrunnen
  • Nikolauskapelle
  • Kriegerdenkmal
  • Engelroderbrunnen
  • Vierkanter
  • Kleindenkmäler

Öffentliche Einrichtungen

Bildung

  • Volksschule Adlwang
  • Montessori Kinderhaus Adlwang: Hort und Kindergarten

Vereine

  • Trachtenmusikkapelle
  • Pfarrwanger Schuhplattler
  • Bienenzüchterverein
  • Kameradschaftsbund
  • Lederhos'n Klub
  • Landjugend
  • Goldhaubengruppe
  • Jägerschaft
  • Kirchenchor
  • Katholische Vereine
  • Politische Vereine
  • Sängerrunde

Sport

  • Verein Sportunion
  • Fußball
  • Tennis
  • Stocksport
  • Wandern
  • Laufen
  • Nordic Walking
  • Radfahren

Persönlichkeiten

Michael Mayr

Söhne und Töchter

  • Michael Mayr (1864–1922), Historiker und Politiker (Christlich Soziale Partei), 1920–1921 österreichischer Bundeskanzler der ersten Republik
  • Ludwig Nussbichler (* 1963), Komponist und Musikschuldirektor des Musikums der Stadt Salzburg

Personen mit Bezug zur Stadt

  • Joseph Maierlein, Heimatdichter, verbrachte die letzten Lebensjahre in Adlwang, wo sich auch sein Grab befindet
  • P. Lambert Guppenberger, Germanist und Historiker, 1882 - 1895 Pfarrer in Adlwang

Galerie

Literatur

  • Edmund Friess, Gustav Gugitz: Die Wallfahrten nach Adlwang im Lichte der Mirakelbücher (1620-1746), Verleger Österreichischer Bundesverlag, Wien 1951.
  • Karl Fallnit, Rudolf Schreglmann: 100 Jahre Gemeinde Adlwang, Verleger Gemeinde Adlwang, Adlwang 1993.
  • Reinhard Niederkrottenthaller: Kulturgüter und Gedenkstätten in Adlwang, Verleger Buchverlag Franz Steinmaßl, Adlwang 2011.

Einzelnachweise

  1. Winkle S.:Geißeln der Menschheit - Kulturgeschichte der Seuchen. 3. verbesserte und erweiterte Auflage. Artemis & Winkler Verlag, Düsseldorf, 2005 ISBN 3-538-07159-4

Weblinks


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